26.
April 2008: Der
Abfallwirtschaftsbetrieb hat mir heute mitgeteilt, dass er unsere Mülltonne
abholen will. Weil einer unserer Söhne ausgezogen ist, soll sie gegen eine
80-Liter-Tonne ausgetauscht werden, Termin: ab dem 6. Mai. Weil wir aber schon
seit dem letzten Herbst nur noch zu viert sind und ich dies nicht mitgeteilt habe,
würde dies eine Ordnungswidrigkeit darstellen. Ob ich jetzt Strafe zahlen
soll, bleibt ungewiss. Unsere Tonne, mittlerweile fast 10 Jahre an der
Hauswand, viele Male in den deutschen Zeitungen, zuletzt vor ein paar Wochen im
FOCUS und auch mehrmals im Fernsehen, wurde des öfteren schon als die berühmteste
Mülltonne Deutschlands bezeichnet. Sie ist gewissermaßen ein
Star ungewöhnlichen Formats, mit dem Namen dieser Website in Kalk-Kaseinfarbe
drauf gemalt. Doch jetzt soll sie so sang- und klanglos in irgendwelchen Lagern
oder Schreddern verschwinden, bzw. vielleicht nach Kasachstan als Entwicklungshilfe
geliefert werden, - eigentlich schade!! 19.
April 2008: Anfang
letzter Woche ist bei uns der neueste Abfallgebührenbescheid für
das Jahr 2008 ins Haus geschneit. Habe heute ein Widerspruchsschreiben
verfasst, es geht am Montag in die Post. Insgesamt ist dies der Widerspruch
Nummer 10. Da drei Widersprüche von der Kreisverwaltung nicht beantwortet
worden waren, könnte hieraus also der Prozess Nummer 7 entstehen.
12. April 2008: Zwei
Artikel in der TAZ zum Thema Altpapier: Gute Tonnen, böse Tonnen.
- Seit die Preise für Altpapier gestiegen sind, ist aus dem Abfall ein umkämpfter
Rohstoff geworden. Besonders hart wird im Emsland gekämpft. Artikel
Jeder Schnipsel zählt - Immer mehr Privatfirmen stellen kostenlos
Altpapiertonnen zur Verfügung. Gut für Haushalte und Umwelt oder der
Anfang höherer Müllgebühren? Artikel
5. April 2008: Wenn
die Grünen nicht mehr an der Regierung beteiligt sind, kommen von ihnen manchmal
echt fortschrittliche Konzepte. Man beachte unbedingt den Fraktionsbeschluss vom
11.12.2007: Eckpunkte einer grünen Wertstoffverordnung, als
PDF
24. März 2008: Zwei
Artikel auf Utopia.de: -- Über Müll
im Meer -- Über Müll
auf dem Mount Everest 17.
März 2008: Interview
zum Unsinn von biologisch abbaubaren Verpackungen, bzw zur Novellierung
der Verpackungsverordnung. Auf Utopia.de. 12.
März 2008: Zu
Thema Müll auf utopia.de : --- Artikel
von Utopiaredakteur Jan Abele und Carl Rheinländer --- Interview
der Utopiaredaktion mit Carl Rheinländer, dort auch kurzes Video zum Besuch
und zur Beratung 10.
März 2008: Hier
noch drei Hinweise zu Zeitungsartikeln zum Thema Müll. -- MDR.de über
Müllimporte aus Neapel, die geplante Verbrennung in Leipzig und den Müllimport
Deutschlands -- aus Welt.de, ebenfalls
über Müll aus Neapel -- Drei Artikel über Sondermüll
aus Australien, der bei Bayer verbrannt wird. Aus der Site von CBG e.V. (Coordination
gegen BAYER-Gefahren e.V.) 3.
März 2008: Ein
Zaun muss nicht aus Pfosten,
Querhölzern und Latten bestehen, auch nicht aus Maschendraht, Eisenstäben
oder Kunststoff. Er braucht überhaupt nicht aus totem Material zu sein, welches
man entweder verwittern lässt, oder regelmäßig reinigen und neu
streichen muss. Ein Zaun kann auch aus lebendem, saftdurchflossenem Holz bestehen,
welches in jedem Frühjahr neu austreibt, Blätter und Blüten zeigt,
und Jahr für Jahr kräftiger wird. Auch ein solcher Zaun muss gepflegt
werden, indem man ihm im Februar/März die Austriebe vom letzten Jahr zum
größten Teil abschneidet. Nur, - ein solcher Zaun erzeugt keinerlei
ökologische Schadkosten, weder bei der Herstellung, noch bei der Pflege,
und wird am Ende seiner Lebenszeit, die ein vielfaches von der eines gewöhnlichen
Zauns betragen kann, nicht zu Müll. Über
die Anlage und Pflege eines Weißdornzaunes: Ausführlich unter
www.zukunftslobby.de/zuloblog.html#zlog020308
(Beitrag vom 2.März) 1.
März 2008: Hatte
im vergangenen Monat einen Briefwechsel mit einem Vermieter. Dieser Mann bemüht
sich seit längerem darum, seine Mieter zu einem besseren Abfallbewusstsein
zu ermuntern. Er beklagt sich darüber, dass es sehr schwer sei, diese Leute
zum Trennen ihres Mülls zu bringen. Nur wenige der Mieter zeigten hieran
ein Interesse, während die Mehrheit sich meist völlig gleichgültig
verhielten. Da
seine Schilderungen wohl symptomatisch für die meisten Mietersituationen
in Deutschland sind, will ich hier die Problematik, wie ein abfallkritischer Vermieter
sie sieht, in Form eines Interviews wiedergeben. Dieses hat zwar nicht stattgefunden,
wäre aber wohl etwa so ausgefallen. RestmüllNet:
Herr Maier, Sie haben sich in der Vergangenheit mit der Abfallproblematik speziell
in Mietwohnungen beschäftigt. Frenger:
Ja, ich habe mich bemüht hier was zu erreichen, bin aber vorläufig am
Menschen oder besser gesagt am Mieter gescheitert. RestmüllNet:
Um wie viele Mietparteien geht es hier? Frenger:
Ich verwalte nebenbei ein Mehrfamilienhaus mit 21 Wohnungen. Dort gab es immer
3 St. 240 L Restmülltonnen und eine sog. Biotonne. Aus Beobachtungen war
mir klar, dass bestimmt 90% des Inhalts der Restmülltonnen dort nichts zu
suchen hat. Fast alles der 90 % sind Verpackungen, welche noch teilweise mit Küchenabfällen
versaut sind. RestmüllNet:
Was haben Sie dann unternommen? Frenger:
Ich habe kurzerhand das Volumen halbiert. Mit 80% der Mieter hätte es geklappt,
diese haben ihr Trennverhalten an das Behältervolumen angepasst. Der harte
Kern der 20% hat sich jedoch sogar an die Stadtverwaltung gewandt und diese um
"Hilfe" gebeten. Kurz gesagt, wollen nicht wenige Bürger schlicht
und einfach ihr "Grundrecht" auf die Produktion von Restmüll wahrnehmen.
Das ist jetzt kein Witz: Für manche Rentner ist der Gang zu Restmülltonne
oder "Biotonne" der Höhepunkt des Tages. Darauf will man nicht
verzichten. Jedenfalls habe ich nun (vorläufig) nach 6 Monaten Hick-Hack
aufgegeben. Die Tonnenkapazität wurde wieder verdoppelt. RestmüllNet:
Sie wurden also von der Verwaltung gestoppt, als sie etwas für mehr Abfalltrennung
und Müllvermeidung tun wollten, obwohl gerade diese öffentlichen Stellen
per Gesetz zu Abfallvermeidung und -verwertung aufgerufen sind? Frenger:
Weitgehend ist es wieder wie vorher, nur mit einem Unterschied: Die bekannten
trennwilligen "NULL-Restmüll Mieter" haben die Möglichkeit,
komplett auf die Restmüll- und Biotonne zu verzichten, weil sie keinen Schlüssel
zu den nun mit Schlössern versehenen Tonnen haben. Die Kosten werden nur
auf die wegwerffreudigen Mieter mit Schlüssel umgelegt. Die Kosten für
diese Mieter steigen dadurch. RestmüllNet:
Das ist aber sehr interessant, Sie haben in einem Mehrparteienhaus praktisch DAS
umgesetzt, was auch in der Wirklichkeit wünschenswert wäre: Wer bereit
ist, sorgfältig den Müll zu trennen, braucht auch nicht die Gebühren
zu bezahlen und wer dazu zu bequem ist, der zahlt. Frenger:
Jedenfalls habe ich zumindest bewiesen, dass man auch in Wohnanlagen das Restmüllaufkommen
radikal vermindern kann (wenn man will), auch wenn die Unterstützung der
Behörden gleich Null war. RestmüllNet:
Eine Hauptforderung unserer Initiative ist, dass alle Recycling- und Entsorgungskosten
individuell auf die Preise der jeweiligen Produkte aufgeschlagen werden sollen.
Dies ist leicht bezifferbar. Parallel könnte man dann alle Müllgebühren
ersatzlos abschaffen. Die Tonnen wären kostenlos, wie der gelbe Sack. Jeder
zahlte genau für DEN Müll, den er auch verursacht. Besonders in Mehrparteienhäusern
würde dies jede Unklarheit, Ungerechtigkeit und jede Bürokratie und
Verwaltungsaufwand beseitigen. Frenger:Nun,
die Sache ist im Mieterbereich vielleicht komplizierter als gedacht. Hinsichtlich
des Inhalts von Restmülltonnen ist Ihre Forderung nach Belegung der weggeworfenen
Stoffe bereits zu 95% erfüllt, denn die Restmülltonnen von Mehrfamilienhäusern
sind eben zu 95% mit Dingen gefüllt, für welche bereits etablierte Entsorgungssysteme
existieren, wie - Leichtverpackungen: Gelber Sack, Gelbe Tonne, Leichtverpackungscontainer,
- Biomüll: Biotonne oder Eigenkompostieren, - Elektroschrott, Batterien:
Wertstoffhof, - Papier und Pappe: Papiercontainer oder Papiertonne, - Glas: Fast
alle Glasverpackungen tragen den Grünen Punkt und können in die Container
geworfen werden, - Schuhe und Kleidung: Altkleidercontainer. Es besteht also
im Grunde so gut wie keine Veranlassung zur Vorhaltung einer Restmülltonne,
weil man 95% der Abfälle bereits jetzt auf anderem Wege entsorgen könnte. RestmüllNet:
Sie aber stellen fest, dass es bei vielen Leuten schlicht und ergreifend an der
Bequemlichkeit liegt, wenn dort Mülltrennung nicht praktiziert wird. Frenger:
Ja, leider ist es so, dass es einen harten Kern derer gibt, welche sich strikt
weigern ihren Müll zu trennen und den vorgesehenen Entsorgungspfaden zuzuführen.
Diese Leute möchten ihr Verhalten nicht ändern. Sie haben einen Eimer
in den sie alles hineinwerfen wollen. Da wird die Verpackung des Convenience
Foods mit den Resten des Thunfischsalats kurzerhand in diesen Behälter geworfen.
Darüber kommt dann die Pasta mit Tomatensoße , sowie die Tüte
vom Bäcker (darin waren die Butterbrezen vom Frühstück). Nur wenn
die Menge an Leichtverpackungen zu groß war und einfach nicht mehr zu handhaben
ist, wird man in Erwägung ziehen, den Gelben Sack zu benutzen (den man ja
bereits bezahlt hat). RestmüllNet:
Und diese Leute sehen es dann als einen Angriff auf ihre Bequemlichkeit, wenn
ihnen das Restmülltonnenvolumen eingeschränkt wird. Frenger:
Die von mir kurzzeitig umgesetzte Halbierung des Restmüllvolumens von 36
Liter/Restmüll*Wohnung auf 18 L hat nicht etwa Freude ausgelöst, sondern
wütende Proteste. Ganz besonders aggressiv war ein Rentnerehepaar, welches
dann später zusammen mit einem anderen älteren Ehepaar eine gemeinsame
80 L Tonne anmelden wollte (=40 L Restmüllvolumen/14 Tage*Wohnung). Wie können
zwei alte Leute 20 L Restmüll pro Woche erzeugen, wenn sie denn gleichzeitig
so perfekt trennen wie kein anderer im Haus (das behaupten Sie zumindest!)? Die
Leute machen sich sogar die Mühe und beschweren sich bei der Stadtverwaltung
über die "zu kleinen Restmülltonnen", worauf diese gleich
mehrere böse Briefe geschrieben hat. Für meine Bemühungen zur
Umlenkung der Stoffströme bin ich persönlich von allen Seiten nur abgewatscht
worden. a) interessiert die Leute in keiner Weise, was mit dem Müll passiert
(nur bequem und praktikabel muss es sein) und b) nicht einmal die Kosten sind
interessant. Über die Kosten reden die Leute nur dann, wenn sie nachzahlen
müssen. RestmüllNet:
Sie sind ziemlich sauer auf diese Leute. Frenger:
Seit Jahren versuche ich den Mietern beispielsweise auch die programmierbaren
Heizkörperthermostate nahe zu bringen. Ein kleiner Teil hat sich darauf eingelassen
und insbesondere Berufstätige sparen bis zu 50% Heizkosten (kein Witz). Anderen
ist das Thema Energiesparen komplett egal. Auch das weitgehend unabhängig
von Beruf und Bildung. Alles Reden und Überzeugen ist hier zum Scheitern
verurteilt. RestmüllNet:
Sehen Sie denn in der Änderung bestimmter Satzungen und Gesetze im Abfallbereich
eine Möglichkeit? Frenger:
Die Behörden müssten hier mit Verordnungen unterstützend eingreifen.
Wenn z.B. die Verwaltung nicht eine Mindestgröße an vorzuhaltender
Restmüllkapazität vorschreiben würde, sondern vielmehr eine Maximalgröße,
dann könnte man die Leute zwingen, etwa die Verpackungen in den Gelben Sack
und nicht mit Speiseresten versaut in den Restmüll zu kippen. Nur, mit
den tatsächlichen Interessen der Behörden ist das so eine Sache.
Wenn eine Kommune eigene Müllverbrennungsanlagen betreibt, ist das Anliegen
natürlich klar. Die Anlagen müssen ausgelastet werden, bzw. das System
muss so ausgestaltet sein, dass der "andienungspflichtige" Bürger
maximal ausgepresst werden kann. Das Geld wird bei den Müllgebühren
verdient. Die Erlöse aus dem Verkauf von Strom und Wärme sind nur ein
vollkommen unbedeutendes Zubrot, wie mir neulich der Chef eines größeren
Entsorgungsbetriebs anvertraute. Es sei sogar so, dass er froh ist, wenn die Leute
erhebliche Anteile Biomüll zwischen die Leichtverpackungen werfen. Dadurch
wären die Temperaturen im Ofen wesentlich niedriger und die teuren Roste
würden viel länger halten (der Verlust an Wärme spiele dagegen
keine Rolle). RestmüllNet:
Unsere Kreisverwaltung hat keine eigene Verbrennungsanlage und ist trotzdem nicht
bereit, geringere Tonnenvolumen anzubieten oder auf anderem Wege gewissenhafte,
Abfalltrennung praktizierende Konsumenten, finanziell zu belohnen. Auch hier
ließe sich das Mindestvolumen sofort auf die Hälfte senken, doch dann
würde die wichtigste Einnahmequelle der Verwaltung wegbrechen. Sie sehen:
auch hier verhindern fiskalische Sachzwänge eine nachhaltigere Abfallpolitik,
bzw. eine vollständige Umsetzung der bereits bestehenden Gesetze hierzu. Frenger:
Ich las, dass Sie in Ihrem fünften Prozess für die Einführung kleinerer
Restmüllbehälter in Ihrem Landkreis klagen. Ich wünsche Ihnen,
dass sie damit Erfolg haben. RestmüllNet:
Eine Gebührenreduzierung ist eventuell leichter vor Gericht durchzukriegen
als eine vollständige Befreiung. Darüber hinaus bleibt die Forderung
von RestmüllNet aber bestehen: Erstens müssen alle Müllgebühren
auf die Preise der Produkte umgelegt werden, zweitens muss man diesen Betrag auf
der Verpackung angeben, drittens muss man eine Art Pfand auf die Materialsubstanz
des Artikels erheben und viertens eine Verwertungsgebühr, die sich Leute
zurückholen, also verdienen können, die Müll sammeln, sortieren
und als Rohstoff weitergeben. Frenger:
Das mit einem Pfand, und mit Geld für getrennt gesammelten und sortierten
Müll könnte vielleicht klappen. Wenn die Leute nur Geld sparen können,
bleiben sie gleichgültig. Wenn es aber richtig Bares gibt, wird der Egoismus
genutzt, um diesmal dem Recycling zu gute zu kommen.
20.
Februar
2008: Wie
der "Spiegel" in seiner Ausgabe Nr 5 meldete, schickt Kasachstan giftigen
Sondermüll nach Deutschland. Eine erste Lieferung ist per Luftfracht bereits
bei einem Entsorgungsunternehmen in Bremen angekommen. Die Problemabfälle
stammen von einer ehemaligen sowjetischen Luftwaffenbasis am Balchasch-See. Die
Abfälle sind angeblich krebserregend. Da es vor Ort an entsprechenden Entsorgungseinrichtungen
fehlt, soll das Problem mittels Verlagerung auf Deutschland gemindert werden.
Die hiesigen Entsorgungsfirmen verdienen gut an dem Entsorgungsdeal. Fragt
sich nur, was davon für die deutsche Allgemeinheit am Ende zurück bleibt.
Werden giftige Gase bei einer Verbrennung über das Land verteilt? Werden
gefährliche Rückstände in Deutschland vergraben oder in Bergwerksstollen
deponiert? Oder fließt alles nach einer Behandlung wieder nach Kasachstan?
Dass eine Müllbehandlung in Deutschland noch lange keine Garantie für
eine Unschädlichmachung ist, kann man sich anhand vieler zweifelhafter Meldungen
über Müllimporte zusammenreimen. Deutsche Müllverbrennungsanlagen,
weil nicht ausgelastet, ziehen seit Jahren allen möglichen Abfall aus dem
Ausland an. Was nach einer Behandlung mit den Resten geschieht, davon erfährt
die Öffentlichkeit fast nichts. Fest steht: Gewinne werden privatisiert,
der Schaden und die Bedrohung wird auf die Allgemeinheit abgewälzt. 17.Februar.2008: In
unserem Haushalt werden beim Bauen und Renovieren andere Maßstäbe
angelegt, als heute üblich. Auch in diesem Bereich versuche ich, auf die
Verursachung von ökologischen Schadkosten so weit es geht zu verzichten.
Zu etlichen Ausführungsarten, zur Materialauswahl oder zu Detaillösungen
gibt es umweltfreundliche Alternativen. Heute
möchte ich ein Rezept für Innenwandfarbe
weitergeben. In der Regel wird zum Streichen von Innenraumwänden eine Kunststoffdispersionsfarbe
im Baumarkt gekauft. Etwas anderes gibt es meist nicht, oder ist sehr viel teurer,
wie beispielsweise Silikatfarbe. Kunststoffdispersionsfarbe ist sehr billig
und einfach zu verarbeiten, hat aber einige entscheidende Nachteile.
Kunststoffdispersionsfarbe ergibt immer Restmüll. Ihre ganze Sustanz ist
nicht biologisch abbaubar oder nicht im natürlichen Kreislauf assimilierbar.
Wenn Putz damit gestrichen war, gilt dieser im Entsorgungsfall als belasteter
Bauschutt, auch wenn er meist unter unbelasteten Bauschutt gemischt wird. Es ist
und bleibt eine Verbindung von mineralischen mit anhaftenden Kunststoffbestandteilen,
also Restmüll. Auf eine Tapete gestrichen wird diese zu Restmüll,
auch wenn sie alleine betrachtet aus reinem Papier bestehen sollte. Jedes
Jahr werden in Deutschland tausende von Tonnen Kunststoffdispersionsfarbe abgesetzt
und eingesetzt. Diese enden, nachdem sie einige Jahre als frischer Anstrich die
Innenräume verschönert haben, schließlich auf Deponien oder in
Müllverbrennungsanlagen. Ebenso ist die Herstellung nicht unschädlich.
Wo der beigemischte Kunststoff herkommt, wissen wir. Er stammt aus Erdöl,
welches problematisch gewonnen, transportiert und chemisch umgewandelt werden
muss. Als Weißpigment wird meist Titandioxid verwendet, bei dessen Herstellung
große Mengen von Dünnsäure anfallen. Diese wurden in der Vergangenheit
nur zum geringen Teil verwertet. Meist hat man sie mit Schiffen auf hohe See gebracht
und ins Meer geleitet. Als Alternative zu käuflicher Farbe
aus dem Kunststoffeimer mischen wir selbst Kalkkaseinfarbe an. ... (weiterlesen
unter diesem Link
auf Zukunftslobby.de) 12.Februar
2008: Letzte
Woche war im "Spiegel" ein interessanter Artikel über die weltweite
Meeresvermüllung durch Plastik zu lesen. Stichpunkte: - Nicht
nur Müllobjekte aus Plastik treiben zu vielen Millionen Tonnen in den Weltmeeren,
auch Pellets und korngroße Teilchen sind mittlerweile überall präsent
und bilden einen nicht unbeträchtlichen Teil des Sandes an den Meeresstränden.
- Jede Stunde gelangen 675 Tonnen Plastikmüll direkt ins Meer. - Zwischen
Kalifornien und Hawai treibt im Pazifik ein 3 Millionen Tonnen schwerer Müllteppich
von der Fläche Mitteleuropas. - Verschiedenste Meerestiere verenden beim
Kontakt mit dem Plastikmüll. - Plastikabfälle werden durch UV-Strahlen
und Reibung immer kleiner. Dieses Pulver wird von Kleinorganismen gefressen, lagert
sich im Körper ab und kommt in die Nahrungskette. Starke Gifte lagern sich
an den feinen Körnern an, werden mitgefressen und landen u.U. wieder auf
unserem Tisch. Den
Artikel kann man kostenlos lesen und downladen unter diesem
Link
2. Februar
2008: Deutschlandradio
hat mir das Manuskript der Weltzeit-Sendung "Müllkolonien" zur
Verfügung gestellt. Es ist streng geschützt, das heißt, folgendes
ist zu beachten: "Dieses Manuskript
ist urheberrechtlich geschützt und darf ausschließlich zu rein privaten
Zwecken genutzt werden. Jede Vervielfältigung, Verbreitung oder sonstige
Nutzung, die über den in den §§ 45 bis 63 Urheberrechtsgesetz geregelten
Umfang hinausgeht, ist unzulässig. © DeutschlandRadio"
- ( Funkhaus Berlin - Hans-Rosenthal-Platz - 10825 Berlin - Telefon (030) 8503-0
) Müllkolonien,
Giftmüllexporte in Entwicklungsländer eine Weltzeitsendung
von Thomas Kruchem, auf Dradio am 17.01.2008 um 18:07 Uhr "In
Indien verrostete Öltanker abgewrackt, in Pakistan Millionen Tonnen alter
Computer Drucker und Bilschirme zerlegt, an der Elfenbeinküste Rückstände
aus der Erdölverarbeitung deponiert, der meiste Müll, der in den Ländern
der dritten Welt verarbeitet wird, ist gefährlicher Giftmüll. Zwar verbietet
ein internationales Abkommen solchen Müll zu exportieren, doch diese sogenannte
Baseler Konvention haben zwei Drittel der UN-Mitgliedsstaaten bis heute nicht
ratifiziert. - Müllkolonien, eine Weltzeit von Thomas Kruchem über Müllexporte
in Entwicklungsländer." Karachi,
Pakistan. Ein kleiner Laden ohne Fenster in der Innenstadt. Stapel alter Computer,
Monitore und Drucker; beißender Geruch. Im Licht einer Glühbirne sitzen
zwei Männer auf Hockern - schrauben, schütteln Geräte, schlagen
ab und zu mit dem Hammer drein. Einer der Männer: "Wir verkaufen
Teile von alten Computern: Festplatten, Hauptplatinen, Diskettenlaufwerke. Die
Computer besorgen wir uns auf Karachis größtem Markt in Saddar, nehmen
sie auseinander und reparieren, was reparabel ist. Den Rest zerschlagen wir und
finden dabei eine Menge wertvoller Metalle und Kabel." Die
Geräte, die Danish Said und Rashid Imran verwerten, stammen aus Industrieländern
wie Japan und die USA. Dort wurden sie als nicht mehr funktionsfähig ausgesondert,
dann jedoch nicht als giftbelasteter Elektronikmüll fachgerecht entsorgt,
sondern als "wieder verwertbar" in das Entwicklungsland Pakistan exportiert;
eine Praxis, die Kritiker als verantwortungslosen Giftmüllexport bezeichnen.
Die Diskussion über Giftmüllexport begann in den 80er Jahren,
berichtet aus Seattle im US-Bundesstaat Washington Jim Puckett, Chef des "Basle
Action Network", eines weltweiten Netzwerks von Bürgerinitiativen, die
Giftmüllexporte in arme Länder bekämpfen. Damals, erklärt
Puckett, wurde man sich in den Industrieländern der Probleme bewusst, die
Giftmülldeponien im eigenen Land erzeugten. Man begann sich deshalb umzusehen
nach weiter entfernten Deponieflächen für Industrieabfälle, Altpestizide
und abgelaufene Medikamente. Jim Puckett: "In
den 80er Jahren entwickelte sich plötzlich eine ganz neue Form von Handel.
An Stränden der Türkei, Venezuelas oder Nigerias - überall fanden
wir auf einmal Fässer voller Giftmüll. Ein großer Teil stammte
aus Europa; aber auch aus Philadelphia in den USA, zum Beispiel, schafften Schiffe
Asche von Verbrennungsanlagen nach Haiti und kippten sie dort auf den Strand.
- All das wuchs sich zu einer wahren Epidemie aus; und der Grund dafür war,
dass man sich in den reichen Ländern der Probleme bewusst geworden war, die
mit Giftmüll verbunden sind. Es wurde immer teurer, diesen Müll zu entsorgen;
und skrupellose Akteure verluden ihn deshalb einfach auf Schiffe - um ihn, weit
weg von Europa und Nordamerika, in Entwicklungsländern abzuladen, wo man
keine Ahnung hatte, was Giftmüll überhaupt ist. -(streichen, Doppelung
zum Text vorher und nachher, außerdem sehr langer Take) Als auch die Entwicklungsländer
schließlich aufwachten, nahmen sich die Vereinten Nationen des Problems
an und sagten: "Wir brauchen einen Vertrag, eine Konvention, die den Umgang
mit Giftmüll regelt." So entstand die "Baseler Konvention"
- ausgehandelt Ende der 80er Jahre, beschlossen in Basel 1989 und in Kraft seit
1992." In den Verhandlungen zur "Baseler
Konvention" versuchte man, der entscheidenden Tatsache gerecht zu werden,
dass arme Entwicklungsländer völlig überfordert sind beim Umgang
mit komplexen Giftstoffen aus Industrieländern; dass mit jeglichem Giftmüllexport
in solche Länder also Katastrophen vorprogrammiert sind. Die tatsächlich
verabschiedete Konvention indes enttäuschte viele Entwicklungsländer
und Umweltschützer. Sie enthielt keine Verbote, sondern schrieb Giftmüll-Exporteuren
lediglich vor, vorab die Zustimmung des Empfängerlandes einzuholen. Nach
neuen internationalen Verhandlungen wurde dann 1995 die "Baseler Konvention"
entscheidend verschärft - durch einen Zusatz: Jim
Puckett: "Das "Basle Ban Amendment" verbietet den Export von
Giftmüll aus in Anhang sieben dieses Vertrags genannten Staaten, namentlich
Mitgliedsstaaten der EU und der OECD. Aus diesen 35 am meisten entwickelten Ländern
der Welt darf kein Giftmüll mehr in Entwicklungsländer exportiert werden
- weder, um dort deponiert, noch, um dort recycelt zu werden." Das
"Ban Amendment" erlangte in der Europäischen Union" rasch
Gesetzeskraft, wurde jedoch von zwei Dritteln der UN-Mitglieder bis heute nicht
ratifiziert - darunter die Industrieländer USA, Kanada, Australien und Japan.
- Immerhin, meint Jim Puckett, ist dank des gewachsenen öffentlichen Bewusstseins
wildes Ablagern von Giftmüll an asiatischen oder afrikanischen Küsten
selten geworden. Wie aus einer anderen Zeit mutet es an, dass 2006 eine niederländische
Firma Rückstände aus Erdölverarbeitung am Strand der Elfenbeinküste
deponierte - was zehn Menschen das Leben kostete. Das
Giftmüllproblem hat sich verlagert, erklärt Puckett: Statt, wie früher,
mit relativ kleinen Mengen giftiger Industrieabfälle, werden Entwicklungsländer
heute mit viel größeren Mengen giftigen Konsumentenmülls überschwemmt.
Weltweit 50 Millionen Tonnen Computer, Drucker, Handys, Bildschirme oder Fernseher
geben Jahr für Jahr ihren Geist auf; sie werden zu mit Schwermetallen und
anderem Gift belastetem Elektro- und Elektronikschrott. Ein Teil dieses Schrotts
wird in modernen Anlagen, die nur in Industrieländern existieren, fachgerecht
und teuer entsorgt; der wohl größere Teil landet bei Händlern,
die oft kaputte und heile Computer in einen Container packen und die Ladung als
funktionsfähige Gebrauchtware exportieren - nach Afrika und Asien.
In Karachi landen solche Container dann bei Händlern
wie Imran Mohammad und Danish Said, die das auch von ihnen nicht Verwertbare an
Kubaris weiter verkaufen, an Müllsammler, auf deren Karren sich das Gift
aus den Computern nun konzentriert: Monitorsplitter, die Phosphor und oft Cadmium
enthalten; Platinen, belastet mit Blei, Beryllium und Chrom; Gehäuse, die
bromierte Flammschutzmittel enthalten - Krebs erzeugende so genannte "organische
Dauergifte", POPs. Mit dem Giftmüll
fahren viele Kubaris schließlich nach "Dejan Chakro", einer Müllkippe
im Norden Karachis. - Magere Hunde, zahllose Fliegen, unerträglicher Gestank,
dann ein Dorf aus Bretter- und Bambushütten mitten auf der mehrere Quadratkilometer
großen Kippe. Neben einem Haufen Getränkedosen hocken sechs, sieben
Kinder auf schwarz gebranntem Boden und sortieren kleine Metallteilchen, die sie
dann Ibrahim Rana geben, dem Altmetallhändler des Dorfes. Einige
dieser Kinder wühlen den ganzen Tag in frisch angekommenem Müll und
suchen, mit Hilfe von Magneten, Eisen. Andere kaufen von Kubaris aus der Stadt
Kabel, verbrennen die und trennen die übrig bleibenden Metalle: Eisen, Silber,
Aluminium und Kupfer. Ich kaufe dann all das Metall und verkaufe es an einen Großhändler,
der alle 14 Tage hier vorbei kommt. Ja, über 20 Familien hier leben von dem,
was andere Leute wegwerfen. In Manila, Hauptstadt
der Philippinen, leitet Richard Gutierrez das Asien-Büro des "Basel
Action Network". Gutierrez hat kürzlich die Region Guiyu zwei Stunden
außerhalb Hongkongs besucht. Dort wird Elektronikschrott, so genannter "E-waste",
in weit größerem Stil als in Pakistan verwertet. Richard
Gutierrez: "Die Kabel werden in der Regel zu großen Haufen aufgeschichtet
und verbrannt - was höchst gefährlich ist. Der Kupferdraht der Kabel
nämlich ist von Plastik umhüllt, das polychlorierte Biphenyle enthält,
kurz PCB - ein Umweltgift, das, wenn es verbrannt wird, Dioxine und Furane freisetzt,
die beim Menschen Krebs erzeugen." Auch
in China, berichtet Gutierrez, hantieren die Ärmsten der Armen mit dem E-Waste
der Industrieländer - straff organisiert in mafiaähnlichen Organisationen.
Manche Arbeitergruppen zerschlagen ausschließlich Monitore; andere holen
Tag für Tag Toner aus Druckerkartuschen - ohne jeden Atemschutz. Die Verantwortung
dafür tragen die mit der Giftproblematik vertrauten E-Waste-Exporteure, meint
Richard Gutierrez, der in China vor allem amerikanischen und japanischen Elektronikschrott
fand. Schrott, der nicht legal nach China gelangt ist, sondern eindeutig mittels
krimineller Machenschaften. Richard Gutierrez:
"China hat das "Basle Ban Amendment" ratifiziert; deshalb ist
dort jeglicher Import von Elektronikmüll illegal. Trotzdem möglich ist
dieser Import wegen der weit verbreiteten Korruption auf lokaler Ebene. "Kleben
Sie einen Hundert-Dollar-Schein an die Innenwand eines Containers", haben
uns Exporteure gesagt, "dann wird Ihr Giftmüll auf keinerlei Hindernisse
beim chinesischen Zoll stoßen." - Sie haben also hier lokale Korruption
und zugleich eine nationale Regierung, die schon mehrere Schiffsladungen beschlagnahmt
hat. Dies beleuchtet einmal mehr, wie wichtig es ist, mit Kontrollmaßnahmen
schon beim Exporteur und im exportierenden Land anzusetzen." Davon
allerdings wollen weder die USA noch Japan etwas wissen. Für sie ist E-Waste
eine ganz normale Ware, die sich ihren Weg nach den Gesetzen des Marktes sucht
- auch, wenn das Menschen den Tod bringt. Es
gibt einen weiteren Typ giftbelasteten Mülls, den Industrieländer im
großen Stil in Entwicklungsländer entsorgen: Schiffe. Über tausend
Riesentanker, Frachter und Kreuzfahrtschiffe erreichen jedes Jahr das Abwrackalter.
Früher wurden solche Schiffe im Meer versenkt, was sich heute schon aus Gründen
des Umweltschutzes verbietet; oder sie wurden in den Werften zerlegt, wo sie gebaut
worden waren, was heute sehr teuer ist - zumal so ein Schiff meist viele giftige
Stoffe enthält: in Wänden, Decken und Isolierung bis zu tausend Tonnen
Asbest; Dutzende Tonnen Altöl; darin sowie in Plastikteilen und Farben "organische
Dauergifte" wie polychlorierte Biphenyle, kurz PCBs. Jim
Puckett: "Bis heute ignoriert die Schiffsindustrie dies Problem und lässt
abzuwrackende Schiffe ganz einfach die Küsten Südasiens anlaufen. Dort,
an den Stränden armer Länder wie Indien, Bangladesh und Pakistan, sollen
dann die Ärmsten der Armen die Schiffe auseinander nehmen - mit oft nichts
in der Hand als ein paar Schneidbrennern und Sägen. Hochgiftige Stoffe gefährden
dabei die sensiblen Ökosysteme der Küsten und die Arbeiter, die außerdem
überhaupt nicht geschützt sind vor Explosionen und herab fallenden Stahlteilen.
Sehr viele kommen denn auch zu Tode auf diesen Schiffsfriedhöfen."
Schiffsfriedhöfe vor allem in Chittagong,
Bangladesh; im indischen Alang, wo 40.000 Arbeiter bis zu 15 Prozent des indischen
Baustahls aus alten Schiffen gewinnen, in Gadani nahe Karachi, wo es zur Zeit
eher ruhig ist. Vor dem verölten Strand
von Abwrackhof Nummer 91 jedoch liegt ein fast 400 Meter langer Gastanker, die
"Gaz Imperial". Zwischen rostigen Metallhaufen und Kränen wuchtet
gerade ein Radlader den Bug des Schiffes von einer Winde, die ihn an Land gezogen
hat. - "Osman Enterprises" heißt das verantwortliche Unternehmen.
Der Chef, Mohammed Shahid Patel, hat in 25 Jahren 60 Schiffe abgewrackt. Und die
"Gaz Imperial" wird weitere 25.000 Tonnen Stahl für Karachis Walzwerke
liefern. Mohammed Shahid Patel: "Mit
Kränen und schwerem Schweißgerät lösen wir große Teile
vom Schiffskörper und hieven sie an Land, wo rund hundert Arbeiter sie so
zerschneiden, dass die Lastwagen der Walzwerke sie transportieren können.
Andere Arbeiter füllen das Öl des Schiffes in Fässer: Diesel, Heizöl,
Schmieröle - insgesamt gut hunderttausend Liter, für die wir hier jede
Menge dankbarer Abnehmer haben. Asbest haben wir an Bord dieses Schiffs nicht
gefunden, dafür Zementplatten, die in die Bauindustrie gehen, und Glaswolle,
die für Kühlhäuser und Klimaanlagen recycelt wird."
Keine allzu großen Umweltprobleme - so scheint
es auf den ersten Blick. Tatsächlich widerspricht die Darstellung des Ingenieurs
einer Meldung der pakistanischen Zeitung "Business Recorder" vom 12.
April 2007. Danach musste die "Gaz Imperial" den indischen Abwrackhafen
Alang wieder verlassen, weil sie extrem viel gefährliches Isoliermaterial
enthielt; die Genehmigung der pakistanischen Behörden, das Schiff in Gadani
abwracken zu lassen, sei umstritten. Am öligen,
mit Metallsplittern bedeckten Strand zerschneiden - dessen ungeachtet - 60,70
Arbeiter in schmutzigen Lumpen weinrot gestrichene Stahlstücke mit an Gasflaschen
hängenden Schneidbrennern. Ausgemergelte Gestalten wie Muhammad Said und
Riaz Miajan, die aus dem Grenzgebiet zu Afghanistan stammen, wo es keinerlei Jobs
gibt. 300 Rupien, vier Euro, verdienen sie jetzt pro Tag; übernachten in
schäbigen Betonhütten, kaufen ihr Essen von ambulanten Händlern.
Für die mit ihrer Arbeit verbundenen Gefahren haben sie nur ein Achselzucken
übrig. Riaz Miajan: "Manchmal verletzt
man sich halt, wenn man mit so großen Stahlteilen hantiert. Ich hatte bisher
nur kleinere Verletzungen wie diesen Riss hier in der Hand. Auf Hof Nummer 45
aber wurde kürzlich ein Arbeiter erschlagen - von einem Maschinenteil, das
sich vom Kran gelöst hatte." Muhammad
Said: "Auch beim Umgang mit den Schneidbrennern haben wir häufig
Unfälle. Keiner benutzt ja hier in der Hitze Brillen, Masken oder Schilde.
Deshalb erleben wir fast jeden Tag, dass sich einer im Gesicht verbrennt oder
am Auge verletzt." Das "Basel Action
Network" und seine südasiatischen Mitgliedsorganisationen versuchen
derweil, lokale Behörden für die sozialen und ökologischen Probleme
zu sensibilisieren, die durch das Abwracken von Schiffen entstehen - mit zunehmendem
Erfolg. Immer häufiger verlangen Behörden, dass Schiffe vor dem Abwracken
von Umweltgiften befreit werden; manche Schiffe befuhren deshalb schon monatelang
als "Geisterschiffe" den Indischen Ozean. Es
gibt auch heute Länder, die in Giftmüll ein ganz normales Exportgut
sehen; Länder, die die "Baseler Konvention" und das "Ban Amendment"
am liebsten in den Papierkorb werfen würden. Zu diesen Ländern zählen
die USA und vor allem Japan. Das in seinem Müll ertrinkende Japan hat dazu
eine detaillierte Strategie entwickelt, bei deren Umsetzung die Regierung höchst
subtil vorgeht. So unterzeichneten am 9. September 2006 die Regierungschefs Japans
und der Philippinen einen tausend Seiten starken Vertrag über wirtschaftliche
Partnerschaft. Der - kurz JPEPA genannte - Vertrag erleichtert Investitionen,
öffnet Märkte und schafft Zölle ab, er ermöglicht den freien
Fluss von Gütern. Genau darin jedoch liegt die Crux des Vertrags. Vom Zoll
befreit werden nämlich auch die wohl schlimmsten Gifte dieser Welt, berichtet
in Manila Richard Gutierrez. Richard Gutierrez:
"Die Liste der Güter umfasst nahezu alles: POPs, langlebige organische
Gifte; PCB-belastete Öle, Rückstände aus Müllverbrennungsanlagen,
Schwermetallschrott aus Blei, Cadmium und Beryllium, Fluorchlorkohlenwasserstoffe,
ja sogar gebrauchtes Inventar von Kernreaktoren. Kurz, auf der Liste der zollbefreiten
Güter finden Sie, inklusive Elektronikschrott, so ziemlich alles an Giftmüll,
was kommerziell zu handeln die internationale Gemeinschaft geächtet und in
mehreren Konventionen verboten hat." Ähnliche
Verträge hat Japan mit anderen armen Nachbarn abgeschlossen; Verträge,
die - im Tausch für Handelserleichterungen - die Märkte dieser Länder
für Japans Giftmüll öffnen. Tokio will in Südostasien etwas
etablieren, das es euphemistisch einen "internationalen Markt für recycelbare
Güter" nennt. So genanntes Giftmüll-Recycling an den Küsten
armer Länder Südasiens - wo die Behörden fachlich wie personell
weit davon entfernt sind, den Umgang mit Giftstoffen überwachen zu können.
Giftmüll wird zu ganz normalen Gütern erklärt, die Handelsverträge
wie JPEPA in langen Listen vom Zoll befreiter Artikel quasi verstecken - damit
philippinische Zöllner gar nicht erst ins Grübeln geraten.
Richard Gutierrez: "Als Zollbeamter in einem philippinischen
Hafen haben Sie es täglich mit Tausenden ankommender Container zu tun. Lesen
Sie dann auf Ladepapieren: "Gut Nummer soundso nach dem Harmonisierten
Zoll-Index', zollfrei" - dann sagen Sie sich wahrscheinlich: "Das ist
ein laut JPEPA von allen Abgaben befreites Gut; ein Gut, dessen reibungslosen
Import ich unterstützen muss." Welche Folgen der Import für Mensch
und Umwelt nach sich zieht, hat sie nicht zu interessieren. - Genau hier aber
beginnt das Problem: Indem auch Giftmüll-Güter als völlig normale
Güter international gehandelt werden, werden sie jeglicher Kontrolle im Rahmen
der "Baseler Konvention" entzogen - der Kontrolle, von wo der Müll
kommt, wohin er geht, was damit geschieht. All die Sicherungen, die die Konvention
vorsieht, umgeht JPEPA und schafft stattdessen Bedingungen eines freien Marktes,
unter denen Giftmüll ungehindert zu uns ins Land kommen kann."
Perspektiven: Zumindest in der Europäischen
Union hat sich ein klares Bewusstsein für das Problem des Giftmüllexports
in arme Länder entwickelt. Hersteller elektronischer Geräte müssen
inzwischen ihre Produkte, wenn sie schrottreif sind, zurücknehmen; der Einsatz
gefährlicher Stoffe beim Bau solcher Geräte wird zurückgedrängt;
und auch dem Export von E-Waste zur angeblichen Weiterverwendung in Entwicklungsländern
wollen die Europäer einen Riegel vorschieben. Japan, die USA, Kanada, Südkorea,
Australien und Neuseeland lehnen dagegen bis heute das "Basle Ban Amendment"
ab und exportieren deshalb aus ihrer Sicht legal Giftmüll in Entwicklungsländer.
- International heftig gestritten wird derweil über das Abwracken giftbelasteter
Schiffe in Südasien. Eine Koalition aus den Schifffahrtsnationen Norwegen,
Griechenland, USA, Japan und Indien will, dass die Baseler Verträge auf Schiffe
überhaupt nicht angewandt werden; und einmal mehr Japan hat durchgesetzt,
dass für das so genannte "Recyceln" von Schiffen jetzt die "Internationale
Schifffahrtsorganisation" Regeln erarbeiten soll; die IMO - eine UN-Organisation,
die jedoch von Schiffseignern beherrscht wird. ©
DeutschlandRadio - Funkhaus Berlin - Hans-Rosenthal-Platz - 10825 Berlin - Telefon
(030) 8503-0 18.
Januar 2008: Eine
neue ungewöhnliche Deponie in Deutschland darf ab sofort gebaut werden. Der
Genehmigungsbescheid für den Umbau des ehemaligen Eisenbergwerks Schacht
Konrad in Salzgitter liegt vor. Es sollen dort bis zu 303.000 Kubikmeter schwach-
und mittelradioaktive Abfälle eingelagert werden können. Die nachfolgenden
Generationen werden sich "freuen", dass wir sie so an den fatalen Folgen
unseres zweifelhaften "Wohlstands" teilhaben lassen. 17.
Januar 2008: Thema
in der "Weltzeit" auf dradio: Müllexport aus westlichen Industriestaaten
in die weniger entwickelten Länder dieser Erde. Da der gute und informative
Beitrag nicht ausführlich ins Netz gestellt wurde, will ich hier eine Zusammenfassung
wiedergeben: "In
Indien verrostete Öltanker abgewrackt, in Pakistan Millionen Tonnen alter
Computer Drucker und Bilschirme zerlegt, an der Elfenbeinküste Rückstände
aus der Erdölverarbeitung deponiert, der meiste Müll, der in den Ländern
der dritten Welt verarbeitet wird, ist gefährlicher Giftmüll. Zwar verbietet
ein internationales Abkommen solchen Müll zu exportieren, doch diese sogenannte
Baseler Konvention haben zwei Drittel der UN-Mitgliedsstaaten bis heute nicht
ratifiziert. - Müllkolonien, eine Weltzeit von Thomas Kruchem über Müllexporte
in Entwicklungsländer." (Siehe unter 2.
Februar 2008) 11.
Januar 2008: Ab
Ende 2008 will Australien Plastiktüten verbieten. In dem Land werden derzeit
4 Milliarden Tüten pro Jahr verbraucht, also 200 Stück pro Person. Ein
Großteil von ihnen landet in der Landschaft und auch im Meer. Dort bilden
sich riesige schwimmende Teppiche aus ihnen zusammen mit Plastikflaschen und anderem
Abfall. Seevögel und Meerestiere sterben in Massen, weil sie das Zeugs essen
oder sich darin verheddern. Auch die Landschaft in China ist voll von weggeworfenen
Plastiktüten. Ab Juni sollen sie dort nicht mehr kostenlos abgegeben werden
dürfen. Auch in Deutschland finden sich in der Landschaft Plastiküten.
Wahrscheinlich ist dieses Relikt der Industrie- und Konsumkultur mittlerweile
über den gesamten Globus verteilt. Wie konnte man nur so naiv sein, ein nicht
völlig abbaubares kostenloses Produkt in Massen zuzulassen, oder nicht gleichzeitig
eine verträglichere Alternative wie Papier- und Stofftaschen billiger anzubieten? Anfang
Januar 2008: In
Neapel herrscht der Müllnotstand. An den Straßen soll der Abfall sich
meterhoch stapeln, weil er schon länger nicht abgefahren wurde. Ministerpräsident
Prodi sieht sich nun gezwungen die Armee zur Entsorgung einzusetzen. In Neapel
kümmert sich die italienische Camorra um die Müllabfuhr, und eine ordnungsgemäße
Entsorgung gibt es dort praktisch nicht. Müllverbrennungsanlagen wurden bislang
wegen des Widerstands der Bevölkerung nicht gebaut und so landete der Müll
in deponieähnlichen Löchern in der Landschaft. Diese sind nun voll und
so bleibt der Müll liegen. Prodi hat nun den Bau von drei Verbrennungsanlagen
angekündigt. Man darf gespannt sein, was dabei heraus kommt. Bis dahin soll
der Müll ins Ausland gebracht werden. In deutschen MVAs wird schon seit Jahren
italienischer Müll verbrannt. Der neapolitanische wird zum Teil nun über
die Alpen gekarrt, um ihn in einer Verbrennungsanlage bei Leipzig zu verbrennen.
Man stelle sich den Aufwandt vor, der hier mangels eines vernünftigen Abfallverwertungs-
und Beseitigungskonzepts in dem Mittelmeerstaat betrieben werden muss, die vielen
LKWs, die von Neapel nach Leipzig rollen sollen, die Umweltbelastung über
eine Strecke von fast 2000 Kilometer Straße. In
einem Interview auf dradio wurden einige Details und Auswirkungen des neapolitanischen
Zustands angesprochen. Die Camorra entsorgt auch giftigen Müll und ist bei
den Entsorgungskosten konkurrenzlos billig. Das Zeugs landet dann mit dem gringsten
Aufwand in irgendwelchen Löchern in der Landschaft. Über die Jahre sind
auf diese Weise große Teile der Landschaft um die Millionenstadt hoffnungslos
verseucht worden. Neapel hat eine der höchsten Missbildungsrate unter Neugeborenen
in Europa. Fachleute gehen davon aus, dass die Giftstoffe auch bald flächendeckend
im weltbekannten Mozarella aus der Region Kampanien wiederzufinden sind. Sie werden
von den dort grasenden Büffeln aufgenommen aus deren Milch traditionell der
echte Mozarella hergestellt wird. Das wird wohl mittelfristig das Aus für
diesen Exportschlager Kampaniens sein. Der wirtschaftliche Schaden ist neben der
Gesundheitsbeeinträchtigung der Bevölkerung immens. Wasser ist im Prinzip
ungenießbar und wird wohl bald auch eingeführt werden müssen.
So rächt sich gnadenlos, dass man Jahre lang die gefährlichen Stoffe
der Mafiaorganisation überlassen hat, die noch viel rücksichtsloser
als hierzuland die Gewinne eingesteckt und die Schäden auf die Allgemeinheit
und die nachfolgenden Generationen abgewälzt hat.
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