Blogarchiv
- Monat Oktober/Nov. 2005
1.November 2005: Gestern
war Reformationstag. Für das deutsche Fernsehen ein Anlass,
den viel gepriesenen Lutherfilm mit deutscher Starbesetzung auszustrahlen.
Vor kurzem erst lief er in den Kinos, wo ich ihn im Großen und
Ganzen schon gelungen fand. Nun, auf einem kleinen Fernsehbildschirm
zu zweiten Mal gesehen, wirkte er dann doch etwas sehr amerikanisch.
Heldenhafter Martin Luther, zu heldenhaft, hat der nicht damals
auch zur Synagogenzerstörung und Judenhass aufgerufen? Das Elend
des niederen Volkes sehr elendig (wenn auch nicht so überzeugend,
wie in "Der Name der Rose" beispielsweise), der Hauptdarsteller
zu pathetisch und ohne den historischen Luthercharakter.
Immerhin, dass dieser
Mensch für damals unverzichtbar war, angesichts der ach so antichristlichen
Dekadenz in Papst- und Bischofsgewändern, wurde deutlich.
Der Irrtum war allgegenwärtig, die Maske der Religion diente
ausschließlich zur Unterdrückung, zur Ausbeutung
und Versklavung ganzer Völker, denen man, von Lesen und Schreiben
keine Ahnung, alles erzählen konnte, was denn in der Bibel stünde,
was Wille Gottes sei und nunmal ihr unabänderliches Schicksal.
Es bestand ein fest geknüpftes, ganz Europa überspannendes
Netz der Unterdrückung, unumstößlich gesichert
unter dem Zeichen des Kreuzes, dienlich einem ländergrenzenüberspannen
Syndikat von Verbrechern in goldbestickten Seidenroben. Sie nährten
sich vom Elend der Untertanen, indem sie ein Gottesbild pflegten,
das keinen Widerspruch duldete.
Gott der Strafende, der unbarmherzig zerschlug, was ihm nicht zu Füßen
liegen wollte, der eigentlich das verkörperte, was der Mächtigen
Natur und Absicht war. Gott, dessen neutestamentarische Liebe ausgeschält
worden war wie ein Halloween-Kürbis um ihn mit der faschistischen
Masse des eigenen Machterhaltungssystems zu füllen.
Keiner merkte dies, keiner konnte die Bibel lesen um zu sehen was
wirklich darin stand. Vielleicht hielt dies auch niemand mehr für
nötig, da der unausgeprochene und hoch am Himmel hängende
Konsens für sich sprach und, so fest gefügt, mit so langem
Bestand, nur von Gott stammen konnte.
Die Fachleute dieser damals wichtigsten Wissenschaft, Papst, Kardinäle,
Bischöfe und die übrigen Glieder dieser Kette nach unten
hin, die Politiker von damals und andere Nutznießer, alle standen
sie mehr oder weniger eigeninteressiert hinter einem weltüberspannenden
Konsens, der sich am Ende dann doch als ein einziger großer
Betrug herausstellte.
Das System schien perfekt, so perfekt, dass es auch 1000 Jahre lang
funktionierte, es 1000 Jahre schaffte, jeden Widerspruch im Keim zu
ersticken, - bis dieser Martin Luther zur Feder griff und nicht aufgeben
wollte.
Sicherlich, Luther hatte auch Glück. Ohne den Beistand seines
Fürsten, der ihn schützte, als die Gewalt Roms ihn zu zermalmen
drohte, wäre es ihm ergangen wie allen "Ketzern" davor.
Ohne das Geld seines Sponsors, dessen Beziehungen, dessen Burg und
dessen Bibliothek, hätte er das Neue Testament nicht ins Deutsche
übersetzen können. Ohne diesen freidenkenden Überflieger,
den Kurfürst von Sachsen, (im Film grandios dargestellt von Peter
Ustinov,) hätte diese Mafia damals Luther kurzerhand mit seinen
Schriften verbrannt.
Und heute?
Fast 500 Jahre später ist ebenfalls ein gigantisches Unterdrückungssystem
installiert. Der einzige große Unterschied ist, dass es nicht
vom Klerus gesteuert wird, sondern von der triumphierenden Ökonomie.
Wie damals ist die herrschende Meinung die Meinung der Herrschenden.
Wie damals müssen die Beherrschten zahlen und bekommen weisgemacht,
dies wär sozusagen Gottes Wille. Wie damals steht ein goldenes
Kalb auf dem Altar.
Wie damals ist die religiöse Fassade mit etwas zutiefst Diktatorischem
gefüllt, welches sich niemand auf seine objektive Berechtigung
zu überprüfen traut. Wie damals schüchtert die Tatsache,
dass alle gesellschaftlichen Stimmen in den gleichen Chor einstimmen
und alle Nieschen des Alltags beschallen, jeden zweifelnden Freigeist
sofort ein, unterdrückt jede Ahnung im Keim, hier könne
etwas Grundsätzliches nicht stimmen.
Wie damals bringt das System subtielste Unterdrückung bis hin
zu Tod und Verderben, nur dass zweiteres heute eher in ferneren Ländern
geschieht, möglichst fern von den Augen der Menschen in den Industriegesellschaften.
Und, ein kleiner Unterschied zu damals, die Mehrheit der Bevölkerung
in den sogenannten "zivilisierten" Ländern ist in den
Kreis der Profitierenden aufgenommen, wenn dies auch nur oberflächlich
gilt, kurzfristig gesehen werden muss und eher den Charakter einer
Versorgung von drogensüchtig Gemachten mit notwendigem Stoff
hat.
Dafür jedoch, noch ein kleiner Unterschied zu damaligen Verhältnissen,
sind die nachfolgenden Generationen heute gleich mit geschädigt.
Den "Kardinälen der Gegenwart" ist es möglich,
für ihren Profit und ihre Macht nicht nur die heute lebenden
Menschen auszuplündern, sondern auch noch die gar nicht gebohrenen
nachfolgenden Generationen.
Insofern ist das Unterdrückungssystem der Gegenwart sehr viel
gründlicher und nachhaltiger, als das im Jahre 1500. Es fordert
sehr viel mehr Opfer, Tote und Verderbte, ist nicht mehr auf Europa
beschränkt, sondern weltumspannend und hat sehr viel mehr blinde
Unterstützer rekrutiert, von den Medien über die Wirtschaft
bis hin zum Militär.
Für die dringend überfällige Reformation wird im 21ten
Jahrhundert ein Mann wie Martin Luther wohl nicht ausreichen.
CCR
26.Oktober
2005: Clement
tobt. Schmolllippe mit dem gestörten Realitätssinn hat einen
gemeinen Haufen von Betrügern unter den Hartz4-Empfängern
ausgemacht.
Da ziehen doch tatsächlich hunderttausende von arbeitslosen Jugendlichen
von zu Hause aus, nur um mehr Sozialleistungen zu erhalten. Doch Clement
will handeln. Er will gesetzlich festschreiben lassen, dass Langzeitarbeitslose
nur dann ein Anrecht auf Übernahme der Wohnkosten haben, wenn
sie vor dem Erstbezug einer Wohnung die Zustimmung der Behörden
einholen. Der Nochminister will Prüfdienste einführen.
Arbeitsagenturen und Kommunen sollen personell so ausgestatten werden,
dass sie bei Verdacht auf Leistungsmissbrauch auch Hausbesuche durchführen
können. Dabei soll vor allem kontrolliert werden, ob Leistungsbezieher
in eheähnlichen Verhältnissen wohnen und daher von ihrem
Partner unterstützt werden müssten. Außerdem sollen
die Behörden die Daten aller Arbeitslosengeld-II-Bezieher in
einer groß angelegten Telefonaktion überprüfen.
Wenn die Hartz4-Seuche auch keine Arbeitsplätze bringt, immerhin
sorgt sie für rege Beschäftigung in den für
Arbeitslose zuständigen Behörden. Damit ist auch
die Kostenexplosion auf das Doppelte der veranschlagten 14,6 Millarden
Euro für 2005 durchaus gerechtfertigt. Wir hams ja.
Was wird unser Wirtschaftsminister
wohl nach seinem Abgang tun? Sicherlich finden wir ihn bald, wie Exwirtschaftsminister
Müller, an der Spitze irgend eines mächtigen Konzerns, vorwiegend
eines Energieriesen, um dann ganz entspannt und ohne einen grünen
Gegner Trittin den Atomausstieg gründlich rückgängig
zu machen.
Den nötigen beschränkten Horizont und die selbstherrliche
Unverfrohrenheit dazu besitzt Clement ja. Er ist ein idealer Soldat
der Kapitalistischen Planwirtschaft und wird sich sicherlich rekrutieren
lassen.
CCR
23.Oktober2005:
Jetzt
funktioniert der Link unter 21.Oktober zum Artikel von Andrea Teupke.
CCR
21.Oktober
2005: Ein
Dauerthema, wie bei vielen anderen Eltern auch, ist der Unmut meiner
Kinder über die Schule. Die nächsten zwei Wochen
ist Ferienstimmung angesagt, eine ausgiebige Entspannung unseres Familienlebens,
ein Mehr an Miteinander und Füreinander ist dann immer deutlich
spührbar. Als Eltern hat man keine Möglichkeiten, etwas
zur Abmilderung des Drucks an den Lehranstalten beizutragen.
Die meisten Lehrer reflektieren überhaupt nicht, dass ihre gedankenlose
Unterordnung unter den heiligen Leerplan/Lehrplan, ihre steife autoritäre
Art, ihre Unfähigkeit, individuell mit den Kindern umzugehen,
ihr übertriebener Respekt vor dem selbstherrlichen Direktor und
den Fantasmen der Kultusministerclique, der größte Teil
des Problems ist.
An dieser Stelle will ich auf einen sehr guten Artikel zum Thema
Bildung im Publik-Forum Nr 19/05 hinweisen ( Artikel
), geschrieben
von Andrea Teupke.
Mir jedenfalls spricht die Autorin mehrmals aus der Seele. Nach dem
Artikel wird im betreffenden Heft auch noch ein Interview mit einer
Professorin für Arbeitssoziologie, Leiterin des Instituts für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit
geführt, welches für meinen Geschmack aber weit weniger
weitsichtig ausfällt, als der vorhergegangene Artikel.
Die Professorin ist mit ihrem Denken doch etwas in konvektionellen
Vorstellungen verhaftet, wenn ihre Sätze auch recht progressiv
wirken.
Im Artikel von Frau Teupke wird auch ein "kleines Häuflein
von Reformschulen" mit ihrem Netzwerk "Blick über den
Zaun" erwähnt, das versucht, neue und lebenspraktischere
Standarts zu formulieren. Man kann selber nachschauen unter http://www.blickueberdenzaun.de/
und sich etwas Mut holen, etwas Gewissheit, dass es gegenüber
den strukturkonservativen deutschen Lehranstalten und ihrem größtenteils
verkrusteten Personal auch erfrischende Alternativen gibt. Diese Alternativen
zum allgemeinen deutschen Schulalltag zu erheben, wäre das Effizienteste
zur Verbesserung der nationalen Bildungssituation.
CCR
20.Oktober
2005: Angela
Merkel hat so etwas Ähnliches gesagt, wie damals Gerhard Schröder:
Wenn sie es nicht schaffen sollte, in den nächsten 4 Jahren die
Arbeitslosigkeit spührbar zu senken, sei ihre Politik
keine Erfolgreiche gewesen. In
ihrer Naivität schlägt sie "Kombilöhne" vor,
die vom Staat bezuschusst werden sollen, schränkt aber gleichzeitig
ein, dass dies der Staat gar nicht finanzieren könne.
Merkel merkt leider nicht, dass sie mit ihren Vorstellungen
angesichts der Massenarbeitslosigkeit in einer gigantischen Sackgasse
der Kapitalistischen Planwirtschaft angekommen ist, und dass sie jetzt
gerade versucht, dort die senkrechten Wände hochzukriechen.
Allein ihr Festhalten an einer staatlichen Subventionierung von Arbeit,
eigentlich längst als Ding der Unmöglichkeit offensichtlich,
zeigt die gnadenlose Inkompetenz dieser sogenannten Politikerin und
ihrem dilletantischen Anhang auf.
Die Arbeitslosigkeit kann niemals durch Subventionierung von Arbeit
auch nur annähernd beseitigt werden. Die einzig logisch nachvollziehbare
Möglichkeit ist die Verteuerung des direkten Konkurrenten der
menschlichen Arbeitskraft, der technischen Arbeitsleistung in Form
von Maschinen, Produktionsanlagen und Transportmitteln, die fast ausschließlich
aus nicht regenerativen Energiequellen gespeist werden. Die Verteuerung
soll auf keinen Fall willkürlich beschlossen, sondern aus einem
fairen marktwirtschaftlichen Wettbewerb heraus ermittelt werden.
Ich behaupte,
wenn alle externalisierten Kosten, durch den Energieverbrauch, den
Landschafts- und Rohstoffverbrauch, Mehrkosten wegen sozialer Probleme
usw. auf die Preise der produzierten Waren und Dienstleistungen aufgeschlagen
würden, bekämen wir wieder eine weitgehende Vollbeschäftigung,
weil die menschenliche Arbeitskraft dann sehr viel günstiger
käme, sich gegenüber ihrem Konkurrenten kaum verteuerte.
Merkels Unfähigkeit zum unabhängigen Überblick gefällt
wohl den Krisengewinnlern aus der Wirtschaft und den eitlen Paradiesvögeln
der Ökonomenzunft, wird uns aber ganz sicher noch tiefer in die
Scheiße reiten.
Apropos: Die sogenannten 7 Zwerge, -Verzeihung-, die "fünf
Wirtschaftsweisen" haben in ihrem Herbstgutachten ihre Prognose
vom Frühjahr über ein Wachstum von 1,5 % auf nunmehr 1,2
% gesenkt.
Wann nimmt endlich jemand denen die Glaskugel weg oder streicht die
Gelder, die hier ständig fürs hochkarätige Orakelieren
aus dem Staatssäckel bezahlt werden?
CCR
18.Oktober 2005: "Der amerikanische
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat sich besorgt über
die Aufrüstung Chinas geäußert. Zu Beginn seines
ersten Besuches in Peking unterstellte Rumsfeld der chinesischen Führung,
ihre Militärausgaben nicht in vollem Umfang offen zu legen. Dies
nähre Misstrauen, wie Peking seine wachsende militärische
Stärke einsetzen wolle, wurde Rumsfeld von amerikanischen Medien
zitiert." Dies meldet heute abend die Tagesschau.
Da schaut Rumsfeld irritiert aus der Wäsche.
Erst steigern die Konzerne in seinem Land ihren Profit durch Auslagerung
der Produktion in dieses größte Sklaven- und Arbeitslager
aller Zeiten, steigern damit die nationalen amerikanischen Wachstumszahlen
enorm, lassen die Zunft der ökonomischen Fachidioten jubeln,
scheren sich einen Dreck um die von ihnen externalisierten Kosten
ökologischer, wie sozialer Art, wälzen diese selbstverständlich
auf die nachfolgenden Generationen und die Allgemeinheit ab und tragen
mit ihren Gewinnen natürlich auch zur Fortführung des größten
Militärhaushalts der Geschichte, dem der USA, bei.
Dann ist es ihm aber gar nicht recht, dass China seine Gewinne eben
nicht für zusätzliche Sahnetorten ausgibt, sondern für
mehr Rüstung.
Wenn China einmal zur Bedrohung werden sollte, dann ist die USA daran
nicht unschuldig. Vor allem aber ist es unser Wirtschaftssystem, die
Kapitalistische Planwirtschaft, welches den Billigimport aus Ländern
wie China erst profitabel macht.
Das falsche Wirtschaftssystem trägt immer auch zur Vorbereitung
des nächsten Konflikts bei, wenn dieser auch erst Jahre später
ausbricht.
Wenn China für uns einmal gefährlich werden sollte, haben
wir es mit einer weiteren Art von Folgen durch Externalisierung innerhalb
der gegenwärtigen ökonomischen Spielregeln zu tun. Alles
ist vernetzt, den Anfängen wehrt niemand, denn das schadet dem
Profit.
CCR
13.Oktober 2005: Zwei Details der neuen
Regierung für Deutschland scheinen nun festzustehen: Merkel
wird Kanzlerin und Müntefering Vizekanzler.
Damit steht ebenfalls fest, dass keine Probleme wirklich gelöst
werden. Wir werden uns mit eitler und umfassender Ahnungslosigkeit
weiterhin herumschlagen müssen.
Gestern war folgende Meldung in den Nachrichten: Vier Wochen
nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres waren zum Stichtag 30. September
bundesweit noch 40.900 Lehrstellenbewerber ohne Lehrstelle.
Die Zahl sei etwas geringer als im letzten Jahr, jedoch sind die von
Unternehmen und Verwaltungen angebotenen Lehrstellen erneut deutlich
zurückgegangen.
Die sich hinter dem sogenannten Ausbildungspakt versteckenden Institutionen,
Bundesregierung, Wirtschaftsverbände und die BA, konnten mal
wieder nicht anders, als die Entwicklung in ihrer Lehrstellenbilanz
2005 als überwiegend positiv herauszustellen. Wirtschaftsminister
Clement, diese Ausgeburt eines unverfrohrenen Schönredners in
eigener Sache, krönte seinen Abgang mit der höhnischen Bemerkung:
"Der Pakt hat nicht nur die in ihn gesetzten Erwartungen bislang
erfüllt, er hat auch vielen Jugendlichen wieder eine konkrete
Perspektive vermitteln können."
Die Gewerkschaft IG Metall sieht das anders. Bei der endgültigen
Bilanz im Dezember erwartet sie 8000 Lehrstellen weniger als im Vorjahr.
Was hier nicht mehr übersehen werden darf, ist die Tatsache,
dass der Mangel an Lehrstellen mittlerweile ein festes Systemmerkmal
geworden ist. Wir haben es nicht mehr mit einer Ausnahme, sondern
mit der unangenehmen Regel zu tun.
Leider wird unsere neue Regierung die wirklichen Ursachen für
dieses wachsende Gesellschaftsproblem nicht erkennen, geschweige denn
sie beseitigen.
Die derzeit herrschende und von den Politikern hofierte Kapitalistische
Planwirtschaft kann ihren Plan zur Steigerung des quantitativen Wachstums
nur erfüllen, wenn immer mehr Menschen aus der Produktion ausgeschlossen
werden. Der Schwund an Lehrstellen ist von diesem Trend nur ein Teil,
die reale Massenarbeitslosigkeit aber das dominante Merkmal.
Der vordergründige Mechanismus, wie ihn uns im Frühjahr
beispielsweise der Deutsche Industrie- und Handelskammertag Dortmund
abermals weismachen wollte, stellt die tatsächliche Lage lobbyistendienlich
auf den Kopf: -"Wenn die Konjunktur lahmt, bilden die Unternehmen
weniger Lehrlinge aus. Laufen die Geschäfte schlecht, können
es sich viele Unternehmen nicht mehr leisten, einen Ausbildungsplatz
zu finanzieren"-.
In Wahrheit zwingt unsere Ökonomie die Unternehmen dazu, Ausbildungsplätze
abzubauen, um bessere Geschäfte machen zu können und das
Wachstum zu steigern.
Auch das Zweite Argument der Unternehmen, die schlechte Schulbildung
junger Menschen, muss umfassender betrachtet werden.
Es reicht nicht, wenn der DIHT erklärt: "Das Ausbildungsniveau
sinkt von Jahr zu Jahr - in jeder Schulform". Spätestens
seit der Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen
(KFN) von letztem Monat, gibt es eine logisch nachvollziehbare Ursache
für die Verschlechterungen der schulischen Leistungen deutscher
Schüler.
Das Institut befragte 23.000 Kinder und Jugendliche und fand heraus,
je mehr Zeit sie vor dem Fernseher oder der Playstation verbringen,
desto schlechter sind ihre Noten.
Die Ergebnisse der Studie liefern auch erstmals einen Erklärungsansatz
dafür, dass in der Pisa-Studie der Süden Deutschlands besser
abschnitt als der Norden, dass Mädchen besser waren als Jungen
und dass deutsche Kinder erfolgreicher in der Schule sind als ausländische,
als Kinder von Migranten.
In Bayern und Baden-Würtenberg haben viel weniger Kinder einen
eigenen Fernseher oder eigene Spielkonsole als in Nordrhein-Westfalen
beispielsweise, Mädchen viel seltener als Jungen und erst recht
deutsche Kinder weniger als Kinder von Ausländern und Eingewanderten.
Doch wer fördert denn den Konsum dieser Medien bei Kindern? Wer
hat etwas davon, dass möglichst viele Geräte verkauft werden,
dass möglichst viele Sendungen angeschaut, die dort angepriesenen
Konsumgewohnheiten übernommen werden?
Eindeutige Antwort: die Industrie, oder alle Institutionen, die auf
die Steigerung des quantitativen Wachstums scharf sind, ohne einen
Gedanken an die negativen gesellschaftlichen Folgen, an die langfristigen,
ja verhängnisvollen Schäden an unserem Staat und seinen
Menschen.
Wiedereinmal beklagt die Phanax der vereinigten Geschäftemacher
einen Zustand, der durch Umsetzung der eigenen menschenverachtenden
Wahnvorstellung, der kapitalistischen Wachstumsideologie, direkt verursacht
wurde.
Es wird Zeit, ernsthaft über die umfassenden Vernetzungen des
verhängnisvollen Wegs unserer Industriegesellschaft nachzudenken,
um ihn als fatale Sackgasse zu begreifen, und es wird Zeit, den Übergang
in die Kategorische Marktwirtschaft vorzubereiten, auch wenn die kommende
Regierung hier für die nächsten 4 Jahre wieder einen herben
Rückschritt verspricht.
CCR
7.Oktober
2005: Was
soll man schreiben in diesen politisch leeren Zeiten? Selbst
die deutschen Zeitungen befinden sich seit nach der Wahl in einem
kaltschweißigen Wartezustand und spekulieren wild durch die
Luft.
Die Leser erwarten Informationen, wollen wissen, zu welchen Ergebnissen
der Wahlausgang unser Land führt. Was soll man aber schreiben,
wenn nichts Verwertbares aus der Politik nach Außen dringt,
wenn gar absolut nichts passiert, was nach außen dringen könnte?
Sicher, die Seiten werden auch heuer voll. Drucken lässt sich
immer was, muss halt mehrmals ausgekocht werden was an spärlichen
Knochen noch aufgetrieben werden kann. Und dann vor allem Abwarten.
Warten bis sich die Eitelkeiten der beiden Wahlverlierer geordnet
haben, bis die Dominantesten dieser Dummschwätzerzirkel in Nadelstreifenuniform
die weniger Rücksichtslosen hintenan postiert haben.
Heraus kommt zur Bekämpfung unserer Wirtschafts- und Gesellschaftskrise
ja sowieso nichts. SPD und Union, beide Diener der Kapitalistischen
Planwirtschaft, werden, auch für 4 Jahre Zusammenarbeit aufeinandergepresst,
nichts zum Besseren wenden.
Dies mag sich nach Trotz des Machtlosen anhören. Am Ende wird
aber die Phalanx der Mächtigen abermals versagt haben, werden
sie den Niedergang abermals nicht aufgehalten haben, und werden sie
wegen ihrer unverrückbaren Scheuklappen abermals den Grund dafür
nicht erkennen.
Außerdem ist ein Verfechter der Kategorischen Marktwirtschaft
gar nicht machtlos. Die Zeit arbeitet für ihn, für die Einsicht,
dass seine These die derzeit einzig reale ist. Jeden Tag lassen sich
angesichts der Geschehnisse eine Reihe von Indizien sammeln, dass
die Kapitalistische Marktwirtschaft den Niedergang der Industriestaaten
verursacht, und dass wer mit den Scheinlogismen dieser perversen Wirtschaftsordnung
eine Besserung herbeiführen will, alles nur verschlimmert.
Angesichts der Vorhaben einer großen Koalition kann man nur
erschaudern. Abermals haben wir 4 Jahre Herrschaft der Kurzsichtigen
vor uns, die Geld ausgeben, das sie nicht haben und welches sie unseren
Kindern stehlen.
Abermals wird die privilegierte Klientel der Konzerne und Wirtschaftsführer
bedient mit dem aberwitzigen Argument, dass was der Wirtschaft dient
auch dem Arbeitsmarkt zu gute käme.
Abermals werden die Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen
verbraucht, entwertet und dezimiert um die Produktion von seelisch
und körperlich giftigem Müll für die Gattung Mensch
zu subventionieren.
Abermals werden zur Beschönigung der immer gleichen Statistiken
verhängnisvolle Quantitäten aufgepumpt und den Leuten erzählt,
es geschähe zu ihrem Nutzen.
Und abermals kann ich nur hinterherschreiben, versuchen die Enttäuschung
nicht ins Handeln eingreifen zu lassen, den Kopf hoch halten und mich
gegen meine Neigung, angesichts des Dramas zynisch zu werden, zur
Objektivität zwingen und die Chancen, die sich innerhalb der
Kategorischen Marktwirtschaft bieten, anhand möglichst vielfältiger
Details deutlich zu machen.
Zur Zeit ermöglicht mir, wie vielen Bloggern, so etwas wie eine
Herbstdepression angesichts der trüben Aussichten nurmehr den
Spott. An tägliche Beiträge ist gegenwärtig nicht zu
denken.
Am liebsten würde ich hineinschlagen. Doch was würde es
den Klüngel aus angegammeltem politischen Gummi kümmern?
CCR
Blogarchiv
- Monat September 2005
29.September
2005: Es
läuft nicht schlecht. Die beiden großen "Volksparteien"
sind dabei, ihre mittelfristige Selbstenttarnung vorzubereiten. Momentan
sind sie zwar noch auf der Suche nach personellen Details, aber nach
der Wahl in Dresden wird wohl bald ein Ergebnis sichtbar werden.
Der Mehrwertsteuersatz wird großkoalitionär entsprechend
dem Abschneiden beider Parteien etwa in der Mitte, zwischen nicht
erhöhen und auf 18 erhöhen, eingependelt. Da CDU und SPD
nicht gleich viel Stimmen bekamen, wird er bei etwa 17,090372% festgelegt
werden.
Den Einwänden einiger Parlamentarier, dieser unrunde Wert könne
zu mehr Bürokratie führen, wird mit der Einführung
eines Mehrwertsteuersatzharmonisierungsabschlags begegnet, den Hartz4-Empfänger
mit unterdurchschnittlicher Konsumbeteiligung, Familien mit weniger
als einem halben Kind und Rentner über 70, die noch einen Führerschein
besitzen, aufzubringen haben. Um dabei soziale Härten zu vermeiden,
bekommen diese Gruppen zwei mal im Jahr einen kostenlosen Gutschein
zur Teilnahme an der Glücksspirale und freie Einkaufswagen bei
Lidl und Aldi.
Gesundheitsexperten beider Regierungsparteien sind schon mit
der Ausarbeitung einer Bürgerkopf-Versicherungspauschale beauftragt
worden. Gegenüber der Presse wollte der Kommissionsvorsitzende
Rührendhofer keine Angaben darüber machen, wie die Bürgerköpfe
letztendlich vermessen werden sollen.
Es sickerte lediglich durch, dass an eine Verkaufsaktion besonders
billiger Hüte über flächendeckend ansässige Discounter
gedacht wurde, wobei über ein vollflächig installiertes
Video-Überwachungssystem mit intelligenter Software-Verarbeitung
die persönliche Auswahl der Hutgröße eines jeden Bürgers
erfasst und die individuelle Höhe des Versicherungsbetrags errechnet
werden kann.
Aus den Reihen der CSU wurde laut, einige Bürger könnten
sich entschließen, gar keinen Hut zu kaufen, weil sie den Schrank
noch voller alter Exemplare von kurz vor der Wahl hätten. Deshalb
sei es nötig, den Besitz der Bürgerkopfumfang-Ermittlungshüte
zur Pflicht zu machen. Wenn man von Bürgern einen Führerschein
zur Teilnahme am Straßenverkehr verlange, könne man auch
einen Hut zur Teilnahme am Gesundheitssystem verlangen.
Der liberale Flügel der SPD um Video-Experte Schielauge zeigte
sich besorgt. Die Installation von Videokameras sei zur Terroristenabwehr
zwar an allen öffentlichen Plätzen vertretbar, nicht aber
zur Beobachtung der Bürger beim Hutkauf.
Es sei viel sinnvoller, nur zu registrieren, DASS die Bürger
die Hüte gekauft haben, nicht aber welche Größe letztendlich
ausgewählt wurde. Ein schlauer Gesundheitsteilnehmer könne
extra einen zu kleinen Hut kaufen um so seine Versicherung klein zu
rechnen. Wesentlich effektiver sei es, die Wahlkampfhelfer beider
Parteien nach Abhängen der Wahlplakate zum individuellen Messen
des Kopfumfangs an die deutschen Wohnungen zu schicken.
Wie aus dem
ermittelten Umfang der mittlere Durchmesser, daraus der Versicherungbetrag
und hieraus schließlich die zu zahlende Pauschale ermittelt
werden soll, soll spätestens nach Weihnachten mitgeteilt werden.
Unterdessen konnte ein Pressefotograf Kanzler Schröder beim Ausprobieren
einer Merkelperücke ablichten. Seiner Geistesgegenwart war es
anschließend zu verdanken, dass Schröders Leibwächter
seine Kamera nicht schnappen konnten und ihm die Flucht gelang.
Leider wurde ihm beim Versuch, das Foto zu verkaufen, unterstellt,
eine Fotomontage gebastelt zu haben, und sein Verlag kündigte
ihm mit dem Vorwurf, mit unseriösen Methoden gegenüber Politikern
berühmt werden zu wollen.
Über die Kanzlerfrage darf man also weiter gespannt bleiben.
CCR
20.September
2005: Jetzt
ist in den Parteien die Zeit der Selbstdarsteller, der Eigenentlarver,
die Zeit derer, die einen der über ihnen steht, schon lange stürzen
wollten, die Zeit der Obereitlen, der Nachrechner und der Zweitreihentaktiker.
Jetzt wird aller Blödsinn der vergangenen Wochen noch mal ausgekocht,
vielleicht hat man sich in der Brühe getäuscht.
Sie müssen koalieren, auch wenn es ihnen sowas gegen den
Strich zieht. Sie müssen Kompromisse akzeptieren obwohl sie lieber
von Anderen Kompromisse erwarten.
Sie schwitzen insgeheim, weil eine Unverschämtheit, was
das Wahlvolk sich erlaubt hat.
Die Grünen sind noch am Besten dran. Sie werden hofiert, können
abwarten und dann abwägen. Zusammen mit schwarz-gelb würden
sie die geringste Gefahr laufen, sich bis zur nächsten Wahl herunterzuregieren.
Schröder ist kurz vor seinem Abgang. Sein Auftritt als Klein-Gerdchen,
(- ich-will-aber-(motz) -) wird ihm den Rest bescheren. Ob Jamaika
oder große Ko., die SPD scheint vor dem Hauptwaschgang zu sein.
Lafontaine, den die Altparteiler und vor allem eine große Zahl
von Journalisten vom Schlage geboren in Opportunististan zum Fußabstreifer
erklärt hatten, kann lächeln. Ihn werden wir noch brauchen,
so oder so. Hoffentlich kommt bald programmatisch mal was Vernünftiges
von ihm, sonst wird auch er als politischer Charakter langsam verdunsten.
Merkel strampelt noch. Entgegen den Absonderungen der Demoskopennasen
ist sie vernachlässigbar. Dass Politstars inhaltlich nichts drauf
haben, ahnt das Volk. Bei Merkel sieht man es indessen.
Und die FDP, hat sie doch wieder massenhaft CDU-Wähler für
die Zweitstimme gewonnen. Sie verbucht es als erarbeiteter Stimmenzuwachs.
Möchte gern wissen, wieviele CDU-Anhänger sich nach der
Wahl in den Arsch beißen wollten, weil sie es mal wieder übertrieben
hatten mit dem Der-FDP-über-die-5-Prozent-Hürde-helfen.
Hah, -besauft euch nicht, das kostet noch mehr Gehirnzellen.
Lassen wir sie mal verhandeln, lassen wir sie mal überlegen,
wie ihr Schäfchen und die Schafherde ihres Anhangs aus dieser
Situation ins Trockene kommt. Vielleicht springt ja auch etwas Politik
dabei heraus, auch wenn die den Niedergang weiter schürt, man
soll ja nicht so undankbar sein.
CCR
19.September
2005: Die
Bundestagswahl hätte angesichts der Stimmenverteilung
auf die sich stellenden Parteien kaum besser ausfallen können.
Ich würde mir eine große Koalition wünschen, nicht
weil dies, wie es viele Kommentatoren darstellen, unsere Probleme
angeblich besser lösbar macht. Sicherlich, SPD und UNION behindern
sich in etlichen Entscheidungen gegenseitig. Eine erzwungene Zusammenarbeit
könnte hier für zügigeres Durchziehen von Maßnahmen
sorgen, nur, von was für Maßnahmen? Alle Rezepte dieser
halbrechten und halblinken Lobbyisten der Kapitalistischen Planwirtschaft
sind schlichtweg an der Realität vorbeigerichtet, seien es die
bisherigen oder die kommenden. Unsere Krise ist ein Produkt der Politik
dieser Leute.
Eine große Koalition hätte viel mehr folgenden Nutzen:
Der realpolitische Dilletantismus dieser Parteien würde am eindrucksvollsten
zur Schau gestellt. Es würde viel neues hirngespinstiges erfunden
und als Reformen gegen die Krise verkauft werden, und immer tiefer
würden wir in den Sumpf versinken, weil alle Maßnahmen
der beiden großen Parteien nicht im Bewusstsein der eigentlichen
Ursache für die Krise erdacht werden. Fatalerweise wäre
eine Koalition aus SPD und Union der beste Garant für die Fortsetzung
des Niedergangs.
Wir alle würden darunter leiden, aber die Amateurhaftigkeit dieser
Politiker könnte so richtig deutlich werden. Die kleinen Parteien
könnten dazugewinnen. Schlichtweg durch Unterlassung ihrer Rezepte
würden sie sich bescheiden profilieren können. In der Opposition
lässt es sich leicht meckern.
Vor allem aber, und dies ist das Entscheidende, könnte die Notwendigkeit
für eine ganz neue Kraft ins Bewusstsein dringen. Den Menschen
ließe sich angesichts der universellen Erfolglosigkeit der etablierten
Parteien ein anderes Konzept, basierend auf einem weit umfassenderen
Ansatz, nahebringen. Der Thesenkomplex der Kategorischen Marktwirtschaft
ist geeignet, einen Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus sichtbar
zu machen. Im Gegensatz zu allem, was bisher unter einem "Dritten
Weg" entworfen wurde, wäre hiermit erstmals eine realistische
Alternative aufgezeigt, sehr viel realistischer, als die abwegigen
Fantasien der bisherigen Niedergangsparteien.
Es klingt natürlich zynisch, dass erst durch eine weitere Verschärfung
der Problematik eine Besserung in Sicht kommen soll, aber ich denke,
dies ist der Lauf der Welt. Warum sollte ich in die Illusion verfallen,
die Verhältnisse würden sich rechtzeitig zum Guten ändern?
Zwar sind meine Versuche, mit den Thesen unter restmuellnet.de in
die öffentliche Diskussion zu kommen, bisher von wenig Erfolg
gekrönt gewesen. Ich bin gerade etwas ratlos, wie soll ich die
Kategorische Marktwirtschaft bekannt machen, wenn ich damit nicht
über diese Website hinaus komme?
Ob große Koalition, "Ampel-" oder "Jameikakoalition",
in jedem Fall braucht unsere Gesellschaft eine realistische Politik.
Egal welcher Zusammenschluss von Parteien nach dieser Wahl den Niedergang
fortsetzt, die Kraft der Zukunft muss jetzt heranreifen. Diese Kraft,
sei es eine neue Partei oder eine andere mächtige Art von Initiative
auf der Grundlage der Kategorischen Marktwirtschaft, ist der einzige
Lichtblick, der uns noch bleibt. Wenn wir auch noch völlig machtlos
sind, nach dieser Wahl uns klein vorkommen wie eine Maus, arbeiten
wir doch weiter an den Grundlagen für eine menschliche Politik,
die ohne Ausbeutung der Zukunft auskommt. Nur dieses braucht die Welt
wirklich.
CCR
15.September
2005: Je
näher die Wahl rückt, desto sarkastischer werde ich. Am
liebsten würde ich schnell noch ein paar Plakate malen und sie
an der B41 aufhängen.
Richtig harte Sprüche müssten draufstehen, etwa "SPDCDUGRÜNEFDPLINKE
- welches Schweinerl hättens denn gerne?" Dieser Ausspruch
von Robert Lembke aus seiner Sendung "Was bin ich?", ist
nicht allzu böse, drückt aber ein wenig die Sinnlosigkeit
dieser bevorstehenden Staatszeremonie aus.
Vielleicht sollte man das Tier wechseln um nicht in den Verdacht zu
kommen, Politiker generell als Schweine zu betiteln. Immerhin war
es ja Robert Lembkes Idee, seinen Gästen Sparschweine anzubieten,
wo er die 5-Mark-Stücke reinwerfen konnte. Zugegeben, an die
Wahl hat Lemke nicht gedacht.
Gut passen würde aber auch der Bock, wenn ich ihn nicht erst
vor wenigen Tagen schon bemüht hätte. Aber der Bock im
Garten ist unübertreffbar. Jeder, der einen Garten hat und
ihn auch noch liebt, würde sich schütteln bei dem Gedanken
ein solch stures Vieh steht unbemerkt in den Beeten und frisst gnaden-
und unterschiedslos alles ab. Am Ende bleiben nur Disteln, Bohnenstangen
und Erbsenreiser übrig.
Ein Elefant oder ein Nilpferd würde auch passen. Die zarten Pflänzchen
würden hier halt mehr platt gemacht als weggefressen. Ja, Wildschweine
gehen natürlich auch. Die wühlen alles auf und suchen erst
mal die leckeren Knollen. Das Ergebnis für unsere geliebten Gemüsepflänzchen
ist dasselbe. Ich erinnere mich noch an die eine Wiese vor unserem
Ort, da, wo ich Brennholz gemacht hatte im Februar. Der Angestellte
der Jagdpächter war hier 3 Tage beschäftigt, um die Fläche
wieder einigermaßen eben zu bekommen, damit der Besitzer wieder
mähen konnte.
Oder die berühmte Büffelherde, wo ich doch gestern abend
erst die 4 Std-Version von Kostners "Der mit dem Wolf tanzt"
angeschaut habe. Eventuell kann man auf die Büffel verzichten,
wenn auch nicht auf dieses grandiose Bild mit der gigantischen Staubwolke
am Horizont, wenn die Herde unüberschaubar groß an der
Hütte vorbeidonnert und innen das Geschirr im Regal das Klappern
anfängt, und schließlich auf den Fußboden fällt.
Man stelle sich vor, sie trampeln alle heran. Merkel, Schröder,
Fischer, Lafontaine, Westerwelle, jeweils hinter sich sämtliche
Kompetenzteamisten, die Fernsehbekannten und die von der Reservebank,
dazu sämtliche Nachwuchspolitiker und führende Generäle
der Parteisoldaten, fortgeschrittene Plakataufhänger und Omaüberzeuger.
Sie drängeln heftig, schubsen sich, wollen erster sein und achten
nicht auf den Boden unter sich.
Und dann unser geschätzter Garten im Weg, - ich kann nicht
hinsehen!
Die Parteien der Kapitalistischen Planwirtschaft werden abermals legitimiert
werden, weitere 4 Jahre zu zerstören. Derzeit gibt es kein Mittel,
sie davon abzuhalten. Noch 3 Tage und wir werden wissen, wer denn
von ihnen die gründliche Demontage der Zukunft hauptsächlich
fortsetzen darf.
Es ändert sich nur die Farbe der Scheuklappen an den Figuren,
die Politik ändert sich nicht.
In unserem Garten wird kein Kraut Bestand haben. Es werden keine wohlschmeckenden
Früchte zu ernten sein. Lediglich Bilder von ihnen wird man uns
zeigen, und uns versprechen, was man uns immer verspricht. Wenn dann
nach einer Zeit eine weitere Politikerwelle sich die Pensionen gesichert
hat, kommt dann wieder Wahl, die Zeitungen bringen wieder überflüssige
Berichte, ernstguckende Fachleute werden den Haufen Scheiße
wieder als hochkomplexes Objekt erklären, in dem einige Silberstücke
zu finden seien und es wird genauso sein, wie heute. - Wenn wir bis
dahin nicht die Kategorische Marktwirtschaft ins öffentliche
Bewusstsein gebracht haben.
CCR
13.September
2005: Die
Überarbeitung des Teils 3 ist fertig. Der Prozessverlauf ist
nun vollständig einsehbar.
Auch die Seite -Über RestmuellNet- wurde ganz neu geschrieben.
Einige Leser haben zu Recht kritisiert, dass hier eigentlich in sachlicher
Form der Zweck und das Anliegen von restmuellnet.de beschrieben sein
müsste. Ich hoffe, diesen Wunsch nun erfüllt zu haben.
Leider hat die Fortführung des Blogs wiedereinmal gelitten, nicht
weil es keine Themen gäbe, sondern, weil mir die Zeit zum Schreiben
nicht jeden Tag zur Verfügung steht.
PS.: Die neuesten Großplakate der CDU, mit einem Foto ihrer
Kandidatin, lassen sich wunderbar und mit einfachsten Mitteln ins
Lächerliche ziehen. Lediglich unter das rechte Auge von Angela
Merkel, die hier wirklich ziemlich treu-doof guckt, mit schwarzem
Stift eine Träne malen - Fertig!
CCR
8.September
2005: Deutschland
schickt nun Katastrophenhelfer vom Technischen Hilfswerk samt
schwerem Gerät nach New Orleans. Große leistungsfähige
Pumpen, die auch schon beim Oder-Hochwasser vor drei Jahren überflutete
Gebiete trocken legten, und andere technische Hilfsmittel, werden
zusammen mit den Männern mit US-Transportmaschinen in die gebeutelte
Region geflogen.
Die ganze Welt wundert sich, dass die starke Nation USA, die den "Terror
überall in der Welt bekämpft", die mit enormen finanziellem
Aufwand in den Irak einmarschiert ist und diesen immer noch versucht
zu kontrollieren, die sich als Retter der Welt sieht, als Bringer
der Demokratie, als muskelbepackter Actionman gegen die Millionen
Bin Ladens drum herum, als führende Kapitalmacht, am Unglück
von New Orleans derart scheitern konnte.
Präsident Bush, diese unsägliche Witzfigur, kann seinen
Landleuten ja erzählen, dass es ihm Leid tut, aber dass die tapfersten
Männer nun mal im Ausland gebunden seien, um die glorreiche Nation
vor den bösen Fundamentalisten zu schützen. Er vermeidet
dies, weil er offensichtlich die Überrennung seines Landsitzes
durch die immer mehr Ausgestoßenen von der schicken amerikanischen
Gesellschaft vermeiden will.
Ich glaube, ihm gehen dieser Tage zum ersten Mal gehörig die
Muffen. Nach der Hurrikan-Attacke wird es für die Welt richtig
deutlich, dass diese USA lediglich noch eine große Fassade ist,
hinter welcher der letzte Rest von Substanz unaufhörig bröckelt.
Jetzt ist schon von 25.000 Leichensäcken die Rede, die in die
Region geliefert werden.
Wie konnte es zu so vielen Toten kommen? Kann die Welt einem Staat,
der sich in punkto Krisenmanagement gegenüber der eigenen Bevölkerung
als Versager outet, noch länger irgend eine führende Rolle
in der Welt zugestehen?
Wie weit soll der Verfall des Roms der Gegenwart noch voranschreiten,
bis wir erkennen, dass unsere Abhängigkeiten und Verbindungen
zu Amerika auch uns langfristig schweren Schaden zufügen? Dieses
Musterland der Kapitalistischen Planwirtschaft, dieser auf Ökonomie
fixierte Koloss, der ohne Bedenken seine Profite durch Abwälzung
der größten Produktionskosten, auf die Allgemeinheit und
die nachfolgenden Generationen erzielt. Diese rücksichtloseste
und egoistischste aller derzeitigen Regierungen, die unsere Erde ausplündert
und Elend und Zerstörung hinterlässt und die vor Vampirismus
an den eigenen Leuten nicht zurückschreckt, wir müssen uns
abkoppeln, statt deren Ideologie in Form des Neoliberalismusses allmählich
zu übernehmen und uns irgendwann genauso fern vom eigentlichen
Leben wiederzufinden.
Wir müssen der destruktiven anglo-amerikanischen Wirtschaftsform
ein menschliches Ökonomiemodell gegenüber stellen, sonst
wird diese abgehobene Dekadenz auch uns irgendwann sämtliche
Sinne für die Realität vernebeln, und bei dem geringsten
Knüppel zwischen den Beinen im Lauf des Alltags werden wir ebenso
stolpern, vielleicht auch gehörig auf die Fresse fallen.
Die Rettungskräfte in New Orleans werden jetzt davor gewarnt,
mit dem Überschwemmungswasser in Berührung zu kommen.
In ihm sind Unmengen von Bakterien, Chemikalien und Substanzen wie
Blei enthalten, so dass ein Spritzer auf der Haut schon zu ernsthafter
Erkrankung führen kann.
Das muss man sich mal vorstellen, ganz New Orleans ist praktisch
bedeckt von einem See aus Sondermüll. Wo wollen denn die
THW-Helfer mit ihren Hochleistungspumpen diesen Cocktail hinpumpen?
Sie werden wohl Anweisung erhalten, die giftige Suppe dorthin zu befördern,
wo der geringste Widerstand dagegen zu erwarten ist, nämlich
ins Meer.
Doch wer stellt die Frage, woher neben den Bakterien im Flutwasser
eigentlich diese Mengen an giftigen Chemikalien kommen? So entsorgt
die Kapitalistische Planwirtschaft wieder einmal ihre unliebsamen
Hinterlassenschaften auf Dritte. Die Hurrikan-Katastrophe wird neben
dem menschlichen Elend auch zum gigantischen Beispiel für die
Externalisierung von Produktionsfolgekosten auf die Weltgemeinschaft
und unsere eigenen Kinder.
Deshalb noch einmal und auch angesichts dieser Not in Amerika: Es
wird Zeit für die Kategorische Marktwirtschaft!
CCR
7.September
2005: Die
große Show kommt so langsam in ihre Endphase. Bis zum
18ten werden wir wissen, wer von den beiden Schauspielern den ersehnten
Freibrief vom Volk erhällt, um ungestört mit seinen Anhängern
vier Jahre lang am gefüllten Euter der Mutter Staat saugen
zu dürfen.
Wer von den im Angebot stehenden Scheuklappenträgern, auch Politiker
genannt, nun die große Entscheidungsgewalt erhält, ist
eigentlich völlig zweitrangig. Keiner von ihnen hat bis jetzt
auch nur im Ansatz eine realistische Analyse für die Gründe
der gegenwärtig epidemierenden Wirtschafts- und Gesellschaftskrise
vorgelegt. Alle wissen sie sich lediglich aus der mit Spinnweben übersähten
Mottenkiste der veralteten Ökonomie zu bedienen und merken noch
immer nicht, dass die Medizin der 1950er Jahre für die gegenwätige
Lage blankes Gift ist.
Mittlerweile fällt es mir sehr schwer, beim Beschreiben dieser
gnadenlosen Unfähigkeit der momentanen und der baldigen Strippenzieher
noch einigermaßen objektiv zu bleiben.
Alles ist schon gesagt. Deutschland wird aus dem Angebot dieser hungrigen
Selbstdarsteller mal wieder einen mit andersfarbigem Gärtnerkostüm
verkleideten Bock in unser aller Garten schicken und wieder
die vergebliche Illusion hegen, dieser könnte dort endlich Gemüse
und Blumen zum prächtigen Gedeihen bringen.
Wieder wird Deutschland sehen, wie vier Jahre lang nur abgefressen
und verkotet wird, um sich dann, vor der nächsten Wahl, abermals
einen großen Korb voll Ausreden einerseits und einen solchen
voll Besserwisserei andererseits überschütten zu lassen.
Dann werden die Stühle getauscht und das Spiel geht von Neuem
los, usw.
Aber Moment mal, - wo bleibt eigentlich unser Volk, wo bleiben die
Menschen in Deutschland während dieser teuren aber nutzlosen
Dauerinszenierung, die auch Politik genannt wird.
Die Meisten im Lande glauben offenbar, dies müsste so sein. In
allen Medien wird das Thema, die Statements der Politikstars mit voller
Ernsthaftigkeit dargestellt. Das Beste allerdings, was Deutschland
passieren könnte wäre eine große Koalition der
Journalistinnen und Journalisten zu dem Zweck, jegliche Ernsthaftigkeit
aus der Parteipolitik abzuziehen und nur noch belächelnd und
ironisch darüber zu berichten.
Wann bekommt diese elende sich gnadenlos wiederholende Karussellfahrerei
endlich den angemessenen Stellenwert? Was geht in den Köpfen
dieser Männer und Frauen in den Redaktionen vor, wenn sie abermals
über Ergüsse aus Merkels oder Schröders Lager berichten
sollen, oder über diese aus den anderen drei relevanten Politlobbyzirkeln?
Früher stellte ich mir einmal vor, was in den Köpfen von
amtlichen Schuldeneintreibern so vor sich geht. Nach einem Fernsehbericht
über deren Arbeit, - sie klauben hauptsächlich bei den ganz
armen Leuten die letzten Euros zusammen, - konnte ich nicht verstehen,
wie diese abends beruhigt Feierabend machen können. Den ganzen
Tag mussten sie Schuldner in verwahrlosten Sozialwohnungen aufsuchen
um diese zum Herausrücken der letzten Scheine zu überreden,
alle arbeitslos, teilweise alkoholabhängig, schlecht ernährt,
keine Freude, Kinder werden nur kommandiert, oder das letzte Geld
für zeitgeistobligatorische Konsumartikel ausgegeben, damit das
Mobbing einigermaßen erträglich bleibt. Da ziehen diese
amtlich beauftragten Eintreiber tagtäglich von Einzelelend zu
Einzelelend und werden dafür bezahlt. Ihnen bleibt keine Möglichkeit,
sich gegen die Ursachen dieses Elends zu stemmen. Dessen Existenz
sichert sogar noch ihr Einkommen.
Ebenso muss es Menschen im Journalismusberuf geben, die sich abends
auch fragen, wieso sie eigentlich helfen, diesen in der Vorwahlzeit
besonders geruchsintensiven Mist am Kochen zu halten.
Ob es nicht gelingen kann, gemeinsam auszubrechen, im großen
Chor endlich einvernehmlich zu schreien: -"Es reicht jetzt!"-
und den Politikern samt ihren Zuarbeitern aus Wirtschaft und Ökonomiewissenschaft
Narrenkappe und rote Nase aufzusetzen und ein Schild um den Hals wo
drauf steht: "Ernst nehmen gefährdet die Zukunft unseres
Landes!"
CCR
5.September
2005: Wer
hat sich gestern nicht das TV-Duell zwischen den beiden Kanzlerkandidaten
angesehen.
Beide waren lässig, gepflegt aussehend und auf weiten Strecken
cool. Deutlich merkte man, dass Merkel und Schröder sich gut
vorbereitet hatten und dies auf die gleiche Art und Weise: Sie hatten
sich eine Reihe von Redeblöcken zurechtgelegt, die dann, mit
ein oder zwei frei gesprochenen Einführungs- und Überleitungssätzen,
zum besten gegeben wurden. Dies war auch der Hauptgrund für den
Eindruck, dass keiner der beiden auf die gestellten Fragen antwortete.
Die vier Journalisten bemühten sich geduldig ihre Fragen
vollständig zu stellen, wurden aber meist vom zu früh einsetzenden
Redeschwall der Kandidaten unterbrochen. Wie kann man denn auf eine
Frage antworten, die man sich gar nicht ganz angehört hat? Beide
Politiker klammerten sich derart streng an die vorgefertigten Einzelstatements,
dass der letzte Satz des ausgesprochenen Gedankens oft unter die Räder
des nächsten, sich vorschnell schon ins Bewusstsein hineindrängenden
Gedankens kam. Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Tonfall von
jedem der beiden hatte meist, nach glücklich zu Ende gebrachtem
Redebeitrag, einen Ausdruck, dass ich meinte, jetzt sind sie fest
davon überzeugt, diese Etappe gewonnen zu haben, jeden Moment
müsste eigentlich tosender Applaus einsetzen.
Merkel erzählte Privates von Paul Kirchhof, Schröder
punktete mit dem Bild von den Deutschen als Versuchskaninchen der
Vorschläge Kirchhofs. Den von Kirchhof geforderten vollständigen
Subventionsabbau zog er geschickt ins Düsterste, indem er nur
das anführte, was die Arbeitnehmer betrifft, - altbekannte Taktik
unter der Überschrift -Mit Halbwahrheiten zum Ziel -, und sich
demgegenüber dann als Retter positionierte.
Die Äußerungen Merkels zum Privaten machten Kirchhof durchaus
sympatisch, sie erzählte von seinen vier Töchtern und dessen
Kindern. Dies versprühte unausgesprochen eine gewisse Alltagskompetenz
Kirchhofs.
Schröder betonte, wie er seine Frau bewundere. Des Kanzlers Liebesbekenntnis
an sie, mit ernster Mine und nachdenklichem Blick vorgetragen, war
eher kitschig. "Das ist der Grund, warum ich sie liebe",
"weil sie lebt, was sie sagt". Sofort danach obsiegte wie
ein Rums für eine kurze Sekunde lang eine gehörige Portion
Peinlichkeit.
Merkel lobte sich als damalige Familienministerin. Schröder führte
wiederholt an, sie hätten 4 Millarden in die Kinderganztagsbetreuung
gesteckt, "wir waren die ersten". Immer wieder werden
die gestellten Fragen nicht beantwortet. Einmal jubelt Maybrit Illner,
weil Merkel nach langer Abschweifung die gestellte Frage noch weiß.
Merkel betont ständig, dass sie kämpfen wird. "Wir
haben ganz reale Chancen, dass wir es schaffen können. Dann werden
die Weichen gestellt, dass es mit Deutschland wieder aufwärts
geht."
Auf die Frage, wer denn nun den besseren Eindruck hinterlassen
hat, würde ich antworten: die vier Journalisten und Journalistinnen.
Sie stellten gute Fragen, wenn diese auch nie direkt beantwortet wurden.
Sie ließen sich auch nicht im vollständigen Ausformulieren
unterbrechen. Lieber akzeptierten sie, dass sie und einer der beiden
Politstars gleichzeitig redeten und man gar nichts mehr verstand,
als dass sie vor Ende ihrer Frage kapituliert hätten. Dies gab
den eigentlichen Fragen einen seriöseren Anstrich als den scheinbaren
Antworten.
Sofort nach dem Auftritt der beiden Politiker wurde die Statistik
veröffentlicht, in der Schröder zwar den besten Eindruck
hinterlassen habe, Merkel aber besser abgeschnitten hätte als
erwartet. So nahmen beide Stars ihren Grund mit nach Hause, sich auf
die Schulter klopfen zu können. Alle sind zufrieden, aber nichts
hat sich verändert.
Was bedeutet dieses "Fernsehduell" aber für die Politik
dieses Landes? Welche Aussichten eröffnen sich für die nächsten
Jahre?
Merkels Zauberwort hieß wie erwartet Wachstum. Überall
brachte sie es an. Schröders Botschaft war die gleiche,
wenn auch mit anderen Worten. Weil ich weiß, was von beiden
unter Wachstum verstanden wird, habe ich nicht die Spur einer Hoffnung.
Wirtschaftswachstum herkömmlicher Art vernichtet neben den natürlichen
Lebensgrundlagen direkt Arbeitsplätze für Menschen. Deshalb
ist Merkels Schwur, "Sozial ist, was Arbeit schafft",
als Disqualifikation, als Offenbarungseid ihrer sozialer Kompetenz
anzusehen. Ebenso hat auch Schröder nicht begriffen, dass Wachstum
Arbeit direkt abschafft.
Nicht die Spur der Einsicht in die Regeln der Kategorischen Marktwirtschaft.
Beide Parteiführer fahren weiter dem Niedergang entgegen, weil
sie stur weiterpropagieren, was unsere Gesellschaft kaputt macht.
Meine Prognose wird sich bewahrheiten. Es herrscht weiter unnützes
Geschwätz, die ungebrochene Dominanz der falschen Berater und
die subtile Herrschaft der wenigen Nutznießer dieser Kapitalistischen
Planwirtschaft.
Und ich weiß immer noch nicht, wie die Thesen zur Kategorischen
Marktwirtschaft in die öffentliche Diskussion gebracht werden
können. Dann erst würde es interessant werden mit der Diskussion
um unsere Zukunft, wenn nicht immer nur die gleiche altbackene Politik,
lediglich in unterschiedlich gefärbten Parteikostümen wiedergekäut
werden würde.
CCR
2.September
2005: Vom
Urlaub wieder zu Hause schlittere ich schneller in die alten Alltagszwänge
hinein, als mir lieb ist.
Von den liegengebliebenen Ausgaben der Rhein-Zeitung lese ich nur
die letzten zwei vom 30. und 31. August. Ab September kommt keine
Tageszeitung mehr. Die Redaktion hat mich mit einem Standartbrief
gebeten, die Gründe für die Abokündigung über
eine kostenlose Telefonnummer mitzuteilen. Bis heute hab ich dort
noch nicht angerufen.
Allerdings bestätigen die beiden letzten August-Zeitungen meinen
Entschluss noch einmal deutlich.
Ich will keine täglichen Infos mehr von dieser strukturkonservativen
Journalistenclique, keine politischen Halbwahrheiten als Kommentar
verpackt, keine Werbestapel jeden Tag, keine lokalen Banalitäten
("Rentner säuberten Spielplatz"). Mehr Zeit fürs
übrige Papier.
Die beiden herausstechendsten Meldungen waren am 30. und 31. die Katastrophe
um New Orleans und die Berufung des Siemens-Chefs zum Merkel-Berater.
Es hängt mir mittlerweile dermaßen zum Halse heraus, immer
diese Scheuklappenträger aus der Wirtschaft als Erneuerer vorgestellt
zu bekommen. Von Pierer ist nur ein weiterer dieser kurzsichtigen
Anhänger der Kapitalistischen Planwirtschaft, zu denen mir
in Anbetracht der Regeln einer Kategorischen Marktwirtschaft nur einfällt:
Wehe, wenn sie losgelassen!
Von Pierer will alle nutzlosen Grausamkeiten noch einmal aufwärmen
und die deutsche Bevölkerung zum Verzehr zwingen. Wir werden
uns teilweise abermals übergeben und am Ende noch mehr Arbeitslose
und Schulden akzeptieren müssen.
"Investitionsbremsen lösen", "klare
strategische Ausrichtung Deutschlands in Richtung Innovation und Wachstum",
"ein Rat aus zehn Wissenschaftlern und Managern soll sich vier
mal im Jahr treffen und Merkel Tipps geben, wie man für mehr
Innovation und Wachstum sorgen kann".
Der weitere Niedergang unserer Gesellschaft ist damit vorprogrammiert.
Dies wird jeder bestätigen, der sich mit den Thesen zur Kategorischen
Marktwirtschaft und den sich daraus ergebenden Regeln für unser
aller Zusammenleben beschäftigt hat.
Leider bewege ich mich mit meinen Apellen immer noch wie der einsame
Rufer in der Wüste. Sämtlicher Medienjournalismus stürzt
sich wohlwollend oder ablehnend auf die Eruptionen der etablierten
Parteien, statt eine neue, viel umfangreicher greifende Alternative
aufzunehmen und zu diskutieren.
Letzte Woche, als ich durch die Kölner Innenstadt ging, drückte
man mir eine kostenlose Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
in die Hand. Normalerweise lese ich dieses Blatt nicht, deren politischer
und wirtschaftlicher Teil gründlich von der Ideologie der Kapitalistischen
Planwirtschaft durchseucht ist.
Einmal kam ich dann doch ins Schmunzeln, als ich wieder mal eine Momentaufnahme
des unsäglichen Konjunkturprognosen-Auf-und Abs las. Der
Ifo-Geschäftsklimaindex ist mal wieder gefallen. Ifo-Chef Hans-Werner
(Un-)Sinn konnte es sich wieder mal nicht verkneifen, der Öffentlichkeit
von seinen neuesten Masturbationsergebnissen zu berichten.
Ich frage mich echt, wieso keine der Redaktionen, die über Untersuchungen
von Wirtschaftswissenschaftler berichten merkt, wie vollständig
sinnlos deren Arbeit mittel- und langfristig eigentlich ist. Auch
kurzfristig taugt sie nur zum Bedrucken von Papier, welches morgen
im Abfall landet und selbstverständlich auch zur Rechtfertigung
der finanziellen Bezüge dieser sektendienlichen Orakelisten und
Glaskugelgucker mit erhobener Nasenspitze.
Naja, vielleicht spielen Wirtschaftsjournalisten und Wirtschaftswissenschaftler
nur gerne Ping-Pong und verkleiden dies mit Seriösität,
damit es keiner merkt.
CCR
Blogarchiv
- Monat August 2005
29.August
2005: Als
einen absoluten Kontrast zu den Geschäften mit ihren Waren und
den sich durch die Straße wälzenden Menschenmassen, empfand
ich in der Kölner Fußgängerzone den schweigenden Protest
einiger älterer Frauen, die ganz in schwarz gekleidet
waren.
Sie hielten neben einer Reihe kleinerer auch ein großes Tranparent
hoch, worauf auf schwarzem Grund mit weißer Schrift geschrieben
stand: Wir protestieren gegen 38 Jahre Besatzung. Ich ging auf sie zu
und fragte, welche Besatzung sie denn meinten, worauf ich mit zweien
der Frauen ins Gespräch kam. Ihr Protest richtete sich gegen 38
Jahre Besetzung palästinensischen Landes durch den Staat
Israel.
Sie verstanden sich als deutsches Äquivalent zu jüdischen
Frauen in Israel, die seit vielen Jahren gegen die Gewaltherrschaft
ihrer eigenen Landsleute über das palästinensische Volk protestieren,
weil sie der Meinung sind, ohne vollständige Rückgabe der
besetzten Gebiete wird es niemals einen echten Frieden
geben.
Von solchen Protesten wird in Deutschland nicht berichtet. Dies fügt
sich nahtlos in meine eigene Erfahrung ein, dass jegliche Kritik an
der Politik der israelischen Regierung sofort mit Antisemitismus auf
eine Stufe gestellt wird.
Um die zweifelhafte Rolle der Schutzmacht USA zu verdeutlichen,
verteilten sie die Kopie eines Interviews mit Noam
Chomsky aus der Ausgabe von Publik-Forum Nummer 8/05, in welchem
schwere Vorwürfe gegen die Amerikaner und ihre Israelpolitik erhoben
werden. Im Archiv von Publik-Forum konnte ich das Interview nicht finden,
wohl aber auf einer Internetsite aus Österreich. Dieses Interview
sollten alle lesen, die sich nicht mit der Berichterstattung nur einer
Kofliktpartei und dem weitgehend opportunistischen Verhalten der deutschen
Politiker zufrieden geben wollen. Aus Deutschland gibt es so gut wie
keinen Kommentar dazu, dass die Räumung des Gaza-Streifens durch
Israel eigentlich lediglich zur Blendung der Weltöffentlichkeit
geschieht, um das West-Jordanland mit seinen Wasservorkommen, noch fester
im Griff behalten zu können.
Unter dem Gesichtspunkt der Kernaussage meiner Website restmuellnet
betrachtet, stellt die israelische Palästinenserpolitik der letzten
Jahrzehnte eine besonders schwere Form von Schadensexternalisierung
dar.
Jeder Tag, der vergeht, ohne dass der Konflikt für beide Seiten
akzeptabel gelöst wird, verschiebt den Beginn eines langwierigen
Heilungsprozesses in die Zukunft, verlängert den quälenden
Kriegszustand für beide Parteien, erzeugt neuen Hass, neues Leid,
Angst, Tod und Verderben.
Jede Stunde, die ohne die Aussicht auf Frieden verstreicht, bedeutet
eine Stunde mehr Krieg für die nachfolgenden Generationen, die
nach einer ungewissen Normalisierungsperiode irgendwann einmal ein Leben
frei von ständiger Bedrohung und Ungewissheit führen wollen
und an welchen es schließlich hängenbleibt, diesen Krieg
mittels einer gewaltfreien Politik hinter sich zu bringen.
CCR
28.August
2005: Am
Freitag bin ich in der Kölner Innenstadt gewesen, durch
die Hauptkonsummeile Schildergasse hin zum Kölner Dom. Die vielen
Eindrücke dort ließen sich zu etlichen Artikeln verarbeiten.
Das ungeheure Angebot an bunten und aberbunten Dingen hat mich
nicht beeindruckt. Vielleicht ist es zu verallgemeinert und klingt etwas
arrogant, aber dieser Pomp verursacht in mir das gegenteilige Gefühl
von dem, was seine Produzenten und Verkäufer eigentlich beabsichtigen.
Es regt sich überhaupt kein Wunsch, irgend etwas der Waren hinter
Schaufenstern, auf Tischen und Regalen besitzen zu wollen und mein Geld
dafür auszugeben, mal abgesehen von Dingen, die sich als Mittel
zum Zweck eignen.
Die kritische Beschäftigung mit unserer konsumorientierten Gegenwart,
die Erkenntnis, dass wir von der Wirtschaft zu reinem Konsumvieh erzogen
werden mit der Nebenwirkung, mitverantwortlich für die beiläufige
Zerstörung der Lebensgrundlagen unserer Nachkommen zu sein, hat
mir eine stabile Immunität verschafft, ein Bewusstsein, welches
von der Wirtschaft auch mit übelster Suggestion nicht mehr beseitigt
werden kann.
Leider geht es der Masse anders. Man haue den Menschen sämtliche
Ideale aus dem Kopf oder verhindere deren Entstehung und schon sind
sie bereit, mit zweckdienlichen Metastasen aus Kaufbereitschaft infiziert
zu werden.
Der alles beherrschende Lobbyismus konzentriert sich auf zwei Aufgaben:
Zuerst macht man die Köpfe leer von Moral, Mitgefühl, Religion
und sonstigen menschlichen Idealen. Dann lassen sie sich füllen
mit Moden, Ängsten und auf lange Sicht funktionierenden Zwängen.
Kaufe ich, dann bin ich, soll die Parole sein. Mittlerweile kann
der erste Schritt oft schon weggelassen werden, da es kaum noch zur
Ausbildung einer zeitgeistunabhängigen Persönlichkeit kommt.
Selbst Lehrer und Erzieher unterliegen, wie die meisten Eltern auch,
der alles überkriechenden Suggestion vermeintlicher Modernität.
Meine Botschaft ist eine Andere. Gegenwärtig muss sie lauten: Wer
kauft, zerstört, zumindest im gegenwärtigen ökonomischen
System. Er zerstört die Perspektiven seiner eigenen Kinder, aber
auch seine eigene Identität. Zumindest beschädigt er sie und
tauscht seine Individualität in weiten Bereichen gegen die Uniformität,
der Hauptvoraussetzung für Quantitatives Wachstum. Die meisten
Leute in der Schildergasse tragen Masken, ohne es zu wissen. Vielleicht
sind sie auch nur noch Hülle ihres früheren Ichs, sofern sie
überhaupt Gelegenheit hatten, ein Ich zu entwickeln.
Was mich in diesem Zusammenhang seit längerem beschäftigt
ist die Überlegung, ob nicht auch eine große Chance aus diesem,
zunächst beklagenswerten, Ist-Zustand abgeleitet werden kann.
Wenn die Köpfe der Menschen leer sind, sodass sie mit konsumdienlichen
Informationen gefüllt werden können, diese Informationen aber
sehr kurzlebig sind und der ständigen Erneuerung bedürfen,
entsteht dadurch nicht irgendwann die unbewusste Sehnsucht nach einer
neuen Stabilität? Wieso ist das Interesse für Esoterik, die
Anziehungskraft evangelikaler Zirkel und Sekten, die Suche nach starken
Autoritäten, wenn auch oft zweifelhaften Charakters, so stark?
Ist hier der gleiche Mechanismus am Werk, der schon immer in der Geschicht
das Alte beendet und dem Neuen zum Durchbruch verholfen hat? Ist es
so undenkbar, wenn man den Suchenden statt fragwürdiger neuzeitlicher
Mentalmoden etwa die Philosophie Kants näher bringt, speziell den
Kategorischen Imperativ als Kernregel einer neuen Form des Zusammenlebens,
als Richtschnur für eine Ökonomie mit menschlichem Antlitz?
Ist es so unrealistisch, dass mehr und mehr Menschen von der ungeheuer
positiven Zukunftsperspektive der Kategorischen Marktwirtschaft angesteckt
werden könnten, die weit mehr ist, als nur eine Wirtschaftsform,
die geeignet ist, auch tiefe Wunden, lange bestehende Konflikte zu lindern
und zu heilen?
Die Kategorische Marktwirtschaft ist keine Religion. Wenn aber eine
Religion, wie gegenwärtig die katholische Kirche, das Fehlen von
Gerechtigkeit nicht anprangert, sich im Gegenteil den Vertretern dieser
rein profitorientierten und auf Ungerechtigkeit fundamentierten Wirtschaftsform
auch noch anbiedert, ist sie bald nur noch eine Ideologie.
Die Vertreter dieser Religion, wie aktuell der Papst, degenerieren zur
reinen Witzfigur, zum gelegentlichen Diskjockeyersatz und ihre Worte
zu reinen, unverbindlichen Floskeln. Als Anhänger bleiben ihnen
schließlich nur noch die Naivsten übrig.
Der große Rest wird zunehmend haltlos, zweifelt und begibt sich
innerlich auf die Suche. Doch was gibt es heute noch zu finden, das
sich in erster Linie durch Gerechtigkeit auszeichnen würde und
dadurch erst einen nennenswerten Bestand hat? Was lässt sich denn
noch als Fels bezeichnen, in einer Brandung aus egoistischen Interessen,
erdrückenden Eitelkeiten und kurzlebigen Scheinwahrheiten?
Das Vakuum ist da. Nur die Kategorische Marktwirtschaft könnte
es füllen. Auf die christliche Religion übertragen führt
sie zurück auf ursprüngliche Werte, auf die Philosophie Jesus
von Nazareths, die im Grunde nicht anderes war, als die Vorwegnahme
des Kategorischen Imperativs.
CCR
26.August
2005: Ab
sofort gibt es im restmuellnet-blog ein alphabetisches Stichwortverzeichnis,
mit welchem sich Artikel zu bestimmten Themen schneller finden lassen.
Außerdem habe ich die vergangenen Monate, bisher Juni und July
2005, in ein Archiv ausgelagert.
CCR
24.August
2005: "Mehr Wachstum. Mehr Arbeit." prangt
es jetzt von den CDU-Plakaten. Auch die anderen Parteien fordern diese
Kombination in ihren Programmen, wenn auch nicht auf den Plakaten.
Diese Website verdeutlicht den großen Irrtum, dem die Verfasser
des Slogans unterliegen. Fakt ist: Quantitatives Wirtschaftswachstum,
so wie wir es aus den Verlautbarungen unserer sogenannten "Wirtschaftsexperten"
kennen, ein rein statistisches Aufblähen ausgesuchter, isoliert
betrachteter Parameter in unserer Industriegesellschaft, zerstört
Arbeitsplätze.
Eine neue Studie
der Universität Bonn, des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA)
und der Universität Zürich bestätigt einen schon oft
vermuteten, im Prinzip auch logischen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit
und Rechtsextremismus. Nicht dass Arbeitslose verstärkt rechtsextreme
Straftaten verüben würden, aber sie werden empfänglicher
für all zu simple Erklärungsmuster über den Grund ihrer
Arbeitslosigkeit. Bei denen, die noch Arbeit haben, erhöht eine
hohe Erwerbslosenquote die Existenzangst, was den Verstand ebenfalls
nach rechts kippen lässt. Auch sinkt unter einem solchen Druck
die Bereitschaft, gegen rechtsextreme Ausschreitungen einzutreten.
Man kann von gering und durchschnittlich Qualifizierten unmöglich
verlangen, dass sie mehr Einsicht in die wahren Ursachen der Arbeitslosigkeit
haben, als die Politiker der etablierten Parteien und deren Plakateschreiber.
Diese hohen Damen und Herren verursachen mit ihrer Politik die Arbeitslosigkeit
selbst, die sie nachher öffentlich und krokodilstränenreich
beklagen.
Als einzige Entschuldigung mag gelten, dass die Politiker offenbar nicht
mit der umfassenden Kombinationsgabe gesegnet sind, um die Zusammenhänge
zu erkennen. Sie verlassen sich einfach auf ihre Berater. Diese hängen
der überalterten Schlagwortkombination "Arbeit durch Wachstum"
heute noch an, völlig erstarrt im Verhältniszustand der 1960er
und 1970er Jahre, wo unter Ausblendung einer ganzen Reihe anderer Faktoren
und Wirkungsketten, und unter Missachtung umwelt- und sozialpolitischer
Begleitprobleme der Slogan für kurze Zeit plausibel erschien.
Die Plakate der SPD sind in unserer Region abermals aus Kunststoff.
( mögliche Parole: "SPD-Wahlkampf erzeugt immer mehr Müll"
) Was früher ein Papierplakat auf einer Hartfaserplatte war, ist
heute ein Stück wellpappeähnliches Plastik mit direkt aufgedrucktem
Konterfei irgend eines Parteistrohkopfs.
Das Schild lässt sich nicht so einfach mit richtigstellenden Slogans
überkleben. Die Oberfläche ist einfach zu glatt und fühlt
sich etwas speckich an. Allerdings lässt sich eine solche neue
Tafel sehr leicht herunterreißen. Das Brandverhalten wurde von
mir noch nicht getestet. Es reicht im Übrigen auch aus, wenn jeder
nur in seinem engen Umfeld gegen die optische Umweltverschmutzung einschreitet
und die Parolen der uniformierten Politikdilletanten ihrer wirren Botschaft
beraubt. Mehr können wir gegenwärtig nicht gegen die großangelegte
Volksverdummung mittels "Arbeit durch Wachstum" unternehmen.
Und noch ein anderes Thema:
Ich frage mich, was jetzt intern bei den Gremien im Bundesverfassungsgericht
wohl los ist. Es braucht mittlerweile schon eine übermenschliche
Portion von Selbstbewusstsein, wollte das BVerfG die Wahl jetzt noch
abblasen. Wie gehen die Verfassungsrichter mit dem ungeheuren Zugzwang
um, in welchen sie die Politik gedrängt hat.
Alle Weichen sind in Richtung Neuwahl gestellt worden, so als wäre
die Entscheidung des höchsten Gerichts von vorne herein klar. Ihm
bleibt nur, die gestellten Erwartungen auch zu erfüllen. - Oder,
- eigentlich ein völlig unrealistisches Denken, - die Rechtsgelehrten
in roten Roben machen der Politik doch noch einen Strich durch die Rechnung.
- Hei, wär das ein Spaß!
CCR
22.August 2005: Der Weltjugendtag in
Köln geht zu Ende. Was den neuen Papst angeht, so meinen viele
Kritiker, er hätte diesen ersten großen öffentlichen
Auftritt gut gemeistert. Doch hätte es überhaupt anders laufen
können?
Die gläubige katholische Jugend hatte ja nur ihn, dem sie zujubeln
konnte. Der Papst brauchte eigentlich gar nicht viel dazuzutun,
um den Geist Johannes Pauls des II wirken zu lassen. Wie von selbst
ist ein Stück dieser Aura nun auch an ihm kleben geblieben. Da
die Veranstaltung von der internationalen Jugend geprägt war, wird
man sagen, er habe die Jugend begeistert.
Auf mich wirkte Benedikt eher wie ein Kuscheltier. Er
gab sich betont flauschig in seiner weißen Tracht, winkte und
lächelte etwas unbeholfen, fast hätte man rufen müssen:
Gott ist der süß!
Benedetto absolvierte einige Pflichtübungen, gab Politikern Privataudienzen,
besuchte medienwirksam eine Synagoge. Es gab die immer gleichen mahnenden
Worte, nichts Neues. Immerhin konnte der Eindruck vom Belanglosigkeit
vermieden werden.
Es fehlte ein Feuer in seinen Worten, ein Hinweis auf die Notwendigkeit
von Veränderungen, eine Ahnung von einer ermutigenden Zukunftsperspektive.
Dieser Auftritt enthielt keine Botschaft, die geeignet wäre,
einen größeren Teil der Jugend für den christlichen
Glauben zu begeistern.
Allein die bloße Aufregung wird noch etwas nachwirken, wird diejenigen
Gläubigen für eine Zeit mit einem Lächeln einschlafen
lassen, die keinen Abgrund zwischen den Grausamkeiten der alltäglichen
wirtschaftspolitischen Realität und dem Menschenbild Jesu`s, welchem
auch der Papst zum Durchbruch zu verhelfen hat, wahrnehmen.
Papst Benedikt stellt sich einerseits hin und ermahnt in völlig
unverbindlicher Weise die schrumpfende Gläubigenschar, doch am
Ball zu bleiben. Diejenigen, die völlig machtlos sind gegenüber
dem Elend der Welt, dem gigantischen Kollateralschaden an Gottes globaler
Kinderschar, sollen Buße tun. Andererseits fällt kein Wort
zum Tun der Mächtigen, die unsere Welt nach selbst gemachten, eigenen
Regeln für den Profit ausbeuten.
Die alte Tradition unter den katholischen Führern, sich nicht mit
den großen Frevlern aus Wirtschaft und Politik anzulegen, wird
unter Benedikt wohl fortgesetzt werden. Wenn hier nur Feigheit die Ursache
wäre, könnte man es den Würdenträgern noch am ehesten
verzeihen. Doch die Sache hat Methode.
Wer diesen Zwiespalt einmal bemerkt hat, wer in der Bibel die Worte
von Jesus, welche sich auf die damaligen Machtverhältnisse bezogen
mit unserer gegenwärtigen Situation vergleicht, muss mit der bloßen
Verwaltungsrolle der heutigen christlichen Kirche unzufrieden sein.
Jesus ist nicht da, und die, die vorgeben, seine Stellvertreter zu sein,
wenden seinen Geist nicht auf die Gegenwart an.
Die Kirche von heute ist nur noch ein großes Museum, in welchem
man hauptsächlich gegen den Staub ankämpft. Auch Benedikt
der XVI wird nicht die Fenster aufreißen, um dem Wind Einlass
zu gewähren, der zwar einiges durcheinanderwirbeln, aber auch den
Staub verwehen würde, welcher den Gläubigen den Atem und die
klare Sicht nimmt.
Wie kann dieser Mann, den Einige als Intellektuellen bezeichnen, eine
"merkwürdige Gottvergessenheit" konstatieren?
Ist er wirklich derart beschränkt im Denken, dass der Zusammenhang
zwischen dem Glauben der Menschen und dem, was sie im Alltag erleben
unwichtig erscheint? Glauben muss auch im täglichen Handeln erkennbar
sein. Doch er ist zur blanken Theorie verkommen. Die Machtlosen sollen
sich an seine Regeln halten und sich nicht wundern, dass die Mächtigen
nach entgegengesetzten Regeln, nach den Regeln des egoistischen Profits
handeln. Auf diese Weise werden sich nur die Allernaivsten noch mit
der Kirche zufrieden geben.
Benedikt beklagt eine "Unzufriedenheit an allem und mit allem".
Seiner Meinung nach ist dieses Gefühl eine Ursache von "wachsender
Gottesferne und individualistischer Selbstsucht". Wiederum vermeidet
er es, die zu nennen, die an den goldenen Kälbern der Gegenwart
schmieden. Konsum hat nun mal einen stärkeren Alltagsbezug als
der Glaube, und wenn man den Konsum nicht kritisch betrachtet, gewinnt
das goldene Kalb die Hoheit in immer mehr Köpfen, und der Glaube
verliert an Bedeutung.
Es ist ein altgehegter Wunsch von kritischen Christen, dass die Kirchenoberen
nicht nur die goldenen Kälber benennen, sondern auch die Interessen
und Gruppen, die dahinter stehen.
Doch auch Benedikt wird die Machthaber vor eindeutigen Worten verschonen,
wird sich auf Allgemeinplätze beschränken und nur das Fußvolk
ermahnen, den Pharisäern und Schriftgelehrten der heutigen Zeit
aber, für jeden Glaubenswilligen schmerzlich erkennbar, völlig
freie Hand lassen. Da aber die Diskrepanzen in der Gesellschaft immer
größer werden, verliehrt die Kirche gerade wegen der Unterlassungen
eines solchen Strukturkonservativen im Papstamt, noch mehr an Bedeutung.
Was hällt uns davon ab, ein Wirtschaftssystem nach christlichen
Werten zu fordern?
Was hällt die Kirche davon ab, die festgestellte Gottvergessenheit
auch auf die massive Dauerberieselung durch die herrschende Kapitalistische
Planwirtschaft zurückzuführen?
Von höchster Stelle müsste die Kirche ein auf christlichen
Attributen aufbauendes Wirtschaftssystem fordern, ein Wirtschaftssystem,
in welchem Gerechtigkeit und ausschließlich qualitatives Wachstum,
welches erst zu echter innerer Zufriedenheit führt, an oberster
Stelle stehen. Und dieses Wirtschaftssystem ist die Kategorische Marktwirtschaft,
wie sie auf dieser Website beschrieben wird.
Auch der Papst sei hiermit eingeladen, das Konzept zu lesen, - wenn
ich nur eine E-Mail Adresse von ihm hätte.
CCR
18.August
2005: Der
Verfassungsgerichtshof Rheinland-Pfalz hat meine Verfassungsbeschwerde
abgewiesen. Wiederum waren formale Gründe und unwahre Behauptungen
ausschlaggebend.
Urteil nachzulesen im Teil 3, Kapitel 10)A)VII).
Kommentar dazu folgt demnächst.
CCR
17.August
2005: Heut
steht sogar eine durchaus positive Nachricht in der Zeitung und
das in Verbindung mit der Kanzlerkandidatin Angela Merkel. Paul Kirchhof,
ehemaliger Richter beim Bundesverfassungsgericht und Direktor des Instituts
für Finanz- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg,
soll in Merkels Regierungsteam den Bereich Steuern und Haushalt
übernehmen.
Der parteilose Kirchhof war im Jahr 2001 vor allem mit seinem ungewöhnlichen
Vorschlag für eine umfassende Steuerreform bekannt geworden. Auch
Friedrich Merzens Bierdeckelcoup basierte auf Konzepten Kirchhofs.
Schwerpunkte von Kirchhofs Plan waren der generelle Steuersatz von 25
%, der aber auf alle Arten von Einkommen erhoben werden sollte, ein
Freibetrag für Geringverdiener und Familien und die Abschaffung
jeglicher Subventionen in Deutschland. Kirchhof steht für die Abschaffung
des nicht mehr überschaubaren Dickichts aus fast 100.000 Steuervorschriften.
Sie sollen durch eine Hand voll einfacher Regeln ersetzt werden.
Kirchhof ist
allerdings strikt gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Wie er
dies mit den Vorstellungen der Union unter einen Hut bringen will, verspricht
spannend zu werden.
Zum ersten Mal wird bei Merkels Wahlkampfpolitik ein qualitativer Zug
sichtbar. Sie verpflichtet nicht die allgemein stark überschätzte
Kopie Friedrich Merz, sondern das Original Paul Kirchhof. Sie dürfte
damit zum ersten Mal auch umfassend informierte Wähler auf sich
aufmerksam machen.
Nur, eine Ankündigung, den Fachmann Kirchhof ab Ende des Jahres
an den Spieltisch zu lassen, heißt noch lange nicht, dass er dort
für uns etwas gewinnt. Gerade in der Union wird fortschrittliche
Politik traditionell von besitzstandswahrenden Lobbyinteressen verwässert,
werden wertkonservative Ansätze schnell von der strukturkonservativen
Allmacht plattgewalzt.
Eine freie Hand für Kirchhof wird es unter Unionseinfluss kaum
geben. Ebenso finden sich in der CDU/CSU sicherlich genügend eifersüchtige
Machtgeier in Warteschleifen, welche dem parteilosen Quereinsteiger
Kirchhof dessen Ehre der Berufung zum Minister nicht gönnen wollen.
Paul Kirchhof kann man jetzt schon prophezeien, dass er ständig
gegen die Verwässerung seiner ideen zu kämpfen hat. Wenn er
gar irgendwann feststellt, gegen den klammheimlichen Widerstand der
Hyänen in der Union nicht anzukommen und lieber aufgibt, als sich
selbst zu verleugnen, wird man ihm vorwerfen feige zu sein und die Brocken
hingeschmissen zu haben. Hoffentlich ist ihm dies bewusst.
Schließlich aber hat auch Paul Kirchhof ein entscheidendes Defizit
in seinen haushaltspolitischen Vorstellungen. Auch er beachtet nicht
die Externalisierung von sozialen und ökologischen Kosten in unserer
Ökonomie und die hierraus resultierenden entscheidenden Sachzwänge
und Zukunftseinschnitte. Diese Sachzwänge haben an unserer Krise
sehr viel mehr schuld, als der kontraproduktive Ozean aus aberwitzigen
Steuervorschriften und Subventionen.
Hiermit sind Sie eingeladen, Herr Kirchhof. Entdecken Sie die Kategorische
Marktwirtschaft und bauen sie diese in ihr Steuerkonzept ein. Dann erst
wird die Sache rund und nachhaltig wirksam.
CCR
15.August
2005: Letzte Woche meldete die Zeitung: "Immer mehr Zuckerkranke".
100 führende Medizinforscher nannten in ihrer Studie "Krankheiten
der Zukunft und Fortschritte in der Medizin" die alters- und
ernährungsbedingten Krankheiten als die neuen "Herausforderungen"
der nächsten Jahrzehnte. Diabetes könnte zur Todesursache
Nummer eins werden, aber auch Demenz-Erkrankungen werden uns verstärkt
beschäftigen. Darüber hinaus sollen den Prognosen nach Übergewicht,
Schlaganfälle, Gelenkserkrankungen, Osteoporose, Herzmuskelschwäche,
Depressionen, Allergien und Bluthochdruck besonders stark zunehmen.
Mit sechs Millionen Diabeteskranken sind heute soviel Menschen
betroffen, wie noch vor 50 Jahren. Als Gründe für die Erkrankung
an Altersdiabetes werden in erster Linie falsche Ernährung und
Bewegungsmangel genannt.
Alle beiden Krankheitsgründe werden innerhalb unseres
gegenwärtigen Wirtschaftssystem geradezu befördert:
1) Immer mehr unserer Lebensmittel stammen aus industrieller
Produktion und haben hohe Transportwege hinter sich. Je höher der
Energieeinsatz für die Weiterverarbeitung und Veredlung des Endprodukts
war, desto geringer ist im Allgemeinen sein Ernährungswert.
Manche Bestandteile, wie Zucker oder Weißmehl sind durch industrialisierte
Produktion derart billig geworden, dass sich ihr Anteil an der Gesamtnahrung
stark erhöht hat. Auch der Verzehr von Fleisch hat immens an Bedeutung
gewonnen. Die Fleischerzeugung rechnet sich nicht nur durch Agrarsubventionen.
Ohne die Externalisierung von ökologischen Kosten wären Nahrungsmittel
tierischen Ursprungs erheblich teurer. Wie früher einmal gäbe
es Fleisch nicht jeden Tag zu essen.
Da mit diesen Nahrungsmitteln aber Geld verdient werden kann, bekommen
sie zunehmend Bedeutung. Die Werbung sorgt für den Absatz und verschweigt
den hohen Grad an externalisierten Kosten, die von dem Produkt während
des gesamten Herstellungswegs verursacht wurden.
Die Produzenten können innerhalb unserer Kapitalistischen Planwirtschaft
die Schadkosten für den Energieaufwand während der Produktion
industriell gefertigter Nahrungsmittel auf die Allgemeinheit und die
nachfolgenden Generationen abwälzen und erlangen so den entscheidenden
Preisvorteil vor traditionellem, regional erzeugtem Essen.
Dazu kommt noch, dass die Umstände der Nahrungsaufnahme unter den
Spielregeln der herrschenden Ökonomie in eine ungesunde Richtung
befördert werden. Es bleibt immer weniger Zeit zum Essen und zum
Essen machen. Man will es schnell hinter sich bringen, weil man nicht
zu Hause ist oder weil man seinen Freizeitaktivitäten nachgehen
will. Hohe Mobilität zwingt oft zu schlechter Ernährung. Aber
auch die Verarmung von immer mehr Menschen lässt eine ausgewogene
Nahrung unwichtiger werden.
2) Der Bewegungsmangel als zweiter Grund für Diabeteserkrankung
setzt sich aus zwei Bereichen zusammen.
Im beruflichen Bereich hat in den letzten Jahrzehnten eine Entwicklung
weg von der körperlichen Arbeit stattgefunden. Handwerksberufe
wurden umstrukturiert oder industrialisiert, oder haben ihre Bedeutung
verloren. Der Anteil von Hilfsarbeitern oder Landwirtschaftshelfern
an der Beschäftigungsstruktur ist hauptsächlich durch zunehmenden
Einsatz technischer Energie auf ein Minimum geschrumpft. Heute sitzen
solche Menschen, neuerlich Geringqualifizierte genannt, oft beim Arbeitsamt
oder zu Hause vor dem Fernseher. Langeweile und Schwermut befördern
auch Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung bis hin zu erhöhtem
Alkoholkonsum.
Im privaten Bereich hat der Wohlstand uns nicht nur Wohltaten beschert.
Konsumiert wird, was Arbeit spart und somit auch Bewegung. Wenn auch
im Haushalt oder beim Hobby der Einsatz von Muskelkraft oft sinnvoll
wäre, wird er lieber durch ein Gerät oder eine Maschine ersetzt.
Die Einsparung von Bewegung bringt der Industrie Gewinne.
Nur wenige gehen regelmäßig Strecken noch zu Fuß oder
fahren Fahrrad. Das Auto befördert schneller und bequemer, zumal
die Wege oft zu weit geworden sind. Wenige Menschen betreiben die beiden
motorlosen Fortbewegungsarten noch in der Freizeit als Sport, weil in
ihrem Berufsleben zu wenig Gelegenheit dafür bleibt, sie es aber
für wichtig halten. Trotzdem: noch nie hatte das Fortkommen mit
Muskelkraft in der Gesellschaft eine solch geringe Bedeutung, wie heute.
Für den Wandel der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten in
den letzten drei Jahrzehnten innerhalb der westlichen Bevölkerung
gäbe es viele Beispiele zu nennen. Zusammengefasst ist die durchgehende
Tendenz deutlich:
Ein Wirtschaftssystem wie das gegenwärtige, in welchem eine künstlich
aufrecht erhaltene Wertigkeit profitable Geschäfte garantiert,
Geschäfte, die unter Ausnutzung von breiten Externalisierungseffekten
auf Kosten der Allgemeinheit möglich werden, zerstört irgendwann
auch natürliche, zur über Jahrmillionen gewachsenen biologischen
Spezifität gehörende Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten
der Menschen, und züchtet hauptsächlich solche heran, die
mehr Gewinn und höhere quantitative Wachstumszahlen bringen. Dass
diese den Menschen schließlich krank machen, ist ebenfalls als
externalisierte Folge der herrschenden kapitalistischen Planwirtschaft
anzusehen, und hier dürfen wir uns nicht nur auf die Zuckerkrankheit
beschränken, sondern müssen alle modernen Krankheiten, auch
Zivilisationskrankheiten genannt, im Zusammenhang mit unserer Ökonomie
betrachten.
Insofern wäre die Kategorische Marktwirtschaft, in welcher regional
organisierte Ernährung und menschliche Arbeitskraft in Beruf und
Freizeit wieder ihren eigentlichen Kostenvorteil vor den modernen Konkurrenten
zurückerhalten auch ein Mittel gegen einen großen Teil unserer
Zivilisationskrankheiten. (Weitere Betrachtungen dieser Zusammenhänge
findet man auch im Teil 2 unter
Kapitel 8) E), unter anderem zu den externalisierten Kosten des
Rauchens und des Alkoholkonsums)
CCR
13.August
2005: Gegenwärtig
weiß ich noch nicht, an was es liegt, aber einige E-Mails kommen
bei mir nicht an. Ab heute steht oben eine neue E-Mail-Adresse speziell
für die Veröffentlichungen im Blog. Wenn es sehr wichtig ist,
bitte ich die Leser/innen, zusätzlich zur Mail einen Brief per
Post zu schicken. Adresse findet man unter Kontakt.
CCR
12.August
2005: Es
gibt einiges zu kommentieren über den latenten Stoiber-Rassismus
hinaus. Zum neuesten Eklat dieses verhärmten, elitären Dummschwätzers
folkloristisch volksdümmlicher Biermentalität, meinte ein
Parteienforscher im Radio, die einzige Erklärung wäre der
Wunsch Stoibers, an westlichen Stammtischen die Hoheit zu erringen mit
der Suggestion, die Ossis wären diesmal schuld. Die hohle deutsche
Zuprosterfraktion müsse jetzt wieder die Hebel erkämpfen.
Am 10ten stand in der Zeitung, dass der Frankfurter Flughafenbetreiber
Fraport gegenüber dem Vorjahr über 10% Gewinnsteigerung
erwartet, dass der Zementhersteller Heidelberger, mittlerweile
der viertgrößte Zementhersteller weltweit, die Gewinn-und
Umsatzprognosen von Beobachtern weit übertroffen hat, und dass
die US-Genkonzerne Monsanto und Pioneer beim Verwaltungsgericht
Hannover Klage gegen das Bundessortenamt eingereicht haben.
Alle drei Konzerne machen ihre Gewinne hauptsächlich mit
der Externalisierung von ökologischen und sozialen Kosten,
also mit der Abwälzung von Schadkosten, welche durch ihr wirtschaftliches
Treiben Tag für Tag so nebenbei verursacht werden, auf die Allgemeinheit
und die nachfolgenden Generationen.
Sie sind typische Schmarotzerbetriebe neuzeitlicher Prägung, die
es ohne die Möglichkeit von legalen, breit angelegten Schadkostenexternalisierungen
in einer Marktwirtschaft gar nicht gäbe. Ihr Nährboden sind
die Bedingungen der Kapitalistischen Planwirtschaft, in welcher sie
schwimmen, gedeien und vernichten, wie der Nilbarsch im Victoriasee.
In einer Kategorischen
Marktwirtschaft würde ihnen das Wasser abgelassen, bis sie vertrocknet
wären und nach ihnen wieder eine lebendige Vielfalt entstehen könnte.
Ebenfalls am 10ten wurde gemeldet, dass die fürs Arbeitslosengeld
II eingeplanten 14,6 Millarden Euro nahezu aufgezehrt sind. Hartz
IV bringt nicht nur nix, es macht uns auch noch ärmer. Wie lange
werden wir uns mit diesen politischen Dilletanten, egal welcher Farbe,
herumärgern müssen, die Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit
versprechen, dann aber nur die Kapitalistische Planwirtschaft stärken,
welche Arbeitsplätze vernichtet?
Auch am 10ten : Die Enddarmexpedition der Union rückseitig unter
die Gesäßtaschen der Energiekonzerne, hatte nicht den gewünschten
Erfolg. Auch mit einer Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke
werden die Strompreise nicht gesenkt. Der Union ist jedes Mittel recht,
um an die Drücker zu kommen, auch die gnadenlose Ausbeutung der
nachfolgenden Generationen durch strahlende Hinterlassenschaften oder
weil es unterlassen wird, rechtzeitig eine nachhaltige, umweltverträgliche
und autarke Energiewirtschaft in Deutschland aufzubauen. Würde
man die Bedingungen der Kategorischen Marktwirtschaft einführen,
würde eine gesellschaftsverträgliche Energiewirtschaft ganz
von selbst entstehen.
Der BUND beklagte (10.8.), die Politik hätte keine Lehre aus der
Jahrhundertflut an der Elbe im Jahr 2002 gezogen. Lediglich Deiche seien
verstärkt worden, was zu einem noch schnelleren Abfluss und noch
höheren Pegelständen führte. Nennenswerte Retentionsräume
fehlten nach wie vor. BUND-Experte Ernst-Paul Dörfler meinte, "Der
Elbe fehlen natürliche Überschwemmungsflächen."
Anlässlich der Hochwasser in unserer Region sah mein damaliges
Hochwasserkonzept weniger die Schaffung von Überschwemmungsflächen
am Hauptfluss vor, als vielmehr an den tausend Zuflüssen im Einzugsbereich.
1988 klagte ich gegen die Eindeichung eines Retentionsraums von fast
20 Hektar an der Nahe, direkt vor meiner Heimatstadt. Vom VG wie vom
OVG wurde ich als Kläger nicht zugelassen. 1995 und 1997 soff dann
die Innenstadt von Kirn gnadenlos ab. - Auch diese Ereignisse wären
eine schöne Geschichte für sich. Vielleicht bei Gelegenheit
später mehr -.
CCR
10.August
2005: Gestern
habe ich unsere Tageszeitung abbestellt. Nach über fünf
Jahren Abonnement will ich die Rhein-Zeitung des Koblenzer Verlags nicht
mehr sehen. Ursprünglich für meinen pflegebedürftigen
Vater angeschafft wurde sie die letzten anderthalb Jahre nur noch von
mir gelesen.
Wenn auch immer mal wieder brauchbare Berichte dazwischen waren, bestand
das tägliche Papierbündel doch zu 95 % aus überflüssigem
Füllmaterial. Die Werbebeilagen in Hochglanz machten manchmal
die Hälfte des Gewichts aus und wanderten bei mir unbesehen auf
den Altpapierstapel. Insgesamt erspare ich der Industrie die Produktion
von annähernd 100 Kilogramm Papier jährlich und meinem Konto
den Betrag von 240 Euro.
Darüberhinaus aber verschone ich mein Gehirn vor insgesamt gesehen
unbrauchbarem Informationsmüll, den ich mir täglich meinte,
hereinziehen zu müssen. Auf der Suche nach Anregungen für
die Artikelschreiberei bin ich mit einer Tageszeitung gezwungen, auch
das Irrelevante durchzuarbeiten.
In Tageszeitungen stehen zwar die neuesten Nachrichten ganz aktuell
geschrieben, doch wie oft ist die Meldung am nächsten Tag nur noch
die Hälfte wert, weil etwas dazugekommen ist, weil ein Teil der
Meldung falsch war, weil die Entwicklung über mehr als einen Tag
die enthaltene Botschaft herumdreht, oder ganz einfach, weil die Redakteure
aus Mangel an Geschehen das Banale aufkochen, um die Seiten voll zu
kriegen.
Immer schwieriger wird es, aus traditionell strukturkonservativen
Blättern, wie die Rhein-Zeitung, eine wirklich objektive Einschätzung
herauszulesen. Gerade jetzt, wo unverhofft eine Wahl angesetzt wurde,
wird die politische Heimat der Koblenzer Redaktion zwischen den Zeilen
offensichtlich. Auf dumme und unüberlegte Weise wird immer den
selben aktuell-öffentlichen Personen das Forum geboten. Landespolitiker,
Wirtschafts- und Verbandsvertreter dürfen wieder und wieder ihre
aberwitzige Ideologie ausführen, ganz einfach deshalb, weil es
für eine Windfähnchenjournalistik eben sehr schick ist, den
gerade modernen Absonderlichkeiten des Zeitgeistes in den Hintern zu
kriechen.
Chefredakteur und Verleger sehen sich gerne neben Kasperlefiguren wie
Landeschef Kurt Beck, Oppositionskandidat Böhr oder dem "liberalen"
Heißluftballon Rainer Brüderle abgelichtet. Jeder, der etwas
von Wachstum fantasieren kann, kommt zu Wort. Auch die kleinste Kritik
an dieser überholten Ideologie wird vermieden.
Ständig und mit den Worten einer jeden etablierten Partei wird
der große Irrtum, dass quantitatives Wirtschaftswachstum zu mehr
Beschäftigung führt wiederholt. Bis zum Erbrechen wird dieser
Unsinn auch in Kommentaren oder Gastbeiträgen aufgekocht. Wie bei
vielen solcher Art Zeitungen in Deutschland, lässt die Berichterstattung
vor allem auf ein gehöriges Maß kaltem Beton in den Köpfen
der Redakteure schließen, oder auf die sklavenhafte Bereitschaft
der Artikelschreiber, das Lied ihrer Brotgeber zu singen.
Ob sture Dummköpfe oder bereitwillige Opportunisten, sie alle schaden
unserer Gesellschaft, weil sie ihren Auftrag, objektiv und unabhängig
von den jeweiligen Tonangebern zu berichten, nicht nachkommen. Dabei
sind diese Phänomene auch in Wochenzeitungen und Magazinen präsent.
Wie die Anhänger einer Sekte, die den Wahrheitsgehalt der Worte
ihrer Führer nie anzweifeln, verhindern diese Wichtigtuer
manche objektive Kritik und die Findung neuartiger Perspektiven.
Worum es der Rhein-Zeitung geht, verdeutlichte in der letzten Wochenendausgabe
der Redakteur Hagen Strauß. Sein Kommentar zum Konzept der Linkspartei
und sein Bericht über Lafontaine und Gysi, die ihr Wahlprogramm
vorstellten, ist an Unsachlichkeit und üblen Beinahebeleidigungen
nicht mehr zu überbieten. Fast hat man den Eindruck, als hätte
er von der SPD einen Schmähauftrag angenommen.
Ich bin keineswegs ein Anhänger dieser neuen Partei. Auch die Linkspartei
orientiert ihre Politik an der Struktur der herrschenden Kapitalistischen
Planwirtschaft. Auch sie hat die eigentlichen Gründe für die
Krise nicht erkannt. Aber ein solches Ausmaß an Unfairness in
der Berichterstattung stößt mir übel auf.
Strauß äußert sich verächtlich über potenzielle
Wähler dieser Partei, - "Wer möchte, dass über
ihm das soziale Füllhorn ausgeschüttet wird, und wer dabei
nicht viel Wert auf profunde Gegenrechnungen legt, ist ganz links genau
richtig." Wieso will er plötzlich profunde Gegenrechnungen
bei der Linkspartei und lässt jeden wahltaktischen Verbalblödsinn
der etablierten Parteien unreflektiert stehen? Nirgendwo gibt es solide
Gegenrechnungen für Wahlversprechen. Nur bei der Linkspartei kritisiert
er dies und macht sich über die möglichen Wähler verächtlich.
"Wer...die Globalisierung nur verdammt und die Chancen lieber
verschweigt, der muss zur Linkspartei aufbrechen." Nach Strauß
gibt es also Wähler, die Globalisierung ablehnen, obwohl sie um
eventuelle Chancen wissen, denn verschweigen kann man nur etwas, das
man weiß. Ich kann mich nicht erinnern, von Strauß irgendetwas
Konstruktives über Chancen der Globalisierung gelesen zu haben.
Eventuell vermeidet er dies, weil lediglich die Chancen für die
mächtige Wirtschaft oder die neokoloniale Politik offenbar würden.
Schon gar nicht wäre ein Simple-Mind wie Strauß zur Reflexion
über die gewaltigen externalisierten Kosten der sich aufbauenden
Globalwirtschaft in der Lage, ganz zu schweigen vom Betrachten der immer
aussichtloseren Perspektive für die nachfolgenden Generationen.
"Wer Schweißausbrüche bekommt, wenn nur der Begriff
Neoliberalismus fällt, ohne vielleicht zu wissen, was sich dahinter
verbirgt, der gehört zu "Oskar" und "Gregor"
". Strauß weiß offenbar nicht so genau, was sich dahinter
verbirgt oder es lohnt sich für ihn, dies nicht anzuprangern. Seine
naive Vorstellung über die scheinbaren Segnungen des Neoliberalismusses
ist mehr als fahrlässig, die Kritik darüber aber nur den Linken
zu überlassen, grenzt an schnöder Dummheit. Seinen Artikel
überschreibt Strauß mit den Worten: "Lafontaine und
Gysi schier unzertrennbar." Ich kenne nur untrennbar oder unzertrennlich.
Unzertrennbar ist ein willkürliches Konstrukt ohne vernünftigen
Inhalt, genau wie der Bericht voll blinden Hasses, der dann folgt.
Strauß bezeichnet die Linken als "große Vereinfacher".
Doch ist es nicht der Gipfel der Vereinfachung, als Lösung
unserer Probleme schlicht die herkömmliche Art von Wirtschaftswachstum
zu proklamieren, wie es die Altparteien tun?
Ist es nicht ein eindeutiges Indiz für die gnadenlose Einfachheit
in den Denkapparaten unserer Verantwortlichen, dass ihnen der Zusammenhang
zwischen Wachstum der Wirtschaft einerseits und dem Wachstum von Arbeitslosigkeit
und Umweltzerstörung andererseits nicht auffällt?
Immerhin kritisiert Strauß die etablierten Parteien, wenn er deren
Unterlassung, sich inhaltlich mit der Linkspartei auseinander zu setzen
als "grandiosen Fehler" bezeichnet. Ihm entgeht dabei
aber völlig, dass jede inhaltliche Auseinandersetzung in der Politik
längst gestorben ist.
Kein politisches Konzept, welches in der gegenwärtigen Vorwahlzeit
hochgehalten wird, würde einer inhaltlichen Auseinandersetzung
mit den Thesen der Kategorischen Marktwirtschaft widerstehen. Alle Parteienkonzepte
würden sich als Weg aus der herrschenden Krise schlichtweg als
kontraproduktiv erweisen, als Politik, die nur einer kleinen Klientel
für kurze Zeit nützlich sein kann, um schließlich der
Gesamtgesellschaft noch mehr zu schaden.
CCR
7.August
2005: In
Deutschland fehlen laut Bundesagentur für Arbeit
derzeit 169.000 Lehrstellen. Das sind angeblich 8.000 mehr als
im Vorjahr.
Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften kommentieren die
Zahlen unterschiedlich. Die Beteiligten am sogenannten "Ausbildungspakt",
Regierung und Wirtschaftsvertreter beschwichtigen und verharmlosen die
allgemeine Ausbildungssituation für junge Menschen im Lande. Müntefering
gibt sich kleinlaut: "Wir haben den Ausbildungspakt für
drei Jahre vereinbart. Er hat 2004 funktioniert. Es wurden 30.000 neue
Ausbildungsplätze geschaffen. In diesem Jahr liegen wir etwas zurück.
Es fehlen bis zu 9.000 Plätze mehr." Von den Gewerkschaften,
den Dritten im Pakt-Bunde, kommt zwar Kritik. IG-Metall-Chef Peters
spricht aus, was aufmerksamen Beobachtern schon von Anfang an klar
war: "Der Ausbildungspakt der Wirtschaft hat sich als
Mogelpackung erwiesen."
Doch man wird auch angesicht dem völligen Fehlen ernsthafter und
konsequenter Bemühungen den Eindruck nicht los, als sei den Beteiligten
die Sache ziemlich egal, als würden die Gefechte nur für die
eigene Profilierung in der Öffentlichkeit abgehalten, anstatt tatsächlich
für ein dauerhaftes und ausreichendes Lehrstellenangebot sorgen
zu wollen.
Vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag DIHK kam diese
Woche gar der Vorschlag, die monatliche Ausbildungsvergütung
auf allgemein 270 Euro abzusenken. Auch wenn die Spitzenlöhne
für Lehrlinge gegenwärtig tatsächlich zu hoch sind, braucht
ein junger Mensch in Ausbildung heutzutage ganz einfach mindestens 500
Euro, um einigermaßen über den Monat zu kommen. Hier können
schon mal locker die Hälfte des Betrags nur für Unkosten weggehen.
Dies ist den bräsigen hohen Herrn wohl nicht klar in ihrer eingeschränkten
Managersichtweise. Zudem sorgt eine solche Kostensenkung höchstens
für einem höheren Profit, anstatt für mehr Lehrstellen
oder die gesteigerte Motivation von Ausbildungswilligen. Ein solches
Denken dokumentiert die unterschwellige Geringschätzung unseres
Nachwuchses. Vielleicht soll dadurch sogar das Problem gelöst werden,
nicht im vernünftigen Sinne durch Steigerung des Lehrstellenangebots,
sondern durch Absenkung der Nachfrage mit Hilfe von Abschreckung und
Herunterfahren der Attraktivität einer Lehrstelle.
Alles was derzeit zur Lösung des Problems Lehrstellenmangel unternommen
und diskutiert wird, dringt nicht zur wirklichen Ursache dieses Ausbildungsnotstands
vor. Wieder wird lediglich versucht, das Fehlende herbeizusubventionieren.
Alle Pakte, Appelle und Anreize, sowie angedrohte Gesetze sind nur die
übliche Art von Sysiphosarbeit, die den Verantwortlichen ausschließlich
in den Sinn kommt, ein ewiges Hinterherlaufen, rein defensiv, hinter
den Fakten, die ein destruktiver Zeitgeist unangefochten vorgibt.
Solange genügend Lehrstellen nicht von allein zur Verfügung
stehen, etwa weil der jeweilige Beruf durch geänderte Ramenbedingungen
sehr viel notwendiger für unseren gesellschaftlichen Alltag würde,
als dies heute der Fall ist, stimmt in unserem Wirtschaftssystem etwas
nicht.
Wenn wir wirklich eine marktwirtschaftliche Nachfrage nach Lehrlingen
erzeugen könnten, eine Struktur in unserem Wirtschaftssystem, dass
es für einen beruflichen Erfahrungsträger, wie einen Handwerksmeister
beispielsweise, eindeutig von Vorteil ist, einen jungen Menschen auszubilden,
bräuchten wir keine Subventionierung.
Wenn der Handwerksmeister den Betrieb nun auch durch verbesserte und
vor allem langfristig stabilisierte Nachfrage nach seinem Fach erfolgreich
führen kann und Aufträge erhält, und die geänderten
Ramenbedingungen auch jegliche finanziellen Nachteile für den Betrieb
der ausbildet ausschließt, könnte wieder ein anhaltendes
und reiches Angebot für Ausbildungswillige entstehen.
Doch wie könnte unsere Gesellschaft aus der gegenwärtigen
Situation heraus, in welcher menschliche Arbeitskraft immer unwichtiger
wird, weiterentwickelt werden? Wie bekommen wir den Schwenk hin, dass
unsere ökonomische Gemeinschaft den jungen Menschen, die in ihr
nachwachsen, jederzeit auch eine sinnvolle und zukunftssichere Aufgabe
zuweisen kann, ja dass sie ihr Humankapital wirklich vollständig
benötigt, statt es mit Ausbildungspakten notdürftig irgendwo
unterbringen zu müssen? Wie bringen wir die Wirtschaft dazu, dass
sie von vorneherein auf keinerlei Ausbildung junger Leute verzichten
kann?
Gegenwärtig fährt der Zug in die entgegengesetzte Richtung.
Die momentan alles beherrschende Wirtschaftsform der Kapitalistischen
Planwirtschaft setzt immer mehr Menschen auf das Abstellgleis.
Da ihr erstes Ziel, die Erwirtschaftung von Profiten, immer stärker
mit Hilfe der Externalisierung von sozialen und ökologischen Kosten
erreicht wird, lohnt es sich zunehmend, die menschliche Arbeitskraft
durch andere Produktionsfaktoren zu ersetzen: - Industrielle vor handwerklicher
Fertigung, - zentrale statt regionale Produktion, - Import von Waren
statt Herstellung im Land, - Ersatz traditioneller Grundmaterialien
durch neue, unter Umweltbelastung bereitgestellter, aber mit geringem
Arbeitskräftebedarf verarbeitbarer Stoffe, oder Austausch von früher
unbedingt notwendigem handwerklichen Know-How durch qualitativ oft ungenügende
Industrielle Lösungen.
Auffällig ist, dass dieses stille, unausweichliche Zurückdrängen
arbeitskraftintensiver Bereiche, wie vor allem im Handwerk, auch in
anderen Tätigkeitsbereichen geschieht, wo aber der Ersatz durch
industrielle oder zentrale Lösungen gar nicht gelingen kann. Hiermit
meine ich Berufe, in denen hauptsächlich mit Menschen umgegangen
wird, wie im Bereich Gesundheitsversorgung, Pflege oder soziale wie
pädagogische Arbeitsbereiche.
Anders als im Handwerk besteht dort ein krasses Missverhältnis
zwischen zunehmender gesellschaftlicher Notwendigkeit einerseits und
der wachsenden Unbezahlbarkeit und Verbürokratisierung dieser Tätigkeitsfelder
andererseits, verbunden mit einem rapidem Abbau jeglicher Attraktivität
als Berufswunsch für junge Leute. Hier zeigt sich die Dynamik unseres
Wirtschaftssystems, auch diejenige Arbeit verschwinden zu lassen, die
nicht mit Hilfe abstrakter Rationalisierung überflüssig geworden
ist, sondern auch Arbeit, die eigentlich dringend gebraucht wird. Wir
haben hier ein weiteres Indiz für die generelle Menschenfeindlichkeit
der Kapitalistischen Planwirtschaft und der aus ihr resultierenden Konsequenzen.
Auch im Lehrstellenmangel wird deutlich, dass die Menschen für
die Wirtschaft da sind, statt umgekehrt.
Die mangelhafte Lehrstellensituation mitsamt der ganzen Summe von Folgeproblemen
für die Gesellschaft lässt sich nur mit Hilfe einer neuen
Wertigkeit innerhalb unserer Ökonomie abbauen. Nur innerhalb der
Kategorische Marktwirtschaft entstünde genügend Nachfrage
nach menschlicher Arbeitskraft und somit ein Drang nach ständiger
Ausbildung benötigter Fachkräfte.
Nur innerhalb dieser einzig nachhaltigen Wirtschaftsform werden auf
den Preis der heute üblichen Ersatzmöglichkeiten für
Menschenenergie auch alle erdenklichen gesellschaftliche Folgekosten
vollständig aufgeschlagen. Nur so wird die menschliche Arbeitskraft
im Wettbewerb wieder ihren großen Vorteil ausspielen können,
den Vorteil, dass ihr Einsatz so gut wie keinen sozialen und ökologischen
Schaden hervorruft, und im Gegenteil, diesen sogar weitgehend verhindert.
Und nur auf die Steigerung des Bedarfs nach fachlicher Arbeitskraft
entsteht eine selbsttragende Selbstverständlichkeit nach kontinuierlicher
und hochwertiger Ausbildung dieser Fachkräfte.
CCR
6.August
2005: Der
Artikel
über meinen Müllboykott ist jetzt auch im Archiv des Greenpeace-Magazins
einsehbar.
CCR
4.August
2005: Nach den Anschlägen in London werden in Großbritannien
die Kontrollen verschärft. Die Reaktionen angegriffener
Länder tendieren mit einer merkwürdigen Logik hin zu den Verhältnissen,
wie sie in den USA schon weitgehend umgesetzt worden sind. Die großen
Töne von den demokratischen Freiheiten, die es gegen Extremisten
zu verteidigen gilt, verlieren allmählich ihre Entsprechung in
den demokratischen Staaten des Westens, - und gesteuert wird dieser
Prozess eben von diesen Terror isten.
In England ist die Situation ohnehin fragwürdig, weil zunächst
nur an Kontrollen der Reisedokumente gedacht werden kann, die Attentäter
aber Briten waren, die sich innerhalb des Landes auf völlig alltägliche
Weise bewegt haben. Wird Großbritannien seine demokratischen Freiheiten
so weit aufschmelzen, wie es die US-Amerikaner in ausuferndem Aktionismus
getan haben?
Auch für die bürgerlichen Rechte in der Bundesrepublik sieht
es nicht gut aus. Nach einer Umfrage von Emnid plädieren 59% der
Deutschen für eine grundsätzliche Videoüberwachung in
der Öffentlichkeit. 40% lehnen dies ab. Dabei ist es hierzulande
noch gar nicht zu solch grausamen Anschlägen wie in London, oder
auch Madrid gekommen. Die Panikmache unserer Hardliner zeigt besonders
bei Frauen und älteren Menschen jetzt schon Wirkung. Von ihnen
sind 61% bzw. 67% für die Überwachung.
Wieso wird nicht das Wirken bestimmter islamischer Prediger und antidemokratische
Geschehnisse in einigen Koranschulen stärker unter die Lupe genommen
und entsprechend konsequent und schnell reagiert? Und wieso bringen
wir es nicht fertig, die ursprünglichen Gründe für
den Terror zu analysieren um so die Wurzeln dieses Übels
zum Vertrocknen zu bringen?
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach wenngleich für die Anhänger
unserer herrschenden Wirtschaftsideologie in höchstem Maße
unangenehm:
Unsere Kapitalistische Planwirtschaft, die sich bis heute erfolgreich
mit der Maske der Marktwirtschaft zu tarnen versteht, funktioniert nur,
wenn Dritte für den Profit ausgebeutet werden können. Hierzu
zählen neben der Allgemeinheit im Inland und den Nachfolgenden
Generationen, zu denen auch unsere eigenen Kinder gehören, eben
auch die Menschen in Ländern, wo es Rohstoffe und Energieträger
zu holen gibt.
Um den ständigen Zufluss dieser Stoffe in die Industrieländer
zu sichern, ist eine gewisse Einflussnahme in die inneren Angelegenheiten
dieser Rohstoffländer unabdingbar, genauso, wie für die Nutzung
dieser Länder als Absatzmärkte für westliche Waren. Die
abstruseste Konstellation besteht zwischen der USA und Saudiarabien.
Der Weltölliferant Nummer eins unterstützt den Islamismus,
braucht aber die USA als Schutzmacht, Hauptabnehmer des Öls und
als Waffenlieferant. Die USA hingegen braucht mit ihrer Fixierung auf
die Kapitalistische Planwirtschaft das saudische Öl, und das dortige,
dagobertische Vermögensausmaß zum kräftigen Warenabsatz.
Jede Einflussnahme mindert aber die Souveränität dieser Länder
oder deren individuelle Entwicklungschancen, beeinflusst die kulturellen
Eigenheiten und vernichtet nicht unwesentlich stückchenweise die
dortige Identität. Diese jahrzehntelange Bevormundung zum Wohle
westlichen Profits, mag sie auch noch so subtil gestaltet und mit vordergründigem
Wohlwollen tapeziert sein, hat, in Verbindung mit der wörtlichen
Auslegung bestimmter Textstellen im Koran, den Terrorismus islamistischer
Prägung erst hervorgebracht.
Weil die Mächtigen aber zur Weiterführung ihrer Geschäfte
diese Zusammenhänge nicht als grundsätzlichen Lösungsansatz
akzeptieren können, fällt der sogenannte "Kampf gegen
den Terror" eben hauptsächlich als Beseitigung unserer eigenen
Freiheiten und vorbeugende Erschießung verdächtiger Personen
aus.
In einer Kategorischen Marktwirtschaft wird die Wirtschaft weitgehend
von der Abhängigkeit von importierten Rohstoffen und Energieträgern
befreit. Jegliche neokoloniale Einflussnahme in Drittstaaten wird überflüssig,
Aktionen gewaltbereiter Paranoiker verlieren ihre scheinbare Berechtigung
und die Grundlagen für einen ausgewogenen und partnerschaftlichen
internationalen Handel werden damit erst gelegt.
CCR
Blogarchiv
- Monat Juli 2005
1.August
2005: Mein
Arbeitsurlaub ist vorbei. Wenn viele es auch nicht nachvollziehen
können, so habe ich mich dennoch mit dem Bau einer Bruchsteinmauer
und einer Treppe aus Bergischer Grauwacke erholt (wen es interessiert:
Foto).
Während der Zeit aus Arbeiten und Faulenzen hatte ich den alten
Herrn in einem Kurzzeitpflegeheim untergebracht und konnte ganz entspannt
vom mittlerweile über 5 Jahre dauernden Pflegezwang, vom Dasein
eines Sklaven, zuständig für die rein körperliche Erhaltung
eines apathischen, willen- und sprachlosen 91-jährigen Mannes,
welcher einmal mein Vater war, drastisch gesagt, als Beauftragter
für die Verlängerung seines Leids und seines Sterbens, etwas
Abstand nehmen.
Nun will ich die Tagebucheintragungen fortführen.
Im Schnelldurchgang habe ich die Ausgaben unserer Tageszeitung der
letzten beiden Wochen durchgesehen, um die relevanten Meldungen an
dieser Stelle verwursten zu können.
Siehe da: Es passierte eigentlich immer das Gleiche, das Vorhersehbare,
das Bekannte in neuer Verpackung, und mein erster Impuls war die Überlegung,
dieses Zeitungsabo zu kündigen. Ursprünglich war es eh das
Abo meines Vaters, der seit einem Jahr nichts mehr liest, - ich könnte
genausogut darauf verzichten. Viel überflüssiges Papier
ließe sich einsparen, und die Abokosten. Wichtige Nachrichten
stehen auch im Internet, in der Wochenzeitung oder im Nachrichtenmagazin,
und dies bekomme ich kostenlos von einem Bekannten. Ich hätte
auch nicht mehr das Gefühl, die in unsäglicher Überzahl
vorhandenen, scheuklappenbehafteten Allerweltsjournalisten zu subventionieren,
die es nicht fertigbringen, endlich einmal über Alternativen
zur herrschenden Kapitalistischen Planwirtschaft zu berichten, die
Tag für Tag nur den selben Mist wiederkäuen, denselben Politik-Dilletanten
die Füße küssen, indem sie deren verbal Erbrochenes
wieder und wieder aufgreifen, und ihm so erst den Anschein von Relevanz
verleihen. Könnte man nicht einmal gemeinsam ignorieren, was
Merkel, Schröder, Fischer, Westerwelle, Stoiber, Lafontaine und
alle anderen Narrenkappen aus Politik und auch aus der Industrie so
täglich von sich geben? Wie einen autofreien Sonntag könnten
wir auch einen Tag, frei von politischem Gesabbel einführen und
genießen, oder besser eine Woche. Wie wäre dies so angenehm!
Allerdings könnten sich viele Journalisten um ihren Job bringen,
wenn die Leser bemerkten, wie entbehrlich die Zeitungsberichte oft
sind, in welchen wieder und wieder Leute zu Wort kommen, die streng
auf Linie mit dem herrschenden Zeitgeist ihre widersinnigen und destruktiven
Rezepte beschwören.
Was stand denn in der Zeitung in den letzten beiden Wochen?
18.07: "Schily hält Attentate
in Deutschland für möglich." - Typisch Schily.
Wichtigtuerei ist sein erstes Arbeitsfeld. Lieber schafft er der Großen
Bruder fürs Volk, dieser Beckstein der SPD, als vernünftig
die reale, ja minimale Dimension des Problems zu erkennen. Er ist
für Videoüberwachung fürs Volk und macht sich damit
zum Terrorismuskomplitzen. Wenn diese Mörder mit ihren Taten
eins erreichen, dann ist es die Aushöhlung der persönlichen
Freiheiten in den westlichen Ländern, siehe besonders im Polizeistaat
USA. Doch dafür brauchen sie solche politische Übereiferer
in den Feindländern wie unseren Innenminister.
"Verheugen lehnt EU-Bundesstaat ab". Allerlei Blahblah
im Interview mit dem EU-Industriekommissar. Einerseits beteuert er,
es endlich schaffen zu wollen, dass Europa ein Projekt der Menschen
wird. - Klasse, nach so vielen Jahren -. Brüssel solle stark
sein und doch den Menschen ihre nationalen Wurzeln lassen. - Im Liegen
pinkeln und nicht nass werden -. Das übliche Geschwafel von starken
Institutionen, um im "Sog der Globalisierung wettbewerbsfähig
zu werden und das Wohlstandsniveau zu halten". Verheugen will
ein Europa unter dem Diktat der Kapitalistischen Planwirtschaft, der
früher oder später jegliche Souveränität geopfert
werden muss. Auch er hat vor dem Wettbewerb der Weltwirtschaft schon
kapituliert und sieht nur die Möglichkeit, diesem lebensfeindlichen
Mechanismus in den Hintern zu kriechen. Wieder nur ein Schmalspurdenker
im falschen Amt.
"Reichensteuer kann Milionäre verjagen". Wirtschaftsforscher
warnen vor zusätzlicher Belastung der Reichen. Nicht dass dieses
SPD-Instrument zu begrüßen wäre. Doch hier sehen wir
wieder die Blindheit, besser die Einäugigkeit der ökonomischen
Elite, diesmal des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle.
Es empfielt, den 60.000 Topverdienern das Geld lieber zu lassen. Sie
könnten sonst ihren Wohnsitz ins Ausland verdienen. Doch wieso
hängt die Steuerpflicht immer noch von dem jeweiligen Wohnsitz
ab? Wieso muss einer nicht dort zahlen, wo er sein Geld verdient und
die Infrastruktur nutzt? Und wieso kann jemand reich werden, indem
er die Schäden seines tuns auf Dritte abwälzt? Wieso kommen
die hochwohlgeborenen Wirtschaftsproffs nicht auf die Notwendigkeit
zur Internalisierung externer Kosten für jegliche Unternehmung
dieser Topverdiener, wie es innerhalb der Kategorischen Marktwirtschaft
unabdingbar wäre? Wo bleibt hier die Souveränität des
Staates?
19.07: Bund steigt bei der Post aus und
gibt seine letzten Anteile an die KfW ab. Weg mit dem Tafelsilber
und Butter bei die Kreditanstalt für Wiederaufbau.
20.07: "Körper: Unser Land
steht im Fadenkreuz". Fritz Rudolf Körper statt Geist,
parlamentarischer Innenstaatssekretär, käut im Interview
die Paranoia seines Chefs Otto Schily wieder. Der Mann ist hier besonders
unerträglich, weil er aus einem Dorf ganz in der Nähe stammt,
was die örtlichen Zeitungen immer wieder zur Berichterstattung
und zum Gespräch mit ihm treibt. Wenn Körper statt Geist
den Mund aufmacht, kommt besonders viel retorisch verpackter Käse
heraus.
"Steuer soll gerechter sein". Die "parteiunabhängige"
Stiftung Marktwirtschaft hat das Konzept einer umfassenden Steuerreform
vorgelegt. - Mal sehen was davon übrig bleibt, wenn die Parteien
damit fertig sind.
"Merkel überzeugt Führungskräfte".
Die sogenannten Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung
sprechen sich zu 68 % für Merkel als Kanzlerin aus. Allensbach
ermittelte, dass die Führer gern diejenige Person an der Spitze
sähen, unter welcher sie möglichst ungehindert der Geschäftemacherei
auf Kosten der Allgemeinheit und der nachfolgenden Generationen frönen
können. Was würden diese erst sagen, wenn es einen Kandidaten
gäbe, der ihnen die Kapitalistische Planwirtschaft als Grundlage
ihres Erfolgs fortnehmen wollte und sie unter den Bedingungen der
Kategorischen Marktwirtschaft ebenfalls erfolgreich sein sollten?
21.07: "Experten äußern
verfassungsrechtliche Bedenken". Staatsrechtler urteilen
unterschiedlich über den vom Bundeskanzler eingeleiteten Weg
zu Neuwahlen.
22.07: Köhler lässt die Katze,
die gar nicht drin war, aus dem Sack.
"Deutschland holt im Standortwettbewerb stark auf".
Wieder eine Studie. Die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung
WHU in Vallendar, ebenfalls nach den Regeln der Kapitalistischen Planwirtschaft
denkend, betreibt mit allerlei Zahlenwerk für das "Manager
Magazin" Kaffeesatzleserei. In der Schrift "Deutschland
2010" sehen die Wissenschaftler das Land in fünf Jahren
wieder in Europas Spitzengruppe.
"Bauern wollen mehr Marktwirtschaft". Leo Blum, Präsident
des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, einem regionalen
Ableger des Deutschen Brunnenvergifter Verbands DBV, spricht sich
im Interview für die Beibehaltung massiver Schadens- und Kostenexternalisierung
in der Landwirtschaft zum Nachteil der Allgemeinheit und der Nachfolgenden
Generationen aus.
25.07: "Immer mehr Verbraucher
pleite". Vor allem die Verbraucherpleiten (29200) lassen
die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
ansteigen.
26.07: "Alles läuft wie geschmiert".
Die Korruption in Deutschland wird mal wieder sehr auffällig.
Ob beim Mercedes-Vertrieb, bei Betriebsräten im VW-Konzern, bei
Infineon Motorsponsoring, Schleichwerbung im Fernsehen oder der Geldwäsche
im Commerzbank-Vorstand, in der Kapitalistischen Planwirtschaft ist
so etwas möglich, weil lohnend.
27.07: "Es geht wieder aufwärts
in Deutschland". Neuestes Ejakulat des Münchner Instituts
für Wirtschaftsforschung ifo. Ihr Geschäftsklimaindex klettert
deutlicher als erwartet. Ökonomenguru U.N.Sinn, pardon H.W.Sinn,
bringt sich wieder mit dem Satz "ein erster Silberstreif am
Konjunkturhorizont ist zu sehen", ins Gespräch. Der
eifrige Denker innerhalb der Grenzen der Kapitalistischen Planwirtschaft
will sich mit dieser hochkarätigen Äußerung wohl eine
neuerliche Existenzberechtigung zur Erlangung öffentlicher Gelder
um den Hals hängen.
"Rentenkassen droht der Kollaps". Die Lage der Rentenkassen
wird immer kritischer. Ab September wird ein finanzieller Zuschuss
des Bundes wohl nötig sein. Natürlich kommen nun von allen
Seiten Vorschläge, wie das Problem zu lösen sei. Der Rentenbeitrag
solle erhöht werden. Der Hundt der Arbeitgeber und die Versicherungsträger
wollen ein höheres Renteneintrittsalter einführen. Weiter
soll es mehr Null- und sogar Minusrunden geben. Alle halten sich an
ihrer Milchmädchenvorstellung fest, dass einen bessere Konjunktur
dauerhaft Entspannung bringt. Doch die leeren Rentenkassen sind eine
logische Folge der Kapitalistischen Planwirtschaft und der Politik
ihrer Agitatoren. Zum Thema Rente in Krisenzeiten siehe auch Beitrag
unter 14.Juni 2005.
28.07: "Verbraucher wollen nicht
konsumieren". Sie wollen nicht das tun, was der Konjunktur
angeblich hilft. Zwar geschieht es aus Sorge um die eigenen Finanzen
und aus Angst vor der Zukunft. Doch unbewusst sorgen die Menschen
mit ihrer Kaufabstinenz angesichts des hohen Externalisierungsanteils
bei jeglicher Warenproduktion für eine leicht verminderte Vernichtung
der Lebensgrundlagen unserer Nachkommen. So gesehen, nämlich
unter den Regeln der Kategorischen Marktwirtschaft, ist der Ausfall
des "Wachstumsmotors" privater Konsum gut für unsere
Gesellschaft, wenngleich schlecht für den Profit in der Kapitalistischen
Planwirtschaft.
29.07: "Schlingensief schimpft
mit Parteien". Deutliche Worte vom Chaosregiseur "Alle
führenden Parteien haben ihren Volksauftrag verraten. Keiner
hat für Deutschland gehandelt, sondern nur aus parteipolitischen
Interessen"
"Wieder mehr Arbeitslose". Die Parteien schlachten
dies in altgewohnter Form für sich aus
"Schröder und Merkel-beide reklamieren den Aufschwung
für sich". Kaum interpretiert ein hochbezahlter Ökonom
wie Medienstar Sinn vom ifo-Institut die Schlieren auf seiner Windschutzscheibe
als Silberstreifen am Horizont, sind die jeweiligen Spitzen der politischen
Parteien sehr eifrig aus dem Häuschen. Klein-Gerhard zetert.
"Mein Silberstreif!" Klein-Angela entgegnet: "Nein,
das ist mein Silberstreif!" Bald wird sich zeigen, dass die Momentaufnahme
nur das Hin beim Hin-und-Her eines Pendels war. Aber wer meint, dass
es ihm nützt, beklatscht es eifrig. Das Volk ist ja anscheinend
zu blöde, um dieses alte Spielchen zu durchschauen.
30.07: "Kosten für Arzneien
explodieren". Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen
sind im ersten Halbjahr deutlich gestiegen. Komisch, woher das wohl
kommt.
CCR
16.Juli
2005: Zum
gestrigen Beitrag kann man natürlich auch die Verbindung
zwischen Spritverbrauch und Terrorismus betrachten, Die Außen-
und Verteidigungspolitik der USA dient in erster Linie der Sicherung
unverzichtbarer Rohstoffe. Diese jahrzehnte lange Präsenz in
aller Welt, dort, wo es was zu holen gibt und das teilweise rücksichtslose
Vorgehn beim Erreichen der entsprechenden Ziele, hat erst den Hass
entstehen lassen, aus dem der Terrorismus sich entwickeln kann.
Wäre Benzin und Diesel, wie in der Kategorischen Marktwirtschaft,
als Treibstoff einfach zu teuer, wegen seiner Schädlichkeit noch
teurer als alternative Treibstoffe, würde die Nachfrage rapide
sinken. Damit verlöre der Rohstoff Erdöl auch politisch
teiweise seine Bedeutung und Wichtigkeit, womit wir neokoloniale Präsenzen,
Kriege und Elend einsparen könnten. Der Terrorismus käme
bei weitem nicht auf dieses Hasspotential, das er braucht, wie die
Pflanze das Sonnenlicht.
Morgen mache ich Urlaub.
Deshalb wird in der nächsten Woche hier etwas weniger zu lesen
sein. Ende Juli dann vielleicht auf der neuen Site.
CCR
15.Juli
2005: Die
Spritpreise steigen und steigen. Pünktlich zu den Sommerferien
wird bei der wichtigsten Voraussetzung für viele Leute, in Urlaub
fahren zu können kräftig abkassiert. Die Mineralölgesellschaften
sind jetzt so richtig in Schwung gekommen. Der Staat freut sich über
die unverhofften Mehreinnahmen über die Mehrwertsteuer für
Benzin und Diesel, muss aber den Eindruck verbreiten, es täte
ihm Leid für die armen geschröpften Bürger. Die Steuereinnahmen
von durchschnittlich 80 Cent pro Liter Treibstoff bescheren ihm jährlich
52 Millarden Euro.
Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Bernd Gottschalk,
findet populäre Worte: "Die hohen Kraftstoffpreise sind
fatal für Konjunktur und Beschäftigung." Dabei
ist es gerade die Autoindustrie von der wir uns seit vielen Jahren
wünschen, dass sie endlich sparsame Automobile auf den Markt
bringt. Immer noch vergeblich warten wir auf das 2- bis 3-Liter-Auto
in mehreren Ausführungen und von jeder Fahrzeugmarke ins Angebot
genommen. Jeder Konzern hat die fertigen Pläne dazu in den Schubladen
liegen. Doch weder von den Verbrauchern noch von den Regierungen sind
die Autobauer jemals ernsthaft zur Umsetzung der Sparautokonzepte
gezwungen worden.
Jetzt jammern die Leute, weil sie und ihre Volksvertreter sich nicht
früh genug um dieses absehbare Problem gekümmert
haben. Wenn der Urlaub bevorsteht fällt ihnen auf, dass der Wagen
zu viel säuft. Dumm gelaufen. Aber es gibt ja noch Sündenböcke.
Gottschalk: "Allein im vergangenen Jahr sind durch die Ökosteuer
3,6 Milliarden Euro an Kaufkraft zusätzlich an der Zapfsäule
entzogen worden." Sein mächtiger Verein ist also völlig
unschuldig.
Autokonzerne verdienen an größeren PKWs natürlich
mehr, als an kleinen, sparsamen mit wenig Ausstattung. Mineralölkonzerne
haben ebenfalls mehr Interesse an hohem Spritverbrauch. Und auch für
den Staat bedeutet die Halbierung des Verbrauchs, die Halbierung
der Steuereinnahmen. Eine mächtige Troika gegen die Interessen
der Bürger, aber immer mit Krokodilstränen zur Stelle,
wenn die Dauerdiskussion wieder aufflammt.
Manche Leute steigen auf Gas um und begeben sich in neue Abhängigkeiten.
Andere tanken Pflanzenöl, was für die breite Masse auch
nicht die Lösung sein kann. Elektro- und Wasserstoffantriebe
werden angeblich weiterentwickelt, ohne dass in den letzten Jahren
daraus irgend ein greifbarer Schub in der Antriebstechnik als kostensparende
Änderung für die breite Masse spürbar geworden wäre.
Das große Manko bei der Mobilität in unserer Industriegesellschaft
allerdings, von dem wir gegenwärtig mit den steigenden Spritpreisen
nur einen Aspekt zu spüren bekommen, ist die dramatische Fehlentwicklung
über Jahrzehnte im gesamten Bereich der unterschiedlichen
Fahrmöglichkeiten jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers.
Der Autoverkehr verursacht durch das Anrichten von vielfältigen
gesellschaftlichen Schäden nebenbei enorme Kosten, die nicht
vom Fahrzeugbesitzer oder -nutzer bezahlt werden. Nach einer Studie
des Umwelt- und Prognose- Instituts Heidelberg von 1991 kommen auf
einen Liter Treibstoff im Kfz -Verkehr externe Kosten in Höhe
von 4,50 DM. Für das Jahr 2005 kann eine Untergrenze von 3 bis
4 Euro angenommen werden, da heute sicherlich mehr Faktoren berechnet
werden können, als vor 14 Jahren.
Hätte es diesen Aufschlag zum Benzinpreis ganz von Anfang an
gegeben, etwa schon ab den 1950er Jahren, wäre die Entwicklung
zum Individual-PKW und zur LKW-Schwemme, wie wir sie heute gewohnt
sind, womöglich ganz anders verlaufen.
Das Pendeln Vieler zum Arbeitsplatz über 100 km täglich
wäre von vorneherein unrentabel gewesen. Es hätten sich
wahrscheinlich ganz andere Beschäftigungsstrukturen herausgebildet,
mehr regional vorhandene Arbeitsplätze, weniger Zentralisierung
der Betriebe, mehr und besser nutzbare öffentliche Verkehrsmittel.
PS-starke Spritschleudern gäbe es kaum, alternative Antriebe
wären ausgereift und voll im Einsatz, und abgesehen von der Abgasbelastung
wären auch alle anderen Auswirkungen der Mobilität weniger
dominant, wenn überhaupt spürbar. Es gäbe vielleicht
gar keine Staus, weil viel mehr Leute nahe ihrem Wohnort Arbeit fänden,
und weil sie mit dem Sammeltaxi beispielsweise viel billiger zur Arbeit
kämen. Die gesamte Versorgung der Bevölkerung wäre
vorwiegend dezentral organisiert, die Regionen hätten eine ganz
andere Bedeutung, als in den heutigen Zeiten des allgemeinen Transportwahnsinns.
Der Straßenbau müsste nicht ständig gesteigert werden,
weil die Anzahl der Fahrzeuge, PKW wie LKW, stagnieren würde.
Landschafts- und umweltschädliche Neubauprojekte wären überflüssig.
Die Finanzen dafür müssten nicht eingenommen, bzw. könnten
für wichtigeres verwendet werden. (In einer solchen Mobilitätsstruktur
gäbe es für Auto- und Ölkonzerne allerdings sehr viel
weniger zu verdienen, und für die Politiker sehr viel weniger
abzukassieren).
Ja sogar die gesamte Struktur internationaler Handelsbeziehungen hätte
sich in ganz anderer Art und Weise entwickelt, hätte man die
externalisierten Kosten des Verkehrs von Anfang an auf die Nutzung
der Verkehrsmitteln aufgeschlagen, also von jedem Verkehrsteilnehmer
individuell zusätzlich zu den bisherigen Fahrtkosten eingefordert.
Und das Schönste: wir würden uns darüber gar nicht
aufregen, weil wir es nicht anders wüssten, weil unser Marktwirtschaftliches
System die Entwicklung wegen der von Anfang an immens hohen Transportkosten
eben unter Vermeidung dieses Transportaufwands genommen hätte
und entsprechende Entwicklungen in andere Richtungen gefördert
hätte.
Doch leider leben wir nicht unter den Regeln der Kategorischen Marktwirtschaft.
Unsere gegenwärtige Ökonomie fördert nicht die Interessen
der Menschen und den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen, sondern zerstört
diese, um den Profit der Unternehmen zu steigern. Diese Steigerung
des Profits ist der unausgesproche Plan aller Unternehmungen. Diesem
Plan müssen sich alle anderen Interessen unterordnen. Um ihn
zu erfüllen gibt es die offiziellen und die verdeckten Subventionen
in Form von Steuervergünstigungen, Abbau sozialer Verpflichtungen
und Schaffung der Verkehrsinfrastruktur auf Kosten der Bevölkerung,
statt auf Kosten der Fahrzeugbauer und -nutzer, und es gibt schließlich
das gewaltige Subventionspaket in Form der Möglichkeit, Schadkosten
durch die Produktion oder durch die Produkte auf die Allgemeinheit
und die nachfolgenden Generationen abwälzen zu können. Deshalb
muss die gegenwärtige Ökonomieform als Kapitalistische Planwirtschaft
bezeichnet werden.
Gegenwärtig sorgt sie nur für die Erhöhung unserer
Fahrtkosten. Langfristig wird sie unsere demokratische Gesellschaft
jedoch kaputt machen.
CCR
14.Juli
2005: Es ist wahr, dieser Blog ist respektlos und frech.
Doch dies ist nur konsequent, angesichts der hochnäsigen Dilletanten,
ignorant bis in die Schlipsspitze, die vorgeben uns zu regieren und
uns in Wahrheit alles nehmen, wenn man sie nur lange genug an der
Macht lässt.
Das größte Problem ist die Unfähigkeit der breiten
Masse, sich einen wirklichen Wandel unseres gesellschaftlichen
Lebens vorstellen zu können, eine grundlegende Veränderung,
die uns zwar quantitative Einbußen aber einen Gewinn an Lebensqualität
bringt. Auch gibt es keinerlei beachtete Publikationen, die Lebensalternativen
beschreiben, keine Medien, die ernsthafte Visionen ausbreiten und
so eine Diskussion erst ermöglichen, keine Autoritäten mit
öffentlichem Gewicht, die sich dieses Themas annehmen.
Alle scheinen nur völlig bedopt zu sein vom herrschenden
Muss, bloß nichts Außergewöhnliches denken, bloß
nicht darüber philosophieren, dass die Staatslenker durch die
Bank nicht mehr alle Tassen im Schrank haben könnten, dass sie
nicht mehr regieren, sondern sich nur noch selbst darstellen.
Nach der neuesten Forsa-Umfrage nimmt die Glaubwürdigkeit der
Politiker in den Augen der Wähler weiter ab. 84% der Deutschen
sind überzeugt, dass die Parteien ihre Wahlversprechen nach der
Bundestagswahl nicht umsetzen werden. Nur 13% glauben, die Parteien
würden sich an ihre Programme halten.
Welch eine Schitzophrenie, welch eine betonharte Ausblendung der Realitäten,
denn mit Sicherheit gehen mehr als 13% der Bundesbürger zur Wahl.
Die Tagesmeldungen scheinen für die meisten Menschen wirklich
nur noch Unterhaltung zu sein, ohne jeglichen Glauben an eine tatsächliche
Relevanz für das eigene Leben.
Spaß-Meldung von Dienstag: WM 2006 schafft 50.000 neue Arbeitsplätze,
davon "möglicherweise" 20.000 langfristige Jobs.
- Ho-Ho-Ha-Ha-. DFB-Präsihälfte Zwanziger unterschrieb schon
mal einen Vertrag mit der Bundes-Agentur-Anstalt für Arbeit.
Oder von gestern: EU will für Menschen, die im Freien arbeiten,
in Deutschland sind das 2,5 Millionen, Sonnenschutz vorschreiben.
-Ha-Ha-Ho-Ho-. Die FCKW-Problematik wurde 20 Jahre lang verbummelt,
damit wir heute was zu lachen haben.
Alles nur noch Bild-Zeitung.
Wir sind eigentlich kurz davor, jegliche Nachrichten ebensogut abschaffen
zu können. Die übliche Rede der Boulevard-Blatt-Leser, "ich
lese die Bild-Zeitung ja nur wegen dem Sportteil", können
wir ab sofort auf alle anderen Medien übertragen. Von wegen,
seriöse Wochenzeitung, aktuelle Tageszeitung, über Hintergründe
berichtende Nachrichtenmagazine. Fast alle käuen sie nur die
kurzlebigen Ergüsse der Volksvertreterkaste wieder und präsentieren
sich als ebenso blinde Ideologen ohne Nähe zum allgemeinen Tellerrand.
Berichtet endlich über Lichtblicke. Jegliche Veränderung
beginnt mit der Diskussion über die Loslösung vom Vertrauten,
aber destruktiv gewordenen. Habt keine Angst, ein neues Gericht zu
probieren, vielleicht schmeckt es besser als das vertraute, aber angeschimmelte
der Gegenwart.
PS.: Der RestmuellNet-Blog hat keinen Sportteil.
CCR
13.Juli
2005: Wem
ist nicht schon aufgefallen, wie sehr das Eigenlob in den letzten
Jahren gesellschaftsfähig geworden ist. Von dem alten
Spruch, "Eigenlob stinkt", scheint nichts mehr übrig
zu sein. Mittlerweile ist der Gestank in den Medien so allgegenwärtig,
wie die Helligkeit am Tage.
Es kam so allmählich, dass man kaum zusammenbekommt, wie es anfing.
Die Radiosender in Deutschland haben damit angefangen. Ob sie
sich von etwas anderem haben inspirieren lassen, etwa von der Politik,
lässt sich nicht mehr feststellen. Ihre Werbestrategen müssen
jedenfalls irgend ein Antitranspirant entdeckt haben mit welchem der
Übergang von "Eigenlob stinkt" zu "Eigenlob bringt
Vorteile" möglich wurde.
Der Sender SWR3, den ich manchmal früh morgens einschalte,
schlägt hier alle Rekorde. Mit dem Slogan "Mehr Hits, mehr
Kicks", an Dämlichkeit kaum noch zu überbieten, sind
die Baden-Badener zu den höchsten Einschaltquoten gekommen.
Nach Ansicht der Macher werden hier also mehr Hits als bei der Konkurrenz
gespielt, was überhaupt nicht wahr ist. Jeder "Hit"
sorgt demnach für einen "Kick", ein ebensolcher Blödsinn.
Ja, und natürlich die versteckte Suggestion, dass "Kicks"
notwendig sind im Leben, dass diese durch Hits erbracht werden können
und dass also SWR3 dieses Bedürfnis am besten befriedigt. Denn
los: Je mehr SWR3 wir hören, desto besser kommen wir durchs Leben.
Andere Sender sind natürlich ebenfalls kreativ, wenn die Hemmungen
erst mal abgelegt wurden. "Die größten Hits",
hören wir, "Nur die Superhits", macht man den Hörern
weis, "Die größten Hits aller Zeiten", noch mal
gesteigert, und dann kommt oft altbackener Dudelkram. Dann, nach jedem
Song das Jingle mit dem Sendernamen, bloß keine Missverständnisse
aufkommen lassen, "Die beste Comedie, der meiste Spass",
wenn das Leben immer beschissener wird, dann wenigstens mit mehr Spaß.
Wenn die Radiosender im überregionalen Konsens jede ernstzunehmende
Kritik gestrichen haben, somit deutlich dokumentieren, wie egal ihnen
das Leben der Hörer außerhalb des Hörens ist, sich
dagegen aber um so eifriger um das Lametta des Alltags kümmern
und sich dafür auch noch im Minutentakt rühmen, stellt dies
in meinen Augen eine weitere Verarmung der öffentlichen Meinungsvielfalt
dar.
Viele im Südwesten werden sich noch an die erfrischenden Kommentare
von Uli Becker im SWF3 erinnern. Wenn es irgendwie passte hatte
ich pünktlich um 16.40 Uhr die Kiste eingeschaltet. Uli Becker
war Kult, war Seelenmassage, Offenlegung des Verborgenen, Herausschälen
des Kerns und oft Beschämung allzu stumpfsinnig daherquatschender
Politiker.
Stillschweigend wurde Uli Becker entfernt, und sein Platz ist bis
heute leer geblieben.
Natürlich kann man sagen, das System reinigt sich von seinen
Kritikern. Auch die Sender werden von Ignoranten mit Parteizugehörigkeit
geleitet. Die Mär vom unabhängigen Hörfunk wollen wir
begraben, wie die vom unabhängigen Journalismus. Kleine Ausnahmen,
wie die "Morningshow" mit Wirbitzki und Zeus alle 14 Tage
in SWR3 , wo immerhin noch ein Rest von Geist und Zeitkritik enthalten
ist, bestätigen eher die Regel.
An dieser Stelle will ich natürlich auch die Politik nicht
vergessen. Hier sorgt eine wahre Inflation von Eigenlob dafür,
dass schon das Zeitungsaufschlagen nur mit Wäscheklammer auf
der Nase möglich ist. Gern wird hier das Eigenlob geschickt mit
der gnadenlosen Unfähigkeit verwoben, und das Volk scheint den
Coup gar nicht zu bemerken.
Angela Merkel: "Wenn wir die Leistung erbringen, die Lohnzusatzkosten
zu senken, dann ist es auch gerechtfertigt, eine Indirekte Steuer
zu erhöhen." Eigentlich kann man hierzu überhaupt
nichts mehr sagen außer: ab in den Kindergarten, Angela! Doch
wir haben es hier mit der alltäglichen Realität zu tun.
Sie wollen die Mehrwertsteuer erhöhen, um die Lohnnebenkosten
zu senken. Ihre Ideologie meint allen Ernstes, dadurch mehr Wachstum
und Beschäftigung zu bekommen. Die Tatsache, dass Wachstum der
herkömmlichen quantitativen Art aber in Wahrheit Arbeitsplätze
vernichtet, wird sich bei der Union so schnell nicht ins Bewusstsein
integrieren lassen. Die gehen jetzt erst mal im Stechschritt in die
falsche Richtung, um irgendwann ihren Irrtum und seine Folgen wieder
mit Eigenlob zu übertünchen.
Angela Merkel hällt es für eine Leistung, das beschäftigungspolitisch
Irrelevante zu tun. Diese Fehleinschätzung dient dann wiederum
der Rechtfertigung des wirtschaftspolitisch Widersinnigen. "Wenn
ich die Leistung erbringe, meinem Nachbarkind einen Zuckerlolli zu
schenken, ist es auch gerechtfertigt, ihm vorher auf die Backe zu
schlagen!"- Ho-Ho, Ha-Ha lernt man im Lachuntericht.-
Papageien-Kauder, ("Sozial ist, was Arbeit schafft!"),
setzt noch eins drauf. "Denn es ist schon außergewöhnlich,
wenn eine Partei aus der Opposition heraus ankündigt, dass sie
Steuern erhöhen muss, um tatsächlich Lohnzusatzkosten senken
zu können. Das finde ich mutig." (Rhein-Zeitung von
heute) -Auch Ha-Ha, Ho-Ho ist eine Variante.- Kauder findet sich ja
so mutig, wenn er den Blödsinn, den er vorhat, auch noch vorher
ankündigt. "Sozial ist, was Arbeit schafft!"
Allen Ernstes verkündet er, die von der Mehrwertsteuererhöhung
am stärksten betroffenen Gruppen wie Rentner, Arbeitslose, Studenten,
Familien usw. würden in Wahrheit davon profitieren.
Ich mach jetzt Schluss, es ist unerträglich. Diese Kappen werden
von der blinden Masse auch noch gewählt werden. - Ach ja, Friedrich
"Bierdeckel" Merz kriegt den Orden "Wider den tierischen
Ernst" vom Aachener Karnevalsverein. In der Begründung dieser
Institution für die medienwirksame Dekoration strukturkonservativer
Dummschwätzer heißt es: "Wer wie Friedrich Merz
aus griesgrämigen Steuerpflichtigen fröhliche Steuerberechtigte
macht, dene das Zahlen runtergeht wie ein frisches Pils, ist ein würdiger
Ritter wider den tierischen Ernst." Dies soll jetzt jeder
selber kommentieren. hhhgdgfdstrewtzjpo86d87543b76ewopk
CCR
12.Juli
2005: Zugegeben,
das Meisner-Papier von gestern war erfunden. Es wäre
auch zu schön um wahr zu sein, wenn es in des Kardinals Umfeld
jemanden gäbe, der mittels einer treffenden Parabel, mittels
eines von Jesus Worten abgeleiteten Bildes, den inneren Zustand von
Unionsparteien und Kreisen kirchlicher Würdenträger analysieren
könnte und dies gegen den Willen seines Chefs auch täte.
Eher schon schlägt sich ein Mann wie Kardinal Lehmann verbal
auf die neoliberalistische Seite.
Doch wo kämen wir denn hin, wenn die Kirche die eigentlichen
Gründe für fortdauernden Bedeutungsverlust und Anhängerschwund
herausfinden würde und gegensteuerte.
Die christlichen Kirchen müssten ja politisch werden, nicht parteipolitisch
aber sie müssten den Menschen gegen den Allparteienkonsens und
die Alltagsauswirkungen der Politik eine Perspektive anbieten. Sie
müssten die Weichenstellungen unserer "Volksvertreter"
als Weg in die Sackgasse anprangern und geschlossen die Gefahren für
die menschlichen Seelen aus Wettbewerbszwang, Wachstumsideologie und
Wohlstandsideal aufzeigen.
Sie müssten Alternativen entwickeln gegen den eingeschliffenen
Konsens, wie die Kategorische Marktwirtschaft, Alternativen, die auf
qualitatives Wachstum ausgerichtet sind, statt auf quantitatives Immer-Mehr
und auf den vollständigen Ersatz des Seins durch das Haben, Alternativen,
die den Profit auf Kosten der Allgemeinheit und auf Kosten unserer
eigenen Nachkommen unmöglich machen.
Sie müssten klarstellen, dass die Philosophie des Jesus von Nazareth
nicht nur eine kleine Ecke im Alltag betrifft, sondern das ganze Leben
bestimmen soll, egal was der gesellschaftliche oder wirtschaftspolitische
Zeitgeist gerade vorschreibt. Kirche müsste sich vom inneren
Selbst heraus äußern, ihre Urprinzipien auf moderne Verhältnisse
interpretieren ohne in Konservativismus und blinden Papstgehorsam
zu verfallen. Sie würde auch der Jugend gegenüber wieder
interessant, könnte den anhaftenden Flair eines trockenen Brötchens
abschütteln.
Doch die Kirchen scheinen lieber weiter dahindümpeln zu wollen,
bewegungslos gegenüber ihrer Finanzmisere, die immer mehr Aktivitäten
lähmt, einzig die herkömmlichen Maßnahmen wie alle
anderen verschuldeten Institutionen im Kopf, die statt einen neuen
Aufbruch zu wagen sich auf Restemanagement beschränken. Wehrlos
gegenüber dem schwindenden Interesse der breiten Masse. Ohne
die treuen alten Mitglieder wären sie schon heute bewegungsunfähig.
Im Kommunalteil unserer Tageszeitung findet sich heute ein Bericht
über die Versammlung der evangelischen Kirchengemeinde in meiner
früheren Heimatstadt. Symptomatisch für wohl die allermeisten
Kirchengemeinden in Deutschland sind die dargestellten Probleme. Weniger
Mitglieder als früher auf der Versammlung, düstere finanzielle
Entwicklung ohne Lichtblick, Infragestellung der Kirchenmusik aus
Kostengründen, Personalabbau, Weiterwursteln durch Schuldenmachen,
Reduzierung der Arbeit an Jugendprojekten, abermaliges Verschieben
der notwendigen Kirchensanierung, usw.
Die christliche Kirche muss begreifen, dass die Zeiten, wo "Pharisäer
und Schriftgelehrte" angeprangert wurden, wo deren Verhalten
und ihr Wirken schonungslos als menschen- besser seelenfeindlich bloßgestellt
worden ist, eben nicht vorbei sind, dass im Gegenteil aus den trostlosen
und bleiernen Verhältnissen eine Pflicht für die Kirche
entsteht, sich einzumischen und allen Parteien bei deren Marsch
hin zur Alleinherrschaft einer umfassenden Wirtschaftsreligion entgegenzutreten
haben.
Doch lassen wir das. Der Weltjugendtag in Köln wird wieder eine
Mischung aus bravem Pop-Konzert und Junge-Union-Versammlung mit wenigen,
kurz aufblitzenden Ungehorsamkeiten Meisners Linie gegenüber,
bzw Gehorsamkeiten der Urbotschaft Jesus gegenüber.
Jesus war hochpolitisch, ohne ins Politikergehabe abzurutschen. Die
heutige Kirche, ob katholisch oder evangelisch ist feige, mit sich
selbst beschäftigt, weinerlich gegenüber der Anhängerstatistik
und massiv opportunistisch gegenüber den vereinigten Großmäulern
des öffentlichen Lebens in unserer Industriegesellschaft.
Die Oberhäupter der deutschen Kirchen, -oder soll ich realistischerweise
sagen: die offeneren Mitglieder weiter unten-, seien hiermit eingeladen,
sich mit den Prinzipien der Kategorischen Martwirtschaft vertraut
zu machen. Diese ist nicht nur aus ökonomischer, arbeitsmarkt-
und umweltpolitischer Sicht die einzige Alternative zur derzeit herrschenden
und die Welt in jeder Beziehung verheerenden Kapitalistischen Planwirtschaft.
Sie ist auch die Garantie für die Dominanz christlicher Maxime
in der großen Ökonomie
Wenn die Kirchen dem destruktiven Zeitgeist nicht entgegensteuern,
werden sie mit ihm untergehen.
CCR
11.Juli
2005: Nicht
nur die CDU, auch der Kölner Kardinal Meisner hat in den
letzten Wochen viel zu tun. Wider jede Tradition forderte Meisner
Anfang Juni CDU und CSU auf, das C aus ihren Namen zu streichen.
Meisner: "Was christlich ist, kann nicht die CDU definieren.
Das machen wir," erklärte er damals in der "Westdeutschen
Zeitung". Mit Blick auf die Rolle von Angela Merkel in der früheren
Kohl-Regierung fragte er: "Wie konnte eine Frau Familienministerin
werden, die selbst geschieden ist und mit einem geschiedenen Mann
zusammenlebt?"
Dem RestmuellNet-Blog wurden jetzt vertrauliche Informationen zugespielt,
wonach Meisner sich bei den Unions-Parteien für seine Äußerungen
entschuldigt hat.
Eigentlich hat der Kardinal derzeit viel Arbeit mit dem anstehenden
Weltjugendtag in Köln. Meisner musste für ein Pressefoto
so tun, als trage er mit Jugendlichen das Weltjugendtagskreuz vom
Rhein zum Messeplatz. Er muss peinlich genau darauf achten, nur wirklich
linientreue kirchliche Gruppen für dieses große PR-Event
zuzulassen. Keine Kritiker sollen dieses sündhaft teure Kölner
Pope-Festival stören, (Motto: "Wir sind gekommen, um ihn
(?) anzubeten.")
Niemand soll etwa fragen, warum statt Transfair-Kaffee das Produkt
des Unternehmens Tchibo ausgeschenkt wird, welches durch Ausbeutung
der Kaffeebauern in der dritten Welt für die katholische Kirche
billiger kommt.
Trotzdem fand Meisner Zeit für ein Friedensangebot an die Union.
Um die Ausarbeitung des lange angekündigten Wahlprogramms
der CDU/CSU zu erleichtern, ließ er der Union ein von seinem
Sekretariat angefertigtes Positionspapier zukommen, worauf
die christliche Partei ihr Programm aufbauen könne.
Hierin sah Meisner eine verlässlichere Unterstützung für
die C-Parteien als die in den letzten Jahren immer spärlicher
ausfallenden Kanzeltipps an Wahlsonntagen.
Allerdings scheint der zuständige Mitarbeiter im Büro des
Kardinals die ihm gestellte Aufgabe missverstanden und nicht
im Sinne des Kardinals bearbeitet zu haben. Meisner bemerkte den abermaligen
Eklat gegenüber der Union erst, als die jeweiligen Generalsekretäre
seine gut gemeinten Unterlagen empört zurückschickten. Sie
verwahrten sich gegen die versuchte Einflussnahme und fragten Meisner,
ob er überhaupt wisse, in welcher Welt man heute lebe. Sein Papier
könne er einmotten. Solche Gedanken hätten in Zeiten von
Wirtschaftswachstum und Wettbewerb auch für eine christliche
Partei ausgedient.
Bevor das Schriftstück nun stillschweigend und endgültig
ins päpstliche Archiv verbannt wird, seien hier einige Passagen
daraus zusammengefasst wiedergegeben.
Grundlage des Papiers ist eine Bibelstelle im Neuen Testament, Matthäus-Evangelium
23, Vers 13 bis 33. Jesus redet hier gegen die Pharisäer
und Schriftgelehrten, und das Papier des Kardinals spekuliert zunächst
darüber, wer heute die Rolle der damaligen Pharisäer und
Schriftgelehrten innehat. Es kommt zu dem Schluss, dass hier alle,
die sich an das Volk wenden mit Reden und Überreden, mit Regeln
und Gesetzen, mit Vorbild und Anspruch auf Richtungsfindung, also
auch Politiker und Geistliche gemeint sind. Da die CDU/CSU und die
katholische Kirche nach christlichen Regeln handeln, würden sie
sich beide den Geist dieser Bibelverse aneignen und als Richtschnur
für ihr aktives Handeln umsetzen können.
Dann geht das Papier ins Detail.
In der Bibel bei Matthäus 23 heißt es im Original (Vers
13):"Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler,
die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht
nicht hinein, und die hinein wollen, laßt ihr nicht hineingehen."
Die Aktualisierung aus dem Büro Meisners lautet: "Weh euch,
ihr Menschenführer, ihr Heuchler, die ihr den Menschen erzählt,
glücklich werden sie nur durch Wohlstand, wie ihr ihn versteht,
mit dem Verbrauch vieler Dinge, die nur euch reich machen, und denjenigen,
die es versuchen wollen mit Liebe, Vertrauen und ohne Geld, ihr es
gründlich verderbet."
Vers 14 lautet: "Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
die ihr der Witwen Häuser fresset und verrichtet zum Schein lange
Gebete. Darum werdet ihr ein desto schwereres Urteil empfangen."
Und die Aktualisierung: "Weh euch, ihr Menschenführer, die
ihr euch nähret von den Schulden der Schwachen und Machtlosen,
derer, die nicht so erfolgreich wie ihr das Leben durchschreiten,
und ihr entschuldigt euch mit der Verkündung, dies sei nun mal
manchmal die Natur des Marktes."
Vers 15 lautet:" Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr Land und Meer durchzieht, damit ihr einen Judengenossen
gewinnt; und wenn er's geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der
Hölle, doppelt so schlimm wie ihr."
Aktualisierung: "Weh euch, ihr Menschenführer, ihr Heuchler,
die ihr werbet um junge Menschen auf jede Art und an jeder Ecke, dass
sie übernehmen eure Art zu leben und Dinge zu kaufen, und wenn
sie es tun, werden sie die Schöpfung noch rücksichtsloser
verbrauchen, als ihr."
Vers 16 bis 19: "Weh euch, ihr verblendeten Führer, die
ihr sagt: Wenn einer schwört bei dem Tempel, das gilt nicht;
wenn aber einer schwört bei dem Gold des Tempels, der ist gebunden.
Ihr Narren und Blinden! Was ist mehr: das Gold oder der Tempel, der
das Gold heilig macht? Oder: Wenn einer schwört bei dem Altar,
das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Opfer, das darauf
liegt, der ist gebunden. Ihr Blinden! Was ist mehr: das Opfer oder
der Altar, der das Opfer heilig macht?"
Aktualisierung: "Weh euch, ihr verblendeten Führer, die
ihr sagt: Wenn einer handelt nach reinem Gewissen und fordert der
Gerechtigkeit Sinn, das gilt nicht. Wenn aber einer findet den passenden
Paragraphen im Gesetz, das bindet. Ihr Blinden! Was ist größer?
Euer Gesetz oder die Gerechtigkeit, der das Gesetz zu dienen hat?"
Oder Vers 23 und 24: "Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr den Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel
und laßt das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das
Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Doch dies sollte man tun
und jenes nicht lassen. Ihr verblendeten Führer, die ihr Mücken
aussiebt, aber Kamele verschluckt!"
Aktualisierung: "Weh euch, ihr Menschenführer, ihr Heuchler,
die ihr alles dem Handel und der Wirtschaft unterordnet und vergesst,
dass die Menschen wichtiger sind, dass Gerechtigkeit und Barmherzigkeit
unter ihnen herrschen soll und Glaube an Gott, und nicht nach Profit.
Denn beides ist wichtig, Handel und Handeln nach christlichen Werten.
Ihr verblendeten Vorbilder, die ihr jeden Krümel bei anderen
kritisiert, eure eigenen Verbrechen aber überseht."
Vers 25 bis 28: "Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, ldie ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt,
innen aber sind sie voller Raub und Gier! Du mblinder Pharisäer,
reinige zuerst das Innere des Bechers, damit auch das Äußere
rein wird! n Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler,
die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen
hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und
lauter Unrat! So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Menschen
fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht."
Aktualisierung: "Weh euch, ihr Menschenführer, ihr Heuchler,
die ihr euch christlich gebet und rechtschaffend. Ihr findet immer
den passenden Schein und die ehrbaren Worte. Innwendig aber seid ihr
Lügner und Betrüger für eure eigene Sache. Ihr gebet
an, erst mal an der Macht, den Menschen Glück und Wohlstand zu
verschaffen. Doch in Wahrheit führt ihr sie in eine düstere
Zukunft."
Oder auch Vers 29 bis 33: "Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler baut und die Gräber
der Gerechten schmückt und sprecht: Hätten wir zu Zeiten
unserer Väter gelebt, so wären wir nicht mit ihnen schuldig
geworden am Blut der Propheten! Damit bezeugt ihr von euch selbst,
daß ihr Kinder derer seid, die die Propheten getötet haben.
Wohlan, macht auch ihr das Maß eurer Väter voll! Ihr Schlangen,
ihr Otternbrut! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?"
Und die Aktualisierung:
"Weh euch, ihr Menschenführer, ihr Heuchler, die ihr ehret
den Widerstand unter vergangener Gewaltherrschaft und bauet Mahnmäler
und Gedenkstätten und sprecht: wir sind wachsamer, als unsere
Väter und dulden nie wieder Unterdrückung und Barbarei,
denn wir haben den Staat der Freiheit, und wehe dem, der daran rüttelt.
Dabei zerstört ihr was euren Nachkommen gehört und euer
heutiges Handeln wird abermals großes Leid bringen. So beweist
ihr, dass ihr in modernerer Form nur abermals so handelt wie eure
Väter damals. Auch ihr werdet einmal verdammt werden für
eure heutigen Taten." Usw.
Im Büro des Kardinals konnte der Autor dieses Papiers bisher
nicht ausfindig gemacht werden. Bei den Unions-Parteien weiß
man offiziell nichts von dem Text. Zu deutlich wäre auch die
Diskrepanz seiner Aussage gegenüber dem Inhalt des heute veröffentlichten
Wahlprogramms.
CCR
10.Juli
2005: In
eigener Sache: Es ist jetzt schon öfter vorgekommen, dass Leute
an restmuellnet.de gemailt haben und diese Mails nie ankamen. Als
PC-Laie weiß ich nicht woran dies liegt. Alle meine Einstellungen
sind in Ordnung. Wer kann da helfen?
CCR
9.Juli
2005: Nach
den Attentaten von London, mittlerweile über 50 Tote, gibt
es die erwarteten Reaktionen.
Nato-Generalsekretär de Hoop Scheffer bekundete, dass die Nato-Mitgliedsländer
"unerschütterlich am gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus"
festhalten.
Japan erhöht seine Sicherheitsvorkehrungen. In den USA entdeckt
und beklagt man "Sicherheitslöcher". Ein demokratischer
Senator dort meint, mit Ausnahme des Luftverkehrs sei "das öffentliche
Transportsystem völlig unzureichend geschützt". Amerikanische
"Experten" weisen verstärkt auf viele Defizite in der
Terrorabwehr des Landes hin.
Unser Innenschily genießt den Rückenwind, geißelt
den zu laxen Umgang mit "Hasspredigern", (als wäre
dafür bisher jemand anderes zuständig gewesen), will eine
neue Kronzeugenregelung, mehr Wurst für die Ermittler und überhaupt
... Unionsfraktionsvize Bosbach fordert besseren Informationsaustausch
zwischen Geheimdienst und Polizei, organisch geformte Funksprechgeräte
und mehr bunte Kugelschreiber.
Die Kölner Behörden stellen das Sicherheitskonzept für
den Weltjugendtag auf den Prüfstand. Journalisten befürchten
Anschläge zur Fußballweltmeisterschaft 2006.
"Terrorismusforscher" wollen abermals "Ergänzung"
der bestehenden "Anti-Terror-Gesetze". Langfristige Speicherung
von Telefongesprächen, zentrale "Islamistendatei",
ohne friedliche Moslems unter "Generalverdacht" zu stellen,
bessere "Erfassung der Gewaltbereiten".
Was ist, wenn irgendwann Nichtmoslems für Al-Kaida bomben? Wird
dann die Datei zur "Islamisten- und Nichtislamistendatei"?
Der Bund verlängert die staatliche Haftungsgarantie für
den deutschen Terrorversicherer "Extremus" bis Ende 2007.
Rund 1100 Unternehmen sind dort versichert. Der Bundesrat beschloss
für Deutschland als erstes EU-Land die Einführung des so
genannten E-Passes mit Chip und digital eingespeichertem Gesichtsbild.
Ein Leserbriefschreiber in der aktuellen "Rhein-Zeitung"
sieht einen "abgrundtiefen Hass" auf das westliche
System, und er darf exklusiv auf Seite 2 der Wochenendausgabe
konstatieren, dieser speise sich "sicher irgendwie aus
dem Islam". Weiter lässt die Redaktion ihn erklären,
der Hass speise sich "ebenso sicher auch durch die Krawalle
der Linken, die breit gestreuten Anti-Globalisierungs-Kundgebungen
der "Gutmenschen" ". All das sei "ein Unterpfand
für die El-Kaida-Ideologen. All die verwirrten Ankläger
gegen "Die USA" und "George W. Bush", gegen das
Weltwirtschaftssystem und den "Westen" wollten vielleicht
nicht Sympatisanten von El-Kaida sein, aber ganz sicher werden sie
von den Islam-Terroristen mit großer Sympathie als "Menschen
auf dem richtigen Wege" gesehen, deren "Argumente"
und Hasstiraden als konkrete Belege für die Richtigkeit der islamischen
Attacken genommen wird."
Was nützt es da, wenn die europäischen Moslems sich von
den Anschlägen distanzieren, wenn sie Angst vor Racheakten tumber
Einäugiger hegen und immer wieder zu Recht die Unvereinbarkeit
dieser Mordanschläge mit den Grundzügen ihrer Religion beteuern
(Bericht auf Seite 6 unten). Prompt und ohne Feingefühl bringt
die "Rhein-Zeitung" eine solche Deppen-Eruption auf die
zweite Seite ("Leserbriefe sind keine Meinungsäußerung
der Redaktion",
na da
sind die Redakteure ja fein aus dem Schneider). Das bringt uns auch
ein gewaltiges Stück weiter, wenn wir lesen können: "Jeder
von uns sollte den Mut haben, nicht nur die islamistischen Bombenleger
aufs Schärfste zu verurteilen, sondern auch all die westlichen
Irrgeister, die gewaltsam, niederträchtig und primitiv ihre
"linke" Meinung kundtun."
Zum Teufel
mit den "kleinen" Unterschieden zwischen islamisch und islamistisch
oder zwischen Kampf gegen Terroristen und Kampf gegen Terror, oder
auch zwischen gerechtem Welthandel unter Achtung aller Beteiligter
und sogenannter "Globalisierung", wie sie Neoliberalisten
verstehen.
Packen wir doch einfacherweise ebenfalls die große Keule und
schwingen sie wild herum. Gewiss werden wir uns damit selbst treffen,
aber das wäre nicht so schlimm, hauptsache das Problem und seine
Analyse bleibt einfach.
Heute
kann man die Ausgabe der "Rhein-Zeitung" getrost
auf dem
Klo hinter sich bringen!!!!!
Ein westlicher Irrgeist - CCR
8.Juli
2005: Anlässlich
der gestrigen Terroranschläge in London mit 40 Toten und
vielen Schwerverletzten, häufen sich wieder die Kommentare zum
Thema Terrorismus. Wohl alle können wir die Äußerung
des Papstes unterschreiben, dass die Anschläge "barbarische
Akte gegen die Menschlichkeit" seien, dass sie feige Aktionen
hinterhältiger Verbrecher auf Kosten unschuldiger und wahllos
dahingemetzelter Menschen sind.
Danach gehen die Ansichten allerdings stark auseinander.
Unser aktueller Bundespräsident, der ebenfalls die "barbarischen
Anschläge" verurteilt, sagte im Beileidstelegramm an
die britische Königin: "Wir werden den Terrorismus gemeinsam
und entschlossen bekämpfen." So ähnlich hörte
es sich auch von Russlands Präsident Putin an: "...müssen
wir alle zivilisierten Staaten im Kampf gegen den internationalen
Terrorismus vereinen."
Ob zum gestrigen Ereignis oder zum Bombenterror von Jakarta im
September 2004, oder zum schrecklichen Gemetzel von Madrid im März
2004 und den Anschlägen davor, immer wird der Kampf gegen den
Terrorismus beschworen.
Was danach dann kommt, ist ein Kampf gegen Terroristen, besser
gesagt potentielle Terroristen, in Verbindung mit der langsamen aber
stetigen Aushöhlung unserer Freiheitsrechte.
Der Kampf gegen den Terrorismus wird in Wahrheit gar nicht
geführt. Ein solcher Kampf bestünde darin, die Gründe
für diesen Terror ohne Rücksicht auf westliche Wirtschaftsinteressen
zu analysieren und durch eine entsprechende Politik aufzulösen.
Dieser Kampf ist ungleich schwerer als die Bekämpfung von Personen,
die Terrorakte verüben. Gegen diese Mörder kann die Ermittlungsarbeit
intensiviert und internationalisiert werden. Telefongespräche
und E-Mails können überprüft, öffentliche Plätze
mit Videokameras überwacht, neue Arten von Pässen eingeführt,
Reisekontrollen verschärft werden, usw.
In den USA hat diese Politik der Freiheitseinschränkung den Flair
vom "freisten Land der Welt" längst abgeschafft. Ein
Land, das nicht bereit ist den Terrorismus zu bekämpfen, verlegt
sich zwangsläufig im Bekämpfen der Terroristen auch auf
das Bekämpfen der eigenen Freiheitsideale.
Auch in Europa ist die Bereitschaft unter den Politikern groß,
statt der Ursache die Symptome zum Feind zu erklären. Würde
man in Deutschland etwa Schily oder Beckstein machen lassen, wie sie
wollten, unsere Demokratie wäre im Handumdrehen der ausgehöhlten
amerikanischen ähnlich.
Ich möchte behaupten, hier liegen die Hauptziele der Terroristen.
Ihre Motive sind in Wahrheit nicht religiös begründbar.
Die Berufung auf den Islam dient nur dazu, die breite Masse für
ihre Rache zu instrumentalisieren. Genausowenig führen ihre Anschläge
direkt zu einer Destabilisierung der angegriffenen Länder.
Dies besorgen wohlkalkuliert die Politiker dieser Staaten anschließend
selbst. Ihr eigentliches Ziel, die als Todfeinde angesehenen Industriestaaten
innerlich zu destabilisieren, ihnen die viel gerühmte Freiheit
und Demokratie mit einer Welle von Gewaltakten auszutreiben, erreichen
die Terrorführer nur mit unfreiwilliger, aber verlässlicher
Hilfe entsprechender Volksvertreter in den angegriffenen Staaten.
Auf deren Neigung zu Überreaktionen und auf deren wirtschaftsideologisch
begründeter Blindheit den wirklichen Ursachen des Terrorismusses
gegenüber, können sich die Koordinatoren im Hintergrund
der Terrororganisationen blind verlassen. Sie führen der Welt
unmissverständlich vor Augen, wie es mit dem edlen Ziel "Frieden
und Freiheit", offizieller Grund einer jeden Intervention in
den letzten Jahren, im eigenen Hause der westlichen Staaten bestellt
ist. Und damit entzaubern sie unsere wichtigsten gesellschaftlichen
Werte als nachrangig hinter globalen Wirtschaftsinteressen.
Und hier findet sich die Ursache für den Terrorismus überhaupt.
Ohne die Bombenverbrechen und Bluttaten an Unschuldigen irgendwie
rechtfertigen zu wollen, wurde schon von vielen unabhängigen
Kommentatoren darauf hingewiesen, dass die Industriestaaten mit ihrer
internationalen Politik dieses Monster Terror selbst geschaffen
haben, bzw. deren Politik einer Eindämmung der Ursache direkt
zuwider läuft. Rücksichtslos werden weltweit Bodenschätze
ausgebeutet und mithilfe politischer Einflussnahme Rohstoffquellen
langfristig gesichert. Parallel dazu werden ausländische Märkte
mit westlichen Waren und der zugehörigen Konsumkultur überschwemmt.
Jegliche eigene Identität und gewachsene Tradition stört
die Geschäfte der Wirtschaftsinvasoren und verkümmert stetig.
Regionale Strukturen, religiöse Identitäten und bescheidene
Besonderheiten werden belächelt und zweckdienlich unterbewertet.
Und da wundert man sich, dass gewisse Ungestüme und hart Beschämte
vor Ort den Großen Zorn bekommen und wohl organisierte Vergeltung
das Ergebnis ist?!
Wenn man dieses umfassende Problem mit der Maßgabe der Kategorischen
Marktwirtschaft betrachtet, wird eine wirkliche Lösung erkennbar.
Jegliche, der Ökonomie dienlichen, Aktivitäten in Ländern,
in denen der Terrorismus gedeiht, sind nur innerhalb des Weltwirtschaftssystems
der kapitalistischen Planwirtschaft für die aktiven westlichen
Staaten rentabel.
Der Energieträger Erdöl beispielsweise, würde man auf
seinen Preis auch alle gegenwärtig noch externalisierten Kosten
aufschlagen, würde auf dem freien Markt gegenüber seinen
regenerativen Alternativen völlig unrentabel werden. Dadurch
entfielen aber die Hauptgründe für die Präsens und
die Rohstoffsicherungspolitik von Industriestaaten in ölreichen
Staaten. Auch die Struktur der global gehandelten Konsumprodukte würde
sich stark verkleinern und umgestalten. Insgesamt würde sich
die empfundene Einflussnahme von außen für die Kulturen
vor Ort verringern und somit auch die Motivation, sich zu wehren.
Würde dann noch mit Hilfe eines globalen Sozialsystems und unter
Vermeidung von Profitinteressen ein menschlicher Dialog aufgebaut,
würden die heutigen Gründe des Terrorismusses eintrocknen
und verschwinden.
CCR
7.Juli
2005: Eins
der hektisch gestrickten Netze, womit die SPD kurz vor Ladenschluss
noch ein paar links orientierte Wähler/Innen einzufangen versucht
heißt Reichensteuer. In Form eines 3%igen Steuerzuschlags
sollen diejenigen belastet werden, die im Jahr von 250.000 Euro an
aufwärts verdienen. Vor Monaten war auch mal wieder die Vermögensteuer
im Gespräch.
Alle Pläne, das Geld dort zu kassieren, wo es vermehrt anzutreffen
ist, egal wie man die Steuer oder Abgabe nun nennt und wie sie berechnet
wird, finden in den Reihen linker Politiker und deren Anhang immer
offene Ohren. Linke sind in der Regel nicht reich und somit kaum betroffen.
Obwohl es zunächst richtig erscheint, dass innerhalb eines Gemeinwesens
die Wohlhabenden und Gutverdienenden einen höheren Beitrag beizusteuern
haben, muss differenziert und genauer hingeschaut werden.
Einerseits ist zu klären, wie stark der derzeitige Beitrag dieser
Besserverdienenden der Gemeinschaft jetzt schon zugute kommt, und
andererseits gilt es festzustellen, in welchem Maße deren Gewinn
die Gemeinschaft belastet, bzw. auf Kosten der Gemeinschaft entsteht.
Ein typisches Beispiel für den ersteren Fall wäre
etwa ein Unternehmer, dessen Unternehmung mehreren Leuten der Region
einen sicheren Arbeitsplatz bietet, dessen Abgaben auf seinen Gewinn
den kommunalen und staatlichen Stellen die Handlungsfähigkeit
zum Wohle der Gemeinschaft ermöglicht und, dieser Aspekt wird
heute vernachlässigt, dessen Gewinn nicht oder kaum mit der Externalisierung
von gesellschaftlichen Kosten erkauft wird.
Seinen Gewinn investiert dieser Unternehmer in die Sicherung und Vermehrung
der Arbeitsplätze und in nachhaltige Technologien innerhalb seines
Betriebs, sowie privat beispielsweise in die Umstellung der Energieversorgung
seines eigenen Hauses, also raus aus der Abhängigkeit von konventionellen
Energieträgern und rein in regionale Lösungen, wie Hackschnitzelheizung,
Biogasanlage oder Solarenergienutzung.
Als Beispiel für den zweiten Fall sei ein Unternehmer
betrachtet, der zügig Arbeitsplätze abbaut und durch Mechanisierung
ersetzt. Die Maschinen und Anlagen, einerseits schon mittels erheblicher
Schadkostenabwälzung auf die Allgemeinheit hergestellt (Umweltschäden
durch Energie- und Rohstoffverbrauch, zusammengesetzt aus Rohstoffgewinnung,
-transport und -veredlung, fossile Energieträger zur Stahlherstellung
und -verarbeitung, Fertigung des Endprodukts, Transportsummen bis
zur Nutzung, Abfallproblem nach Ende der Nutzung, usw.), verbrauchen
Unmengen von, zum Nachteil der Gesamtgesellschaft bereitgestellter,
Energie (Förderung der Energieträger, Transport, Abgase,
Schäden durch die Summe der Beilogistik, usw.), bezahlen keine
Steuern, Arbeitslosen- und Rentenbeiträge, keine Versicherungen,
nehmen nicht am Konsum teil, leisten keinen Beitrag zur Inlandsnachfrage,
usw.
Privat wird sich dieser zweite Unternehmertyp, -zugegeben, das klingt
jetzt klischeehaft-, beispielsweise einen größeren Wagen
mit höherem Spritverbrauch und stärkerer Abgasbelastung
leisten, oder ein Schwimmbad, das mit Strom oder Mineralöl beheizt
wird. Er investiert seine Gewinne nicht in den gesellschaftlichen
Nutzen seines Betriebs, sondern in Maßnahmen zu Steigerung seines
Gewinns und seines quantitativen Wohlstands. Und dies wird in der
herrschenden Kapitalistischen Planwirtschaft immer mehr zur Regel.
Selbst Unternehmer, die sich eher dem ersteren Beispiel zugehörig
fühlen, werden durch machtvolle Sachzwänge zu gesellschaftsfeindlichem
Handeln gezwungen, doch dies ist nochmal ein anderes Thema.
Wenn wir also darüber nachdenken, die Reichen zu schröpfen,
müssen wir von Willkürregelungen wie Reichen- und Vermögensteuer
die Finger lassen, sonst wird die Sache kontraproduktiv. Die Möglichkeit
in unserem demokratischen Staat, durch wirkliche Leistung reich werden
zu können darf nicht beschnitten werden. Dies sage ich selbst
als armer Schlucker, der öfter mal beim Thema Geld Sorgenfalten
bekommt.
Der Grund dafür, dass unser Geld, ähnlich wie die Kugel
in einem Flipperautomat zwar eine Zeit lang in Bewegung bleibt, hin
und her zischt, dort verweilt und hier, um bald wieder in den Markt
geschossen zu werden, runter und wieder hoch und von einer Seite zur
anderen rollt, um dann am Ende schließlich doch, vorbei an den
letzten, für Bewegung sorgenden Hebeln, zum Leidwesen des Marktes
und seiner schwächeren Teilnehmer im schwarzen Loch zu verschwinden,
sind ja nicht die Reichen. Sie sind nicht aktiv verantwortlich dafür,
dass bei den Armen nichts dauerhaft hängen bleibt. Es ist die
Struktur des Gewinnmachens innerhalb unserer herrschenden Ökonomie,
die einseitigen und ungerechten Spielregeln innerhalb der Kapitalistischen
Planwirtschaft, oder, um beim Flipperautomaten zu bleiben, es ist
die eingestellte Neigung der Spielfläche.
Würde man die Reichen konsequent in das Gemeinwesen integrieren,
indem man sie zur Einzahlung in den allgemeinen Teil der Rentenversicherung,
der Kranken- und Pflegeversicherung und der sonstigen Solidarkassen
verpflichtet, würde man ihnen alle Subventionen streichen, würde
man über die Zinspolitik für dauerhafte Umlaufsicherung
sorgen, und würde man vor allem unter der Maßgabe der Kategorischen
Marktwirtschaft jegliche Möglichkeit zur Externalisierung
von sozialen und ökologischen Kosten innerhalb ihrer Unternehmungen
von vorne herein unterbinden, könnten wir auf jegliche Sonderabgaben
für Besserverdienende verzichten. Ja man könnte, weil so
die Spreu vom Weizen der sogenannten "Leistungsträger"
getrennt wird, die unternehmerisch Talentierten von den schmarotzerischen
Rücksichtslosen, den Spitzensteuersatz auf 25% absenken,
und die Gesamtgesellschaft würde davon profitieren.
(Vielleicht ist dies eine Gelegenheit, die Wohlhabenden unter meinen
Lesern an mein Spendenkonto unter Unterstützung
zu erinnern und sie zu bitten mir etwas zukommen zu lassen.)
CCR
6.Juli
2005: Heute
gibt es keine verwertbare Meldung. Die "Sozialdemokraten"
verblüffen uns, -oder langweilen sie uns?- mit Programmpunkten
quer durchs Beet. Finanzierbarkeit nachrangig. Wer weiß, dass
er in der Opposition bleibt, kann dicker auftragen.
Die anderen, die wissen, ab September die neuen Macher zu sein, winden
sich noch, verteilen Halbgares, probehalber, Versuchsballons
für die Zukunft, alle mit Blähungen gefüllt, nur nicht
aufstechen.
Union will die "Ökosteuer" nicht streichen, wird noch
gebraucht, bzw. ist unverzichtbar. Generalsekretär Kauder will
sie "langfristig" abschaffen, sagt er. Neulich bei "Christiansen"
saß er da und sagte immer wieder "sozial ist, was Arbeit
schafft." - immer wieder, "sozial ist, was Arbeit schafft."
Eigentlich hätte man einen dressierten Papageien auf Kauders
Stuhl setzen können. Doch Sabinepüppchens Oberflächlichkeitskonzept
hats lieber mit Originaldilletanten.
Dieser Cheftaktiker schreibt ja auch am, Wahlprogramm genannten und
für Mitte Juli angekündigten, Unions-Kauderwelsch,
zusammen mit seinem CSU-Kollegen. Bin überhaupt nicht gespannt,
was da rauskommt. Ist eh` nur eine durchgequirlte und frisch parfümierte
Kacke dazu, wie die nachfolgenden Generationen weiter von uns ausgebeutet
werden können. Die schwarzgelben Extremisten verwenden im großen
Dönerstand der politischen Macht nur ein längeres Messer
als die rotgrünen Extremisten vor ihnen, um die Fleischstücke
von unserer aller Lebensgrundlagen abzusäbeln. Die Wirtschaft
wird dann davor stehen und sich "hmmm, schmeckt viel besser"
zunicken.
Die FDP ist wohl eingeschlafen in ihrer Deckung. Als letzten
Kalauer hörte ich was von ihrer Uraltplatte "Steuersenkung".
Kratzt schon stark. 19 Millarden wollen sie verschenken, wem wohl,
und aus welchem Topf? Auch Grün ist in der Versenkung,
nun gut, Fischers Soufleevergleich über CDU-Frontfrau Merkel
hat uns wenigstens einen halben Tag lang unterhalten.
Ansonsten bleibts weiterhin bedeckt mit dunklen Wolken. Das Risiko
für die Zuschauer, nass zu werden, bleibt zu 100 % wahrscheinlich.
CCR
5.Juli
2005: Beim
verbalen Draufhauen auf Oskar Lafontaine, wie es gegenwärtig
Politiker hauptsächlich der SPD und der Grünen, aber auch
viele Journalisten, wie gerade im "Spiegel" und in Kommentaren
anderer Medien, vollführen, könnte man schon richtig Mitleid
bekommen mit dem Mann. Wenn Jugendliche zu fünft einen Einzelnen
verprügeln regt man sich auf und ist zu Recht empört über
diese Ungerechtigkeit. Momentan gilt: Alle gegen Oskar.
Da ist die Rede vom "Napoleon von der Saar", der
versucht mit "Fremdarbeiter-Rhetorik" am rechten
Rand des Wählerspektrums nach Stimmen zu fischen. Lafontaine
hatte gesagt, der Staat sei "verpflichtet, zu verhindern,
dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter
zu niegrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen".
Das Problem, welches er hier anspricht, besteht ja tatsächlich.
Die neuesten EU-Regelungen erlauben beispielsweise Handwerkern aus
Polen ganz offiziell in Deutschland Geld zu verdienen. Sie können
sich sogar in die Handwerksrolle eintragen lassen, als Fliesenleger,
Monteur oder Verputzer, ohne dies jemals gelernt zu haben und können
so bei jeder Kontrolle einen Gewerbeschein vorzeigen. Dabei treten
allerlei Merkwürdigkeiten auf, etwa, dass eine große Baufirma
plötzlich nur noch ausländische Subunternehmer beschäftigt,
lauter einzelne Selbstständige mit ordentlichen Papieren, die
auch noch alle dieselbe Adresse einer Massenunterkunft angeben.
Im Osten gibt es schon Orte, in denen auf einmal 70 selbstständige
Fliesenleger angemeldet sind, wo früher lediglich 3 Fachbetriebe
bestanden. Denen gehen natürlich langsam die Aufträge aus,
zumal einige der neuen Handwerker zu günstigen Stundenlöhnen
auch noch saubere Arbeit abliefern.
Hätte Lafontaine nicht "Fremdarbeiter" gesagt, ein
Wort aus dem nationalsozialistischen Dunstkreis, sondern "fremde
Arbeiter und Handwerker", hätte er weniger Ärger bekommen.
So viel Geschick hätte er eigentlich besitzen müssen. -
Oder wollte er vielleicht doch die gegenwärtige Assoziation erreichen,
bewusst unklar verstanden werden, seine Gegner hineinschlittern lassen
in subjektive Interpretationen mit dem Zweck, bei einer bestimmten
Wählergruppe ins Bewusstsein zu gelangen? So brauchte Lafontaine
dies immerhin nicht selbst zu besorgen
Sein Nachhaken ist da etwas zwiespältiger. Einerseits wies er
auf dem WASG-Bundesparteitag in Kassel die Vorwürfe entschieden
zurück. Er habe wärend seiner kritisierten Rede in Chemnitz
"Hemmungen gehabt, Menschen, die in Container gezwängt
werden, als Gastarbeiter zu bezeichnen" , erklärt er
seine Wortwahl. Andererseits sagte er: "Die Nazis waren nicht
fremdenfeindlich, sondern in erster Linie rassistisch, denn sie haben
Fremde im Deutschen Reich beschäftigt." Mir fallen hier
erstmal die Zwangsarbeiter ein, die im sogenannten "Dritten Reich"
in der Kriegsindustrie und der Landwirtschaft wie Sklaven eingesetzt
wurden, und, das Wort "beschäftigt" ist hier fehl am
Platze.
So richtig braun war sein erster Ausspruch gar nicht, er wurde erst
dazu gemacht, nicht nur von denen, die Lafontaine fürchten und
hoffen, ihm so eins auswischen zu können, sondern auch von anderen
selbsternannten Hütern vor der faschistischen Bedrohung. Dieser
rhetorische Automatismus ist typisch Deutsch. Auf ihn kann man sich
immer verlassen, jeder Politiker kann ihn geschickt für sich
einsetzen, wie jetzt der Ex-SPD-Vorsitzende.
Die alltägliche Heuchelei wird aber auch angesichts dieses Lafontaine-Zitats
wieder mal nicht deutlich: Alle, die unsere herkömmliche Ökonomie
beführworten, sind ohne Bedenken für einen Profit auf
Kosten der nachfolgenden Menschengenerationen. Unsere Wirtschaftsform,
angeblich die Marktwirtschft, in Wahrheit aber eine Kapitalistische
Planwirtschaft, funktioniert ausschließlich durch die Externalisierung
von sozialen und ökologischen Kosten, also in erster Linie durch
Zerstörung der Lebensgrundlagen junger und noch nicht geborener
Erdenbürger.
Dies ist die moderne Form des Faschismus, ideologischer Radikalismus
gegen eine Minderheit, zur Vollendung entwickelt in der zweiten Hälfte
des 20ten Jahrhunderts. Wir alle erlangen unseren sogenannten Wohlstand
und das Wachstum der Wirtschaft durch rücksichtslose Ausbeutung
wehrloser Dritter. Das Bewusstsein über dieses unser Tun, darüber,
dass wir alle eigentlich ein großes Verbrechen betreiben ist
bis heute unreflektiert. Alle sind sie Nutznießer, keiner sagt
das erste Wort, man müsste sein eigenes jahrelanges Wirken und
Wirtschaften verurteilen. Keiner ist in Sicht der dies offenlegt.
Und es ist keine Macht von außen zu erwarten, die den Spuk beendet
und uns auf einen neuen Weg bringt.
CCR
4.Juli
2005: In
der Zeit ist ein Artikel von Bartholomäus Grill über die
deutsche Kolonialzeit 1905 und die Jahre danach erschienen.
Die Eingebohrenen wurden damals gnadenlos gequält und ausgebeutet.
Als es in der deutschen Kolonie "Deutsch-Ostafrika" zu Aufständen
kam, wurden diese , wie es auch alle anderen Kolonialmächte in
ihren Herrschaftsgebieten taten, mit unvorstellbarer Brutalität
niedergeschlagen. Grill schreibt:
"Ihr Leben, (das
der Eingeborenen), war immer unerträglicher geworden,
und das hing mit der verschärften Ausbeutung der Kolonien seit
Beginn des 20.Jahrhunderts zusammen. Nach der Berliner Konferenz von
1884/85 hatten die Imperialmächte Afrika unter sich aufgeteilt
und die neuen Territorien endgültig unterworfen. Sodann begannen
die Eroberer, die fruchtbaren Regionen des Kontinents mit Pflanzungen
zu überziehen. Sisal, Kautschuk, Zucker, Bananen, Erdnüsse,
Kakao, Tee, Kaffee, Tabak, Kopra, Baumwolle - der Anbau dieser cash
crops für die Märkte der "Mutterländer" schuf
nicht nur jene Monokulturen, von denen viele Staaten Afrikas nach
wie vor abhängig sind, sondern auch ein strukturelles Nahrungsmitteldefizit,
das in Dürrezeiten regelmäßig zu Hungersnöten
führte und immer noch führt. Denn die kleinen Subsistenzbauern
wurden ihres Landes beraubt und auf unfruchtbare Flächen abgedrängt;
sie waren nicht mehr in der Lage, ihre Großfamilien zu ernähren,
und daher gezwungen, ihre Arbeitskraft auf den Plantagen zu verkaufen.
Die Menschen, gerade erst dem arabisch-islamischen Sklavenhandel entkommen,
wurden so zu Lohnsklaven der europäisch-christlichen Ökonomie."
Man muss sich einmal
vorstellen, Europa wäre vor gut 100 Jahren an der Stelle Afrikas
gewesen:
Von über dem Meer kommen weit überlegen bewaffnete und gut
organisierte Eindringlinge, zwingen die Europäer ohne jede Gnade
in ihre Dienste, ermorden Millionen von ihnen, verändern oder
zerstören jede gewachsene Struktur, heben Landesgrenzen auf und
legen sie nach eigenem Interesse völlig neu fest, rauben den
größten Teil der zur Ernährung wichtigen Ackerflächen,
um darauf Monokulturen für die Ausfuhr gedeien zu lassen und
nehmen in Kauf, dass viele Europäer im eigenen Land verhungern
müssen. Allein in Ostafrika starben zwischen 100000 und 300000
Menschen. In Europa, weil dichter besiedelt, wären die Opferzahlen
durch ein entsprechendes, jahrzehntelanges Wüten rücksichtloser
Eroberer wohl höher gewesen.
Grill schreibt: "Der Krieg, (der
Stämme Ostafrikas gegen die deutschen Besatzer), dauert
zwei Jahre, dann kommt njaa, der große Hunger, und mit ihm kommen
die Seuchen. "Kein frohes Leben ist zu beobachten", stellt
das katholische Missionsblatt anno 1907 fest. Die Mitteilungen der
Seelenfischer geben eine Vorahnung vom Massenelend, das Afrika im
20. Jahrhundert heimsuchen wird, sie lesen sich wie Depeschen über
die Katastrophen unserer Tage. Von zu Skeletten abgemagerten Kindern
berichten die Missionare, von aufgequollenen Bäuchen, von der
roten Ruhr, vom Leichengestank. Abertausende sterben an Hunger und
Krankheiten, am Ende sind ganze Landstriche entvölkert."
Und so geht das Elend
und der Hunger mit Unterbrechungen weiter, bis heute. Auch die Ausbeutung
existiert noch, moderner und subtiler als vor 100 Jahren, und "bereichert"
um die Rolle als Zwangskonsumenten westlicher Waren, Überschüsse
und Abfälle, sowie Waffen und Herrschaftslogistik.
Dass Bob Geldof und seine Mitstreiter die Live-8-Konzerte
auf vier Kontinenten für Afrika und gegen Armut und Elend
dort organisieren, bringt auch das unvorstellbare Unrecht, begangen
von europäischen Agressoren an der afrikanischen Gesellschaft,
hoffentlich wieder ins Gespräch. Ob die G-8-Staaten sich
von den Live-8-Veranstaltungen am Wochenende zu einem entschlosseneren
Kampf gegen die Weltarmut bewegen lassen, bleibt dahingestellt. Immerhin
verdienen sie teilweise daran, und nichts ist heiliger als Wirtschaftswachstum.
In Anbetracht der Dimension unserer Schuld, ist der ins Auge gefasste
Schuldenerlass für die ärmsten Staaten nur ein kleines Pflaster,
in seiner Wirkung auf die afrikanische Bevölkerung nicht unumstritten.
Wir müssten eher über umfangreiche Schadenersatzleistungen
reden und über die Pflicht zur besonderen Förderung ehemaliger
Kolonialländer und zur Wiedergutmachung für dieses nachhaltige
Verbrechen der westlichen Welt an Afrika.
CCR
2.Juli
2005: Die
Inszenierung ist gelaufen wie geplant. Schröder hat die Vertrauensfrage
gestellt und verloren. Der schwarze Peter liegt nun bei Bundespräsident
Köhler. Doch Schröder hat es ihm leicht gemacht mit seiner
im Bundestag präsentierten Begründung, und Köhler wird
den Bundestag auflösen.
Das Bundesverfassungsgericht wird die Sache wohl ebenfalls durchwinken.
Seine Entscheidung im Urteil vom Jahr 1983 ist durchaus auf den jetzigen
Fall übertragbar. Damals sagten die Karlsruher Richter, eine
inszenierte Vertrauensfrage könne zulässig sein, wenn eine
instabile politische Lage vorhanden sei oder der Kanzler diese so
sieht. Wenn des Kanzlers Entscheidung nicht völlig abwegig sei,
müsse man sie respektieren.
Meiner Ansicht nach wäre die sauberste Lösung, um
zu Neuwahlen zu kommen, die Aufkündigung der Koalition durch
die Grünen gewesen. Diese hätte schon Ende letzten Jahres
erfolgen müssen und auf keinen Fall anlässlich einer Wahlniederlage.
Die Grünen, die ja für sich in Anspruch nehmen, ökologische
Politik zu machen, hätten diesen Schritt mit offensichtlichen
und unüberbrückbaren Differenzen zwischen der SPD-Politik
und ihren eigenen Grundsätzen und Zielen begründen können.
Nun jammern sie über das Geschehende, das sie nicht mehr beeinflussen
können. Sie waren immer die Hinterherlaufenden in der Regierungskoalition,
verschafften einerseits den "Sozialdemokraten" die Mehrheit
für die Perforation des sozialen Netzes, statt es zu modernisieren,
für die Bestrafung der Arbeitslosen, statt Arbeitsplätze
zu schaffen oder für die Förderung von Konzernen und Reichen,
statt diese in das Gemeinwesen zu integrieren.
Schröder ließ seinen Koalitionspartner dafür sich
in Ökoeckchen austoben. Die Windkraftsubventionierung erfolgte
ohne nachvollziehbares Konzept und gegen viele Kommunen vor Ort. Der
Ausstieg aus der Atomkraft ist ohne umfassende Gesamtbegründung
durchgedrückt worden und somit umkehrbar. Die Förderung
regenerativer Energiequellen hält sich in den Köpfen der
Bevölkerung und der Stromkunden als grüne Spinnerei und
Willkür. Hier hätte der gesamtgesellschaftliche Schaden
der konventionellen Energien inclusive der zugehörigen externalisierten
Kosten herausgestrichen werden müssen. Die Menschen sollen doch
verstehen, wie teuer uns allen die weitere Nutzung von Öl, Kohle,
Erdgas und Kernkraft noch kommen wird. Zum Thema Verpackungsmüll
hätte ich von den Grünen viel Konsequenteres erwartet, etwas,
das dieses unsägliche Müllproblem in seiner Gesamtheit aufgegriffen
hätte.
Jetzt haben die Grünenpromis nicht nur die Aussicht auf fette
Abgeordnetenrenten verloren. Auch sie werden bei der nächsten
Wahl kräftig Stimmen einbüßen, wenn sie die Stimmung
nicht noch durch Besinnung auf ihre Grundsätze gedreht bekommen.
Gerade ihre Wähler/Innen sind da wohl am aufmerksamsten.
CCR
1.Juli
2005: Die
totale Konzeptlosigkeit unserer nächsten Regierungspartei
springt dem aufmerksamen und unvoreingenommenen Beobachter beim
Lesen der sich derzeit häufenden Verlautbarungen förmlich
ins Gesicht. Bis zur anstehenden Wahl, voraussichtlich im September,
muss die CDU den Menschen wenigstens ansatzweise mitteilen, in welchem
Teil des dunklen Sumpfs überholter Politik sie die nächsten
Jahre zu stochern gedenkt.
Wenn man schon keine erfolgversprechenden Visionen und gesamtgesellschaftlich
vernünftige Strategien anbieten kann, muss man wenigstens den
entsprechenden Eindruck erwecken. Bis heute hat anlässlich jeder
Wahl, ganz gleich für welche Partei, eine Mischung aus Absichtserklärungen,
Versprechungen und verbales Augenrollen über die Politik der
Vorgänger die beste Fassadentünche abgegeben. Also bedienen
sich die ahnungslosen Selbstdarsteller der momentanen Oberwasserpartei
auch diesmal dieses Mittels, um die Stimmen der Durchschnittsbürger
ins Netz zu bekommen.
In der "Rheinzeitung" erschien vorgestern ein Gastbeitrag
des agrarpolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
und Tierschutzbeauftragten Peter Bleser. Er enthält keinerlei
definitive Konzepte, dafür aber wirre, rein populistische Aussagen,
die einzig darauf zielen, die Wut der "konventionell" wirtschaftenden
deutschen Landwirte zum "richtigen" Kreuzchenmachen zu kanalisieren.
Nachfolgend will ich einige Auszüge daraus zitieren und betrachten.
Bleser verspricht "klare Akzente gegen die bisherige Politik
von Ministerin Künast" zu setzen, die sich "mit
tatenlosen, aber medienwirksamen Ankündigungen beim Verbraucher
auf Kosten der heimischen Agrawirtschaft in Szene" gesetzt
habe. Ministerin Künast hat, wenn auch ohne erkennbares
Gesamtkonzept, immerhin versucht, die ökologische Landwirtschaft
zu fördern. Bleser lässt keinen Zweifel daran, lieber der
rücksichtlosen Landwirtschaft, die nur durch Externalisierung
der meisten Produktionskosten auf die Allgemeinheit ihre Profite macht,
den Vorrang geben zu wollen.
Die "zukünftige Agrar- und Verbraucherschutzpolitik muss
sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und am Wettbewerb orientieren,
tier- artgerecht sein, und nachhaltig wirtschaften". Abgesehen
von der Wettbewerbsgeschichte kann ich dies sogar unterschreiben.
Wissenschaftlich erwiesen sind die langfristig wirkenden Schäden
an Boden und Grundwasser durch Nitratdüngereinsatz und Pestizide.
Die Schadenssummen für die Allgemeinheit liegen um ein vielfaches
höher, als der Preis dieser Stoffe. Laut einer Studie des Umwelt-und-Prognoseinstituts
Heidelberg betragen die ökologischen Kosten eines Kilos mineralischen
Stickstoffdüngers mehr als das 11-fache des Handelspreises und
die eines Kilos Pestizid etwa das 30-fache des Handelspreises. Weil
ein konventioneller Bauer diese Schadkosten auf die Allgemeinheit
und die nachfolgenden Generationen abwälzen kann, macht er überhaupt
Profit. Erst wenn er diese Schäden nicht mehr verursacht, wirtschaftet
er nachhaltig. Tierquälereien kommen ausschließlich in
der rationalisierten, auf Wettbewerb gedrillten konventionellen Massentierhaltung
vor, und Bleser ist ein Fan von Wettbewerb.
Die Union stehe für "sachlich orientierte Agrar- und
Verbraucherschutzpolitik". Die Landwirte wüssten: "Innovation
und Produktions-Know-How bedeuten Wettbewerbsvorsprung", und
dies bräuchte "jedoch Rahmenbedingungen, die" den
Bauern "die Einführung neuer Technologien ermöglichten"
um auch im "internationalen Wettbewerb bestehen zu können".
Sie brauchen die "notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung".
Dafür müsse "immer wieder die große Bedeutung
hinsichtlich Wirtschaftsleistung und Bereitstellung von Arbeitsplätzen
ins Bewusstsein" gerufen werden. Die konventionelle Landwirtschaft
richtet durch ständig neue Mechanisierung und Rationalisierung
immer weitere Schädigungen der Lebensgrundlagen an und vernichtet
Arbeitsplätze. Die unverminderten Schadstoffbelastungen in der
von ihr produzierten Nahrung sorgt eher für das Gegenteil von
Akzeptanz in der Bevölkerung.
Bleser verteilt eifrig weiter Plätzchen an seine Zielgruppe,
spricht von großer "Leistungsbereitschaft"
und dem besten "Ausbildungsniveau" und dass eine
"ideologisch geprägte Politik unseren" Landwirten
"ständig Steine vor die Füße wirft".
Die Armen, jetzt ist raus, warum sie trotz ihrer fremdgesteuerten
Sysiphusarbeit auf keinen grünen Zweig kommen. Es sind die "Ideologen"
der Grünen die "immer mehr der Arbeitsplätze im
Agribusiness gefährden".
Von Rotgrün unbemerkt seien "gerade auf dem Land mehr
Arbeitsplätze bedroht, als man jemals über die zweite Säule
der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) neu
aufbauen " könne. Richtige Erkenntnis und wahlkampftaktisch
falsche Schuldzuschreibung. Die Agrarpolitik der EU berücksichtigt
in keinster Weise die gigantische Externalisierung von ökologischen
und sozialen Kosten im "Agribusiness". Für diese
verbrecherische EU-Ausbeutungspolitik ist die CDU mindestens genauso
verantwortlich, wie die SPD.
Bleser weiter: "Die Agrarpolitik auf Bundesebene bedarf, selbstverständlich
unter Beachtung von Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutz dringend
einer grundsätzlichen Neuausrichtung - hin zu einem klaren Bekenntnis
für den Agrarstandort Deutschland." -Wischiwaschi hoch
drei-. Wenn ich nicht wüsste, was Bleser dabei im Kopf hat, könnte
ich auch dies unterschreiben. Toll, dass er den Tier-, Umwelt- und
Verbraucherschutz wenigstens "selbstverständlich" beachten
will, wenn seine Unionisten nach ergangener Wählerlegitimation
kräftig auf alles nicht "konventionelle" einprügeln
werden. Der "Agrarstandort Deutschland" ist damit allerdings
nicht zu halten. Wenn niemand die Notbremse zieht, wird
der regionalen Landwirtschaft in Deutschland mit Europäisierung
und Globalisierung schließlich endgültig der Garaus gemacht.
Dieses gesamte Spektakel um Weltmarktabhängigkeit, Wettbewerb
und totaler Komerzialisierung unserer Nahrungsmittelversorgung ist
die eigentliche zu verteufelnde Ideologie und der Tod derjenigen,
die Bleser anspricht.
Bleser entschuldigt sich schon mal auf Anderer Kosten, wenn er sagt,
dass " aufgrund der völlig verfehlten Finanz- und Wirtschaftspolitik
der Schröderregierung" für "Maßnahmen,
die zusätzliche Finanzmittel erfordern zunächst kein Spielraum"
sei. Er sieht "ehrlicherweise(!) die ersten Schritte zur
Verbesserung der Situation nur über den Abbau von Wettbewerbsnachteilen",
was immer dies sein mag, und "der Verbesserung unternehmerischer
Rahmenbedingungen". Er nennt die Bürokratie, die "eindeutig
von der verschäften Umsetzung von EU-Recht" herrührt.
Und am EU-Recht, dem zweiten Schuldigen neben Rotgrün, ist die
CDU nun gar nicht, suggeriert Bleser, beteiligt.
Er hällt es für "wichtig, dass die Erzeugung und
Verarbeitung von Nahrungsmitteln im Lande bleibt." Bravo,
Herr Bleser, dann machen sie endlich auch die Politik, die dies begünstigt.
Bin gespannt, wie er mit seiner Partei "die Rechte der Konsumenten
stärken" will, vielleicht mit der Totallegalisierung
der grünen Gentechnik, "damit sie auf Augenhöhe
mit den Anbietern am Markt teilnehmen können", und den
Landwirten "Raum zur Selbstentfaltung" geben, damit
diese "somit wieder(!) Zuversicht und den Mut für Investitionen
in die Zukunft finden".
Bleser ist selbst Landwirtschaftsmeister.
Alle konventionellen Landwirte, die ich je getroffen habe, sind unzufriedene,
verbitterte Gesellen mit immer größeren Agrotrucks. Sie
schuften wie blöde und laufen zähneknirschend immer absurderen
Vorgaben hinterher. Die konventionelle und EU-gesteuerte Landwirtschaft
macht aus unseren Bauern Sklaven einer allmächtigen Agrarindustrie
und der Lebensmittelkonzerne, und produziert neben umfassender Verseuchungen
unserer Böden die meisten Frührentner. Ihre Lobby ist hauptsächlich
zur Feinderkennung da und reitet mit ihrer Ignoranz und ihrer strohballengleichen
wirtschaftspolitischen Übersicht , die blinden armen Mitglieder
nur ständig tiefer in die Scheiße. Nicht dass die Landwirtschaftsvertreter
sich darauf beschränkten, nicht zu essen, was sie nicht kennen.
Sie verteufeln alles, was ihr Gehirn nicht versteht, oder machen sich
lustig darüber. Ihre Tragik ist, dass sie an ihrem zerstörerischen
Tun und ihrer pubertären und undurchdringlichen Sturheit selbst
am meisten leiden, - abgesehen natürlich von den zukünftigen
Generationen.
CCR
Blogarchiv
- Juni 2005
30.Juni
2005: Heute
in eigener Sache: Leider hat die Online-Redaktion der "Zeit"
in der Vorentscheidung zum diesjährigen Blogger-Wettbewerb
mein Online-Tagebuch nicht unter die 15 "besten" Blogs nominiert.
Die ausgewählten Sites sind nun die Grundlage für die Jurymitglieder,
um den endgültigen Sieger auszuwählen (http://preisbloggen.zeit.de/
).
Ich danke meinen Lesern für den Zuspruch und die Anstöße.
Wer Lust dazu hat, soll doch mal die 15 Blogs in der Kategorie "Politik
und Wirtschaft" anklicken und mir mitteilen, was an denen besser
ist. Am Inhalt kann es nicht gelegen haben, eher an der Form und der
Optik.
Ich werde, sobald ich Zeit habe, den Teil 4 "Anmerkungen"
aus der Veröffentlichung RestmuellNet.de auslagern und
ihn unter der neuen Adresse tarzanschrei.de neu aufbauen. Voraussichtlich
wird dies Ende Juli geschehen.
Einige Leser/Innen haben zu Recht bemängelt, dass ein neuer Besucher,
wenn er sich nicht die Arbeit macht, sich einzulesen, eventuell den
Zusammenhang des Themas Restmüll mit den Thesen zur Erarbeitung
eines nachhaltigen Wirtschaftssystems nicht gleich versteht. Deshalb
werde ich die beiden Teile getrennt darstellen, und jede/r kann sich
so weit einarbeiten, wie er/sie Lust dazu hat.
Ich bitte um Verständnis, wenn im Juli nicht an jedem Tag etwas
Neues im Blog steht. Ich habe im nächsten Monat viel Arbeit und
brauche dringend das Geld. Der Blog wird mit Sicherheit weitergehen,
auf jeden Fall bis zur Bundestagswahl. Schließlich ist er momentan,
in dieser Zeit der schwarzgelbrotgrünroten Einheitsparteien eine
der wenigen echten Oppositionsstimmen und tatsächlichen politischen
Alternativen im Land.
CCR
29.Juni
2005: Die
Presse meldet, in der Opposition steige die Nervosität, weil
das halbgare Prozedere zum Scheitern der Vertrauensfrage für
Gerhard Schröder, vom Bundespräsidenten und auch vom Bundesverfassungsgericht
nicht geduldet werden könnte. Sie haben die dunkle Befürchtung,
die Machtübernahme im Herbst könnte an Formalien noch scheitern.
Sie haben nicht die Befürchtung, ihre Konzeptlosigkeit,
bzw. die Einseitigkeit ihrer Konzepte könne, am Ruder angekommen,
entdeckt werden.
Schröders finaler Rückzieher resultiert vordergründig
aus den dramatischen Stimmenverlusten für seine Partei. Vielleicht
sind eher einige taktische Überlegungen über das Genesen
der SPD im Oppositionsurlaub und dem vollautomatischen, völlig
bar jeder Leistung funtionierenden Wiedererstarken dort, der eigentliche
Grund gewesen sein.
Immerhin klappt dieser Mechanismus seit man in der Politik zurückdenken
kann. Gerade profitiert die CDU/CSU davon auf Bundesebene, nachdem
sie sich in den meisten Ländern leistungsfrei nach oben populisiert
hat.
Das erste große Problem in unserer Demokratie ist die
Vergesslichkeit des Wahlvolks. Sie führt mit gnadenloser
Regelmäßigkeit zur Regentschaft der größten
Schwätzer und fantasievollsten Luftschlossbauer, der Worthülsenjongleure
und heißluftverströmenden Rhetorikakrobaten, der Nadelstreifenschauspieler
und selbstsicheren Egodarsteller, der Umdeuter und lagerfesten Zweckinterpretierer,
der Zukunftsblinden und Veränderungsbefürchter, derer, denen
ein Umgestimmtwerden gleich kommt mit einer Beinamputation, die lieber
ungerecht werden, als eine Tatsache außerhalb ihres Horizonts
anzuerkennen, die aber bereitwillig jede lobbyistische Einflüsterung
aus den gehobensten Kreisen als eigene Meinung speichern, auch wenn
sie der Mehrheit schadet.
Sie umgeben sich mit einem Schutzwall aus ökonomischen Fachidioten
ohne jede Fähigkeit zum Gesamtüberblick und auch ohne jeden
Willen, sich den zu erarbeiten, und aus speziell Entsendeten aus der
Industrie, die den Abgeordneten die Interessen der eigenen Branche
geschickt als gesellschaftliche Notwendigkeit verkaufen. Leere Gehirne
von Politikern sind leicht von denen mit Mist zu füllen, die
sich große Forken mit extralangen Stilen leisten können.
Das zweite große Problem ist der Schaden an der Zukunft,
welcher den Menschen aus den Folgen ihrer eigenen Vergesslichkeit
erwächst. Immer wieder wählen sie "Volksvertreter",
die kein Konzept gegen die Massenarbeitslosigkeit anbieten können.
Immer wieder erhalten Leute Zugang zu den Kassen, deren Unfähigkeit
zum Verzicht auf Neuverschuldung offensichtlich ist, bzw. denen die
ernsthafte Bearbeitung unseres Gesamtschuldenbergs von bald 1,5 Billionen
Euro verschiebbar erscheint. Immer wieder erleben wir Köpfe,
die zwar Worte machen auf die sogar Taten folgen, deren Früchte
allerdings ungenießbar sind, wenn sie denn überhaupt gedeien.
Und, das ist das Wichtigste, immer wieder regieren Ideologen, die
ein Wirtschaftswachstum auf Kosten und zum Schaden Dritter propagieren,
also ein Wachstum, welches sich aus dem Reichtum der Zukunft speist
und weit mehr Schäden anrichtet, als alles öffentlich Beklagte
zusammen. Derzeit richtet unser Wirtschaftssystem allein in Deutschland
jährliche Schäden an der Allgemeinheit und den natürlichen
Lebensgrundlagen in einer Höhe von mindestens 400 Millarden Euro
an. Dieser größte aller Schuldenberge ist unerklärlicherweise
in den Medien kein Thema.
Wielange muss dieses Jojospiel noch weiter gehen? Wenn es nicht zu
stoppen ist, muss man es als festen Bestandteil der Demokratie ansehen.
Bei aller Menschlichkeit dieses "besten aller Gesellschaftssysteme"
müsste man konstatieren, dass die Demokratie den Mechanismus
zur Einleitung des eigenen Untergangs fest eingebaut hat. Doch was,
- ja was kommt nach und statt der Demokratie?
Noch ist es nicht zu spät, auch wenn die angerichteten Schäden
der vergangenen Jahrzehnte gigantisch sind. Im Interesse einer lebbaren
Zukunft gilt es nicht, eine CDU-Regierung zu wählen und die Noch-Regierung
in die Pause zu schicken. Wir müssen alle Politiker, egal von
welcher Partei auf einen Rest moralischen Empfindens überprüfen,
der höher angesiedelt ist, als das Zeitgeistdiktat und das der
Partei. Den Unbelehrbaren müssen wir das Streichholz abnehmen
und sie in niedere Positionen verbannen.
Die sinkenden Chancen unserer Gesellschaft auf Qualitativen Wohlstand
können nur durch Entwicklung und Einführung der Kategorischen
Marktwirtschaft gewahrt werden. Davor steht ein schmerzlicher Übergangs-
und Reinigungsprozess, von dem schließlich aber die ganze Bevölkerung
und die Generationen nach uns profitieren werden.
Nur, wie kommt ein Gedanke in die Welt? Bis heute komme ich mir vor,
wie der Rufer in der Wüste. Immerwieder beklagen Publizisten
das Fehlen eines umfassenden und erfolgversprechenden Konzepts zur
Zukunftsgestaltung der Weltgesellschaft. Der "Spiegel" schrieb
noch Mitte Juni: "Noch hat die Welt kein wirkungsvolles Instrument
gefunden, um die schlimmsten wirtschaftlichen und ökologischen
Auswüchse der Globalisierung zu verhindern."
Ist man überhaupt bereit, danach zu suchen und, wenn es etwas
gibt, dieses zu diskutieren? Oder ist die schlimmste Krankheit unserer
Politiker, die überbordende Ignoranz und strikte Ablehnung fremder
Ideen auch bei denen dominant, die für die Publikation neuer
Konzepte zuständig sind? Oder verbietet der, des Brot sie essen,
das Singen neuer Lieder?
Gelobt sei die Unabhängigkeit meines Blogs und verdammt die Brotlosigkeit!
Also Kollegen:
Je länger wir schlafen, umso böser das Erwachen!
CCR
28.Juni
2005: Der
Kommentator unserer Tageszeitung beendete den letzten Satz seiner
Gedanken über die möglichen Perspektiven der Europäischen
Union nach den Rückschlägen der letzten Wochen mit den Worten
"...ohne in Protektionismus zurückzufallen".
Das war eindeutig eine Befürchtung. Wer zurückfällt,
verliert, verpasst den Anschluss und kann das vorgegebene Ziel nicht
wie gehofft erreichen. Das Wort Protektionismus ist in diesem
Zusammenhang eindeutig negativ charakterisiert. Protektionismus ist
hier wie der zweite Platz für Jan Ulrich hinter Lance Armstrong,
- nicht fleißig genug gestrampelt, unzufrieden mit dem Erreichten,
es hagelt Kritik. In der deutschen Presselandschaft der letzten Zeit
findt man überhaupt keine Publikation, in welcher Protektionismus
nicht als etwas Stigmatisiertes dargestellt wird, von dem es sich
zu distanzieren gilt. Wo kommt dieses Negativimage her und wie berechtigt
ist es?
Protektionismus als das Gegenteil von Freihandel hat eine lange
Geschichte. Es gibt ihn, seit es Zölle gibt. Abraham Lincoln
sah ihn als Mittel, um von der Abhängigkeit von angelsächsischen
Waren loszukommen. Zwischen den beiden Weltkriegen bestimmte Protektionismus
den Welthandel, und manche sagen, er wäre schuld an den großen
Wirtschaftskrisen gewesen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Protektionismus für die heutigen
Industrieländer ein erfolgreiches Rezept, ungestört ihre
eigene Wirtschaft entwickeln zu können. Die Ökonomie der
USA hätte ohne massiven Protektionismus nie so mächtig und
dominant werden können. Obwohl die Amerikaner, aber auch alle
anderen Industrieländer, noch heute protektionistische Politik
zum eigenen Nutzen betreiben, verlangen sie von den Entwicklungsländern
eine weite Öffnung ihres Marktes. Unter Anderem verwehren sie
damit diesen Ländern das, was sie für sich selbst in Anspruch
nahmen, nämlich den primären Aufbau einer eigenen Produktion
vor einer weitgehenden Marktöffnung.
Allen Idealisierungen zum Trotz, der Freihandel, wie die reichen Staaten
ihn verstehen, dient in erster Linie der Profitsteigerung der weltweit
stärksten Unternehmen. Dass er ein Motor der Entwicklung sei
und die einzige Chance für Fortschritt, ist nicht mal die halbe
Wahrheit, oder besser gesagt, eine zweckdienliche Lüge.
Alle Formen von wirtschaftlichen Subventionen sind ebenfalls protektionistische
Maßnahmen. Obwohl diese allerorten und gebetsmühlenhaft
angeprangert werden sind sie bis heute in Industrieländern üblich.
Höchstens tröpfchenweise ist man bereit, sich davon zu trennen.
Gegenwärtig beherrschen die Freihandelsbefürworter die öffentliche
Szene. Liberalistische Ökonomen und Wirtschaftsvertreter fordern
anablässig die Abschaffung jeglicher Schranken und ziehen damit,
nicht etwa mit nachvollziebaren Argumenten, sondern mit der Suggestion
von Rückständigkeit, die gesamte Politikerkaste auf ihre
Seite. Diese kaut wie eine Kuhherde die hippen und coolen Zeitgeistparolen
begeistert wieder.
Für unsere zukünftige Entwicklung wäre es allerdings
besser, die vielen Bedeutungs- und Auswirkungsfacetten des weiten
Feldes Protektionismus genauer zu betrachten. Alles, was heute als
Protektionismus verstanden wird, Schutzzölle, Einfuhrbeschränkungen-
und verbote, Regulierungen, Schutz noch nicht konkurrenzfähiger
Unternehmungen, Subventionen, Besteuerungen, Kontingente und Quoten
oder sonstige Auflagen sind nur der eine Teil, gewissermaßen
der wirtschaftliche Aspekt des Protektionismus.
Über diesen lässt sich lebhaft diskutieren. Einerseits sind
die Argumente der Freihandelsbeführworter durchweg subjektiv,
wenn auch hartnäckig versucht wird, den gegenteiligen Eindruck
zu erwecken. Bereits jetzt ist absehbar, dass die Welt und vor allem
die armen Länder in der inneren, gewachsenen Struktur, nicht
in den ebenfalls subjektiven Finanz- und Wirtschaftsstatistiken, nachhaltig
eher geschädigt werden.
Die vordergründigen Nachteile des Protektionismus wie sie immer
wieder genannt werden: - billigere ausländische Produkte werden
"diskriminiert", - Palette des Güterangebots
wird eingeschränkt, - Effizienz steigernde Wirkungen internationaler
Arbeitsteilung wird nicht genutzt, - geringere Anreize für geschützte
Branchen, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Innovationen zu verbessern,
- verselbstständigtes Ignorieren komparativer Kostenvorteile,
usw., sind immer nur für einen Teil der Beteiligten auch objektive
Nachteile. Selbst unter dem wirtschaftlichen Aspekt finden Varianten
des Protektionismus heute noch ihre Berechtigung. So denkt die EU
weiterhin über Maßnahmen zur Marktabschottung beim Import
von Textilwaren, vor allem aus China, nach, und, wie sollte es auch
anders sein, der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels
(BGA) kritisiert dies. Ungehemmter Freihandel indes würde in
diesem Fall zum weitgehenden Aussterben jeglicher europäischer
textilerzeugenden Industrie führen.
Aber es gibt neben dem wirtschaftliche Aspekt noch einen sozusagen
moralischen Aspekt des Protektionismus.
Die Kategorische Marktwirtschaft, unsere Wirtschaftform der Zukunft,
betrachtet sämliche Kosten, die ein Produkt im Gesamtlauf seiner
Planung, Produktion, der Auslieferung zum Endkunden und bei der Entsorgung
verursacht. Importierte Billigwaren aus Fernost beispielsweise, verursachen
eine Vielzahl an sozialen und ökologischen Kosten, die keiner
bezahlt, die also auf die Allgemeinheit und die nachfolgenden Generationen
abgewälzt werden. Selbst der Import billiger Agrarprodukte, die
ebenso im Inland produziert werden könnten, ist nur durch die
Abwälzung, also die Externalisierung gewaltiger Summen profitabel.
Die Frage ist, ob angesichts der negativen Besetzung des Wortes Protektionismus
ein moralisch begründeter Protektionismus nicht anders benannt
werden soll. Ja es wäre sogar denkbar und würde die Verwirrung
komplett machen, wenn wir dem Freihandel aus überwiegend egoistischen
Motiven den Namen seines Gegenteils zuordneten. Freihandel ist im
Grunde nichts anderes, als der Versuch, die Profite der Akteure vor
der Internalisierung aller anfallenden Kosten, also vor dem Aufschlag
der sozialen und ökologischen Kosten auf den Preis des verursachenden
Produkts zu protektionieren.
CCR
27.Juni
2005: Ein
kleiner Bericht im "Spiegel"24/05. Die beiden Künstler
Christoph Steinbrener und Rainer Dempf haben Mitte Juni (6. bis 20.)
in der Neubaugasse in Wien für zwei Wochen sämtliche Werbetafeln,
Reklamefotos und Firmenlogos mit rapsgelber Folie überklebt.
Die Aktion soll zeigen, was passiert, wenn Werbung keine Macht mehr
hat, wenn sie ausgelöscht ist. Die Gasse, eine Querstraße
der großen Einkaufsmeile Mariahilfer Straße, sei nun eine
"soziale Skulptur". Viel Geduld mussten die Aktionisten
aufwenden, um alle Geschäftsleute zum Mitmachen zu überzeugen.
Die Sache kommt gut an in Wien. Der "Spiegel": "Man
bleibt jetzt stehen in der Neubaugasse, fotografiert die monochromen
Flächen, schweigt und fühlt sich seltsam erholt."
Das Künstlerduo plant jetzt weitere Aktionen, auch in Deutschland.
Wir dürfen gespannt sein. (mehr, u.A. ein Interview mit den Künstlern,
unter
http://derstandard.at/?url=/?id=2067630 , oder http://wien.art49.com/art49/art49wien.nsf/0/8B1C668758C5E6EBC1256FEC004D6BB9?openDocument&lang=
)
Man stelle sich vor, wir könnten dies anlässlich der Bundestagswahl
umsetzen. Gelbe Folie scheidet zwar aus, aber hellblau ist noch frei.
Jeder Parteiname im Wahlkampf wird mit hellblauer Folie überklebt.
Alle Slogans und Schlagwörter wären plötzlich heimatlos.
Ihre Ähnlichkeit, ihre inhaltliche Übereinstimmung würde
heillose Verwirrung stiften und jede Aussage auslöschen. Wie
in der Neubaugasse die Passanten, müssten die Wähler erst
mal hinter die Scheiben schauen, um zu sehen, was es gibt. Die bequeme
Gewohnheit hilft einem nicht mehr, man muss hineingehen, um sich zu
orientieren. Man stellt fest, dass das tatsächliche Angebot gar
nicht dem erwarteten entspricht. Das neu Gefundene will mit den eigenen
Wünschen und Erwartungen neu verglichen werden. Vielleicht fallen
jetzt ganz andere Kaufentscheidungen. Vielleicht findet man sogar
verschollen geglaubtes oder geniale Neuentwicklungen, die das Gewohnte
durch verbesserte Alltagstauglichkeit in den Schatten stellen.
Auf den Wahlzetteln gäbe es neben den Politikernamen nur blaue
Punkte. -Lauter Anonyme, alle gleich, alle die alten Rezepte, alle
für die Zukunftsgestaltung altbacken fad.
Für heute sei der Name dieser Website mit hellblauer Folie überklebt.
CCR
26.Juni
2005: Sonntags
ist es besonders schwer mich aufzurappeln, um meinen Vater zu versorgen.
Wie gern liegt man an diesem Tag einfach länger im Bett herum,
weil der Ruf der Arbeit in diesen siebten Tag noch nicht vordringen
konnte. Am Wochenende kommt der Pflegedienst zwar später, doch
irgendwann sitzt der alte Herr mit Rollstuhl am Küchentisch und
braucht Frühstück. Seit gut 5 Jahren bin ich jeden Tag mindestens
3 Stunden lang Altenpfleger, ein Job, den ich mir nie freiwillig ausgesucht
hätte. Immerhin ist es ein Null-Euro-Job, 20-Stunden Woche, über
1000 Stunden im Jahr, Urlaub sehr schwierig. Früher war ich gewissermaßen
Unternehmer. Heute muss ich jede Unternehmung um die Pflegetätigkeit
herum organisieren. Gut, dass ich zwischendurch am Rechner sitzen
kann. Ist zwar auch brotlose Kunst, aber macht Spass und trainiert
den Denkapparat.
Vor 3 Monaten habe ich alle Pillen meines Vaters eigenmächtig
abgesetzt. Unser Hausarzt war einverstanden. Der tägliche
Pillenmix war zuletzt vor drei Jahren im Krankenhaus verordnet
und bis heute beibehalten worden. Seitdem geht es dem alten Herrn
besser. Ohne Magen-Darm-Medikament hat er weniger Brechreiz, ohne
Herzmedikament schlägt seine Pumpe gleichmäßiger,
ohne Blutdrucksenker hat er normale Werte und kein Blut mehr im Urin,
ohne Eisenpräparat hat sein Blut auch genug rote Blutkörper,
ohne die Wassertabletten hat er auch nicht mehr Flüssigkeit in
den Beinen, als vorher, die Gummistrümpfe tun es alleine.
Jetzt warte ich auf die Antwort des Urologen, welcher dem Vater seit
dessen Prostataoperation alle 3 Monate ein sündhaft teures Langzeitpräparat
unter die Haut spritzt, um das Krebswachstum zu verlangsamen. Ich
glaube, es sind weibliche Hormone, die von diesem Stäbchen unter
der Bauchdecke kontinuierlich an den Körper abgegeben werden.
Anfang 2004 war die Harnröhre trotzdem hoffnungslos abgedrückt.
Seit dem ist der Kathether mit Beutel obligatorisch. Dennoch kriegt
dieser 91-Jährige Mann alle viertel Jahr diese 500 Euro Spritze.
Ein älterer Mann aus der Nachbarschaft wäre beinahe gestorben,
weil er seit 15 Jahren immer wieder das gleiche Antidepressivum eingenommen
hat. Sein Körper war regelrecht vergiftet mit einer Substanz,
die er eigentlich gar nicht braucht. Sein Arzt kam in all den Jahren
nicht auf die Idee, die Medikamentierung zu ändern. Heute geht
es ihm ohne Psychopille richtig gut.
Ein anderer Bekannter benutzte den letzten Arztbesuch nicht nur um
seine Beschwerden zu schildern, sondern kippte kurzerhand und spontan
auch seine seelischen Probleme, all seine Alltagsschwierigkeiten und
Sorgen über den Mediziner aus. Das Medikament gegen Magenbeschwerden
vergaß er in der Apotheke abzuholen, und das Rezept blieb uneingelöst.
Trotzdem verschwanden seine Schmerzen, und das Medikament blieb entbehrlich.
Mein Bekannter ist nicht der Einzige, der am eigenen Leib festgestellt
hat, wie ein Ausheulen zur rechten Zeit aus dem Bauch heraus, besser
wirkt als ein Pharmaprodukt. Ich habe es schon selbst erlebt und bekomme
es von anderen öfter bestätigt.
Warum erzähle ich das mit den Arzneien? Nun, hier gibt es einen
interessanten Aspekt zum Thema Gesundheitspolitik zu diskutieren.
Frau Ministerin Schmitt ist er auch schon aufgefallen. Es werden in
Deutschland viel zu viel Medikamente verschrieben und die Notwendigkeit
vieler Medikamente zu selten hinterfragt. Theoretisch ließen
sich Millarden von Euro einsparen. Die Debatte ist natürlich
sehr heikel. Bedenken der Mediziner, dem Patienten könnte die
Streichung eines Medikaments auch schaden, lassen sich durch entsprechende
Nachsorge ausräumen.
Der größte Feind einer verhältnismäßigen
Medikamentierung ist allerdings die Pharmabranche. Sie hat es bis
jetzt immer geschafft, bei jeder Reform im Gesundheitwesen unbeschadet,
also ohne Einschränkungen für den Absatz davonzukommen.
Die Pharmaindustrie kann für ihren nur rein wirtschaftlich begründbaren
Widerstand sicherlich auch jederzeit medizinisch korrekte Gutachten
vorlegen. Der Psychosomatische Ansatz, wonach durch Gespräche
über private Probleme von Patienten, durch Beleuchten der individuellen
seelischen Belastungen auch körperliche Beschwerden abgemildert,
ja behandelt werden können, muss von der Pillenbranche im eigenen
Interesse heruntergespielt werden.
Im Grunde ist dieses Beispiel einer Schlacht um Pfründebewahrung
nicht weniger unmoralisch, als der Kampf der amerikanischen Gefängnisaufsehergewerkschaft
und der Gefängnisbauindustrie für die Verschärfung
des Strafrechts, um so mehr Sträflinge und neue Zuchthäuser
zu bekommen. - Aber hoher Medikamentenabsatz ist gut für das
Wirtschaftswachstum, und da muss sich jede Vernunft unterordnen.
CCR
25.Juni
2005: Sie
werden es tun. Sie werden dort kassieren, wo sich niemand entziehen
kann, weil sie dringend Geld brauchen. Sie werden die Mehrwertsteuer
erhöhen!
Noch halten sie sich zurück. Angela Merkel, offizielle Führerin
der herangaloppierenden Reiterscharen in schwarz und gelb hat die
Losung ausgegeben, vor dem 11.Juli, dem Tag, an welchem alle geplanten
Maßnahmen zur großen Umverteilung bekannt gemacht werden
sollen, nichts nach außen dringen zu lassen. Auch wenn einige
Unionisten mit schwacher Blase Disziplinschwierigkeiten zeigen, es
hier und da leicht tröpfelt, wird schnell weggewischt bevor es
zu riechen beginnt. Erst am 11.Juli kann gleichzeitig mit dem Schlag
ins Gesicht aller Verbraucher auch die Salbe gereicht werden, welche
entstandene Rötungen wieder zu kaschieren imstande ist. Wahrscheinlich
wird sie von der Marke -Steuerreform- sein, zwar nur wenigen helfen,
beim Rest der Wehrlosen mit dicker Backe aber zuverlässig einen
Anschein von Notwendigkeit, einen Anschein von "was sollen wir
denn sonst tun?" hinterlassen.
Man wird sagen :
Schaut doch einmal, in den Niederlanden liegt der Mehrwertsteuersatz
schon bei 19%, also jammert nicht. Dass damit die schlappe Konjunktur
weiter abgewürgt wird, ist doch gar nicht wahr, wieso hat denn
Österreich einen Satz von 20%, Finnland gar 22%. Dort seht ihr,
was der Bevölkerung ihre Regierung wert ist, dort geht es aufwärts
mit hoher Mehrwertsteuer, sind die Leute nicht so quengelig drauf.
Und erst Dänemark und Schweden. Die haben schon 25 % Mehrwertsteuer.
Was sagt ihr nun? Und, - beschweren die sich? Haben die so viele Arbeitslose
wie wir und so geringes Wachstum? Na also! Und das Gerücht, wonach
in Ländern mit hoher Mehrwertsteuer die anderen Belastungen niedriger
seien, soll erst mal jemand beweisen.
Habt Vertauen, wenn wir nach kurzer Belagerung im September eure
Hauptstadt erobert haben, gehts euch richtig besser. Wartet erst
mal den 11.Juli ab. Da sagen wir euch, was wir anders machen werden,
als die jetzige Horde in rot und grün.
Das ist alte Tradition mit der Mehrwertsteuer, -glaubt ihr nicht?
Schaut doch mal in die Geschichtsbücher, mit dem Zehnten fing
es an. - Naja, die 10%-Marke haben wir ja schon hinter uns. Hat halt
nicht gereicht, um so eine Belagerung zu finanzieren. Schließlich
haben wir auch Ausgaben, und selbst ihr wisst: alles wird teurer.
Immerhin müssen wir euren Wirtschaftseliten auch etwas abgeben,
haben wir denen versprochen. Dafür rufen die so eifrig nach uns.
"Horde komm und lös die Horde ab!" Den Ökonomiewissenschaftlern
verschaft unser Reiten mehr Geltung. Dafür malen sie schöne
Gutachten über die heilsame Wirkung unserer Belagerung. Daraus
halten wir euch schwarz auf weiß Zahlen vor die Nase und ihr
seid sprachlos.
Eure Unternehmer werden sich freuen über die Zahlen. Sie müssen
ja immerhin im internationalen Wettbewerb einen fetten Unterbau aufweisen,
und die Reiterhorden in den anderen Ländern ermöglichen
ihren Unternehmern ja auch ein schönes finanzielles Polster.
Da müssen wir natürlich mithalten, besser noch einen Vorteil
erringen im weltweiten Wirtschaftswettrüsten. Was sind
schon Sozialleistungen angesichts dieser Wichtigkeit. Mit Sozialleistungen
werden wir das große Wettbewerbrüsten nicht gewinnen können.
Haha, ihr glaubtet, für ein Wettrüsten bräuchte man
den Kommunismus.
Tja, das ist kluge Haushaltspolitik. Außerdem haben wir viel
mehr Ahnung vom Haushalten, als jede andere Horde vor uns. Seht unsere
Fahne und was da drauf steht: "Wir werden Deutschland aus dem
Tal herausführen!" Habt ihr schon mal gehört? Kann
aber nicht sein. Immerhin glauben das die meisten von euch, bis sie
uns im September die Stadttore aufhalten, mit schwarzen Taschentüchern
winken und "Heil, Angelator!" rufen.
Unsere Rechnungen sind solide,- versprochen, - auch wenn ihr das nicht
so seht. Kämpft mit uns für mehr Wachstum, solange die Presse
noch bereitwillig das Märchen von "Arbeit durch Wachstum"
wiederkäut! Der Tumor eures Zeitgeistes muss noch viel größer
werden. Wollen wir ihm ein Denkmal bauen, wollen wir ihn kräftig
füttern, auch wenn das meiste Futter verlorengeht zwischen den
Zähnen der Futterträger. Zugegeben, an ein Wachstum glauben
wir ja bald selbst nicht mehr, doch das merkt keiner. Das Füttern
darf nicht aufgegeben werden. Füttern ist der Lebenszweck einer
jeden Nationenbelagerung, nicht nur in eurem Staat. Füttern erhält
die Laune eurer Wettkämpfereliten, die uns den Einzug ebnen und
Teile von euch ermuntern, weiterzuhoffen.
Und um dieses Futter auch in Zukunft bezahlen zu können, müssen
wir die Mehrwertsteuer erhöhen. - Denn nicht das Wachstum ist
das Ziel, sondern das große Füttern, dafür
werden wir eintreten, zu eurem Wohle, und dafür müsst ihr
weiterbluten.
CCR
24.Juni
2005: Gestern
morgen um kurz nach 11Uhr an einem deutschen Gymnasium. Mehr
als die Hälfte der Schüler/innen aus Unter- und Mittelstufe
haben sich im Foyer versammelt und rufen im Chor: Hitzefrei! Hitzefrei!
Kurz davor hat sie die Nachricht erreicht, dass die Schüler der
Haupt- und Realschule wegen der großen Hitze, 33 Grad im Schatten,
geschlossen ins Schwimmbad umziehen durften.
Doch sie haben keine Chance. Schweißnass und ohnmächtig
müssen sie erleben, wie der Herr Schuldirektor mit verschränkten
Armen vor ihnen steht und mit ruhiger Stimme erklärt, wer jetzt
nicht sofort in die Klasse zurückginge, bekäme einen schriftlichen
Tadel.
Diese Schule war noch nie mit vernünftigen Direktoren gesegnet.
Zu meiner Zeit war es ein groß gewachsener Intellektueller mit
grauem Schnurrbart und Pfeife. Er war Vorsitzender des Lionsclubs
und CDU-Mitglied, duldete keinerlei Spaß, außer seinem
eigenen, ungeliebte Schüler urplötzlich in die Scheiße
treten zu lassen. Meine mündliche Abiturprüfung vor 27 Jahren
im Fach Deutsch war ein Paradebeispiel dafür. Der Mann, eben
auch Deutschlehrer, ließ mich 20 Minuten vor versammelter Lehrerschaft
detailiert in die völlig falsche Richtung referieren, um mir
am Ende zu eröffnen, ich hätte das Thema verfehlt und bekäme
0 Punkte für diese Prüfung. Es war die späte Rache
für meine Neigung, auch im Unterricht des hochwohlgebohrenen
Herrn Direktor, die quälende Langeweile des gnadenlos trockenen
Stoffs gelegentlich durch witzige Bemerkungen etwas bunt zu malen.
Der heutige Direktor ist Mitte fünfzig, trägt gerne schwarze
Rollkragenpullis und macht einen forschen, energischen Eindruck. Er
lobt sich gern selbst, natürlich über Umwege, dass es nicht
gleich auffällt. Er hällt sich für modern und für
so was von hipp, dass es kaum auszuhalten ist. Oberstes Prinzip ist
die Leistung. Schüler die "leistungswillig und leistungsfähig"
sind können in ein Fördermodell kommen, welches das Überspringen
einer Klasse ermöglicht. An seinen Ausführungen über
die Voraussetzungen für eine Förderung wird deutlich, welche
Art von Hochbegabten er bevorzugt. Artig müssen sie sein, den
Anweisungen müssen sie folgen ohne diese zu hinterfragen. Wo
käme man denn hin, wenn Schüler den Sinn eines Lernstoffs
erklärt haben wollen? Wer auf Linie bleibt, kann gefördert
werden.
Der Mann ist ein großer Rhetoriker, drückt sich sehr gewählt
aus, kann druckreif vor einer Versammlung reden, und man sieht, dass
er sich selbst gerne zuhört. - Nur der Inhalt !!!?- In seiner
letzten Abirede beleidigte er etliche Schüler. Er lässt
keine Zweifel daran, sich als ein Siebmeister der Ellenbogengesellschaft
zu verstehen. Wer es nicht schafft, im knappen Zeitrahmen einer schriftlichen
Arbeit, der eigentlich nur für die reine Schreibtätigkeit
ausreicht, auch noch vorher zu denken, hat eben Pech gehabt. Wer hinter
den Südfenstern im überhitzten Klassenarbeitsraum die nötige
Konzentration nicht findet, ebenso. Immerhin sei es im späteren
Leben genauso. Der Kampf in unserer Leistungsgesellschaft sei zwar
hart, für den Tüchtigen aber aussichtsreich. Man könne
sich nicht früh genug an die späteren Bedingungen gewöhnen.
Widerspruch wird nicht geduldet, oder zum Anlass für weitere
Belehrungen genutzt. Als Eltern ist man im Zwiespalt. Soll man mit
dem Mann reden? Ist da überhaupt ein Durchkommen, und schadet
man damit nicht letztendlich den eigen Kindern?
Eine neue Studie, letzten Monat im Fachblatt "Pediatrics"
erschienen, kommt zu dem Schluss, dass ein Schulbeginn um acht Uhr
für die Leistungsfähigkeit unserer Kinder erheblich zu früh
ist. Ähnlich wie auch deutsche Wissenschaftler bestätigen
die Autoren, was auch Eltern immer wieder erleben. Nachmittags sind
Schüler wesentlich leistungsfähiger, als morgens. Der Schulbeginn
um Acht führt außerdem zu einem chronischen Schlafmangel
bei Heranwachsenden (Der Spiegel 23/05). Zur Schulzeit schlafen die
Schüler zwei Stunden weniger, als am Wochenende oder in den Ferien.
Leistungstests vor elf Uhr morgens fallen in der Regel erheblich schlechter
aus, als zu späterer Zeit. "Der Stundenplan zwingt die
Schüler, gerade dann akademische Leistungen zu erbringen, wenn
sie dazu am wenigsten in der Lage sind", so eine Autorin
der Studie.
Solche Erkenntnisse werden unseren Herrn Direktor nicht schocken.
Seine unausgesprochene Richtlatte ist eine andere, immerhin müssen
Kinder in der Schule auf das Leben vorbereitet werden, und das Leben
ist halt kein Zuckerschlecken.
Doch die Ideologie wird auch stillschweigend von außen gefüttert.
Wer macht sich schon bei der katastrophalen Haushaltslage für
die Bildungsfinanzierung die Mühe, kostenloses geliefertes "Unterrichtsmaterial"
von Firmen und Verbänden kritisch zu bewerten. Vom Bundesverband
deutscher Banken e.V. erhalten alle Oberstufenschüler ein Buch
mit dem Titel "Im Kreislauf der Wirtschaft - Einführung
in die Volkswirtschaft". Das Werk ist zwar gut gemacht, verständlich
geschrieben und übersichtlich geordnet, sicherlich für das
Fach, neben anderen Materialien, durchaus brauchbar. Doch leider wird
es, wohl kalkuliert von den Initiatoren, zum trojanischen Pferd innerhalb
eines objektiv zu haltenden Unterrichts, wenn kein Lehrer, keine ergänzende
Schrift oder kein Elternteil die versteckten, massiv neoliberalen
Tendenzen relativiert.
Die Unterstufenschüler bekommen einen Film über die Verwertung
von Verpackungsmüll gezeigt. Offensichtlich wurde der im Auftrag
der Tetrapackindustrie und des DSD produziert.
Wo die Sache schließlich endet, dieses Drama der zunehmenden
Unfinanzierbarkeit des Bildungssystems und die Tendenz, unseren
Nachwuchs möglichst früh für wirtschaftliche Interessen
auszuschlachten und an die herrschenden Sachzwänge zu gewöhnen,
sowie spätere potentielle Gegner gleich in der Schule scheitern
zu lassen, kann man in den USA besichtigen.
Wir bekommen dann wohl das Allianzgymnasium, die Bitburgerfachhochschule
und die DeutscheBankUni, mit dem Mckinseybachelor und dem AdamSmithAbschluss.
Irgendwann vielleicht findet sich sogar ein Untersuchungssystem, um
die nicht anpassungsfähigen Schüler schon eine ganze Zeit
früher zu erkennen und auszusieben. Diese könnte man dann,
etwa an die Realschulen angegliedert, in einer Gymnasiumsersatzstufe
unterbringen. Unsere "richtigen"Gymnasien, endlich Eliteschulen,
hätten weniger Personal nötig, aufmüpfige Lehrer, die
Kindern auch eine Seele zubilligen können, wären entbehrlich.
Hitzefrei bliebe nur noch ein kleiner kurzer Gedanke, es auszusprechen
wäre undankbar den edlen Sponsoren gegenüber.
Wer noch denken kann und durchaus noch ganz bei Trost ist, dem will
ich hier die gleiche Buchempfehlung geben, wie jüngst Sloterdijk
am Ende seines Philosophischen Quartetts. Die glänzend gemachte
Dokumentation "Treibhäuser der Zukunft - wie in Deutschland
Schulen gelingen" von Reinhard Kahl ( siehe: http://www.beltz.de/catalog/einzelbuch.asp?ISBN=3-407-85830-2
) enthällt drei DVDs, die auch mit Bild und Ton verdeutlichen,
was ein menschengerechtes und der Gesellschaft dienendes Schulsystem
ausmacht. Mit Zitaten wie "Kinder dürfen in der Schule
nicht beschämt werden", "unsere Heranwachsenden
gehen heutzutage zur Schule, wie zum Zahnarzt", oder "
wer unter Angst lernt, lernt die Angst gleich mit" und
den entsprechenden Bildern dazu, werden anhand von Beispielen die
Merkmale einer erfolgreichen Schule überzeugend dargestellt.
CCR
23.Juni
2005: Zugegeben,
ich habe auch mal die Grünen gewählt.
Ganz früher war ich sogar mal in der Jungen Union, habe in weißem
T-Shirt mit dem Aufdruck "sicher, sozial und frei" neben
schwarzrotgoldener Raute und neben anderen naiv blickenden Jugendlichen
mit vollem Optimismus am Eingang des Gesellschaftshauses Hochglanzflyer
an Besucher der Wahlkampfveranstaltung des Weinmillionärs Elmar
Piroth verteilt. Sogar mit den Sozialdemokraten hatte ich mal geliebäugelt,
bis dieser Fiebertraum jäh platzte, vor allem angesichts der
Person unseres Stadtbürgermeisters, einem Kohl-Typen, der mit
seiner herrischen Ignoranz, seinen verletzenden Ausfällen und
bräsigen Unwissenheit noch heute jegliche Veränderung blockiert.
Für die Grünen saß ich als Parteiloser sogar einmal
vier Jahre lang im städtischen Bau- und Umweltausschuss. Naja,-lang
ists her, seit 14 Jahren wohne ich nicht mehr dort.
Auch als überzeugter Parteiloser ertappe ich mich noch heute
dabei, wie ich die Entwicklung der Grünen beobachte, und, -sie
meist bedauere. Wir hatten uns Anfang der 1990er sogar eingebildet,
dieser Haufen könne nach dem Abgang des Kommunismusses aus dem
Wettkampfring der politischen Systeme eine dritte, menschenverträgliche
Alternative begründen, die das Beste der politischen Strömungen
zu einer lebenswerten Zukunftsperspektive vereint. Offensichtlich
ist aber mit dem Herausekeln der "Fundis" aus dem grünen
Personalbestand nicht nur ein lästiger Auswuchs, eine Fußsohlenwarze
oder der entzündete Blinddarm entfernt worden, sondern eher auch
Teile des Herzes, des Gehirns und des Bewegungsapparats.
Heute stehen wir wieder vor einer Wahl. Wie alle Parteien beginnen
auch die Grünen mit dem Klappern, doch es quietscht dazu unüberhöhrbar.
Nach jahrelangem Durchwinken von eher kontraproduktiven Steuer- und
Arbeitsmarkt"reformen" und einer Politik der Vergrößerung
der Schere zwischen Arm und Reich, wollen die Möchtegern-Ökos
sich nun wieder als linke Strömung profilieren.
Die Grünen sind fett geworden, über den Leib hinaus, vor
allem in den Köpfen. Grüne Politik ist heuer nicht nur selbstgefällig
und opportunistisch, scheinbar darauf konzentriert, möglichst
lange die Hebel in Händen zu halten, auch wenn damit schon lange
keine nachhaltige ökologische Politik mehr gehebelt wird. Es
ist vor allem nichts mehr von einem roten Faden zu erkennen.
Man komme mir nicht mit den schlappen Beispielen, wie grüne Politik
etwas Positives bewirkt habe. Das Minimalste ist schlecht umgesetzt
worden, schlecht in dem Sinne, als dass neue Gesetze von Grünen
in der Bevölkerung immer noch als etwas Lästiges, als subjektiv
von "grünen Spinnern" erdachte Wirtschaftsbehinderung
angesehen wird. Bis heute wurde der ursprüngliche Ansatz der
Ökologiebewegung, für die Erhaltung der natürlichen
Lebensgrundlagen und der Menschenrechte einzutreten, eher arg verwischt,
statt mit deutlichen Konturen versehen.
Trittin, fördert die regenerativen Energiequellen lediglich auf
die restriktive Art. Statt der Kernkraft und den fossilen Energieträgern
detailiert alle externalisierten Kosten anzurechnen und der Öffentlichkeit
damit zu verdeutlichen, dass billige Energie nur durch Beraubung unserer
Nachkommen zur Verfügung steht, bzw. welche langfristigen Folgen
die Menschen sich damit einhandeln, kommt sein Handeln lediglich als
bodenlose Eigenmächtigkeit rüber. Mit der Maßgabe
der Kategorischen Marktwirtschaft betrachtet, ist die Windkraftförderung
größtenteils überzogen worden.
Auch bezüglich der Landwirtschaft sind die Erfolge grüner
Politik mehr als mager. Selbst wenn Renate Künast gegenüber
den sturen Bauern einen schweren Stand besitzt, ständig gegen
die Regel "was der Bauer nicht kennt, isst er nicht" anzukämpfen
hat, muss ich ihr vorwerfen, dem Volk auch gegen den Koalitionspartner
die Notwendigkeit einer Ökologisierung der Landwirtschaft nicht
verdeutlicht zu haben. Dies wäre das Wichtigste gewesen. Hätte
das Verbraucherministerium zunächst ausführlich die Externalisierung
von ökologischen und sozialen Kosten durch die sogenannte konventionelle
Landwirtschaft vorgerechnet, die Folgen für unsere eigenen Kinder
verdeutlicht und dann nach einer entsprechenden öffentlichen
Diskussionsphase vorsichtige Lösungsmöglichkeiten eröffnet,
könnten rücksichtslose Scheuklappenträger, wie Landwirtschaftspräsident
Sonnleitner, nicht so unwidersprochen herumpöbeln. Hätte
man den Bauern klar gemacht, dass die Subventionen nicht wegen Geldmangel
der EU und auch nicht zur Erfüllung kapitalistischer GATT-Bestimmungen
abgeschafft werden müssen, sondern zur Erhaltung der bäuerlichen,
regional verwurzelten Landwirtschaft überhaupt, würde Frau
Künast vom Deutschen Bauerntag vielleicht nicht mehr ausgepfiffen
werden, wie gestern auf einem Forum in Rostock. Könnte man den
Landwirten vermitteln, dass die ökologische Landwirtschaft nicht
nur bessere Produkte und unbelastetere Böden erwirtschaftet,
sondern auch ein wesentlich angenehmeres Bauerndasein, mit Eigenproduktion
von Energie, höheren und dauerhafteren Gewinnen aus den angebauten
Agrarprodukten, geringerem Handlungsdruck von Seiten des Weltmarkts
und der EU-Bestimmungen, geförderte Direktvermarktung, usw. wäre
unserem ganzen Land geholfen.
Statt dessen machen die Grünen sogenannte "rotgrüne
Politik", nicht Fisch, nicht Fleisch, bar jedes ökologischen
Zusammenhangs und offensichtlich nur um oben zu bleiben, so lange
es geht.
Die Grünen, gerade sie, müssen die Zerstörung unserer
Lebensgrundlagen öffentlich sichtbar auf die Externalisierung
von Umweltkosten in unserer Ökonomie zurückführen.
Was haben wir gelacht, als damals nach dem berühmten 5,-DM-Beschluss
für Benzin der grüne Stern den Halt verlor. Hätten
die damals gesagt, wir wollen, dass alle Schäden an der Gesellschaft,
verursacht vom Benzinverbrauch von unabhängiger Seite berechnet
und auf den Preis aufgeschlagen werden müssen, ohne eine Zahl
selbst in den Mund zu nehmen, sie hätten sogar noch Verbündete
aus den Reihen der Kirchen gewonnen.
Heute ärgern wir uns mit reiner Besitzstandswahrung beschäftigten
grellen Grünenpromis herum. Trittin, der es nicht schafft, beispielsweise
ein gerechtes Abfallgebührensystem zu entwickeln. Claudia Roth,
die es jedesmal schafft, sich durch zielloses Gestammele bei Christiansen
selbst zu disqualifizieren, und natürlich der unsägliche
Fischer mit dem gequälten Gesicht, als wolle er sagen: "seid
froh, dass ich euch die Gnade biete, mich für euch, das Volk
einzusetzen". Köstlich treffend fand ich den Kommentar vom
Junggrünen Marek Dutschke über den Mutanten im Außenamt.
Man könne sich kaum vorstellen, dass der vor mehr als dreißig
Jahren mal ein idealistischer junger Mann gewesen sei. Dass Fischer
sich mit einem protzigen Siegelring schmücke, sei geradezu "widerlich",
befand Dutschke.
Alles in allem, die Grünen brauchen eine umfangreiche Erneuerung,
personell, aber in erster Linie programmatisch. Grüne Politik
muss heraus aus dem Elfenbeinturm und verständlich werden. Sie
braucht einen roten Faden, der auch in Koalitionen nicht verloren
geht, und der Bezug gegenüber der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen
muss an die erste Stelle, damit keine Lobbygruppe wieder eigendienliche
Missverständnisse aufbauen und das Notwendige verhindern kann.
Derzeit jedenfalls sind die Grünen nicht wählbar.
CCR
22.Juni
2005: Die
Zeit vor einer großen Wahl ist immer auch eine Gelegenheit für
Vereine und Verbände, mit sich mit Forderungen an die
Politik in der Öffentlichkeit zu melden. Leider kommen dabei
wenig gesellschaftsdienliche, eher spezifisch auf die eigene Klientel
zugeschnittene Forderungen heraus, die oftmals mit denen einer anderen
Gruppe im direkten Widerspruch stehen. Meist jedoch lässt sich
keine dieser Verlautbarungen in ein logisch aufgebautes Gesamtkonzept
einfügen. Und ohne ein solches hat jede neue Forderung nur eine
sehr subjektive Berechtigung.
Das Verwertbarste kam gestern vom Sozialverband Deutschland (SoVD).
Er fordert eine Bürgerrente für alle. Die gesetzliche Rentenkasse
solle in eine "Erwerbstätigenversicherung" umgebaut
werden, in die ausnahmslos alle Erwerbstätigen, auch Selbstständige,
Beamte und Parlamentarier einbezahlen sollen. Für Geringverdiener
müsse eine Mindestsicherung eingeführt werden, damit diese
nicht auf Sozialhilfe oder andere Unterstützungen angewiesen
sind. Frühverrentung müsse gestoppt, Mini- und Midi-Jobs
wieder sozialversicherungspflichtig gemacht werden. Eine Heraufsetzung
des Rentenalters auf 67 lehnt der Verband ab.
Die Forderungen des Sozialverbands sind gute Grundlagen für den
notwendigen Kurswechsel in der Rentenfrage.
Einiges müsste man noch ergänzen, etwa Folgerungen aus der
Erkenntnis, dass manche Menschen, je nach Beruf oder Konstitution
gerne viel länger arbeiten wollen, andere aber vorzeitig zum
Wrack geworden sind und aufhören möchten. Insofern ist ein
festes Rentenalter überhaupt nicht an den Menschen orientiert.
Hier braucht man eine Regelung zur gerechten Rentenhöhe etwa
für einen überdrüssigen 60 jährigen, gegenüber
einem 70 jährigen, der fit ist und noch arbeiten will. Das Rentenproblem
ist aber nur zu lösen, wenn man das brachliegende Potential der
8 Millionen Arbeitslosen berücksichtigt, die zwar keinen finanziellen
aber einen Beitrag in fForm von Arbeit leisten könnten (siehe
Artikel vom 14.Juni).
Andere Verbandsforderungen dringen eher allzudeutlich zwischen starren
Scheuklappen hervor.
Die "Wirtschaftliche Vereinigung Zucker" bezeichnet es als
"Kahlschlag", spricht von "Existenzgefährdung
in dramatischem Umfang", weil im Zuge des notwendigen Subventionsabbaus
für die Landwirtschaft auch das Sponsoring für die Rübenbauern
gekürzt werden soll. Die betroffenen 320.000 Landwirte in EU
werden derzeit mit 1,4 Millarden Euro unterstützt.
Ebenso trommelte der Präsident des Deutschen Bauerntags, Gerd
Sonnleitner, wieder mal gegen die ach so schlimmen Zustände und
forderte mit Blick auf die anstehenden Wahlen eine "Bauernbefreiung".
Er kritisiert die "desolate Preispolitik" in der
Milch- und Zuckerwirtschaft, will also die Beibehaltung der Subventionen.
Er wendet sich gegen "deutsche Alleingänge"
beim Tier-, Natur- und Verbraucherschutz, was nicht anderes heißt,
als dass Tiere, Natur und Verbraucher gefälligst möglichst
lange die immensen externalisierten Kosten der Landwirtschaft und
die nachhaltigen Schäden durch konventionelle Bewirtschaftung
zu verkraften haben. FDP-Bauckhage zeigte natürlich volles Verständnis
für Sonnleitners Leid und mahnte die Wiedersubventionierung des
Agrardiesels an. Natürlich hällt er nichts von der "staatlich
verordneten Agrarwende" seiner Bundeskollegin Künast
und bezeichnet die Förderung für den Ökolandbau als
falschen Anreiz. Er will also lieber bei einer Landwirtschaft bleiben,
die von der Ausbeutung der Allgemeinheit und der Schädigung der
Lebensgrundlagen lebt.
Künasts Ansatz ist aber ebenso falsch. Ihre Entscheidungen sind
nicht der Erkenntnis von der Notwendigkeit des Abbaus von Externalisierungsgewohnheiten
abgeleitet worden. Deshalb erscheinen ihre Beschlüsse oft als
willkürlich und inkonsequent und sind es manchmal auch.
Auch Handwerkspräsident Otto Kentzler hatte sich Anfang der Woche
weit nach vorne gebeugt mit seinem Vorschlag, Krankheits- mit Urlaubstagen
zu verrechnen. Außer vom Nordrhein-Westfälischen Handwerkstag
erntete er aber nur Prügel, sogar Angela Merkel wollte davon
nichts wissen. Er sollte sich besser einmal überlegen, wie das
deutsche Handwerk in einer Kategorischen Marktwirtschaft automatisch
und marktbegünstigt völlig neue Perspektiven bekommt und
leicht dauerhafte Beschäftigungs- und Auftragsquoten wie in den
1960er Jahren erreichen kann.
Der Deutsche Gemeinde- und Städtebund hat ein Papier zur Bundestagswahl
vorgelegt, in welchem er auch die Deutsche Post AG für die Schließung
immer weiterer Filialen kritisiert. Der Titel des Papiers spricht
wieder Bände, wenn es heißt: "Ohne Wachstum und
Arbeitsplätze in der Fläche kein Aufschwung". Auhweiah
kann man da nur sagen. Scheintote Dinosaurier mit mehr als altbackenen
Rezepten. Dass Wachstum Arbeitsplätze vernichtet, muss ihnen
erst noch unter den Panzer kriechen.
Ebenso zerstört undefinierter Aufschwung gewachsene Strukturen
in den Regionen. Den Städten und Gemeinden wird es weiter schlechter
gehen, wenn ihre Vertreter ständig nur Quantitätszuwächse
fordern. Nur mit der Kategorischen Marktwirtschaft lässt sich
in den Regionen, kleinen Städten und Gemeinden eine nachhaltige
Infrastruktur, eine dezentrale und arbeitplatzintensive Grund-, Güter-
und Energieversorgung aufbauen, welche sich gegenüber Konkurrenz
von außen als stabil erweist.
Fazit: Vereine und Verbände legen genausooft faule Eier, wie
unsere Politiker, wenn sie über die Zukunft nachdenken. Ebenso
wie bei letzteren sind sie nur fähig ihre kleine Nische zu betrachten,
statt das Ganze, welches vielfältig verflochten ist miteinander.
CCR
21.Juni
2005: Der Ölpreis hat wieder eine neue Rekordhöhe erreicht.
Und, zur Urlaubszeit könnte es noch dicker kommen. Der Grund
für Preiserhöhungen sind in letzter Zeit immer weniger marktwirtschaftliche
Vorgänge, etwa der Anstieg der Nachfrage. Die Sorge einiger Käufer,
es könnte, besonders im vierten Quartal, zu Versorgungsengpässen
kommen, erhöht zwar auch den Preis des begehrten Erdensafts,
doch zunehmend beeinflussen die Käufe von Spekulanten und
Fonds die Ölpreisänderungen. Börsianern ist dies
eigentlich gar nicht recht, kommt doch mit diesen, für die Akteure
sehr profitablen Seitengeschäften, ein höchst unberechenbarer
Faktor zu den Regeln von Aktiengeschäften hinzu.
Ebenso wird auch immer häufiger das weltweite Währungssystem
für Spekulationen missbraucht. Die Profitaussichten sind hier
besonders hoch. Wie einen entzündeten Blinddarm müssen die
Akteure in dieser Art von Geschäft sich den letzten Funken an
moralischen Bedenken haben amputieren lassen. Die Summe der hierbei
externalisierten Kosten, ist gigantisch. Ganze Volkswirtschaften werden
ins Elend gestürzt. Die Asien-Krise der 1990er Jahren stürtzte
Millionen Menschen in die Armut. Dabei geht es völlig legal zu.
Die Schäden aus socherart Transaktionen dürfen auf die Allgemeinheit
abgewälzt werden, sie werden gewissermaßen verweltgesellschaftlicht.
In einer Kategorischen Marktwirtschaft gäbe es so etwas nicht.
Ebenso wie bei Produktion und Dienstleistung müssten auch bei
jeder Art von Geldgeschäften die Schadkosten in den Preis integriert,
bzw. vom Gewinn abgezogen werden. Die meisten Spekulationsgeschäfte
würden völlig unrentabel.
Auf Europa-Ebene, wo gerade die langfristige Finanzplanung gescheitert
ist, streiten sich die politischen Lagerführer über Entlastungen
der Nettozahler und die Höhe der Landwirtschaftssubventionen.
Völlig fahrlässig wird von ihnen das große Damoklesschwert
über der Weltwirtschaft, das Dollarproblem, ignoriert, das bald
fallen wird, fallen muss. Nicht nur diese EU-Kleinkrämer werden
sich dann darunter befinden, sondern auch die Menschen, für die
sie regieren sollen. Die gesamte globale Wirtschaft schaut wie das
Kaninchen auf die Schlange, weiß, dass sie irgendwann totgebissen
werden kann, hofft, dass es noch nicht Morgen sein wird, frisst weiter
Löwenzahn und denkt nicht daran, sich in Sicherheit zu bringen.
Der durchschnittliche Tagesumsatz mit Devisen wuchs seit 2001 um 57
% auf 1,88 Billionen Dollar ( 1.880.000 Millionen !) Von diesen Geschäften
sind 86 % reine Währungsspekulation von Leuten, die "Währungen
zunehmend als eigene Anlageklasse, neben Aktien und festverzinslichen
Wertpapieren" betrachten (Bundesbankdirektor Griep laut Spiegel
23/05).
Auch die Amerikaner profitieren von den währungspolitischen Fehlentwicklungen.
Die berühmtberüchtigte Dollarblase darf nicht platzen und
wird dennoch routinemäßig weiter aufgepustet. Vor allem
Japans und Chinas Dollarreserven verhindern noch den Tag X, den Tag,
an dem die Welt nicht mehr weiter die Amerikaner subventionieren mag,
diese größte Volkswirtschaft, die täglich 2 Millarden
Dollar ausländisches Kapital anlocken muss um den american-way-of-life
weiter zu finanzieren.
Die USA druckt munter Dollarscheine, um sie gegen Ware in der Welt
zu verteilen. Diese Welt, zumindest die großen Handelsnationen,
nehmen den Dollar weiterhin an, obwohl diese Währung im Grunde
nur noch einen Bruchteil seines tatsächlichen Werts hat. Nur
die Devisenreserven der Industrienationen, in Asien derzeit über
2,2 Billionen, halten das Zuviel an Dollars vom Markt zurück.
Jeder würde gerne etwas davon loswerden, weiß aber auch,
dass damit der Dollarpreis gefährlich in Bewegung kommen kann.
Alle Welt weiß vom Kommen des Tags X. Ob die Amerikaner es schaffen,
ihr Haushalts- und Handelsbilanzdefizit, zusammengenommen über
eine Billion Dollar in 2004, allmählich abzubauen, oder ob das
Ende des gegenwärtigen Paradoxons ein großer Knall sein
wird, der die Welt bis in kleinste Bereiche erschüttern könnte,
weiß niemand. Ebenso finden sich auch keinerlei Bemühungen
in der Pollitik und der Finanzwirtschaft, auf eine weiche Landung
hinzuarbeiten. Man darf also getrost annehmen, unausgesprochen ist
der Crash eingeplant.
Alle derzeitigen Aktivitäten der Beteiligten dienen nur dem Vorhaben,
eigene Schäfchen ins Trockene zu bringen, so lange es geht. Unter
Maßgabe der Kategorischen Marktwirtschaft betrachtet passiert
schließlich folgendes: Der größte Teil der externalisierten
Kosten des internationalen Finanzbetrugs, neben dem Teil, der täglich
wirkt, ist eigentlich mit den jeweiligen Dollarreserven gebunkert
und noch verschlossen. Wird dieser mit einem Schlag wirksam, zerstört
er mit dem monetären Weltgefüge auch Millarden von Existenzen
quasi nebenbei.
Wieso behandeln die Europapolitiker dieses Thema nicht? Sehn sie nicht
die Gefahr oder sind sie auch noch mit ihren Schäfchen beschäftigt?
Es existieren alle möglichen Katastrophenpläne, doch von
einem solch gewaltigen Crash will man sich erschlagen lassen? Auch
der Euro bietet keinen Schutz, da er international verflochten ist.
In Japan hat die national begrenzte Finanzkrise der letzten Jahre
neben allerlei Schäden auch eine positive Entwicklung angestoßen.
Regional begrenzte Sekundärwährungen wurden geschaffen und
milderten für Teile der Bevölkerung die schlimmsten Auswirkungen
ab. Dies erinnert an das Beispiel der österreichischen Gemeinde
Wörgl, Anfang der 1930er Jahre, die es schafften, durch Einführung
ihres regionalen Schwundgeldes viele Auswirkungen der Wirtschaftskrise
um sie herum abprallen zu lassen. Durch Entscheidung von oben wurde
das Experiment dann jäh beendet. Nachlesen kann man darüber
unter http://www.inwo.de/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=39&mode=thread&order=0&thold=0
oder unter http://www.userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/
einem Bericht eines Zeitzeugen von damals.
Die EU muss loskommen von ihrer latent verhängnisvollen Verflechtung
mit dem Dollar. Dies geht nur mit einer konsequenten Abkehr vom Ideal
des quantitativen Wirtschaftswachstums, der Annahme der Kategorischen
Marktwirtschaft als Ökonomie der Zukunft, und mit einer weitgehenden
Entkoppelung vom weltweiten Finanzgeklüngele.
CCR
20.Juni
2005: --
Europa ist sauer auf die Briten und Niederländer, liest man.
Die Staatschefs regen sich mordsmäßig auf und beerdigen
schon mal plakativ die nächste gemeinsame EU-Zeit. Doch das Leben
wird weitergehen, trotz des " Rückschlags für das
große Friedens- und Stabilitätsexperiments in Europa",
-so äußerte sich ein deutscher, sogenannter "Außenexperte".
Auch so kann man einen Haufen Stroh bezeichnen, wenn er hinter einer
Glasfassade sitzt und denkt, er sei für die Menschen gut.
-- Der neue SPD-Scheinlinksruck verursacht erste Kosten. Die von der
Regierung beschlossene längere Zahlung von Arbeitlosengeld I
für Arbeitslose ab 45 kostet einige Milliarden. Nunja, die Ablehnung
durch die CDU ist da wohl eingeplant und wirds richten.
-- Nach einer Emnid-Umfrage fühlen sich Deutschlands Arbeitnehmer
zunehmend unter Druck gesetzt. 84 % der Befragten gaben an, die Belastungen
seien in dieser Hinsicht gestiegen. 43 % sagten, nach ihrer Beobachtung
sei in den vergangenen Jahren immer mehr Arbeit auf immer weniger
Leute verteilt worden.
-- Laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden sinkt die Zahl der Beschäftigten
im Handwerk immer weiter. Nach einem Rückgang von 3,4 % in 2004
lag dieser für das erste Quartal 2005 bei 4,1 %.
-- Die Zahl der überschuldeten Privathaushalte hat, nach Angaben
der Bundesregierung, in den vergangenen vier Jahren um 400.000 auf
3,13 Millionen zugenommen. Das sind rund 8 % aller Haushalte. Die
Schuldnerberatungsstellen sind gnadenlos überlastet.
-- Und noch ein Schnipsel: Die Zahl der depressiven Menschen
in Deutschland nimmt offenbar ständig zu. Im Gesundheitsbericht
der Technikerkrankenkasse wird betätigt, dass die Ärzte
immer mehr Antidepressiva verschreiben. Arbeitslose sind hier fast
doppelt so häufig betroffen. Auch wurden ihnen 20 % mehr Medikamente
verschrieben als Berufstätigen. -"Das Volumen ist erschreckend
hoch."
Arbeitslosigkeit macht krank, Angst vor Arbeitslosigkeit auch. Das
"Weiterso" und die Selbstüberschätzung der verantwortlichen
Volksvertreter macht wütend.
Durchhalten! Und: Lieber wütend als krank.
CCR
19.Juni
2005: Die
Kritik am Kapitalismus ist einerseits berechtigt andererseits
jedoch mehr als schwammig und unsachlich. Wie die Schriftstellerin
Juli Zeh es Ende Mai im "Spiegel" dargestellt hat, verlaufen
die Grenzen der gegensätzlichen Positionen oft unvermutet quer
und sehr viel subtiler, als bloßes Draufhauen dies vermuten
lässt. Die "praktischen Konsequenzen" einer
Kapitalismuskritik nach sturem Recht-Links-Denken ergäben für
Juli Zeh ein merkwürdiges Bild: "Wir bräuchten
Einkommensregulierungsgesetze für Spitzengehälter, ein
Abwanderungsverbot für deutsche Firmen, ein Mitarbeiterentlassungsverbot,
vielleicht auch Importbeschränkungen für Billiggüter
aus China. Weiterhin Ordnungsgesetze für die Kreditpolitik
der Banken, ein Börsenspekulationsverbot sowie ein Verbot zur
Einstellung ausländischer Arbeitskräfte aus Lohnkostengründen."
Für Juli Zeh ist nicht Links oder Rechts der Gegensatz, sondern
der Widerstreit zwischen dem "Konzept individueller Freiheit"
auf der einen Seite und auf der anderen das "von staatlich
herbeigeführter Sicherheit und Kontrolle". Als Beispiele
nennt Juli "Anti-Terrorkampf versus Datenschutz, Software-Patente
versus Open-Source, physische Selbstbestimmtheit versus Gesundheitspolitik
oder Sterberecht versus Euthanasieverbot". Hier ließen
sich vielleicht bessere, alltagstauglichere Beispiele finden. Doch
selbst hier bewegt man sich auf uneindeutigem Terrain.
Der Begriff Freiheit kann unterschiedlich verstanden werden, denn
die Freiheit des Einen kann gleichzeitig die Unfreiheit des Anderen
bedeuten. Die Freiheit, mit agressiver Werbung mehr seiner Produkte
verkaufen zu können, beschneidet die Freiheit eines Durchschnittskonsumenten,
unbeeinflusst zu untersuchen, was er denn wirklich braucht. Die
Freiheit eines übernationalen Konzerns sich Betriebe kaufen
und verwerten zu können, schränkt die Freiheit der Region
ein, in welchem der Betrieb angesiedelt war. Die Freiheit eines
Konsumartikelherstellers, die Waren ab sofort in China produzieren
zu lassen, kappt die Individuelle Freiheit, wie die Sicherheit der
nun arbeitslosen Mitarbeiter im bisherigen Stammbetrieb.
Juli Zeh verneint, dass "der Mensch als Teil eines unmündigen,
von Verkaufsstrategien manipulierten, ausgebeuteten und entmenschten
Konsumentenkollektivs" unsere Epoche prägt. Wir lebten
viel eher "in einem Zeitalter, das durch ein hohes Maß
an allgemeiner Bildung und Aufgeklärtheit sowie durch eine
weitgehende Verwirklichung von Freiheitsidealen gekennzeichnet ist."
Hier will ich Zeh widersprechen: Sind es nicht die mittlerweile
in alle Lebensbereiche eingedrungenen Vorgaben und Erwartungen des
Wirtschaftssystems, welche den Alltag der Menschen, damit allmählich
den Menschen selbst und schließlich die ganze Epoche prägen?
Wie äußert sich denn die "weitgehende Verwirklichung
von Freiheitsidealen" im praktischen Alltag?
Was bleibt denn übrig, wenn man den Konsum über das tatsächlich
Notwendige hinaus, diese bemittleidenswerten Befriedigungsversuche
einer geziehlt ins Kollektiv infizierten, unstillbaren Sucht, die
wohlfeil herangezüchtete Hauptvoraussetzung zum Überleben
unserer real existierenden Kapitalistischen Planwirtschaft, aus
dem Dasein ausblendet?
Der Konsum armer und durchschnittlicher Bürger unterscheidet
sich vom Konsum gebildeter und aufgeklärter Bürger eigentlich
nur im Preis und der Qualität. Dass er sich aber in einer höheren
Berechtigung unterscheidet, können wir als Selbstbetrug abhaken.
Der "aus der Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen"
folgende "breitangelegte Individualismus", wird
immer erst im Zusammenhang mit Konsum erkennbar. Der "lust-
und leistungsorientierte Typus" der das "Ideal
der Mobilität verkörpert", ohne welches "der
internationalisierte Kapitalismus nicht möglich wäre",
ist nichts anderes als auch ein Konsument innerhalb des herrschenden
Systems, nur dass er eben auch auf der Macherseite agieren kann
und "stark, schön und erfolgreich" sein will.
Einige sicherlich auffindbare wirklich individuelle Köpfe außerhalb
des Wirtschaftsgeschehens, können als Ausnahme von der Regel
gelten.
So ist schließlich auch das Schwinden der "ideellen
Grundlagen für Mitgefühl, Verzichtswillen und eine Philosophie
des Teilens" nicht auf eine wertfreie Individualisierung
zurückzuführen, sondern allein auf das Diktat des Wirtschaftssystems.
Natürlich ist es unmöglich, "verlorengegangene
Werte durch staatliche Zwangsmaßnahmen" zu ersetzen.
Eine Rückkehr zu moralischem Handeln, zum "edel, hilfreich,
gut", ist so keineswegs erreichbar.
Wenn das Wirtschaftsystem sich als der früher oder später
alles bestimmende Faktor erweist, seine spezifischen Notwendigkeiten
in den Alltag der Bewirtschafteten streut und damit sogar altbewährte,
menschlich und gesellschaftsdienliche Ideale verdrängt, wenn
die Menschen im Land zunehmend verunsichert sind und Angst haben,
die gegenwärtige Debatte "Ausdruck eines tief- und
weitgehenden Unbehagens gegenüber dem -Ob- und -Wie- unseres
wirtschaftlichen (und damit auch politischen) Systems ist",
müssen wir uns fragen, ob das gegenwärtige Wirtschaftssystem
nicht menschenfeindlich ist und ersetzt werden muss.
Juli Zeh meint, es gelte "die Wurzeln des Kapitalismusstreits
freizulegen, um ihn fruchtbar zu machen". Es würde
"nicht nur an konkreten Vorschlägen fehlen, sondern
auch an einer grundlegenden Idee".
Hier widerspreche ich abermals.
Mit der Kategorischen Marktwirtschaft, dem Wirtschaftsmodell dessen
Hauptmerkmal der Zwang zur Internalisierung aller sozialen und ökologischen
Kosten in den Preis der Produkte und Dienstleistungen ist, liegt
die gesuchte, grundlegende idee vor. Als derzeit einziges Modell
macht die Logik der Kategorischen Marktwirtschaft Vollbeschäftigung
wieder denkbar. Der Kapitalismus wird nicht abgeschafft, sondern
durch einen neugerichteten marktwirtschaftlichen Mechanismus zurechtgestutzt
und menschenfreundlicher. Die Reichen werden nicht abgeschafft,
sondern individuell in dem Maße zur Kasse gebeten, wie ihr
Tun und ihr Besitz an die Externalisierung von gesellschaftlichen
Kosten gekoppelt ist. Spekulationsgeschäfte verlören ihre
Attraktivität. Die politische Kaste wird teilweise überflüssig.
Auch in der Kategorischen Marktwirtschaft zählt Leistung, aber
nicht solche auf Kosten und zum Nachteil Dritter. Die Sozialsysteme
funktionieren nachhaltig und können auf Dauer finanziert werden.
Finanzielle Engpässe in der Übergangsphase werden durch
Auszahlung der Internalisierungseinnahmen an die Bevölkerung,
gleicher Betrag für jede/n Deutsche/n ob jung oder alt, arm
oder reich, ausgeglichen. Bei einer Einnahmenuntergrenze von 400
Millarden Euro, kämen auf jeden 400 Euro monatlich.
Die neuartigen Perspektiven dieses Wirtschaftssystems sind gigantisch.
Seine Notwendigkeit auch und gerade angesichts der laufenden Kapitalismusdebatte
unbetreitbar.
CCR
18.Juni
2005: Die Europäische Union braucht eine neue Perspektive,
ja sie braucht eine überzeugende Daseinsberechtigung, welche,
und dies ist das Wichtigste überhaupt, von der europäischen
Bevölkerung nachvollzogen werden kann. Fragt man Durchschnittsbürger
nach dem Sinn der Mammutorganisation EU, sieht man ratlose, verlegene
Gesichter, allenfalls kommt dem Einen oder Anderen die Aufgabe der
EU in den Sinn, für die Organisation des gemeinsamen Handels
und der Produktion, hauptsächlich in der Landwirtschaft, zuständig
zu sein. Fragt man nach, warum eine solche Organisierung notwendig
sei, erntet man Schulterzucken und Kopfschütten. Politikern fallen
vollmundig noch andere Bereiche ein, für welche die große
Dachorganisation gebraucht werde etwa die Funktion als Bewahrer des
Friedens, als Öffner der Innereuropäischen Grenzen für
mehr Reisefreiheit und länderübergreifende Arbeitsmöglichkeiten,
als Förderer von Kultur und Tourismusangeboten von Wissenschaft,
Forschung und Demokratie, usw.
Was tut die EU tatsächlich für die kleinen Leute und die
schwachen Regionen? Selbst ein Politiker, wäre er auch im großen
Apparat kompetent, könnte diese Frage nur mit Allgemeinplätzen
und Absichtserklärungen beantworten. Wie notwendig ist die
EU in ihrer heutigen Form tatsächlich?
Der Friede in Europa geht wohl eher auf Initiativen und diplomatische
Geschicke einzelner Staatsmänner in den Nationen zurück,
als auf Bemühungen der EU. Auch haben die Menschen in allen europäischen
Ländern vom Krieg die Schnautze gestrichen voll. Der Nationalismus
als Hauptfaktor bewaffneter Konflikte, ist weitgehend verwelkt. Meinugsverschiedenheiten
zwischen Staaten reichen allenfalls noch für polemische Wortgefechte
in großen Boulevarblättern. Allenfalls nachrangige Glättungsbemühungen
gehen hier von der EU aus.
Die Öffnung der Grenzen lässt sich eventuell als EU-Verdienst
ansehen. Doch auch hier sind einzelne Länderverträge mitverantwortlich
gewesen. Genau wie bei der Freiheit, in anderen Ländern arbeiten
zu können, legitimiert diese erfreuliche Neuerung keineswegs
die Beibehaltung des Brüsseler Monsters auf lange Sicht hin.
Als Institution für die Förderung von Kultur und Tourismus
ist die EU oft genug kontraproduktiv. Ihr "Leader-Plus"
Programm beispielsweise führt in unserer Region zur Verschandelung
kaum berührter Naturgebiete. Um an die Gelder zu kommen und in
Ermangelung sonstiger, der Region dienlicher Konzepte, entwickeln
Lokalpolitiker einen gefährlichen Aktionismus. Die so künstlich
erhöhte Zahl der Mitwettstreiter um die spärlichen Touristengrüppchen
macht die Aussicht auf Erfolg von Vorneherein zunichte. Touristen
sind weiter dort anzutreffen, wo es sie schon immer gab. Auch Wissenschaft
und Forschung sind in den Händen der Staaten besser aufgehoben,
vorausgesetzt sie erkennen deren Wert.
Eine effektivere Koordinierung gemeinsamer Außenpolitik wird
genannt, was aber angesichts der Weiterexistenz von nationalen Außenministern
wenig überzeugend klingt, und für die wenigen Anlässe,
wo eine gemeinsame außenpolitische Stimme notwendig ist, scheint
der Apparat etwas aufgebläht.
Weitgehend überflüssig ist die EU aber als Förderer
verträglicher Strukturen in der Landwirtschaft, als begünstigender
Faktor im Wettbewerb sowie zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.
Sämtliche Agrarsubventionen der letzten Jahrzehnte haben sich
als kontraproduktiv erwiesen. EU-Politiker werden dies natürlich
verneinen. Dennoch: Regionale Strukturen werden nicht behutsam modernisiert
sondern zerstört, wie gerade im Zeitraffertempo in der polnischen
Landwirtschaft beispielsweise.
Anbaumethoden, welche die regionalen Lebensgrundlagen bewahren und
örtliche Kleinstrukturen opfert man der sogenannten konventionellen
Landwirtschaft und ihrem lobbyistischen Anhang und einer kleinen Gruppe
von Nutznießern. Betrug ist Gang und Gäbe. Überschüsse
zum Spottpreis zerstören über den Weltmarkt bäuerliche
Existenzen in fernen Ländern. Jeglicher Spaß am Beruf des
Landwirts ist durch überregionale Sachzwänge, unablässig
gesteigerte Bürokratie und paradoxe Rationalisierungsforderungen
zerstört worden. Der höchste Anteil unbesetzter Lehrstellen
existiert in der Landwirtschaft.
Schließlich wird die EU auch nicht wirklich für Wettbewerb
und Exportwirtschaft gebraucht. Dazu sind vor allem kluge ökonomische
Entscheidungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten von Nöten.
Wie wenig die EU in Zukunft gegen die Arbeitslosigkeit zu unternehmen
im Stande ist, lässt sich direkt aus den Verlautbarungen der
EU-Politiker zum Thema Wirtschaftswachstum ablesen. Wachstum der bisherigen
quantitativen Art zerstört Beschäftigung. Politiker die
Wachstum und Jobs in einem Atemzug als ertrebenswerte Ziele nennen,
haben die wichtigste Voraussetzung für eine Wende zum Positiven
nicht begriffen. Auch sie plappern nur selbstbewusst nach, was die
große Herde vorgibt und disqualifizieren sich damit als europadienliche
Entscheidungsträger.
Wenn die Europäische Union überleben will, kann sie dies
nur, wenn sie in erster Linie für die Menschen da ist. Sie sollte
zur Förderung einer wirklich demokratisch geprägten, mal
zurückhaltenden, mal entschiedenen Außenpolitik da sein.
Sie sollte die Funktion einer Art europäischen Sozialbehörde
innehaben, zum Ausgleich besonderer Härten bei den unterschiedlich
strukturierten Regionen, ohne diese Strukturen aber zu zerstören.
Sehr viel mehr Akzeptanz würde die Europäische Union erfahren,
wenn sie eben nicht eine Gemeinschaft der Staaten in Europa, sondern
der Regionen wäre, gewissermaßen wie eine Mischung
aus Ländertag und Länderrat. Die Zahl der Abgeordneten würde
dadurch nicht steigen. Europa muss eine ausgleichende und schützende
Ausstrahlung bekommen, fast schon wie eine Mutter aber auch wie ein
entschiedener Anwalt der Interessen seiner Bevölkerung gegen
allgegenwärtigen Wettbewerb und gesellschaftsschädliche
Profitabsichten von Großunternehmen. Eine neue EU fördert
das Zusammenkommen und die gegenseitige Hilfe, ohne aufdringlich zu
sein, fördert die Landwirtschaft nur noch beratend, aber schützt
sie vor liberalistischen Märkten. Sie kann die überregionale
Polizei- und Justizarbeit koordinieren
Und sie muss als zukünftige Wirtschaftsform statt der gegenwärtig
herrschenden kapitalistischen Planwirtschaft die Marktwirtschaft entwickeln
und einführen, genauer gesagt die Kategorische Marktwirtschaft.
Nur damit ist nachhaltige Beschäftigung zu initiieren und die
Lebensgrundlagen in Europa zu erhalten. Mittel- und langfristig würde
sie damit eine ökonomische Vormachtstellung im Welthandel bekommen
und konsequent Auswüchse der Globalisierung abwehren. Schließlich
würde sie diese einzig zukunftsverträgliche Wirtschaftsform
in alle Welt exportieren. Selbst für diese, wirklich wichtige
Aufgabe wäre der derzeitige Umfang der EU-Behörden und ihr
finanzieller Etat bei weitem zu groß.
Der "Spiegel" 23/05 fragt: "Schwenkt die EU auf
ein anglo-amerikanisches Wirtschaftsmodell ein, bei dem die Rendite
höher bewertet wird als die Sicherung von Arbeitsplätzen?
Oder gibt es einen kontinentaleuropäischen Gegenentwurf, der
die Sozialsysteme sichert, ohne in Protektionismus zurückzufallen?"
Den gibt es unter Vorgabe der Kategorischen Marktwirtschaft.
CCR
17.Juni
2005: Die EU steckt in einer Krise, sagen die Zeitungen.
Diese müssen es von den Politikern haben, denn jene sind nicht
zufrieden mit den undankbaren Bürgern. Sie sind aber auch nicht
zufrieden mit ihren Kollegen. Die Briten verteidigen hartnäckig
ihren Beitragsrabatt, den ihnen Maggi Thatcher vor vielen Jahren mit
der Handtasche erstritten hat. Die Franzosen dulden dagegen keinerlei
Abstriche bei ihren astronomischen Agrarsubventionen. Die Polen sind
sauer auf die Einschränkungen nach ihrem Beitritt und andere
wollen die Erweiterung am liebsten wieder rückgängig machen.
Für die jüngsten Eintrübungen der Konjunktur in Euroland
macht man sich gegenseitg Vorwürfe.
Die Gemeinschaft ist dahin gekommen, wo eine Staatenvereinigung hinkommen
muss, wenn sie, wie die EU, nur aus wirtschaftlichen und finanziellen
Gründen existiert. Diese gigantische "Geldumwälz-
und Richtlinienmaschine"(Rheinzeitung) schafft ihre Daseinsberechtigung
mittlerweile ausschließlich selbst. Inzwischen reicht ihr jährlicher
Etat an die 100- Milliardengrenze heran. Der Traum vom Europa der
Regionen, wo einerseits jeder seine individuelle Eigenständigkeit
und Souveränität behalten kann, überregionale Themen
aber andererseits effektiver an eine große Institution delegiert
werden können, ist im Profitdenken und in verselbstständigter
Bürokratie untergegangen.
Alle Subventionen, einige vielleicht sogar gut gemeint, führen
lediglich zu noch mehr Regulierung und Entmachtung regionaler Strukturen.
Mit den Jahren wurde so viel Papier produziert, dass beim besten Willen
keiner mehr durchblickt. Gemeinschaftlicher Besitzstand (Acquis communautaire)
nennt man die Summe aller Verträge, Vorschriften, Entscheidungen
und Entschließungen auf mittlerweile 85.000 Seiten. Jedes Jahr
kommen 2500 neue Rechtsakte dazu, 3000 Arbeitsgruppen tagen regelmäßig
in Brüssel. Warum wundert man sich überhaupt über die
Unzufriedenheit gegenüber diesem bürokratistischen Apparat,
dessen einziger, selbst erarbeiteter Besitz hallenweise Regulierungen
sind? Wie in den nationalen Regierungen haben auch die EU-Delegierten
jeden Bezug zu Problemen der Bevölkerung verloren. Wie mit einem
großen Einheitshobel soll alles standardisiert und erfasst werden.
Nicht umsonst wird die Europäische Verfassung in der Kern-EU
besonders deutlich abgelehnt, sei dies nun bei Staaten mit Referendum
oder bei solchen ohne. Hier fragen sich die Leute schon besonders
lange um eine nachvollziehbare Daseinsberechtigung dieses Blähprodukts.
Europa hat als Gemeinschaft nur eine Chance, wenn die EU sich auf
die Bewahrung der vielen regionalen, wie auf die gemeinsamen
Werte konzentriert. Gerade für Europa sollte in Abwandlung
des Einsteinzitats am Kanzleramt gelten: Die EU ist für die Europäer
da, nicht die Europäer für die EU. Dies kann nur bedeuten,
von der rein quantitativen Wachstumsideologie, die sogar in der Verfassung
festgeschrieben werden sollte, Abschied zu nehmen. Erst dann wird
Europa zum Bollwerk gegen die Grausamkeiten der Globalisierung und
zum Motor für den Aufbau einer nachhaltigen Witschaftsstruktur.
Betrachtet man das Regulierungs- und Vertragswerk der EU unter der
Maßgabe der Kategorischen Marktwirtschaft, wird über 95%
des Schriftwerks gegenstandslos, wie dessen Verfasser überflüssig.
Sämtliche nationalen wie europäischen Subventionen verlören
die Grundlage.
Regionale Produkte würden eher regionale Märkte versorgen.
Der Gesamttransportaufwandt in der EU würde rapide zurückgehen.
Pfälzer Kartoffeln wären in der Pfalz am billigsten, Allgäuer
Käse im Allgäu, Holsteinische Butter in Schleswig-Holstein,
Hunsrücker Wurst im Hunsrück, niedersächsisches Rindfleisch
in Niedersachsen, Seefisch an der Küste, Forelle und Karpfen
um ihren Zuchtteich im Inland, usw. Aber auch Waren außerhalb
des Agrarbereichs wie z.B. Baumaterialien und Konsumgüter wären
den weit transportierten Konkurrenzartikeln gegenüber günstiger.
Produkte, die von weiter her kommen würden teurer, aber auch
wertvoller. Der Aufbau regional orientierter Versorgungsstrukturen
wie Handwerksbetriebe, Kleinbauern oder Einmann/fraudienstleister
würde langfristige finanzielle Sicherheit bieten und eigendynamisch
endlich auch umgesetzt werden. Durch Abschaffung jeglicher Möglichkeiten
zur Kostenexternalisierung würde die europäische Wirtschaft
zunehmend arbeitsmarkt- und zukunftsverträgliche Technologien
entwickeln. In der Weltwirtschaft, wo die starken Länder derzeit
nur noch versuchen, so gut es geht die nationale Haut zu retten, könnte
die europäische Wirtschaft auf Jahrzehnte hinaus zum alles dominierenden
Faktor werden. Sie wäre Vorreiter für eine Entwicklung,
die sich weltweit durchsetzen muss, wenn wir den großen Kollaps
noch abwenden wollen.
CCR
16.Juni
2005: Der
große Globalo ist muskelbepackt mit breitem Ledergürtel
unter dem nackten Oberkörper. Drohend steht er vor der Weltwirtschaft
und unserer nationalen Wirtschaft und vor dem Volk, die Peitsche in
der Hand, sieht aus, wie ein brutaler Galeerenaufseher in Historienfilmen
über Roms Weltherrschaft vor 2000 Jahren.
Alle sind wir an die Ruder gekettet, einige schon zusammengebrochen
von der aufgezwungenen Anstrengung. Wer fleißig rudert, bekommt
besser zu essen, einige sogar einen Platz ganz oben, wo es fast schon
Spaß macht, sich den frischen Fahrtwind über das verschwitzte
Gesicht blasen zu lassen, verstärkt von der eigenen Anstrengung
beim Rudern, und vor allem durch die Anstrengungen der vielen Namenlosen
im dunklen Schiffsrumpf, von denen immer wieder einige nach oben getragen,
völlig ausgepowert, halbtot oder ganz, blutige Hände und
Peitschenwunden, auf der Strecke geblieben im wahrsten Sinne, dort,
wo man sie über Bord wirft.
Die AEG-Mitarbeiter in Nürnberg können rudern, so
viel sie wollen. Sie wurden zu Ballast erklärt auf der großen
Reise, und obwohl sie noch schwarze Zahlen schreiben, will der Mutterkonzern
Elektrolux sie loswerden, rein vorbeugend, um "einem weiteren
Preisverfall vorzubeugen".
Oben auf der Brücke sitzen welche, die nicht rudern müssen.
Die haben sogar zum Händewärmen ein Feuer angezündet.
Wo bloß das Brennholz herkommt?
Es wird für die Angeketteten immer schwieriger, an Essen zu kommen.
Es geht das Gerücht, am anderen Ende des Schiffs werde immer
mehr verbraucht. Die internationale Energieagentur will in
ihrem Monatsbericht keine Vorhersage zur Ölpreisentwicklung abgeben:"
Wie der Treibsand in der Wüste verändert der Ölmarkt
ständig seine Form und Struktur."
Die Meldungen der letzten Zeit, wonach an vielen Stellen in der Galeere
besser gerudert werde, als dort wo die Deutschen sitzen, stellt sich
immer mehr als eine Halbwahrheit heraus. Die skandinavischen Ruderer
lassen jetzt langsam auch nach. Die nordeuropäischen Staaten
haben kurz vor Einführung des Euro ihre Währungen stark
abgewertet, was ihrer Konjunktur für einige Jahre einen Vorteil
beschert hat. Aus
dem Sektor der amerikanischen und der englischen Ruderer hört
man, sie seien in letzter Zeit nur deshalb besonders gut gewesen,
weil sie sich durch Vernachlässigung ihrer Kinder besser auf
das Rudern konzentrieren konnten. In den Vereinigten Staaten
gibt es immer mehr Arbeitende, die trotz Vollzeitjob ihren Lebensunterhalt
nicht mehr bestreiten können. Die tatsächliche Arbeitslosenquote
wird durch die eigentümliche Erhebungsart in den USA stark verfälscht
und liegt mindestens um 100% über der offiziellen Zahl. Die Politik
hat diesen größten Bevölkerungsteil schon abgeschrieben
und konzentriert sich auf die Unterstützung der wirtschaftlich
Stärksten. Manche
der amerikanischen Galeerensträflinge sind immer öfter oben
auf der Brücke am Feuer zu sehen. -Wo haben die bloß
das Brennholz her?-
Wie andere fleißige Ruderer aus Industriestaaten sitzen sie
ohnehin an den sonnigsten Ruderplätzen oben an der frischen Luft.
-Wie kommen die bloß an die Schlüssel, um die Ketten abzulegen?-
Man hört sogar, die besonders kräftigen chinesischen Ruderer
und die aus Indien könnten sich nur deshalb so ins Zeug legen,
weil sie das Essen für ihre Kinder selbst verbrauchen. Die
Umweltverschmutzung hat in China unvorstellbare Ausmaße angenommen.
Ein direkter Zusammenhang mit dem Hochfahren der Produktion ist unverkennbar.
Ganze Landstriche sind mit Industrieabfällen kontaminiert, sauberes
Trinkwasser geht rapide zur Neige, Flüsse, vor allem in Städten,
werden zur Müllentsorgung missbraucht. Fachleute befürchten,
der chinesische Wirtschaftsaufschwung wird bald ein jähes Ende
finden, weil er sich rücksichtslos selbst den Boden entzieht.
Auch die Wachstumsstatistik in Indien ist nichts als ein Zahlenspielertrick.
Es werden nur enge Bereiche wie die Computer-, Stahl- und Bekleidungsindustrie
beachtet, während indische Bauern in einer dreistelligen Millionenzahl
hoffnungslos verschuldet sind. Wenig privilegierte Regionen verzeichnen
großes Wachstum, während der große Rest verelendet.
Nachts fällt von dem Feuerschein oben etwas Licht auf die Rudernden
darunter. -Wo die bloß das Brennholz herhaben?-
Gestern erzählte man sich, jemand der Mutigsten habe den Aufseher
gefragt, wohin das Schiff denn eigentlich fahre. Die Antwort war ausweichend,
es hieß, der Weg sei das Ziel. Nunja, da wird es wohl noch eine
ausführlichere Antwort geben. Vielleicht später noch einmal
fragen. Einer neben mir will ein Gespräch belauscht haben von
einem derer, oben am Feuer mit dem Aufseher. Er soll sich nach den
Möglichkeiten zur Erhöhung des Rudertaktes erkundigt haben,
weil dann der Fahrtwind die Flammen so schön anfache.
Und noch etwas hört man: Immer mehr Leute müssen die Ruderzeit
unterbrechen, werden hinunter geschickt, um eindringendes Wasser rauszuschöpfen.
Immer öfter sollen Stücke der Außenplanken fehlen,
das Schiff wird löchrig. Wer bloß diese Holzstücke
herausbricht?
CCR
15.Juni
2005: So
langsam drängen sich die Hardliner in der CDU ins vordere
Rampenlicht. Je näher der Termin für die Vorlage des angekündigten
Wahlprogramms rückt, desto weniger werden die eigentlichen Strippenzieher
unter den Unionisten ihre radikale Ideologie hinter dem unsicheren
Lächeln ihrer Frontfrau zurückhalten wollen. Das prächtige
demoskopische Feuerwerk scheint derzeit jeden noch so wirklichkeitsfernen
und der eigenen Tasche dienlichen Furz dieser Partei zu begrüßen.
Offensichtlich will man Angela Merkel so früh wie möglich
überrumpeln, bevor sie eine Chance hat, auch den sozialen Flügel
ihrer Partei in die ausstehenden Programmpunkte mit einzubeziehen.
Beobachter mit überdurchschnittlich langem Gedächtnis wissen
schon jetzt, dass hierbei abermals eine "Mogelpackung"
(Süddeutsche Zeitung) herauskommen wird.
Unmissverständlich hat der Wirtschaftsrat der CDU Anfang
der Woche seine Forderungen auf den Tisch geknallt. Ihm gehören
über zehntausend Unternehmer und etliche prominente Politiker;
wie CSU-Landesgruppenchef Michael Glos oder der sogenannte Finanzexperte
Friedrich Merz (-Finanzexperte ist Merz natürlich nur zum Vorteil
seiner Klientel, nicht zum Wohl der Gesamtgesellschaft-), an.
Der Präsident dieser Radikalengruppe Kurt Lauk geht hart zur
Sache und wiederholt sämliche Forderungen, die das Herz jedes
Scheuklappenkapitalisten höher schlagen lässt. Der "linke"
Flügel und einige CDU-Landespolitiker haben Mühe, den beißenden
Qualm zu relativieren und zu vermitteln, dass dieser nicht von einem
Flächenbrand stamme, auch wenn man Edmund Stoiber weiter zündeln
sieht. "...den Sozialstaat nur umbauen, nicht abbauen,...auf
soziale Ausgewogenheit achten,...es geht nur um Formulierungen,...bei
mehr Wirtschaftswachstum und Beschäftigung keine Einschränkungen
bei Erfüllung sozialer Aufgaben," - usw., usf.
Was uns von dieser Chaostruppe droht, liegt irgendwo zwischen der
SPD-Politik aus der Zeit vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein
und der Inangriffnahme einer restlosen Ausschlachtung noch verbliebener
Recourcen der Durchschnittsbevölkerung. Und immer wieder ertönt
die gleiche Fanfare: "Für Wachstum und Beschäftigung!"
Dass Wachstum nicht zu Beschäftigung führt, spricht sich
langsam herum. Wie lange dauert es aber, bis wenigstens die deutschen
Journalisten quantitatives Wachstum als den eigentlichen Motor der
Arbeitslosigkeit erkennen und auch den Mut finden, gegen bräsige
Fachidioten aus der ökonomischen Premiumklasse, die sogenannten
Wirtschaftsweisen und ihren unsäglichen Anhang, anzuschreiben.
( - liebe Damen und Herren Publizistikkollegen, lesen Sie bitte Teil
2, zumindest die Kapitel 6), 7) und 8) -). Wieso ist es für Journalisten
denn so völlig weltfremd, dass ein Stimulanzium aus den 1960ern
in heutigen Zeiten direkt giftig wirkt? Bekämen wir nicht eine
wesentlich erfolgversprechendere Diskussion zum Thema -Wie schaffen
wir dauerhafte Arbeitsplätze?-, wenn wir nicht bei jeder
neuen Idee gleichzeitig auch dem ach so gottverdammten goldenen Kalb
huldigen müssten?
Für den Wirtschaftsrat der CDU ist jegliche neue Erkenntnis Feind.
Die einzige Erklärung dafür ist überbordende Ignoranz
oder blanke Dummheit, oder vielleicht etwas mitfühlender analysiert,
Krankheit. Diese Leute müssen krank sein, infiziert von Sucht,
ähnlich den meisten Politikern. Aus ihnen wird erst dann etwas
Neues herauskommen, wenn es ihnen irgendwann selbst oben herauskommt.
Und, - sie machen ihre Profite, indem sie der Gesellschaft langfristigen
Schaden zufügen. Einzig die Externalisierung von sozialen und
ökologischen Kosten auf die Allgemeinheit und die nachfolgenden
Generationen, befähigt sie noch zum Einfahren von Gewinnen.
Dass diese Externalisierungspraxis gegen mehrere Artikel der Verfassung
verstößt, habe ich in Teil 2 ausgeführt. Für
viele wird es zwar befremdlich klingen, aber der CDU-Wirtschaftsrat,
wie auch andere Unternehmerverbände, ist in Wahrheit eine verfassungsfeindliche
Organisation.
Schließlich frage ich mich: was ist eigentlich mit denjenigen
Unternehmern, die Zweifel haben? Wo organisieren sich Betriebseigner,
denen der außer Kontrolle geratene Wildwuchs ökonomischer
Sachzwänge schlaflose Nächte bereitet, die viel lieber unter
den bewährten Bedingungen vergangener Jahre wirtschaften würden,
mit den bekannten Beschäftigten ihrer Region, statt sich über
eine Betriebverlagerung Gedanken machen zu müssen, denen bewusst
ist, dass zur Produktion auch der Absatz gehört, zum Absatz die
Kunden und in die Tasche des Kunden das nötige Geld, die einen
Zusammenhang zwischen der Produktivität ihres Betriebs und der
Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter sehen und zwischen dieser Zufriedenheit
und einem gewissen Maß an Sicherheit. Was ist mit Unternehmern,
die beispielsweise in Verantwortung auch für ihre eigenen Kinder
den Betrieb gern auf regenerative Energieversorgung umstellen, sich
unter den herrschenden Bedingungen aber gegenüber der Konkurrenz
gefährlich benachteiligen würden? Wo stehen die Chefs, die
innerlich nicht akzeptieren wollen, wie unser Land von der sogenannten
Globalisierung überrollt wird, die das Fünkchen Wahrheit
in der Heuschreckenschwarmparabel durchaus erkennen, aber konservativ
sind? Was sagen diejenigen, deren Unternehmen durch entsprechende
Produktionsorganisation auf die Ausnutzung von Externalisierungeffekten
weitgehend verzichten können und trotzdem Gewinne einfahren und
Beschäftigung sichern? Sie sind die wahren "Leistungsträger
unserer Industriegesellschaft"( FDP), und werden aber innerhalb
unseres derzeitigen Wirtschaftssystems mit den Schmarotzern in einen
Topf geworfen.
Ich finde, wir brauchen
eine neue Qualität von Unternehmerorganisation, Leute mit Rückgrat
und Mut, die auch den politischen Waschlappen entgegentreten, solange
Deutschland noch ein souveräner Staat mit auch ungewöhnlicher
Handlungsfähigkeit ist. Wir brauchen die "Unternehmer für
die Kategorische Marktwirtschaft".
CCR
14.Juni
2005: Urteil
des Sozialgerichts Dresden von gestern: Rentner müssen
die Nullrunde des vergangenen Jahres und auch die zusätzliche
Belastung mit Sozialbeiträgen hinnehmen. Begründung
der Richter: Beides war zulässig, um "die Funktionsfähigkeit
der gesetzlichen Rentenversicherung zu erhalten". Die Revision
beim Bundessozialgericht wurde zugelassen.
Meldung von Samstag: Alle Rentner erhalten in diesen Tagen die Anpassungsmitteilung
für ihre ab Juli zu erwartende Rente. Brutto ändert sich
nichts, -Nullrunde eben-, doch netto wird weniger ausbezahlt, weil
der neue Sonderbeitrag zur Krankenversicherung einbehalten wird. Dies
bedeutet für die Rentnerinnen und Rentner eine Kürzung um
0,45 %.
Der Bockmist unserer Politiker wird zunehmend auch gerichtlich abgesegnet.
Die Opportunisten in Roben verkennen dabei, dass die Funktionsfähigkeit
der Rentenversicherung ja nicht erhalten, sondern der Zusammenbruch
nur um ein Paar Monate verschoben wird. Unbewusst segnen die Richter
von der Politik begangene, verhängnisvolle Fehler auch noch ab,
statt zur schnellstmöglichen Umsteuerung den Finger in die Wunde
zu legen. Ein solches Urteil, wie das aus Dresden, bestärkt in
Berlin die schlafenden Schlawiner hinter Schlipsen in ihrem gewohnten
Geschachere.
Bis heute gibt es keine nachhaltigen Konzepte, wie es mit der Rentenversicherung
weiter gehen soll. Es scheint unter Politikern in Einflusspositionen
niemanden zu geben, der das jeweilige Ende bedenkt und deshalb frühzeitig
statt Populärschüssen aus der Hüfte das langfristig
Richtige entscheidet. Wie ist es zu erklären, dass die Ostrenten
nach der "Deutschen Einheit" nicht aus Steuermitteln finanziert
wurden? Jedes Kind lernt in der Schule um die Eigenschaft einer Kasse
bald leer zu sein, wenn man mehr herausnimmt, als man einzahlt, wie
bei der Rentenkasse. - Nunja, Politiker ist eben kein Ausbildungsberuf.
Man braucht keine Lehrstelle, keinen Gesellen- oder Meisterbrief und
kein Diplom oder sonstiges Papier, außer der maßgeschneiderten
Uniform eben nur breite Ellenbogen und eine große Klappe.
Rentennullrunden, während notwendige Wahren sich verteuern oder
gar Kürzungen, sind auch angesichts des gestern kommentierten
Lohnerhöhungsgebrülle ein Skandal. Das Hauptargument, die
Kaufkraft zu verbessern, wird in der Rentendiskussion einfach unterschlagen.
Für die Erhaltung der Renten kann der Staat schließlich
keine lange Debatte anschließen. Die Forderung ginge an sich
selbst, worauf nur ein Nein oder ein Ja folgen kann. Eventuelle Lohnerhöhungen
jedoch, müssen andere bezahlen, was endlose Diskussionen erlaubt,
bis die Sache zerredet, zermahlen allen resigniert zum Halse heraushängt.
Dies ist moderne Politik im Zeitalter der Pfründebewahrung.
Wie soll aber die Rentenversicherung der Zukunft aussehen?
Kann es angesichts der Tatsache, dass es immer mehr Rentner und immer
weniger Sozialversicherungspflichtige gibt, überhaupt eine nachhaltige
Lösung geben? Der Vorschlag, die Renten aus Steuermitteln zu
sponsorn ist eine Milchmädchenrechnung. Radikale Kürzungen,
während die Reichen noch reicher werden, bringen den sozialen
Frieden noch mehr ins Wanken, führen letztendlich in die Radikalität.
Außerdem wird die Summe der Marktteilnehmer noch weiter reduziert.
Die Lösung liegt in zwei Erkenntnissen:
1) Die Hilfe, die ein Mensch im Alter braucht, besteht aus
zwei Säulen, der Hilfe in Form von Geld und der Hilfe
in Form von menschlicher Arbeit. Derzeit wird diese menschliche Arbeit
haupsächlich über die erste Säule, über Geld gesichert.
Rentner brauchen Geld um einkaufen zu können, um ihre Miete zu
bezahlen, um Urlaub machen zu können, um bei Gebrechlichkeit
eine Pflegeleistung bezahlen zu können, usw. Nur das Erstere
davon ist ausschließlich durch Geld zu bekommen. Alles andere
ist theoretisch auch ohne diesen Umweg sicherstellbar. Die Miete entfällt,
wenn der Mensch in seiner arbeitsfähigen Zeit entweder eigenen
Wohnraum geschaffen hat, oder ein Wohnrecht in einer alternativen
Wohnform, etwa einer Wohngemeinschaft, einem Verein zur Schaffung
von Wohnraum im Alter oder Ähnlichem. Auch den Urlaub kann man
an Orten machen, die man früher tatkräftig mit aufbaute,
oder, nach Tausch mit anderen früher in gleicher Weise aktiven
Rentnern, an neuen, unbekannten Orten. Pflegeleistungen kann man kostenlos
erhalten, wenn man entweder früher selbst Pflegeleistungen an
damaligen Rentnern direkt geleistet hat oder indirekt durch Arbeitstausch
diese Leistungen auf seinem individuellen Zeitkonto verbuchen konnte
(siehe Beispiel Japan).
2) Die Vorleistungen, die ein Mensch im Arbeitsleben zur Alterssicherung
aufbringen kann, besteht theoretisch ebenfalls aus zwei Säulen,
der finanziellen, in Form von üblichen Rentenbeiträgen und,
bisher von fast allen "Rentenfachleuten" nicht erkannt,
der tatkräftigen, in Form von Arbeitsleistungen. In wirtschaftlich
schweren Zeiten wie heute, gibt es immer weniger Menschen, die diese
erste Säule, bis heute auch weitgehend die Einzige, aufbauen
können. Dies führt bekanntlich zur beständigen Abschwächung
dieser Säule für die Alten. Im privaten Bereich existiert
die zweite Säule durchaus. Mehr noch : Sie ist sogar vermischt
mit anderen Bereichen sozialer Arbeit wie: Kinder großziehen,
Hausfrauenarbeit, Familie unterhalten, Großeltern helfen, usw.
Wieso sollte sich dies nicht auf die Gesamtgesellschaft übertragen
lassen? Nicht auszudenken, wie viele Einzahlungen in Form von Arbeitsstunden
von den 8 Millionen Arbeitslosen für die Alterssicherung geleistet
werden könnten.
Jeder sollte sich aussuchen können, wieviel er jeweils in Form
von Geld oder in Form von Arbeitsleistung in seine Altersabsicherung
einbringt. Alle Bürger müssen in den gleichen Topf einzahlen.
Die durchschnittliche Arbeitsleistung, neben der Geldleistung, wird
schätzungsweise bei zwei Jahren liegen. Arbeitslose würden
mehr Arbeit, Gutverdienende mehr Geldleistung einbringen. Ein Manager
beispielsweise könnte sich freikaufen, indem er 2 Jahre lang
die Arbeit eines Anderen bezahlt. Dabei darf nicht unterstellt werden,
man bekäme im Alter nur dann kostenfrei die Windeln angezogen,
wenn man früher selbst alte Menschen in Windeln gebracht hat.
Die Arbeiten können getauscht werden, Stunde gegen Stunde. Ein
Maurer würde ohne Nettoverdienst am Bau eines Altenheims mitarbeiten,
ein Baustoffhändler das Material liefern, ein Architekt kostenlos
Pläne zeichnen. Sogar Überkreuzungen wären denkbar.
Der Maurer baut am Haus eines Altenpflegers, dafür leistet der
entsprechend mehr direkte Facharbeit, usw. Die Rentenversicherer müssten
neben den finanziellen Konten auch Zeitkonten führen. Die Arbeitsleistungen
müssten angemeldet und bestätigt werden. Die mögliche
Vermischung mit anderen sozialen Bereichen, wie schon jetzt bei Tätigkeiten
im privaten Alltag sollte gleich mit berücksichtigt und eingebaut
werden, eventuell, teilweise Anrechnung der Kindererziehung, soziales
Pflichtjahr für Jugendliche, Ehrenämter, etc. Wem die Leistungen
dieses allgemeinen, für jeden Bürger pflichtigen Grundsystems
zu wenig sind, kann aus eigener Tasche eine zusätzliche Privatrente
finanzieren.
Wir bekämen ein zukunftssicheres, krisenfestes Sozialsystem mit
einem menschlicheren Antlitz.
Doch leider hat dieser Vorschlag einen entscheidenden Nachteil: Auf
Arbeitsleistungen zur Altersicherung kann der Staat natürlich
nicht auch noch Steuern erheben. Unser Bruttosozialprodukt würde
erheblich sinken. Doch dieses ist leider das goldene Kalb unserer
"Volksvertreter".
CCR
13.Juni
2005: Deutschlands
SPD-Führer fordern jetzt höhere Löhne.
Nach der durchsichtigen Kapitalistenschelte vor wenigen Wochen vollführt
Müntefering die nächste Pflichtübung nach dem wieder
ausgegrabenen Handbuch für sozialistische Politik. Mal
gucken, ob unter dem klebrigen Agenda-Belag noch etwas rote Farbe
freigeputzt werden kann. Zumal jetzt, wo links von den sogenannten
Sozialdemokraten ein
neues Lager aufgeschlagen wird.
Die Durchsichtigkeit dieser Wendemanöver ist zwar besonders peinlich,
doch scheinen die Strategen von ihren Wähleranalysten grünes
Licht bekommen zu haben. Immerhin ist das Gedächtnis der Wähler
wenig länger und beständiger, als eine Bartstoppel. Erst
kritisiert man die Gewerkschaften, dann nimmt man deren Forderungen
in den Mund. Es wird nicht lange dauern, bis Sommer und Kollegen wieder
die SPD empfehlen.
Die Schwammigkeit der neuen Taktik ist dabei der eigentliche Trick:
"Wo es wirtschaftlich vertretbar ist, sollten angemessene
Einkommensverbesserungen realisiert werden", sagt Minister
Clement. In diesem Satz sind gleich drei Aufweichungen enthalten,
- wo vertretbar, sollten und angemessen-, die,
sobald wahltaktisch nicht mehr nötig, das ganze Theater vollautomatisch
zu Grabe tragen.
Die Unionisten kontern voraussehbar. Merkel will Flexibilisierung
am Arbeitsmarkt, wobei man angesichts ihres kindlichen Verständnisses
dieses hochkomplexen Themas nur das Schlimmste erwarten kann. Zwar
ist es nicht gleich falsch, dass durch eine Lockerung der Bestimmungen
im Betriebsverfassungsgesetzes, die Betriebsräte in den einzelnen
Unternehmen individuelle Tarifverträge abschließen können.
Wenn man sicherstellen kann, dass die verhandelnden Betriebsräte
nicht über den Tisch gezogen werden, ist der Machtverlust der
Gewerkschaften nicht sehr tragisch. Eine solche Dezentralisierung
der Arbeitnehmervertretung brächte den Regionen Vorteile. Auch
wirkt eine verordnete Lohnerhöhung von oben mit Sicherheit "arbeitsplatzvernichtend",
wie vom Vorsitzenden der Mittelstandsunion geäußert.
Allerdings existieren bei keiner Partei derzeit vernünftige
und logisch nachvollziehbare Strategien, mit welchen die Massenarbeitslosigkeit
tatsächlich beseitigt werden kann. Lohnerhöhungen, also
die Verteuerung menschlicher Arbeitskraft, müssen innerhalb des
herrschenden Wirtschaftssystems zwangsläufig kontraproduktiv
ausgehen. Sie vergrößern lediglich den Abstand zu den Kosten
für den einzigen Konkurrenten auf dem großen Marktplatz
für Arbeitskraft, der technischen Arbeitsenergie.
Diese ist mit vielfältigen Variationen, in Form von Maschinen,
Anlagen und Transportmitteln für jeden Unternehmer verfügbar,
will keine Sozialleistungen, Rentenbeiträge, oder Urlaub, streikt
kaum, hat keine Interessenvertretung und lässt sich ohne Murren
nach Tschechien verlagern.
- Hier müssen wir ansetzen, denn die Anwendung der technischen
Arbeitsenergie beschert uns einen gigantischen Berg von Folgeschäden,
die von den Anwendern, den Produzenten und Konsumenten, nicht bezahlt
werden. Wenn wir diese sozialen und ökologischen Kosten den verursachenden
Produkten und Dienstleistungen als Preisaufschlag zuordneten, bekämen
wir erst objektive und gerechte Verhältnisse, unter denen menschliche
und technische Arbeitskraft gesellschaftsverträglich konkurrieren
könnten.
Die in jeder Branche vorhandene, kalkulatorische Grenze, ab wo sich
der Einsatz menschlicher Arbeitskraft nicht mehr rechnet und technische
Arbeitsleistung günstiger wird, verschiebt sich je nach Gewerke
unterschiedlich weit in Richtung Arbeitskraft. Lohnerhöhungen
müssen die Gewerkschaften dann nicht mehr fordern und Politiker
nicht mehr verordnen, sondern sie werden von den Unternehmern im eigenen
Interesse beschlossen.
CCR
12.Juni
2005: Interview
mit Buchautor und "Spiegel"-Publizist Jürgen Leinemann
in Publik-Forum 11/05 über Politik als Droge und Politiker
als Süchtige.
Wie in seinem Buch "Höhenrausch" versteht Leinemann
den Begriff der Droge als Metapher, um das eigentümliche Gebahren
unserer "Volksvertreter" zu erklären. Er beschreibt
eindeutige Suchtsymptome, die bei fast allen Politikern zu Tage treten.
"Beeinträchtigung der Wahrnehmung von Wirklichkeit",
"geradezu habituelles Verhalten um unbequeme Sachen zu unterdrücken
und wegzudrängen". "Macht ist nur ein Teil der
Doge Politik", süchtig sind diese Leute auch nach "Arbeit,
Erfolg, öffentlichem Applaus, Scheinwerferlicht, Mikrofonen unter
der Nase", usw.
Gesteuert wird diese Sucht auch von Angst. Angst vor Bedeutungsverlust,
- Heide Simonis:" Und was wird aus mir?",- Angst
vor Entlarvung, dass die Dürftigkeit des von ihnen Erreichten
ans Licht kommt, Angst vor der feindliche Übernahme ihrer Position
durch Mitsüchtige in der eigenen Partei, Angst davor, die sorgfältig
aufgebaute Fassade könnte einmal nicht halten.
Gegen die Ängste helfen "die Rituale der Bedeutung".
Leinemann: "Wolfgang Thierse nennt das Wichtigkeitsdrogen."-
Das hinterherlaufende Fernsehteam, extra abgestellte Sicherheitsleute,
Reisen, nie mehr am Telefon warten, "Vaclav Havel hat gesagt,
einer, der es gewohnt ist, dass andere ihm die Telefonverbindungen
herstellen, ist nicht mehr derselbe wie zuvor." Dabei liefern
die Journalisten oft die "Wichtigkeitsdrogen". Leinemann
kritisiert hier Vertreter seiner eigenen Zunft, "da wird alles
oft eine Nummer zu groß und morgen ist es dann wieder vorbei.
So wird Irrealität erzeugt."
In gewisser Weise sind Politiker tatsächlich Volksvertreter.
"Sie verkörpern eine Haltung, zu der wir alle neigen.
Wir leben in einer Suchtgesellschaft. Weil den meisten von uns das
Wichtigste fehlt, das, was wir am meisten brauchen - innere Sicherheit,
Glaube, Liebe, Zuversicht, Hoffnung - weil wir das nicht haben und
uns leer und unzufrieden fühlen, suchen wir Ersatz. Wir betäuben
uns mit Arbeit, mit Reisen, mit Schallplatten, Computern, Handys,
Sex." Für Leinemann sind Politiker nicht nur einsam,
sie haben "häufig nur noch verkümmerte Kenntnisse
von der Situation, wie Menschen im Alltag leben."
Nur wenige Ausnahmen sieht Leinemann unter unseren Politikern: "Besser
gewappnet sind alle, die etwas haben, was größer ist als
sie selbst". So haben Christen (offenbar nicht zu verwechseln
mit CDU/CSU-Mitgliedern), Humanisten oder auch Sozialisten etwas mehr
Widerstandskraft.
Meldung in der Zeitung
vom 10.6. zum "Festival für junge Politik - Berlin 05",
veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung, dem
Familienministerium und dem Bundesjugendring. Mehr als 10.000 Teilnehmer
und ebenso viele Tagesgäste werden zu 300 Workshops, Vorträgen
und Diskussionen erwartet und sollen politische Ideen austauschen.
Auf dem Foto über der Meldung sieht man Kanzler Schröder
neben einer jungen Frau, die die Rückseite ihres T-Shirts ins
Bild hällt. In der Meldung heißt es, darauf würde
stehen:"Politik macht sexy".
Doch das stimmt nicht ganz. Neben Schröder, der die Hände
geöffnet in Brusthöhe hällt
und mit breitem Mund herzlich lacht als würde er HEUREKA rufen,
sieht man die Worte und Zeichen: Politik. Macht. sexy. - wobei
das Wort sexy in Schreibschrift geschrieben wurde. Es handelt sich
also nicht um einen Satz, sondern deutlich erkennbar, -Macht ist groß
geschrieben-, um drei untereinander gedruckte Worte.
Und Schröder ist begeistert. Seine ganze Haltung gibt bekannt:
-Ich habe es gefunden!-, oder -Das ist es!-. Ob er jetzt
erleichtert ist? Das Hauptwort -Macht.- als wichtigster Teil
der Droge -Politik.- wird auf dem T-Shirt direkt darunter abgedruckt
und sogar ergänzt durch das Adjektiv -sexy.-. Jetzt scheint
jedes Leugnen sinnlos, es ist heraus, die Jugend bringt es an den
Tag! Macht und Sex stehen in direktem Zusammenhang. Da dies bei den
meisten Menschen aber nicht so ist, muss es sich hier um eine Art
Perversion handeln. Wie soll man dies verstehen?
Würde es sich nicht lohnen, hierzu eine Studie zu erstellen?
Ist für einige Leute Sex ohne Macht nicht möglich? Werden
viele Politiker eben dies, weil sie sonst keinen Sex bekämen?
Tragen Politiker deshalb Maßanzüge, weil diese besser Ausbeulungen
kaschieren können? Führt Machtgewinn bei weiblichen Politikerinnen
zu vermehrten Ausstoß von Ovulationskoppulinen? Warum sind Angela
Merkels Lippen seit der NRW-Wahl röter als vorher? Oder was passiert
gar hinter Rednerpulten wenn die Hände nicht oben sind und geraten
Vortragende eben nicht nur oben in Wallung? - Fragen über Fragen.
Das beste wäre, wir würden die Politik der Politiker in
eine Nebennische, eine Art Reservat auslagern, raus aus dem Fokus
des Alltags und versorgt mit einem Minimaletat und einer wirklichkeitsgetreuen
Illusion von Macht. Dann könnten sie sich austoben, ohne unserer
Gesellschaft weiter zu schaden, und wir könnten endlich effektiv
zur eigentlichen Tagesordnung übergehen, die liegengelassenen
Probleme lösen und uns um die Aufarbeitung unserer Süchte,
unserer Unzufriedenheit, wie um eine längst überfällige
Perspektive ohne Ersatzbetäubungen kümmern.
CCR
11.Juni
2005: Seit
gestern gibt es offiziell ein neues Linksbündnis. Mit
den beiden Gallionsfiguren Oskar Lafontaine, "dem letzten Sozialdemokraten"
und Gregor Gysi, "dem wortgewandten Sozialisten", ist ein
Erfolg bei der Bundestagswahl im Herbst garantiert. Zusammen mit der
neuen Formation WASG wird dem Projekt bis zu 18% vorausgesagt.
Von den Pressejournalisten im Lande kommt leider immer noch keine
objektive Berichterstattung. In strenger Kontinuität des Dauerbeschusses
und der Häme gegen Lafontaine seit dessen Rücktritt, schmiegt
man sich lieber weiter an den hinter seriös scheinenden Fassaden
verborgenen politischen Dilletantismus der Altparteien. Streng nach
dem Motto: "was der Bauer nicht kennt, isst er nicht".
So hat auch Karrikaturist
Haitzinger in der Rhein-Zeitung, ansonsten von mir sehr geschätzt,
wieder mal einen Aussetzer. Er zeichnet Schröder und Müntefering
romantisch als Ehepaar im Mondschein sitzend, während von hinten
Lafontaine und Gysi als Vampire mit langen Eckzähnen heranfliegen
und Müntefering sich sorgenvoll den Hals hällt. - Nunja,
die Stimmen von Teilen der SPD-Wähler fliegen den neuen Linken
allerdings von alleine zu. Da braucht man weder flattern, beißen,
noch saugen.
SPD-Generalsekretär Benneter geht schon mal die Muffe, wenn er
den saarländischen Sturkopf zum "Selbstdarsteller"
und "Schönwetterpolitiker" reduziert, nur weil dieser
damals den historischen Schwenk seiner Partei hin zu einer Politik
gegen die Schwachen im Lande nicht mitmachen wollte.
In einer anderen Aussage Benneters liegt aber doch ein Stück
Wahrheit: "Die Vereinigung weiß eigentlich nur, wogegen
sie ist - das wird nicht ausreichen." Konzeptlosigkeit ist zwar
kein Hinderungsgrund, um an die Macht zu kommen; das beweist schon
der Aufschwung der CDU in den Umfragen. Und, für das Falsche
zu sein, kann tragischer für unsere Gesellschaft enden, als gegen
es. Jedoch muss gerade eine neue politische Bewegung sich die Existenzberechtigung
erst einmal erkämpfen, und dafür wollen wir Alternativen
zur Politik des Zeitgeistes sehen. HartzIV nur wieder abschaffen zu
wollen, ist kein dauerhaftes Programm. Die neue Partei wird die Katze
bald aus dem Sack lassen müssen, vorausgesetzt, es ist eine drin.
Die derzeit einzige Alternative zur weltweit unangefochtenen
kapitalistischen Planwirtschaft und deren goldenem Kalb -Wirtschaftswachstum-
ist die Kategorische Marktwirtschaft, wie sie auf dieser Website skizziert
wird. Sie bringt nicht nur den Schwachen im Lande ein dauerhaft sicheres
Mindestmaß an Sicherheit und Würde, sondern stutzt auch
alle anderen bedenklichen Auswüchse der Industriegesellschaft
langfristig auf ein gesellschaftsverträgliches Maß zurück.
Man darf gespannt sein, was die neue Linkspartei demgegenüber
anzubieten hat.
CCR
10.Juni
2005: Drei Meldungen in der gestrigen Zeitung: 1) Eine positive
Zwischenbilanz des "Ausbildungspaktes" für das
laufende Jahr haben Politik und Wirtschaft gezogen. Die Gewerkschaften
sehen das Erreichte allerdings sehr kritisch. 2) Die Verbraucherinsolvenzen
in Deutschland sind im ersten Quartal 2005 um 35,7 Prozent gestiegen.
3) Ein neues Forschungsprojekt soll die Armutsentwicklung in
Ostdeutschland untersuchen. Dabei soll sich der Blick auf die ländlichen
Gebiete konzentrieren, die der Öffentlichkeit gegenüber
den Situationen in den Städten bisher eher verborgen geblieben
sind.
Allen drei Nachrichten gemeinsam ist die Wiederspiegelung des unaufhaltsamen
Niedergangs unserer Gesellschaftssubstanz. Da gibt es die Einen, die
Gesundbeter in der Politik, völlig machtlos und inkompetent,
die nicht sehen wollen, dass eine Wirtschaft, die immer weniger menschliche
Arbeitskraft braucht auch auf die Ausbildung dieser Arbeitskräfte
zunehmend verzichten kann.
Dann gibt es die Anderen, am langen Hebel, denen die angedachte Ausbildungsplatzabgabe
schlecht in den Kram passen würde und deshalb abermals medienwirksam
den Schafspelz anlegen und mit "Volksvertretern" in Armanianzügen
einen, Ausbildungspakt genannten, Heißluftballon steigen lassen.
So gewinnt man wieder ein paar Monate, bis die Wirkungslosigkeit wie
immer offensichtlich wird. Vielleicht folgt dann der "Ausbildungsschwur",
und danach die "Ausbildungsblutsbrüderschaft" mit Winnetoulike
Pulsadern ritzen und zusammendrücken. Selbstverständlich
Lagerfeuer mit Mehlhäufchen in die Flammen schmeißen, damit
es blitzartig auflodert und das Publikum "Ohhhhhh" sagt
und "Ahhhhhh" und brav wieder Kreuzchen macht, einmal hier,
einmal da. - Naja, wäre wohl zu heftig. Die Wirtschaftler könnten
sich zwar nicht mit Machtgeilheit anstecken, wohl aber mit niedrigerer
Halbwertszeit und Abhängigkeit von demokratischer Legitimation.
Fairerweise muss man sagen, dass es auch Unternehmer gibt, eher Chefs
von kleinen und mittelständigen Unternehmen, denen die Entwicklung
zunehmend Sorge bereitet, die gerne mehr ausbilden würden sich
damit aber gegenüber der gnadenlosen Konkurrenz benachteiligen
würden, denen die Zukunftsaussichten des nationalen Standorts
angesichts der dünner werdenden Decke qualifizierten Nachwuchses
nur noch Kopfschütteln entlocken. Doch auch sie machen den verhängnisvollen
Fehler, behaftet mit gefärbten Scheuklappen, nicht nach der wahren
Ursache für die Entbehrlichkeit von menschlicher Arbeit zu suchen.
Und die Gewerkschaften? Sie begnügen sich damit hier Gegenpol
zu sein, statt als solcher zu agieren. Sommer sonnt sich in seinen
Allerweltsanalysen und stellt Forderungen, die innerhalb des Systems
keinerlei nachhaltige Wirkung zeigen würden. Das dynamisch destruktive
und alles beherrschende Netz von wirtschafts- und gesellschaftspolitischen
Sachzwängen lässt sich nur durch die Umsetzung der Kategorischen
Marktwirtschaft zerreißen. Doch bräuchten wir dann noch
Gewerkschaften?
Und dann diese Zahl, 185.000 Lehrstellen würden fehlen. - Hat
sich schon einmal jemand die Mühe gemacht, zu überlegen,
wie viele Jugendliche mit Ausbildungsplatz diesen nur annahmen, weil
ihr Traumjob nicht mehr im Angebot war? Appeliert wird, "berufliche
Mobilität" zu zeigen, "Vermittlungsangebote der Arbeitsagenturen
und der Kammern" zu nutzen. Wenn das Mittagessen wieder mal ausfällt,
sollen sie doch wenigstens trocken Brot fressen.
Die beste Leistung bringt man in der Arbeit, die einem Spass macht.
- Ich weiß: -sollen doch froh sein, dass überhaupt; -wir
konnten früher auch nicht; -wenn jeder machen könnte, was
er..., -wo kämen wir denn hin und so, -Arbeit ist Arbeit und
Spaß ist Spaß.
-- Wie gesagt und trotz aller Dementi: Der Mensch ist ausschließlich
für die Wirtschaft da! Und die pfeift auf den Menschen, erst
recht auf seine Natur! Genauso tut es das Bildungssystem. Abschreckend
bis ins Mark tötet es frühzeitig jede Begeisterung. Und
dann kann die Wirtschaft klagen: mangelhafte Ausbildungsreife der
Schulabgänger, schwaches mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen
und unzureichende Rechenfertigkeiten.
Und: Unsichere wirtschaftliche Perspektive. Da wären wir bei
den anderen zwei Meldungen. Ohne gesellschaftliche Notwendigkeit,
Verlust der Arbeit, bzw. ohne Ausbildung schon gar keine Arbeit. Die
Folgen nennt man dann Verbraucherinsolvenz. Die Armut auf dem Land
kann man natürlich untersuchen, auch wenn das Ergebnis schon
grob feststeht: Zentralisierung und Verlagerung ins Ausland lassen
grüßen. Keine Perspektive, Suff, Geisterorte, Liebäugeln
mit dem Letzten, - wie 1933.
CCR
9.Juni
2005: Hartz-IV
wird immer klebriger. Ein gewaltiges Millardenloch droht beim Arbeitslosengeld
II. Bis Ende Mai wurden bereits 10 Millarden Euro dafür ausgegeben,
obwohl für das Gesamtjahr nur 14,6 Millarden veranschlagt wurden.
Damit sind nach 5 Monaten bereits 2 Drittel des vorgesehenen Geldes
ausgegeben. Wolfgang "Schmolllippe" Clement wird wieder
schöne Worte finden, da kann man sicher sein.
Ich frage mich, wie Herrn Peter Hartz, der seinen Namen hergab, letztendlich
für eine Totgeburt, mittlerweile zu Mute ist. Es bleibt doch
nur Zorn übrig für sein Werk. Soll mir doch keiner erzählen,
es bräuchte Zeit bis die Sache wirkt. Sie kann gar nicht wirken,
weil sie auf unlogischen Annahmen beruht. Hartz IV ist der
deutlichste Beweis für die unüberbietbare Inkompetenz ihrer
Verfechter. Wenn in unserem Wirtschaftssystem einfach keine Arbeit
für Menschen da ist, kann man so viel umverteilen, kann man so
viel Druck ausüben wie man will, es werden keine sinnvolle, neue
Arbeitsplätze entstehen. Der Fehler liegt im System; doch
dieses darf nicht angetastet werden.
So ging die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
in den letzten 3 Jahren um fast 1,5 Millionen zurück, mit entsprechenden
Folgen für die Sozialkassen. Die "Personal-Service-Agenturen",
veranschlagt für 700.000 neue Arbeitsplätze, vermittelten
gut 20.000 Menschen. Wieviele davon jetzt noch übrig sind, weiß
kein Schwein. Die "Ich-AGs", auch auf Sand gebaut, waren
immerhin gut dafür, kurzzeitig Geld vom Staat zu kriegen. Für
die versprochenen 1 Million neuen Selbstständigen wären
auch die gleiche Zahl erfolgversprechender Geschäftsideen notwendig
gewesen. Doch, wie gesagt, das System darf nicht angetastet werden;
und in dem ist menschliche Arbeitskraft gegenwärtig so nachgefragt,
wie die von Ochsen zum Pflügen. Von den gut 200.000 gegründeten
"Ich-AGs" sind ein Großteil so auch wieder in sich
zusammengefallen. - Zu viel Hefe, zu wenig Teig-. Ebenso ist der "Job-Floater"-Versuchsballon
abgestürzt, die Investitionen blieben oben in alle Winde.
Ob cduspdgrünefdppdswasgetc, nirgendwo ist derzeit der
richtige Ansatz erkennbar. Die frühere Diskussion um die Maschinensteuer
war wegen ideologischer Einseitigkeiten gescheitert. Ihr Ansatz bleibt
jedoch bis heute aktuell. Unter den Bedingungen einer Kategorischen
Marktwirtschaft muss die Externalisierung sozialer und ökologischer
Kosten des direkten Konkurrenten der menschlichen Arbeitskraft, nämlich
des Einsatzes von Maschinen, Anlagen und Transportmitteln voll in
Rechnung gestellt werden. Die Subventionierung von Menschenkraft,
PSAs, IchAGs, zinsarme Kredite, die Beraubung älterer Arbeitsloser,
die 30 Jahre gearbeitet und eingezahlt haben, wird überflüssig,
die meisten Importe, Auslagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohngebiete,
Spekulantenunwesen und Kapitalkonzentrationen werden unrentabel etc.,
kurz gesagt, die Gesellschaft könnte gesunden.
- Doch leider: Dummheit erkennt sich nicht selbst!
CCR
8.Juni
2005: Kurze
Meldung mit Foto in der Zeitung:
In Berlin
haben uniformierte Erfüllungsgehilfen wieder Wohnungen geräumt,
60 Menschen, davon zehn Kinder. Eigentlich wollten die Leute das von
Ihnen seit 16 Jahren gemietete Haus kaufen. Doch die Bank veräußerte
es lieber an einen Privatinvestor, der nun die doppelte Miete verlangt
und welche die Mieter nicht zahlen wollen. - Das ist, ungeschminkt
dargestellt, praktische Sozial-, Familien- und Kinderpolitik in Deutschland.
- Streng nach dem
Motto: Mehr Profit durch Externalisierung sozialer Folgekosten und
Abwälzung auf die Allgemeinheit.
Und noch ein Artikel
vom Vortag: Die deutsche Industrie hat im Vormonat deutlich weniger
Aufträge aus dem Ausland erhalten. Der Rückgang bei den
Invstitionsgütern war dabei besonders stark. Wohin dieses Jojospiel
letztendlich führt, mal gute Exportzahlen, mal schlechte, wird
immer deutlicher: Das berühmte letzte Standbein der deutschen
Wirtschaft leidet unter Muskelschwund.
Würde unsere herrschende Kaste mit Weitblick ausgestattet sein,
könnte sie folgendes feststellen:
Bald haben die Investoren außerhalb unseres Landes alle Investitionsgüter,
Maschinen und Anlagen, beisammen, um jegliche Kunsumgüter und
am Ende auch die zukünftigen Investitionsgüter sonstwo produzieren
zu können. Neben der Industriespionage, der Übernahme und
anschließender Ausschlachtung unserer Betriebe, ist dies die
dritte blutende Wunde, aus welcher absehbar der letzte Lebenssaft
den Körper unserer Industriegesellschaft verlässt.
Was merken wir?: Ob das sogenannte Wirtschaftswachstum nun durch die
Bevorzugung der Interessen von Wohnungsspekulanten vor denen der Bevölkerung,
oder ob es durch den spärlicher werdenden Verkauf der eigenen
Substanz der Industrie gesteigert wird, wir sind zu Kannibalen
unseres eigenen Fleisches geworden, nähren unsere letzten
Zuckungen vom Bewegungsapparat, von den Muskeln und von der Gehirnmasse
unserer nationalen Gemeinschaft bis, - ja bis zum Ende; oder bis zur
Erkenntnis, dass Wirtschaftswachstum nach üblichem Verständnis
nicht die Messzahl unseres Erfolgs, sondern nur das Ticken an der
Bombe zu unserer letztendlichen, eigenen Implosion sein kann. Nun
ja, unter Westermerkel wird alles besser. - Nur, für wen?
CCR
7.Juni
2005:
Leider habe ich am Sonntag das philosophische Quartett verpasst. Rene
meint, Sloterdijk wäre mal wieder Spitze gewesen, seine Gäste
nicht minder. Es ging um das Elend der deutschen Schule.
Wie ich da ein Lied singen kann, als Vater von drei hellwachen Jungs.
Seit nunmehr 27 Jahren habe ich die Seuche hinter mir, und es hat
sich bis heute nichts geändert: Pädagogische Dilletanten
herrschen über unseren Nachwuchs, weitgehend unangefochten. Die
Grundschullehrerin unseres Jüngsten, eine emotionale Schlaftablette,
kam nie mit seiner Schlauheit zurecht. Von wegen Fördern, ständig
wurde der Kleine ausgebremst, zurückgezerrt in den Kreis der
Durchschnittlichen. Er langweilte sich zu Tode, machte natürlich
seine Sprüche, erntete Strafarbeiten.
Ich erinnere mich noch gut an die "erzieherischen Gespräche".
Auf der einen Seite meine Frau und ich, gegenüber dieses Frauentrio
über 50, deren größte Sorge die Störung ihres
allmorgendlichen Arbeitsablaufs war. Was hielt die Direktorin sich
für ach so liberal, weil sie dem Bub erlaubt hatten, im Kunstunterricht
eben nicht diesen an alle verteilten Schwarzweißvordruck eines
Schuhs mit Buntstiften ausmalen zu müssen, sondern seinen Protesten
nachgaben, einen eigenen Schuh ohne Vorgabe aufs Blatt zu bringen.
Und dann auch noch, welche Gnade, diesen Schuh im Gang an die Wand
pinnten,-es fehlte noch, sich gegenseitig auf die gepolsterten Schultern
zu klopfen.
Sie hatten ihn nicht auf die Abschlussfahrt mitfahren lassen, diese
beamteten Seelenverheizer, nur weil er sich gewehrt hat gegen eine
herbe Eskapade seiner Klassenlehrerin. Es war an Fastnacht, der Bub
hatte das originellste Kostüm, Räuber Hotzenplotz, Kleider
von meiner Frau, sieben Messer und einen Säbel von mir, hergestellt
aus alten, dicken Lederriemen und Schäften aus Holz. Wie stolz
war er an diesem Morgen aus dem Haus gegangen, schwarzer Bart, spitzer
Hut, im Gürtel um sich herum die Lederwaffen. Bis er dann irgendwann
in der Schule sein Geld verloren hatte und keiner sein Leid anhören
wollte. "Reg dich nicht so auf", hieß es. Keine Mamma
zum trösten, kein Papa in der Nähe, der ihn anhörte.
"Reg dich nicht so auf", bis dann der Fotograf erschien,
der Bub sich aus Protest weigerte, auf Bild zu kommen, sich nicht
aufstellen wollte, die Lehrerin sein Kostüm aber brauchte für
das Foto, vielleicht eher für sich selbst, meinte, ihn mit Gewalt
ins Bild halten zu müssen, er ihr herunterfiel, sie ihn von hinten
erneut packte, sie grinsend, er schreiend, nicht erfahren im Spühren
von solcher Gewalt reflexartig sein Lederschwert nach hinten schwang
und die Frau an der Stirn traf, noch im Beisein von zwei kopfschüttelnden
Müttern, die mir erzählten, deren Dabeisein im späteren
Gespräch durch die Direktorin untersagt wurde. Zum Kotzen!!!
Die Frau Schuldirektor ging dann ab wie ein Zäpfchen, als ich
die pädagogischen Fähigkeiten in Frage stellte. -- Gerächt
haben wir uns im Kleinen: Während die Anderen auf drei Tagen
Klassenfahrt, drei Tage Schneckenzeit, drei Tage lang diese Frau und
die Jugendherberge ertrugen, fuhr ich mit dem Bub nach Frankfurt in
den Zoo, Staunen, Eis essen, Spielen, Streicheln, Rennen, Bummeln,
statt ihn in die Schule zu stecken.
Den Brief
an die Schulrätin habe ich nie abgeschickt.
Nur einen einzigen Grundschullehrer habe ich erlebt, den hatte mein
Ältester vor 12 Jahren, ein begnadeter Künstler in Kinderpädagogik,
konnte selbst die Schwierigsten motivieren, tat das Richtige aus dem
Handgelenk, fand, dass die meisten seiner Kolleginnen besser hätten
Verkäuferinnen werden sollen, ließ sich versetzen um woanders
Schuldirektor zu sein, bis er schließlich an den Fesseln des
Lehrplans und der Kultusfuzzis fast verzweifelte. - Was er heute macht,
weiß ich nicht, nur dass er läuft, Halbmaraton, um nicht
zu verfaulen in diesem System der vollfassadierten Bildungswüste.
Ihn hätte ich mir als Bundeskultusminister für Grundschulen
gewünscht.
Das wichtigste Zitat, welches das ganze Drama unseres Bildungssystems
entblößt, die Inkompetenz der Politik, die Ignoranz der
meisten Lehrer, die Gleichgültigkeit der meisten Eltern, die
elenden Beinflussungsversuche der Wirtschaft, der Verlust und die
Verschleuderung wertvoller Potentiale für unsere Gesellschaft
und vor allem das alltägliche Leid unseres Nachwuchses in den
Lehranstalten lautet: "Kinder sind nicht Fässer die gefüllt.
sondern Feuer, die entfacht werden wollen"( Francois Rabelais).
CCR
6.Juni
2005: Habe trotz verordneter Abstinenz wieder Christiansen
angeschaut. Diese Frau wird es nie lernen, lädt immer die
falschen Leute ein, stellt immer die gleichen Fragen.
Gysi, frisch von der Intensivstation, aber in alter Souveränität.
Wieso bekam ich bei jedem der kleinen Wortgfechte Angst um sein Herz?
Mensch Gregor, reg dich nicht auf. Der Merz ist dein Bruder, wenn
er auch auf der Gegenseite steht und weniger Inhalt outputtet. Immerhin
hat der das beste Darstellungsvermögen unter allen Unionskandidaten,
wird wegen seiner Bierdeckelnummer sogar als Steuer- und Wirtschaftsexperte
bezeichnet.
Clement der Unsägliche. Mir ist es ein Rätsel, wie der,
permanent in der Defensive, morgens noch Lust zum Aufstehen findet.
Wahrscheinlich hat er gleich um sechsuhrdreißig seinen Termin
beim Darstellungsberater.
Und dann der obligatorische Mann der Industrie, Siemens von Pierer.
Will auch sagen, wie es ihm geht, dass er statt 80 Stunden nur noch
50 arbeitet, -wie ehrbar und deutschfleißig-. Bringt doch tatsächlich
den gleichen Patriotenschwank, wie kürzlich Ackerman im Spiegel,
dass man ja auch stolz sein könne, noch eine Großbank im
globalen Wettbewerb zu haben. Deutsche Bank für Deutschland.
Ackermann hält die schwarzrotgoldne Fahne hoch, wo doch unsre
Fußballnationalmannschaft seit Jahren in der Peinlichkeit dümpelt,
Schumi von Reifen- und Motorproblemen geplagt wird, und auch im Tennis,
Eishochey und Leichtathletik kein Grund zur Schwellung der deutschen
Brust aufkommt. ---Schlaf weiter Sabine!!!---
CCR
5.Juni
2005: Werde nicht nach Bad Honnef fahren, wo wieder eine Partei
gegründet werden soll. Erstens habe ich keinen Pflegeersatz
für den alten Herrn aufgetrieben, und dies wieder meinen Söhnen
aufs Auge drücken,- nee, die sollen ihr Wochenende haben. Und
Zweitens ist die Direktkandidatenidee etwas weniger aussichtslos.
Lieber wieder ins Bett und Kuscheln;- so werd ich nie Bundeskanzler.
CCR
4.Juni
2005: Zeitungsartikel in der Rheinzeitung:"Dick sein ist
teuer" - Auf dem 14ten europäischen Kongress über
Fettleibigkeit in Athen wurde festgestellt: Die Folgen von Fettleibigkeit
kosten die Gesundheitsbehörden weltweit mindestens ebenso viel
wie die Behandlung von Alkoholikern und Rauchern. "In dem Maße,
in dem Fettleibigkeit überhand nimmt, steigen die Kosten für
das Gesundheitswesen" warnten die Experten. In Europa sind nach
Schätzungen 10 bis 20 Prozent der Männer und 10 bis 25 Prozent
der Frauen fettleibig. In den USA wurden 2003 insgesamt 96,7 Millarden
Dollar zur Behandlung der gesundheitlichen Folgen von Fettleibigkeit
ausgegeben.
Ein anderer Bericht spricht davon, dass mittlerweile 30 % unserer
Gesundheitsausgaben für die Diabetesbehandlungen draufgehen.
Letzte Woche noch las ich beim Recherchieren Zahlen, die obige Meldung
vervollständigen:
Im
Schnitt stehen pro Kopf der Weltbevölkerung 308 kg Getreide zur
Verfügung (vgl. Brown 2001, 106). In unterentwickelten
Staaten wird sehr wenig Getreide verfüttert in Indien
4%, in China 27%, in den USA werden hingegen gar 68%. Nach Angaben
des World Watch Instituts werden auf der Welt etwa 1,2 Milliarden
Tonnen der Getreideernte direkt verzehrt, die übrigen 660 Millionen
Tonnen werden indirekt in Form von Fleisch und Produkten aus Aquakulturen
konsumiert. Dabei wirdAufgrund der immensen Fleischnachfrage verbrauchen
die Industriestaaten mit einem Viertel der Weltbevölkerung drei
Viertel der gesamten agrarischen Produktion. Die Folge: Den 800 Millionen
hungernden Menschen stehen 1,2 Milliarden Übergewichtige gegenüber
(vgl. Sopper et al. 2000, 6)!
Durch eine Reduzierung des Fleischkonsums, durch den Umstieg auf Biolandbau
und durch die Bevorzugung regionaler und saisonaler Produkte könnten
bis zu 50% des Primärenergieeinsatzes und der CO2-Äquivalente
eingespart werden . Der energetische Vergleich zwischen einem Fleischlaibchen
und einem Getreidelaibchen (je 250 g) verdeutlicht dieses Faktum:
Die Emissionen des Fleischlaibchens liegen bei 796 Gramm CO2-Äquivalenten
jene des Getreidelaibchens hingegen bei nur 63 Gramm. Isst
man also ein Fleischlaibchen, verursacht man eine fast 13- mal stärkere
Klimabelastung als beim Verzehr eines Getreidelaibchens.(Aus 'Natur
und Kultur: Transdisziplinäre Zeitschrift für ökologische
Nachhaltigkeit', Ausgabe 2/2 (2001), Seiten 60-81. www.natur-kultur.at)
Was
sagt unsere deutsche, überparteiliche Doppelkinnfraktion (-ist
das schon diskriminierend?-)dazu? -Nun ja, für Antworten ist
schließlich Feigenblattministerin Frau Künast zuständig.
Was sagt RestmuellNet?: Dick sein schädigt nicht nur unsere
Volkswirtschaft sondern auch die Lebensgrundlagen der nachfolgenden
Generationen!
Was wäre mit dem Problem innerhalb der Kategorischen Marktwirtschaft?:
Durch Integration der gegenwärtig externalisierten gesellschaftlichen
Folgekosten in den Preis aller Lebensmittel (siehe auch im Teil 2
Kapitel 8)E)), käme das Problem gar nicht auf. Die Bevölkerung
würde sich gesünder ernähren, der Lebensmittelmangel
in der Welt würde reduziert, das Klima geschont.
CCR
3.Juni
2005: Habe interessante Website gefunden: www.williweise.de,
eine Initiative des Kuratoriums Neue Demokratie in Berlin.
In den 300 Wahlkreisen Deutschlands sollen 300 parteilose Einzelkandidaten
aufgestellt werden. Textausschnitt:
"Wer oder was ist Willi Weise?
Willi
Weise sehen und verstehen.
Willi Weise - das bist du und das bin ich. Das sind wir, wir die Werteschaffenden
- und wir die im Stich Gelassenen.
Willi Weise - ist Symbol, Banner, Etikett, Lichtstrahl, Sympathieträger,
Wächter, Held, Wegbahner nach Berlin.
Willi Weise ist Hoffnungsträger von 80 Millionen Deutschen, die
fleissig Werte schaffen, aber keinen Einfluss besitzen - verglichen
mit den 100.000 unter uns, die jedes Jahr 360 Milliarden Euro Geld-Ernte
einfahren.
Von den Parteien kam über Jahrzehnte keine Hilfe für die
Mehrheit. (Im Gegenteil: Parteiführer gehen bei den Geld-Erntern
ein und aus.)
Deshalb kommt jetzt Willi Weise und richtet es.
Keine Programme, keine Reden, sondern Willi. Auf hunderttausend Fahnen
soll stehen: "Wir wollen Willi". "Willi weiss was wir
wollen". 100.000 mal: "Ich heisse Willi". Demokratie
soll wieder Spaß machen - mit Willi Weise.
Ganz praktisch:
Willi Weise wird den von uns geschulten 300 Einzelkandidaten für
Berlin den Weg ebnen. Dieses Mal soll die Hälfte der Abgeordneten
tatsächlich direkt aus dem Volk kommen. Dank Willi und dank der
unermüdlichen pfiffigen - von uns geschulten - RegionalTeams
in den 300 Wahlkreisen!
Willi - das sagt alles.
Willi Weise wird all die Wünsche, Sorgen, Ideen und Hoffnungen
der Menschen auf sich vereinen. Ohne viele Worte schultert Willi Weise
die Fülle der Vorhaben der vielen aufrichtigen Initiativen für
mehr direkte Demokratie.
Und: Willi hat 80 Millionen Sympathisanten."
CCR
2.Juni
2005: Was für ein Blues: Nichts geschafft gekriegt.
Fast 4 Stunden den alten Herrn versorgt. Die Urlaubsvertretung für
die gewohnte Frau vom Pflegedienstes nervt tierisch. Erzählt
mir pausenlos von Privatproblemen. Keinen Sinn für einen politischen
Eintrag heute.
CCR
1.Juni
2005: Gestern in der Rheinzeitung: Brüderle-Interview
- FDP-Bundesvize und rheinland-pfälzischer Ex-Weinköniginnenküsser
in alter Manier: "Steuerpolitik
ist Freiheitspolitik", was
immer das auch heißen mag.
"Die FDP hat die Oppositionszeit für eine programmatische
Erneuerung und Vertiefung genutzt". Dann
lasst mal sehen.
RestmuellNet sagt: Freiheit allen Unternehmern nur dann, wenn jegliche
Möglichkeit zur Externalisierung von sozialen und ökologischen
Kosten in Produktion
und Dienstleistung
ausgeschlossen
ist. Leistungsträger sind Unternehmer nur dann, wenn sie unter
den Bedingungen der Kategorischen Marktwirtschaft und nicht auf Kosten
Dritter Gewinne machen.
CCR
31.Mai
2005: Danke
ihr Franzosen. Das Plädoyer in der europäischen Verfassung
für die Marktwirtschaft wäre ja nicht so tragisch, verbürge
sich dahinter nicht ein trojanisches Pferd. Auch wenn alle davon reden,
Wirtschaftswissenschaftler, Politiker, Unternehmer und Journalisten,
die Marktwirtschaft existiert nicht. Mit diesem Schein wird uns nichts
anderes verkauft als die kapitalistische Planwirtschaft. Über
wirkliche Marktwirtschaft, also kategorische Marktwirtschaft siehe
Teil 2, Kapitel 8.
CCR
30.Mai
2005: Ein
Zeitungsartikel vom letzten Monat geht mir nicht aus dem Kopf.
Auf einer Mitgliederversammlung des Bauern- und Winzerverbandes sprach
der Kreisvorsitzende davon, dass es bei den heutigen Getreidepreisen
lukrativer sei, das Getreide zu verbrennen, statt es
zu verkaufen. Die Recherche im Internet liefert dazu eindeutige Berechnungen.
12,5 kg Getreide, Preis 1,-Euro, haben den gleichen Heizwert wie 5
Liter Heizöl für mehr als 2,- Euro, oder auch 10 kg Holzpellets
für 1,80 Euro. Es werden schon spezielle Öfen für die
Getreideverbrennung angeboten. Ökonomisch betrachtet scheint
die Sache sinnvoll zu sein
Das mulmige Gefühl darüber, dass immerhin Nahrungsmittel
verbrannt werden, obwohl über 800 Millionen Menschen auf der
Erde Hunger leiden, spiegelt sich in heftigen und sehr kontroversen
Debatten wieder
Ein Landesbischof bemüht Martin Luther für eine überaus
weitschweifige Auslegung von "täglich Brot", so dass
auch Wärme darunter fällt. Brot sei für Luther "ein
Symbol für die Grundbedingungen, damit das Leben sich entfalten
und entwickeln kann". Schweren Herzens wird der Getreideverbrennung
zugestimmt, weil sie die Emission von CO2 aus fossilen Energieträgern
reduziert und angeblich ja nur anfallendes Restgetreide und minderwertige
Qualitäten zum Heizen verwandt werden, die bisher anderweitig
entsorgt wurden.
In der Rechnung oben wird allerdings der Preis für Brotgetreide
hergenommen. Ein Bauer, der sein Getreide als Nahrungsmittel verkauft,
muss tatsächlich erhebliche Einbußen hinnehmen. Wenn er
sein Korn verbrennt und somit Heizöl einspart, macht er einen
deutlichen Gewinn. Dem steht lediglich das in einigen Bundesländern
herrschende Verbot der Verbrennung von Brotgetreide gegenüber.
Im Ernstfall wird es für einige Produzenten aber leicht sein,
aus Brotgetreide minderwertige Qualität werden zu lassen.
Führt man diese Entwicklung gedanklich bis in die Zukunft fort,
könnte es bei gleichzeitiger Einsparung großer Mengen Heizöl
und Reduzierung der damit verbundenen Treibhausgase irgendwann zu
einem Mangel an Getreide kommen.
Um eine objektive Beurteilung zu bekommen, muss die Diskussion
möglichst umfassend geführt werden, sozusagen unter den
Bedingungen einer Kategorischen Marktwirtschaft.
Betrachtet man die Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller
Landwirtschaft, oder anders ausgedrückt zwischen der Form von
Landwirtschaft, die sehr wenig Kosten auf die Allgemeinheit und die
nachfolgenden Generationen abwälzt und der Form, bei welcher
die Externalisierung von ökologischen und sozialen Kosten den
wichtigsten Produktionsfaktor darstellt, wird Folgendes deutlich:
Die Mehrerträge in der zweiten Form sind ausschließlich
auf den Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger zurückzuführen.
Der vollständige Energieeinsatz für die Herstellung dieser
Stoffe (z.B. für die Produktion eines Kilogramms Düngestickstoff
werden 1.5 Liter Heizöl verbraucht) liegt höher, als der
Energiegehalt des damit gewonnenen Mehrertrags. Durch die Umstellung
auf ökologischen Landbau ließen sich weit mehr Treibhausgase
einsparen, als durch Ersatz des Brennstoffs Heizöl durch die
Verbrennung von Getreide.
Die Umstellung würde die Getreideüberschüsse in der
EG verschwinden lassen (etwa 25 % der Gesamternte), da im ökologischen
Landbau die ha-Erträge geringer sind ( um etwa 30 %). Durch Wiederbewirtschaftung
stillgelegter Flächen wird die versorgung vollständig gesichert.
Die Getreidepreise würden um etwa 100 % steigen, weil ökologischer
Anbau sehr viel arbeitsintensiver ist als konventioneller Anbau, womit
wir mit dem Getreidepreis schon gleichauf mit dem Heizölpreis
lägen.
Ab hier wäre die Getreideverbrennung schon kein Thema mehr. Zwar
würde rechnerisch durch Verfünffachung des Ölpreises
(Einberechnung der bisher externalisierten Kosten in den Endpreis,(-
Siehe Kapitel 7) und 8)) wieder ein deutlicher Preisunterschied entstehen.
Doch die regenerativen Energien, durch geringere Internalisierungsaufschläge
belastet, würden Mineralöl als Brennstoff bald voll ersetzen.
Dieses könnte dann seiner edelsten Form der Nutzung, der Kunststoffproduktion,
vorbehalten bleiben und noch tausend Jahre zur Verfügung stehen.
Die Weltmarktpreise für Getreide würden ebenfalls steigen,
je nach dem, wie viele Staaten ebenfalls die Kategorische Marktwirtschaft,
also flächendeckende ökologische Bewirtschaftung einführten
und keine Überschüsse mehr produzierten. Die regionalen
Nahrungsmittelmärkte in Ländern der sogenannten "Dritten
Welt" verlören den ärgsten Konkurrenten und könnten
sich vernünftig entwickeln. Deren Beeinträchtigung durch
Import von subventioniertem Billiggetreide aus Industrieländern,
ist, mit der Maßgabe der Kategorischen Marktwirtschaft betrachtet
nichts anderes, als die Externalisierung von gewaltigen sozialen Kosten
vor Ort, neben der von ökologischen Kosten hauptsächlich
durch den Transport.
Futtermittelimporte aus armen Ländern würden durch Internalisierung
von sozialen Kosten und ökologischer Kosten bei Anbau und Transport
unrentabel. Die fernen Ackerflächen blieben der Nahrungsmittelversorgung
der dortigen Bevölkerung vorbehalten.
Die Viehhaltung und Fleischproduktion in Deutschland ginge zurück.
Durch Internalisierung von gesellschaftlichen Kosten in die Fleischpreise,
in erster Linie Aufschläge für die Behandlung von Folgeerkrankungen
der Fettsucht (z.B. Diabetes), -Entlastung des Gesundheitssystems
und gleichzeitig Verminderung der Ursachen von Fettsucht-, währen
weit weniger Futtermittel nötig. Diese könnten, wie im ökologischen
Landbau die Regel, vor Ort geerntet werden.
Wären dann immer noch größere Mengen von minderqualitativem
Getreide übrig, könnte man noch einmal neu über die
energetische Verwertung desselben nachdenken. Neben der Verbrennung
käme auch noch die Produktion von Bioalkohol oder die Vergärung
in Biogasanlagen in Betracht.
Abschließend ist festzustellen: Unter den Bedingungen einer
Kategorischen Marktwirtschaft wird die Frage, ob Getreide allgemein
als Brennstoff eingesetzt werden darf, ebenso verneint, wie es dies
auch unser ethisches Gewissen tut.
CCR
29.Mai
2005: Der im aktuellen Greenpeace-Magazin 3/05 erschienene
Artikel über meinen Widerstand gegen die Müllgebühren
und die RestmuellNet-Initiative kann ab sofort unter http://www.littering.ch/modules.php?name=News&file=article&sid=123
nachgelesen werden.
CCR
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